Natur- und Wunderphänomene in den Berichten zur Zeit des Investiturstreits


Examensarbeit, 2014

53 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der vergessene Jahrhundertwinter S

2. Analyse der Werke bezüglich ihrer Berichterstattung zu Natur-und Wundervorkommnissen
2.1 Geografischer Horizont der Berichterstatter S
2.2 Phänomene am Himmel und auf Erden
2.2.1 Der Jahrhundertwinter 1076/77 S
2.2.2 Außergewöhnliche Vorkommnisse auf der Erde
2.2.2.1 Erdbeben S
2.2.2.2 Seuchen und das große Sterben S
2.2.2.3 Wunder, Mirakel und Prodigien S
2.2.3 Wetterphänomene
2.2.3.1 Das Klima zur Zeit des Investiturstreits S
2.2.3.2 Kälte, Hitze, Stürme und die Folgen S
2.2.3.3 Natur und Landwirtschaft S
2.2.3.4 Hungersnot S
2.2.4 Außergewöhnliche Vorkommnisse am Himmel
2.2.4.1 Sonnen- und Mondfinsternis S
2.2.4.2 Kometen S
2.2.4.3 Himmelszeichen S

3. Zusammenhänge zwischen Berichterstattung und Lebenswelt S

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Der vergessene Jahrhundertwinter

Für den Winter des Jahres 1076 verzeichnen die Augsburger Jahrbücher einen

„hiemis continua asperitas, et nivium importunitas a Kalendis Novembris usque post Kalendas Aprilis, ita ut arbores arescerent; tanta deinde terrae frugum sterilitas, ut etiam semen deesset.“1

Auch bei Berthold von Reichenau findet sich ein Eintrag zu diesem Jahr, der starkes Schneetreiben erwähnt und dem zufolge die Flüsse Rhein und Po komplett zugefroren waren. Dieser starke Winter dauerte laut dem Benediktinermönch vom 1. November bis zum 15. März.2 Bernold von Reichenau notierte für den Winter 1076/77 vom 31. Oktober bis zum 26. Mai sehr viel Schnee im ganzen Königreich.3 Auch beim Chronisten Lampert von Hersfeld wird ausführlich über diesen bemerkenswerten Winter berichtet.4 Dahingegen wird in den Chroniken von Frutolf von Michelsberg und Ekkehard von Aura und auch in Bruno von Merseburgs Werk „Bellum Saxonicum“ und der „Vita Heinrici IV. imperatoris“ eines anonymen Autors kein Wort über diesen, auch wissenschaftlich belegten, Ausnahmewinter verloren.

Es stellt sich nun die Frage, wodurch die Autoren dieser Werke bei der Rezeption und Berichterstattung des Wetters beeinflusst wurden, also warum für vier von ihnen der Winter außergewöhnlich und berichtenswert war, für vier weitere hingegen nicht einmal erwähnenswert. Zunächst ist es allerdings unumgänglich, einen genaueren Blick auf die einzelnen Autoren und ihr Werk zu werfen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung1: Das Deutsche

Reich unter den fränkischen (salischen) Kaisern von 1024-1125.

Beginnen wir von Norden nach Süden mit dem am nördlichsten behei-mateten Vertreter, Bruno von Merseburg oder auch Magdeburg. Zeitweise hatte man seinem Werk „Saxonicum Bellum“, also „Sachsenkrieg“, jeglichen Quellenwert abgesprochen.5 Brunos Werk ist derart subjektiv und von Hass auf Heinrich IV. geprägt, dass dies auch nicht weiter verwundert. Von großem Wert sind allerdings unbestritten die von Bruno über-nommenen Briefe, die nur durch ihn erhalten wurden.6 Er war wohl in der bischöflichen Kanzlei tätig und hatte so Zugriff auf die Korrespondenzen höherer Kirchenmitglieder bis hin zu Papst Gregor. Zunächst hatte er sich vermutlich im Umkreis von Erzbischof Werner von Magdeburg aufgehalten, der am sächsischen Aufstand gegen Heinrich IV. beteiligt gewesen war. Nach dessen Tod schloss er sich wohl dem Bischof Werner von Merseburg an, dem er sein Werk später auch widmete.7 Im „Sachsenkrieg“ beschreibt Bruno, nach einem Überblick über die Jugendjahre Heinrichs IV., den Krieg von 1073 bis zur Weihe Hermanns am 26.12.1081. Die Fertigstellung des Werkes lässt sich nur grob auf den Zeitraum von 1082, also dem letzten Bericht und dem Tod von Werner von Merseburgs 1093, dem er das Buch ja noch lebend überreichte, einschränken.8

