Diese Arbeit stellt eine umfangreiche Analyse mehrerer Jahrbücher und Chroniken zur Zeit des Investiturstreits (1079-1122) bezüglich ihrer Berichterstattung zu Natur- und Wundervorkommnissen dar.
Behandelt werden der Jahrhundertwinter des Jahres 1076/77, Wetterphänomene wie Stürme, Dürren und deren Auswirkung auf das alltägliche Leben. Desweiteren besondere Vorkommnisse wie Erdbeben, Seuchen, Wunder, Mirakel und Prodigien und außergewöhnliche Sichtungen am Himmel wie Sonnen- und Mondfinsternisse, Kometen und Himmelszeichen.
All diese Vorkommnisse und Phänomene werden auf Zusammenhänge zwischen Berichterstattung und Lebenswelt, mit besonderem Augenmerk auf den Investiturstreit untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Der vergessene Jahrhundertwinter S.3.
2. Analyse der Werke bezüglich ihrer Berichterstattung zu Natur- und Wundervorkommnissen
2.1 Geografischer Horizont der Berichterstatter S.9.
2.2 Phänomene am Himmel und auf Erden
2.2.1 Der Jahrhundertwinter 1076/77 S.12.
2.2.2 Außergewöhnliche Vorkommnisse auf der Erde
2.2.2.1 Erdbeben S. 16.
2.2.2.2 Seuchen und das große Sterben S.17.
2.2.2.3 Wunder, Mirakel und Prodigien S.19.
2.2.3 Wetterphänomene
2.2.3.1 Das Klima zur Zeit des Investiturstreits S.22.
2.2.3.2 Kälte, Hitze, Stürme und die Folgen S.24.
2.2.3.3 Natur und Landwirtschaft S.27.
2.2.3.4 Hungersnot S.29.
2.2.4 Außergewöhnliche Vorkommnisse am Himmel
2.2.4.1 Sonnen- und Mondfinsternis S.32.
2.2.4.2 Kometen S.33.
2.2.4.3 Himmelszeichen S.35.
3. Zusammenhänge zwischen Berichterstattung und Lebenswelt S.39.
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie verschiedene mittelalterliche Chronisten und Annalisten während der Zeit des Investiturstreits Naturereignisse wie Wetterphänomene, Himmelserscheinungen oder Katastrophen wahrnahmen, verschriftlichten und in den politischen sowie religiösen Kontext einordneten.
- Analyse der Berichterstattung über Natur- und Wunderereignisse in acht ausgewählten Werken.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen den Phänomenen und zeitgenössischen politischen Geschehnissen.
- Deutung der Ereignisse als göttliche Zeichen oder Strafgerichte im Investiturstreit.
- Vergleich der unterschiedlichen Quellengattungen (Annalen, Chroniken, Vita) hinsichtlich ihrer Objektivität und Tendenzschreiberei.
Auszug aus dem Buch
2.2.2.3 Wunder, Mirakel und Prodigien
Bis heute gibt es keine wirklich erschöpfende Theorie zum Thema Mirakel und Wunder, da das Wort „miraculum“ im Mittelalter sehr komplex gebraucht wurde. War das Wunder vielleicht das Geschehen an sich selbst und das Mirakulum dessen Verschriftlichung? Schon im frühen Mittelalter wurde eine große Anzahl an verschiedenen Begriffen für diese Wundergeschichten genutzt, so dass es keine klare Unterscheidung gab. „Prodigium“, „Signum“, „Virtus“ und „Miraculum“ sind nur Beispiele hierfür.85 Als Arbeitstheorie hat es sich allerdings bewährt, davon auszugehen, dass es sich bei diesen Wundergeschichten um übernatürliche Eingriffe in die menschliche Welt handelt.86 An manchen Stellen verschwimmt die Grenze zwischen Wundern und extrem Wetterverhältnissen oder -vorkommnissen. Es ist beispielsweise streitbar, ob ein Blitz, der ein Kruzifix trifft schon den Wundern oder doch noch den Wetterverhältnissen zugerechnet wird. Um hier eine exakte Trennung zu vollziehen, werden Vorkommnisse, die mit dem Wetter in enger Verbindung stehen, in einem eigenen Punkt abgehandelt.