Etwas weiter südlich von Merseburg befindet sich Hersfeld, wo der Benediktiner Lampert zu verorten ist. Er verfasste sein Hauptwerk, die „Annalen“, zwischen 1077 und 1080.9 Sie beginnen mit der Entstehung der Welt, aber erst 1040 bestehen sie aus Lamperts eigenen Aufzeichnungen.10 Seit 1058 war er Mönch und Priester in Hersfeld, mit seinen Mitbrüdern verband ihn allerdings kein gutes Verhältnis. Diese zählten sich zur treuen Anhängerschaft Heinrichs IV., wohingegen Lampert klar auf Seiten der Kirche stand. In der Forschung kam mehrfach die These auf, Lampert hätte die Annalen nur geschrieben, um seine Mitbrüder davon zu überzeugen, dass Rudolf von Rheinfelden der bessere König wäre.11 Noch bis ins 19. Jahrhundert war die Wissenschaft auch davon ausgegangen, dass Lampert ein objektiver und parteiloser Berichterstatter seiner Zeit war, doch es häuften sich Stimmen, die ihm Tendenzschreiberei und auch Unwahrheit vorwarfen: er verstecke sich nur unter dem Mäntelchen der Unparteilichkeit, um geschickt für die Kirche und den Gegenkönig Rudolf werben zu können.12 Die aktuelle Forschungsmeinung hierzu, dass Lampert die Annalen keineswegs nur schrieb, um die Klosterbrüder von Hersfeld zu beeinflussen. Allerdings wurde seine Glaubwürdigkeit durch bewiesene Unwahrheiten und die Verbreitung von unbelegtem “Klatsch” erschüttert und seine Werke sind mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.13

Ungefähr 150 km weiter südlich liegt Bamberg, in dessen Umkreis sich Frutolf von Michelsberg und Ekkehard von Aura aufhielten. Frutolf von Michelsberg ist der Autor einer Weltchronik, an der er in den Jahren 1098 bis 1101, wahrscheinlich seinem Todesjahr, arbeitete. Sein Hauptwerk beginnt der Prior des Bamberger Klosters Michelsberg mit der Erschaffung der Welt und es zeichnet sich durch großes Wissen und eine breite Quellengrundlage aus.14 Er war kirchentreu, allerdings hielt er die Investitur durch Heinrich IV. auch für rechtmäßig. Er stützt sich auf ein außergewöhnlich breites Quellenspektrum, mit dem er sich, ungewöhnlich für diese Zeit, auch kritisch auseinandersetzt und vorhandene Widersprüche aufzeigt.15

1105, also einige Jahre nach Frutolfs Tod, wurde Ekkehard von Aura ins Kloster Michelsberg gesandt, um die Chronik Frutolfs weiterzuführen. Der wohl aus Rheinfranken stammende Geistliche hatte 1101 am Kreuzzug teilgenommen und war nach seiner Rückkehr dem Tegernseer Kloster beigetreten.16 1104 nahm er an einer Synode Heinrichs V. teil, die dieser abhielt, um mit bayerischen und sächsischen Anhängern ein Bündnis gegen seinen Vater Heinrich IV. zu schließen. Die Reformgesinnung Heinrichs V. und dessen religiöse Haltung hatten Ekkehard wohl überzeugt, sich ihm zumindest bis 1105 persönlich anzuschließen. Sein Aufstieg zum Abt des neu gegründeten Klosters Aura und seine Teilnahme an einer Gesandtschaft an der Seite von Bischof Otto erwecken den Anschein, dass sich Heinrich V. auch persönlich für die „Karriere“ Ekkehards einsetzte.17 Aus Briefen geht hervor, dass er Heinrich V. spätestens 1107 ein Exemplar der zweiten Fassung der Chronik von Frutolf, inklusive seiner Fortsetzung derer, zukommen ließ. Im Laufe der Jahre fertigte Ekkehard noch drei weitere Rezensionen dieses Werkes an.18 Ab 1098 beginnen somit Ekkehards eigene Aufzeichnungen, die die Jahre bis 1125 festhalten.19 Nach heutigem Wissenstand baute er seine Arbeit auf dem Werk Frutolfs auf, nahm aber dabei einige Änderungen am Original-Manuskript vor und änderte auch den Schluss.20 Ekkehard von Aura war ein Anhänger des Papstes aber Heinrich IV. gegenüber nicht wirklich feindlich eingestellt.

Weitere 400 km südlich befindet sich Augsburg. Die Augsburger Jahrbücher beschreiben die Jahre 973 bis 1104. Sie entstanden aus vereinzelten Notizen verschiedener Domherren und wurden erst nach 1104 zusammengestellt. Daher sind spätere Veränderungen der ursprünglichen Notizen nicht zu unterschätzen.21 Augsburg gilt als eine der königstreuesten Städte innerhalb Schwabens und als Mittelpunkt der Anhängerschaft Heinrichs.22 So verwundert es auch nicht, dass sich die Autoren dem Kaiser gegenüber sehr wohlwollend ausdrücken und Heinrichs Gegner ablehnen.23

An der südlichen Grenze des heutigen Deutschlands sind Berthold von Reichenau und Bernold von Konstanz zu verorten. Die Bertholdchronik reicht vom Jahr 1054 bis ins Jahr 1080. Autor ist der Benediktinermönch Berthold von Reichenau, ein ehemaliger Schüler des berühmten Chronisten Hermann des Lahmen von Reichenau, der 1054 starb. Bertholds Chronik schließt also noch im Todesjahr seines Lehrers an dessen Chronik an.24 Sie sorgte in der Wissenschaft längere Zeit für Verwirrung, da sie sich erheblich von Bertholds Überarbeitung von 1066 unterschied. Inhaltlich ähneln sich beide Werke stark, die erste Fassung war jedoch eher königstreu gestaltet, wohingegen die zweite Fassung absolut pro-gregorianisch und parteiisch ist. Daher zogen beispielsweise Bresslau und Meyer-Knonau den Schluss, dass es sich hier um zwei Verfasser handeln müsse. Bernhard Schmeidler und Franz-Josef Schmale lieferten allerdings im 20. Jahrhundert mit ihren Arbeiten den Beweis, dass es sich um ein und den selben Verfasser handeln musste, der lediglich seine Meinung geändert hatte.25 Berthold preist die Leistungen Rudolfs und Gregors26 in höchsten Tönen und malt die angeblichen Verfehlungen Heinrichs27 und seiner Gefolgschaft im schwärzesten Schwarz. Seine Berichte enden mit seinem Tod im Jahre 1080, der in den Chroniken von Bernold erwähnt wird.28

Die Bernoldchronik, die sich über die Jahre 1054 bis 1100 erstreckt stammt ebenfalls von einem Benediktinermönch, von Bernold von Sankt Blasien oder auch Bernold von Konstanz.29 In frühen Schriften erscheint er als Kleriker in Konstanz, wo er die päpstlichen Reformdekrete verteidigte, auch bei der Fastensynode in Rom 1076 war er anwesend. Seine Chronik baut auf dem Werk Hermanns von Reichenau auf, an ihr führte er auch einige Veränderungen durch. Er kürzte beträchtlich und übernahm vor allem die wichtigsten Vorkommnisse, wie beispielsweise Herrscherwechsel. Aussagen über Rom und die Päpste übernahm er fast gänzlich und erweiterte sie. Bernolds Chronik ist sachlicher und nüchterner gehalten, als die Bertholds, seine pro-gregorianische Haltung wird trotzdem schnell ersichtlich.30 Auch seine Ausführungen enden mit seinem Tod im Jahre 1100.31

Das letzte Werk lässt sich geografisch nicht verorten, da der Verfasser bis heute, trotz größter Bemühungen, unbekannt ist. Lediglich lässt sich als Ziel des Briefes das Kloster Emmeram in Regensburg mit großer Wahrscheinlichkeit festlegen. Es handelt sich um die „Vita Heinrici IV. imperatoris“, eine Biographie Heinrichs IV., die in Form eines Briefes gehalten wurde.32 Kurz nach dem Tod des Königs, also wohl in den Jahren 1106/7 verfasst,33 hat sie die Gestalt einer Totenklage, die den verlorenen Herrscher beweint und die wichtigsten Stationen im Leben Heinrichs zusammenfasst. Der Autor hat bewusst versucht, jeden Hinweis auf seine Herkunft zu vermeiden, wohl, da er um Nachteile für sich als Anhänger Heinrichs nach dessen Tode fürchtete.34 Die Vita Heinrici ist aufgrund mehrerer Eigenheiten ein einmaliges Werk. Das Leitmotiv der Fortuna und die vollendete sprachliche Ausgestaltung unterscheiden sie von allen bisherigen biographischen Werken der damaligen Zeit. Die Bildung des Autors ist geprägt durch die lateinischen Klassiker, alle existierenden sprachlichen Mittel schöpfte er vollends aus.35 Die Vita beinhaltet einige Irrtümer und Verwechslungen, die wohl auf die Dichte der Ereignisse innerhalb dieses sehr gehaltvollen Werkes zurückzuführen sind, auch ist die Parteilichkeit des Autors nicht zu verneinen, dennoch liegt mit der Vita ein Werk vor, das laut Schmale der Wahrheit näher gekommen ist, als jedes andere zu seiner Zeit.36

Im Folgenden werden diese acht Werke hingehend ihrer Berichterstattung zum Wetter, Himmelszeichen und weiteren Phänomenen wie Erdbeben und Seuchen untersucht. Dabei werden nicht nur die einzelnen Berichte der Autoren verglichen, es werden auch Überlegungen zu möglichen Deutungen und Zusammenhänge zu damals gegenwertigen Geschehnissen angestellt. Prägend ist hierbei die Frage: Wieso schrieb der Autor über dieses Phänomen, wieso schrieb er auf diese Art und Weise darüber und wieso schrieb gerade er über ein anderes Phänomen, welches die anderen Autoren mit keinem Wort erwähnen? Aufgrund dieser Betrachtung können im letzten Teil dieser Arbeit Schlüsse gezogen werden können, inwiefern es Zusammenhänge zwischen der Rezension der vorher besprochenen Phänomene und mehreren Bezugsnormen, wie der Anhängerschaft Heinrichs oder Georgs, der Heimat der Autoren oder der jeweiligen Textgattung gibt.