Der Investiturstreit hat sich laut Bruno von Merseburg schon frühzeitig im Jahre 1075 angekündigt. Ein ganzes Füllhorn an seltsamen Vorkommnissen und Mirakeln kann er vorbringen, aus denen man „das kommende Unheil schon erkennen konnte(n)“87. Von Rabenkämpfen, die mit toten Tieren endeten, über Hirtenstäbe und Kruzifixe, die zu schwitzen begannen. Hostien, die wie Steine im Messwein versanken, bis hin zu Wein, der sich in Blut verwandelte. Für Bruno steht ganz außer Frage, dass sich diese Mirakel auf die folgenden Übel, die nichts anderes als der Investiturstreit sein können, beziehen.88
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der vergessene Jahrhundertwinter: Einleitende Betrachtung des strengen Winters 1076/77 anhand verschiedener zeitgenössischer Chroniken, die den Winter unterschiedlich bewerten oder unerwähnt lassen.
2. Analyse der Werke bezüglich ihrer Berichterstattung zu Natur- und Wundervorkommnissen: Detaillierte Untersuchung von Natur- und Wunderphänomenen wie Erdbeben, Seuchen, Wetterextremen und Himmelszeichen, die oft als göttliche Zeichen gedeutet wurden.
3. Zusammenhänge zwischen Berichterstattung und Lebenswelt: Abschlussbetrachtung über den Einfluss von Quellengattung, Lebensort und politischem Kontext der Autoren auf deren subjektive Art der Geschichtsschreibung.
Schlüsselwörter
Investiturstreit, Naturphänomene, Wunder, Mittelalterliche Geschichtsschreibung, Chroniken, Annalen, Jahrhundertwinter, Seuchen, Himmelszeichen, Kometen, Gottesurteil, Heinrich IV., Papst Gregor VII., Deutungsmuster, Zeitgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wahrnehmung und literarische Verarbeitung von Natur- und Wunderphänomenen in zeitgenössischen Berichten zur Zeit des Investiturstreits.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen meteorologische Extreme, Katastrophen, Erdbeben, Himmelserscheinungen wie Kometen und Finsternisse sowie deren Deutung durch die Autoren als göttliche Zeichen oder Strafgerichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie die Autoren die Naturereignisse funktionalisierten, um ihre subjektive Sicht auf den politischen Konflikt zwischen Kaiser Heinrich IV. und dem Papsttum zu stützen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse von acht ausgewählten mittelalterlichen Quellenschriften, bei der die Autoren hinsichtlich ihrer politischen Ausrichtung und ihres geografischen Hintergrunds verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Berichte zu Wetter, Seuchen, Erdbeben und Himmelszeichen und hinterfragt, warum bestimmte Autoren diese Phänomene deuten, während andere sie ignorieren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Investiturstreit, Wunderberichte, parteiische Geschichtsschreibung, göttliche Vorsehung und mittelalterliches Weltbild.
Warum spielt der Winter 1076/77 eine besondere Rolle in den Quellen?
Dieser Winter wird von pro-gregorianischen Autoren als göttliche Strafe für die Exkommunikation Heinrichs IV. gedeutet und symbolisiert die Lähmung des Reiches durch das Schisma.
Welche Rolle spielt die Herkunft der Autoren für ihre Berichterstattung?
Die Herkunft und das Umfeld beeinflussen massiv die Perspektive; so ist beispielsweise Bruno von Merseburgs Werk eine dezidiert sächsische Sichtweise, während Augsburger Autoren versuchen, eine neutralere, vorsichtigere Haltung einzunehmen.
Wird die "Vita Heinrici IV. imperatoris" anders bewertet als die anderen Quellen?
Ja, sie nimmt eine Sonderrolle ein, da sie das einzige Werk ist, das konsequent pro-heinrichisch ist und auffälligerweise keinerlei Natur- oder Wunderphänomene zur Deutung des Zeitgeschehens heranzieht.
Wie gehen die Autoren mit den Kreuzzügen um?
Besonders die späteren Chronisten nutzen Himmelserscheinungen (wie kometenartige Feuer) gezielt, um die Kreuzzugsbewegung zu legitimieren und Männer zur Teilnahme zu motivieren.
- Arbeit zitieren
- Franziska Wiesbeck (Autor:in), 2014, Natur- und Wunderphänomene in den Berichten zur Zeit des Investiturstreits, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455724