2. Analyse der Werke bezüglich ihrer Berichterstattung zu Natur- und Wundervorkommnissen

2.1 Geografischer Horizont der Berichterstatter

Zu Beginn der genaueren Betrachtung erscheint eine Auseinandersetzung mit dem geografischem Rahmen der Berichterstattungen der Autoren sinnvoll. Hierzu zählen nicht nur die Orte und Gebiete, über die berichtet wird, es ist auch ratsam, zu überprüfen, wann es sich um Berichte handeln könnte, die aus dem eigenen Erfahrungsschatz stammen und wann Meldungen lediglich von anderen Autoren, aus sprachlicher Überlieferung, oder auch ohne jegliche Angabe der Quelle übernommen wurden. Es werden hier in erster Linie Regionen, Städte und Länder beachtet, die in den Werken im Zusammenhang mit den Wetterverhältnissen, Himmelszeichen und anderen Umweltphänomenen genannt wurden. Man darf wohl davon ausgehen, dass es sich bei Aufzeichnungen, die ohne eine Ortsangabe gemacht werden, um solche handelt, die sich auf den näheren Umkreis des Autors beziehen, die also unter den Punkt „bei uns“ fallen, ansonsten hätte man wohl zwangsläufig einen Ort genannt.

Einen sehr weiten Berichtshorizont haben die beiden südlichsten Autoren, Bernold von Konstanz und Berthold von Reichenau. Mit einem weiten Horizont ist hier nicht die Bildung des Autors gemeint, sondern inwieweit über fremde Länder, entfernte Ortschaften oder die eigene Heimat berichtet wird. Bernold nimmt also auch auf viele Örtlichkeiten innerhalb des Deutschen Reiches Bezug, beispielsweise schrieb er bezüglich Bayern über ein großes Sterben, das auch in anderen Provinzen gewütet haben soll, jedoch nicht in diesem Ausmaß.37 Desweiteren berichtet er über Orte in Frankreich38, Basel39, Ungarn40 und Italien41. Für 1079 ist ein Aufenthalt außerhalb Deutschlands, in Rom bei der Fastensynode belegt, 1086 war er auch Augenzeuge bei der Schlacht bei Pleichfeld,42 ansonsten sind keine Auslandsaufenthalte nachzuweisen, daher baut er seine Berichte zu fremden Ländern wohl auch über Erzählungen anderer auf. Berthold von Reichenau berichtet zwar über weniger fremde Länder, im Bezug auf das Wetter nur über Italien43 und Laodicea44, er zeichnet sich allerdings durch die häufigere Verwendung deutscher Orte in seinen Berichten aus. Er erwähnt in seinen Aufzeichnungen beispielsweise Mainz45, Forchheim46 und Tribur.47 Der Mittelpunkt seiner Berichterstattung liegt in Schwaben, sein Patriotismus zeigt sich in Bezeichnungen wie „Terrae nostrae“.48 Die meisten Meldungen über Vorkommnisse außerhalb seiner Lebenswelt werden wohl durch Berichte Dritter zustande gekommen sein, da in der Literatur über Berthold nirgends ein Aufenthalt außerhalb deutscher Klöster genannt wird. Die Domherren, die für die Annales Augustani verantwortlich waren, hatten zwar auch weitläufige Meldungen vorzuweisen, jedoch können sie nicht an Bernold heranreichen. Sie berichten außerhalb Deutschlands über Ungarn49, Italien50 und die Alpenregion51, innerhalb Deutschlands häufig über Bayern und Franken, Schwaben wird selten erwähnt.52 Um zu überprüfen, inwieweit der jeweilige Autor sich selbst im Ausland befand, müssten weitere Nachforschungen gemacht werden, im Weiteren wird allerdings davon ausgegangen, dass sich die meisten internationalen Meldungen aus Aufzeichnungen anderer zusammensetzen. Ekkehard von Aura bezieht sich auf Frankreich53 und in einem Bericht zum Kreuzzug 1099 auf Antiochia54. 1101 verließ er das Deutsche Reich und schloss sich den Kreuzfahrern um Welf von Bayern an, 1102 war er an der Fastensynode in Rom beteiligt. 1106 reiste er in der Gesandtschaft Heinrichs V. erneut nach Rom. Die Berichte aus diesen Jahren zu den jeweiligen Orten sind also höchstwahrscheinlich aus erster Hand.55 Frutolf von Michelsberg erwähnt lediglich Flarchheim56, ansonsten macht er keinerlei Angaben zu Orten bei seinen Aufzeichnungen der hier besprochenen Phänomene. Man kann also unter Vorsicht davon ausgehen, dass er nur zu seinem engeren Umfeld berichtete. Je mehr er allgemein mit eigenen Quellen und Berichten arbeitet, desto mehr rückt der Fokus auf den bayerisch-fränkischen Raum zusammen.57 Lampert von Hersfeld berichtet zu deutschen Städten wie Worms und Hersfeld58 und zu Angelsachsen59, sein allgemeiner Horizont stützt sich vor allem auf Sachsen und Thüringen, die Berichte über Italien und Lothringen sind großteils fehlerhaft.60 Bruno von Merseburg schreibt, so wie es der Name des Werkes „Bellum Saxonicum“ vermuten lässt, vor allem über die Geschehnisse in Sachsen. Da die Viten keinerlei Erwähnung zum Wetter machen, erübrigt sich hier die Analyse. Der allgemeine Berichtshorizont ist allerdings sehr stark nach den politischen Geschehnissen ausgerichtet und natürlich vor allem auf den Lebensweg Heinrich IV. konzentriert.

2.2 Phänomene am Himmel und auf Erden

2.2.1 Der Jahrhundertwinter 1076/77

Wie schon in den ersten Sätzen dieser Arbeit erwähnt, geben die Augsburger Jahrbücher ausgiebig Auskunft über diesen bemerkenswerten Winter des Jahreswechsel 1076/77. Zum weiteren Verlauf des Winters ist hier auch angegeben, dass er vom 1. November bis zum 1. April dauerte und dass die Bäume erfroren.61 Unterstrichen wird die Härte des Winters zudem durch die Anmerkung, dass daraufhin ein Mangel an Saatgetreide entstand. Durch die Kenntnis der Annalen und die Einstellung der Augsburger Domherren, die eingangs schon dargelegt wurde, liegt hier der Schluss nahe, dass dieser starke Winter, mit seiner Hungersnot als Folge, als göttliche Reaktion auf das Schisma gedeutet wurde. Der Misswachs, der im Frühling folgte, könnte für das Doppelkönigtum stehen, dass die fehlende Einheit von Kirche und weltlichem Herrscher weiter zementierte.

Berthold äußert sich sehr ausführlich über das Wetter in diesem Jahr.62 Er lässt bewusst den starken Schneefall, auch in ungewöhnlichen Gebieten wie Italien, direkt nach der Versammlung der Fürsten in Tribur beginnen und gibt auch direkt an, dass der Schnee als Zeichen für ein kommendes Übel gedeutet wurde. Gleichzeitig herrschte angeblich so starke Kälte, dass einige Flüsse bis zum 15. März zufroren. Das war der Tag der Versammlung in Forchheim,63 ab hier soll es laut Berthold getaut haben. Dieser Winter gilt auch in der Wissenschaft als Jahrhundertwinter,64 allerdings ist es doch mehr als unwahrscheinlich, dass er genau vom 1. November bis zum 15. März dauerte. Die starken Schneefälle und die Kälte nutzte Berthold, um die Situation des deutschen Reiches in diesem Winter zu verdeutlichen. Der Kaiser, also Führer der weltlichen Macht, hatte sich gegen den göttlichen Stellvertreter, den Papst, aufgelehnt und wurde exkommuniziert. Gleichzeitig war das Volk nun auch führerlos, da Papst Georg auch den Bann gesprochen und Heinrich somit abgesetzt hatte. Das Deutsche Reich erstarrte nun also in Unbeweglichkeit, als wäre es zu Eis gefroren, wie die Flüsse des Landes und die Bannung des Königs lastete auf dem Volk, wie die Schneemassen dieses Winters. Auch nach Aufhebung des Bannes endete dieser Winter nicht, erst mit der Wahl Rudolfs von Rheinfelden, dem Gegenkönig an der Seite des Papstes, bricht der Frühling an. Das Volk hat wieder einen Führer und es kann sich aus Starre und Kälte lösen. Mit dem erwähnten Übel sind wohl unter anderem Doppelkönigtum und die Kämpfe innerhalb des Deutschen Reiches gemeint.65 Durch den Abschlusssatz, in dem erwähnt wird, dass der Schnee, je nach Beschaffenheit des Ortes taute, verdeutlicht Berthold, dass die Abkehr der Anhängerschaft Heinrichs mancherorts länger dauerte, man sich also erst später Rudolf anschloss, und somit die Kälte erst zu einem späteren Zeitpunkt aus diesen Gegenden wich.

Deutlich kürzer äußert sich Bernold von Konstanz.66 Wie oben schon erwähnt, zeichnet sich seine Chronik aber grundsätzlich dadurch aus, kürzer und im ersten Moment augenscheinlich sachlicher als die Bertholds gehalten zu sein. In diesem einen Satz zum Winter 1076/77 schafft es Bernold allerdings trotzdem, die selbe Aussage wie Berthold an den Leser zu vermitteln. „Sehr viel Schnee hielt das Königreich vom 31. Oktober des vorigen Jahres bis zum 26. März diesen Jahres fest“67, so ist es sehr passend in der Übersetzung von Ian Stuart Robinson tradiert. Von der Bannung Heinrichs IV. bis kurz nach der Einsetzung Rudolfs erstarrt also auch hier das deutsche Reich in der Führerlosigkeit, die auch wieder vom kalten Winter verdeutlicht wird. Lampert von Hersfeld nutzt den strengen Winter, um die Reise Heinrichs nach Italien zu dramatisieren.68

Der absolut päpstlich eingestellte Lampert beschreibt, wie Heinrich die Überquerung der Berge durch Schnee und Eis enorm erschwert wird, vielleicht auch durch eine göttliche Macht, die dem Widersacher des Papstes den Weg zu diesem erschweren will. Doch Heinrich widersetzt sich auch hier wieder dem Willen Gottes, der die Überwindung der Berge eigentlich unmöglich gemacht hat. Er heuert Führer an und überquert unter Lebensgefahr mit seiner Gruppe die Berge.69 Lampert verdeutlicht hier auch den schlechten Charakter Heinrichs nochmals, indem er zeigt, dass der König das Leben der Königin riskiert und ungerührt den Tod der meisten seiner wertvollen Pferde hin nimmt, um seinen Willen gegen den Gottes durchzusetzen.

[...]


1 Georg Heinrich Pertz (Bearb.): Annales Augustani (MGH SS 3) Hannover 1839, ad annum

1076, S.129.

2 Vgl. Ian S. Robinson (Bearb.): Bertholdi Chronica (MGH Script. rer. Germ. N.S. 14) Hannover 2002, ad annum 1076 S. 252: Hoc colloquio circa Kal. Novembris finito, ilico preter solium pregrandis nix terras undique incepit. Haec siquidem presagium et signum futurorum malorum non solum Cisalpinas partes verum, quod potius mirabile visum est, totam Longobardiam nimietate inaudita non parum stupefecit. Nimio quippe frigores congelamento Renus pariter et Eridanus, ut de fluviis caeteris taceatur, in tantum consolidati sunt, ut per longum tempus quasi per terram viam in se glacialem exhiberent cunctis itinerantibus. Sic hiemps aspera et nivosa algoris vi continuata usque in Idus Martii, scilicet at colloquio predicto usque ad colloquium quod apud Forihcheim a regni optimatibus actum est, perduravit. Ipso denique die cepit nix per omnes terrarum nostrarum partes, diversis pro qualitate locorum liquifienda lapsibus, paulatim decrescere.

3 Vgl. Ian S. Robinson (Bearb.): Bernoldi Chronica (MGH Script. rer. Germ. N.S. 14) Hannover 2002, ad annum 1077, S. 409: Maxima nix totum regnum a II. Kal. Novembris anni prioris usque in VII Kal. Aprilis anni praesentis obtinuit.

4 Vgl. Oswald Holder-Egger (Bearb.): Lamperti monachi Hersfeldensis opera (MGH Script. rer. Germ. 38) Hannover 1894, ad annum 1076, S. 284: Vis atque inclementia hyemis hoc anno adeo iugis solitoque asperior inhorruerat, ut a festivitate sanct Martini Rhenus fluvius glaciali frigore constrictus pene usque ad Kalendas Aprilis pedestri itinere transmeabilis maneret, et plerisque in locis vineta, exsiccatis frigore radicibus, omnino arescerent.

5 Vgl. Franz-Josef Schmale, Irene Schmale-Ott (Bearb.): Quellen zur Geschichte Kaiser Heinrichs IV. Die Briefe Heinrichs IV. Das Lied vom Sachsenkrieg. Brunos Sachsenkrieg (Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Bd. XII) Darmstadt 2000, S. 29.

6 Vgl. Wilhelm Wattenbach, Robert Holtzmann: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter.

Die Zeit der Sachsen und Salier. Zweiter Teil, Darmstadt 1967, S. 593

7 Vgl. Ebd., S. 591 – 592.

8 Vgl. Schmale: Quellen zu Heinrich IV, S. 28 – 29.

9 Vgl. Alfons Schmied (Bearb.): Lampert von Hersfeld. Annalen (Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Bd. XIII) Darmstadt 1057, S. XV.

10 Vgl. Ebd., S. XII.

11 Vgl. Ebd., S. X.

12 Vgl. Wattenbach: Geschichtsquellen, S. 464 – 465.

13 Vgl. Ebd., S. 468 – 470.

14 Vgl. Ebd., S. 496 – 497.

15 Vgl. Franz-Josef Schmale; Irene Schmale-Ott (Bearb.): Frutolfs und Ekkehards Chroniken und die Anonyme Kaiserchronik (Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Bd. XV) Darmstadt 10972, S. 16.

16 Vgl. Wattenbach: Geschichtsquellen, S. 500.

17 Vgl. Schmale: Frutolf und Ekkehard, S. 24.

18 Vgl. Ebd., S. 26.

19 Vgl. Ebd., S. 39.

20 Vgl. Wattenbach: Geschichtsquellen, S. 505.

21 Vgl. Georg Grandaur (Hg.): Die Jahrbücher von Augsburg, New York 1970, S.1-3.

22 Vgl. Wattenbach: Geschichtsquellen, S. 535.

23 Vgl. Christof Paulus: Vo weißen Raben und einer ungeheuren Zeit. Zu einem Epigramm der „Augsburger Jahrbücher“, in: Verein für Augsburger Bistumgsgeschichte, Augsburg 2010, S. 342 – 345.

24 Vgl. Ian Stuart Robinson (Hg.): Bertholds und Bernolds Chroniken (Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Bd. XIV) Darmstadt 2002, S.1.

25 Vgl. Ebd. S. 2 – 3.

26 Vgl. Bertholdi Chronica, ad annum 1076, S. 235: Gregorius papa, ut bonum pastorem oportet, ovile Christi a lupina rabie undique oculatus sollertissime muniendo, non modo alibi verum in ipsa Romana urbe nonullus adversarios et insidiatores antichristianos propter iusticiam sustinebat.

27 Vgl. Ebd.: Heinricus rex natalem Domini Goslarie egit, Saxonibus quamquam illi non parum infensis et non omnino fidelibus, uptote tam seva et iniuriosa animositate ipsius maiestative suppressis.

28 Vgl. Robinson: Berthold und Bernold, S. 3 – 4.

29 Vgl. Ebd. S. 10.

30 Vgl. Hans-Werner Goetz: Geschichtsschreibung und Geschichtsbewusstsein im hohen Mittelalter, Berlin 1999, S. 250 – 251.

31 Vgl. Ebd. S.10 - 11.

32 Vgl. Schmale: Quellen zu Heinrich IV., S. 35.

33 Vgl. Wattenbach: Geschichtsquellen, S. 378.

34 Vgl. Schmale: Quellen zu Heinrich IV., S. 35 – 36.

35 Vgl. Wattenbach: Geschichtsquellen, S. 381.

36 Vgl. Schmale: Quellen zu Heinrich IV., S. 45.

37 Vgl. Bernoldi Chronica, ad annum 1094, S. 512: In Baioaria magna mortalitas grassabatur, adeo ut in Ratisponensi civitate infra XII septimanas VIII milia D illa mortalitate intercepti numerarentur. Sed et alias provincias eadem mortalitas afflixit, non tamen adeo ut Baioariam.

38 Vgl. Ebd., ad annum 1094, S. 515: Haec autem mortalitas sunt non solum Teutonicos, sed et Franciam, Burgundiam, Italiam usquequaque vexabat.

39 Vgl. Ebd., ad annum 1094, S. 513: Item in Basiliensi aeclesia maiori fulmen contrivit trabem, crucifixi sustentatricem, videlicet cum excommunicatis ibidem multi convenissent.

40 Vgl. Ebd., ad annum 1092, S. 496: In Ungaria his temporibus multa progidia contigerunt, ut audivimus.

41 Vgl. Ebd., ad annum 1085, S. 453: Nam totam pene Italiam, in qua potissimum excommunicati furebant, tam magna fames obtinuit, ut homines non tantum immunda quaeque, sed etiam humanam carnem manducarent; quam famem tam inaudita mortalitas subsecuta est, ut nec tercia pars hominum remaneret, sed deficiente colono maxima pars terrae in solitudinem redacta est.

42 Vgl. Robinson: Berthold und Bernold, S. 11.

43 Vgl. Bertholdi Chronica, ad annum 1076, S. 252: Haec siquidem praesagium et signum futurorum malorum non solum Cisalpinas partes, verum, quod potius mirabile visum est, totam Longobardiam nimietate inaudita non parum stupefecit.

44 Vgl. Ebd., ad annum 1073, S. 215: Qui cum Laodicie mare navigio cepissent intrare, subita tempestate circumventi, statimque obtenebrata die quo irent incerti, post quadriduum, procella semper eodem motu navim conquassante, nocte / celesti lumine ad se descendente, sepius exhilarantur.

45 Vgl. Ebd., ad annum 1079, S. 345: Heinricus rex navitatem Domini apud Mogontiacum non satis magnifice celebravit.

46 Vgl. Ebd., ad annum 1076 S. 252: Sic hiemps aspera et nivosa algoris vi continuata usque in Idus Martii, scilicet at colloquio predicto usque ad colloquium quod apud Forihcheim a regni optimatibus actum est, perduravit.

47 Vgl. Ebd., ad annum 1066, S. 203: Nuptie Heinrici regis apud Triburiam.

48 Vgl. Robinson: Berthold und Bernold, S. 6.

49 Vgl. Annales Augustani, ad annum 1096, S. 134: Eclypsis lunae 7. Idus Augusti solito fit maior in noctis initio. Quod licet si circa 14 lunam evenerit naturale habeatur, modo tamen pro prodigio aestimabatur. Nam Ungari de provintia egressi.

50 Vgl. Annales Augustani, ad annum 1065, S. 128: In Italia terrae motus magnus ressurectione Domini 6 Kalend. Aprilis.

51 Vgl. Ebd., ad annum 1097, S. 135: Autumnus pene totus pluviosus; inundatio pluvarum et fluvinum castra et villas vicinas Alpibus subvertit.

52 Vgl. Wattenbach: Geschichtsquellen, S. 536.

53 Vgl. Ekkehardi Chronica, Recensio I ad annum 1099, S. 140: Francigenis occidentalibus facile persuaderi poterat sua rura relinquere, nam Gallias per annos aliquot nun seditio civilis, nunc fames, nunc mortalitas nimis afflixerat, postremo plaga illa, que circa Nivalensem sancte Gerdrudis ecclesiam orta est, usque ad vitem desperationem terruerat.

54 Vgl. Ebd., S. 150: Triumphatis itaque hostibus cum fame et tedio exercitus deficeret Antiochie maxime propter discordias principum.

55 Vgl. Schmale: Frutolf und Ekkehard, S. 23 – 25.

56 Vgl. Frutolfi Chronica, ad annum 1079, S. 90: Iterum bellum fit inter Heinricum et Ruodulfum in loco qui dicitur Fladehcheim, hieme nimis aspera, ubi in primo congressus Saxones terga

verunt.

57 Vgl. Schmale: Frutolf und Ekkehard, S. 10.

58 Vgl. Lamperti Opera, ad annum 1074, S. 175 - 176: Rex Wormacia egressus VI. Kal. Februarii Harveldiam cum exercitu venit. Eo die visum est in caelo signum mirabile. Oriente sola duae simul columpnae aurei coloris, splendidissimi fulgoris dextra laevaque oriebantur, quae, usquequo sol, aliquantis lineis in altum excresceret, eodem iubare rutilantes permanebant. Praecedenti quoque nocte caelestem arcum circa gallorum cantum serenissimo caelo plerique viderunt. Frigus erat validissimum, et hiberna siccitate arebant omnia, in tantum ut flumina non superficietenus glacie constricta, sed tota preter solitum in glaciem conversa viderentur. Unde panis inopia vehementer laborabat exercitus, eo quod propter rigorem fluminum ubique cessante molarum usu ipsum, quod forte invenissent, frumentum cominuere non poterant.

59 Vgl. Lampertus, ad annum 1066, S. 173: In festis paschalibusper quatuordecim fere noctes continuas cometa apparebat. Quo in tempore atrox et lacrimabile nimis praelium factum est in partibus aquilonis; in quo rex Anglisaxonum tres reges cum infinito eorum exercito usque ad internitionem delevit.

60 Vgl. Schmale: Lampert Annalen, S. XII.

61 Vgl. Annales Augustani, ad annum 1076, S. 129: H iemis continua asperitas, et nivium importunitas a Kalendis Novembris usque post Kalendas Aprilis, ita ut arbores arescerent; tanta deinde terrae frugum sterilitas, ut etiam semen deesset.

62 Vgl. Bertholdi Chronica, ad annum 1076, S. 252: Hoc colloquio circa Kal. Novembris finito, ilico preter solium pregrandis nix terras undique incepit. Haec siquidem presagium et signum futurorum malorum non solum Cisalpinas partes verum, quod potius mirabile visum est, totam Longobardiam nimietate inaudita non parum stupefecit. Nimio quippe frigores congelamento Renus pariter et Eridanus, ut de fluviis caeteris taceatur, in tantum consolidati sunt, ut per longum tempus quasi per terram viam in se glacialem exhiberent cunctis itinerantibus. Sic hiemps aspera et nivosa algoris vi continuata usque in Idus Martii, scilicet at colloquio predicto usque ad colloquium quod apud Forihcheim a regni optimatibus actum est, perduravit. Ipso denique die cepit nix per omnes terrarum nostrarum partes, diversis pro qualitate locorum liquifienda lapsibus, paulatim decrescere.

63 Vgl. Wilfried Hartman: Der Investiturstreit (Enzyklopädie Deutscher Geschichte Band 31), München 2007, S. 25.

64 Vgl. Glaser Rüdiger: Klimageschichte Mitteleuropas. 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen, Darmstadt 2008, S. 71.

65 Vgl. Hartmann: Investiturstreit, S. 27 – 30.

66 Vgl. Bernoldi Chronica, ad annum 1077, S. 409: Maxima nix totum regnum a II. Kal. Novembris anni prioris usque in VII. Kal. Aprilis anni praesentis obtinuit.

67 Robinson: Berthold und Bernold, S. 303.

68 Vgl. Lamperti Opera, ad annum 1076, S. 284: Vis atque inclementia hyemis hoc anno adeo iugis solitoque asperior inhorruerat, ut a festivitate sanct Martini Rhenus fluvius glaciali frigore constrictus pene usque ad Kalendas Aprilis pedestri itinere transmeabilis maneret, et plerisque in locis vineta, exsiccatis frigore radicibus, omnino arescerent.

69 Vgl. Ebd., ad annum 1077, S. 286 – 287: Igitur quosdam ex indigenis locorum peritos et peruptis Alpium iugis assuetos mercede conduxit, qui comitatum eius per abruptum montem et moles nivium precederent et subsequentibus quaqua possent arte itineris asperitatem levigarent. His ductoribus cum in verticem montis magna cum difficultate evaissent, nulla ulterius progediendi copia erat, eo quod preceps montis latus et, ut dictum est, glaciali frigore lubricum omnem penitus decessum negare videretur. Ibi viri periculum omne viribus evincere conantes, nunc manibus et pedibus reptando, nunc ductorum suorum humeris innitendo, interdum quoque titubante / per lubricum gressu cadendo et longius volutando, vix tandem aliquandocum gravi salutis sauae periculo ad campestria pervenerunt. Reginam et alias, quae in obsequio eius erant, mulieres boum coriis impositas duces itineris conductu preeuntes deorsum trahebant. Equorum alios per machinas quasdam summittebant, alios colligatis pedibus trahebant, ex quibus multi, dum traherentur, mortui, plures debilitati, pauci admodum integri incolumesque persiculum evadere potuerunt.

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Natur- und Wunderphänomene in den Berichten zur Zeit des Investiturstreits
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar – Abteilung für Bayerische Geschichte)
Note
1
Autor
Jahr
2014
Seiten
53
Katalognummer
V455724
ISBN (eBook)
9783668866560
ISBN (Buch)
9783668866577
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zulassungsarbeit, bayerische geschichte, investiturstreit, canossa, wetter, klima, blutwolken, naturphänomene, wunderphänomene, wetterphänomene, investitur
Arbeit zitieren
Franziska Wiesbeck (Autor), 2014, Natur- und Wunderphänomene in den Berichten zur Zeit des Investiturstreits, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455724

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