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Hirnforschung, Neurodidaktik und Erziehungswissenschaft

Chancen und Grenzen gehirngerechten Lehrens und Lernens

Title: Hirnforschung, Neurodidaktik und Erziehungswissenschaft

Thesis (M.A.) , 2005 , 77 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Rainer Witzisk (Author)

Pedagogy - Pedagogic Psychology
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Summary Excerpt Details

Diese Arbeit setzt sich unter anderem mit der Frage auseinander, was uns denn neuronale Aktivitäten zu pädagogischem Handeln zu sagen haben? Dem schließt sich schnell die Frage an, was uns Gehirnfunktionen überhaupt sagen – und was sagen uns überhaupt Gehirnforscher? Dass beides nicht das Gleiche ist, wird sich noch zeigen. Welches Menschenbild entwerfen Hirnforscher, welches es für die Pädagogik und Erziehungswissenschaft unabdingbar macht, ihr Handeln und ihre theoretische Reflexion daran auszurichten? Kann eine von Hirnforschern entworfene biologische Anthropologie für pädagogische Praxis, speziell die Praxis des Unterrichtens, grundlegend sein, so dass diese sich ganz neu begründen muss?

Keine Frage, die Hirnforscher beherrschen zur Zeit den wissenschaftlichen Diskurs. Ihre Beiträge finden nicht nur Eingang in diversen wissenschaftlichen Zeitschriften und beherrschen nicht nur die Wissenschaftsseiten der gehobenen Qualitätspresse, sondern sind auch im Feuilleton angekommen. Seit 2002 gibt es mit „Gehirn&Geist“ eine eigene Zeitschrift für die Themen der Hirnforschung, die sich auf Anhieb auf dem Markt etabliert hat. Mittlerweile ist die Hirnforschung unter dem Etikett „Neurodidaktik“ auch in der Pädagogik angekommen. Dabei versteht sich nicht jeder, der sich für „gehirngerechtes“ Lehren- und Lernen ausspricht, explizit als Neurodidaktiker. Allen gemeinsam ist aber die Vorstellung, dass jeglicher Lehr- Lernprozess hirnforscherliche Erkenntnisse zu berücksichtigen hat. Mit anderen Worten: Wer vom Gehirn nichts versteht, versteht auch nichts vom Lernen.

Beginnt man nun das Unterfangen, Neurodidaktik als pädagogische Disziplin zu legitimieren, dann erkennt man recht bald, dass das Verhältnis von Neuro- und Didaktik ein äußerst problematisches ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

I. GEHIRN UND BEWUSSTSEIN

2. AUFGABEN UND PROBLEME EINER BIOLOGISCHEN THEORIE DES BEWUSSTSEINS

2.1 Gehirn und Bewusstsein

2.2 Bewusstsein als emergente Eigenschaft des Gehirns

3. FREIHEIT ODER DETERMINISMUS

3.1 Das Libet- Experiment

3.2 Kritik am Libet- Experiment

3.3 Das Bewusstsein in behavioristischer Perspektive

3.4 Grundprobleme einer Philosophie des Geistes

3.4.1 Der Epiphänomenalismus

3.4.2 Der interaktionistische Dualismus

3.4.3 Die Identitätstheorie

3.5 Von zerebralen und philosophischen Kategorienfehlern

3.6 Resümee und Ausblick

II. NEURODIDAKTIK

4. EINLEITUNG UND DEFINITION DER NEURODIDAKTIK

4.1 Allgemeine Grundlagen und Prämissen der Neurodidaktik

4.2 Plastizität des Gehirns

4.3 Die Neurobiologie des Lernens

4.4 Konsequenzen für ein Lehr- Lernarrangement

4.5 Bewusstes und unbewusstes Lernen

4.6 Besser lernen mit Dopamin

4.7 Konsequenzen für ein Lehr- Lernarrangement

4.8 Die Amygdala

4.9 Konsequenzen für ein Lehr- Lernarrangement

4.10 Das Gedächtnis

4.11 Der Hippokampus und das explizite Gedächtnis

4.12 Konsequenzen für ein Lehr- Lernarrangement

5. NEURODIDAKTIK UND FRÜHFÖRDERUNG

5.1 Die Neurobiologie der kindlichen Gehirnentwicklung

5.2 Der Einfluss von Umwelt und Genen auf die Gehirnentwicklung und das frühkindliche Lernen

5.3 Kritische Phasen

5.4 Gehirnreifung und Synapsendichten

5.5 Kritische Anmerkungen zur Frühförderung

5.6 Frühförderung – und dann?

5.7 Resümee

6. DIE THEORIE DER NEURODIDAKTIK IM LICHTE EINER ALLGEMEINEN DIDAKTIK

6.1 Die semantische Blindheit einer neurobiologisch gewendeten Didaktik

7. ZUM GUTEN SCHLUSS: EINE BIOLOGISCHE ANTHROPOLOGIE FÜR EINE PÄDAGOGISCHE DIDAKTIK

7.1 Eine neue Grundlegung der Neurodidaktik durch Perspektivenwechsel

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von modernen neurowissenschaftlichen Erkenntnissen zur erziehungswissenschaftlichen Didaktik. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, ob die Neurodidaktik eine legitime und notwendige neue Grundlegung des Lehrens und Lernens darstellt, indem sie die biologische Anthropologie der Gehirnforschung als theoretisches Fundament nutzt, oder ob dieses Unterfangen an erkenntnistheoretischen Widersprüchen und einem falschen Verständnis von Freiheit und Determinismus scheitert.

  • Kritische Analyse des neurobiologischen Determinismus und des Leib-Seele-Problems.
  • Untersuchung der pädagogischen Relevanz von Gehirnplastizität und frühkindlicher Förderung.
  • Evaluation des Konzepts der "Neurodidaktik" im Rahmen der Allgemeinen Didaktik.
  • Herausarbeitung der Bedeutung von Emotionen und Gedächtnisprozessen für Lehr-Lernarrangements.
  • Entwurf einer biologischen Anthropologie, die neuronale Gegebenheiten und pädagogische Freiheit integriert.

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Libet- Experiment

Im Jahr 1983 veröffentlichte Benjamin Libet einen Artikel über ein von ihm durchgeführtes Experiment, in dem er der Frage nachging, ob freie Willenshandlungen deterministischen Gesetzen unterliegen oder ohne solche Beschränkungen auftreten, „so daß sie von Naturgesetzen nicht- determiniert und ‚wirklich frei’ sind?“ (Libet 2004, S. 268 )

Das Libet- Experiment bildet bis heute die Grundlage der Diskussion um Determinismus und Freiheit und zählt wohl mit zu den einflussreichsten Veröffentlichungen der Hirnforschung überhaupt. Die Ergebnisse des Experiments sind von anderen Autoren später bestätigt worden. Hier nun die Versuchsanordnung:

Die Versuchspersonen wurden vor eine sog. Oszilloskop- Uhr gesetzt, in der sich ein Lichtfleck in 2,56 sec. einmal im Kreis herum dreht. Damit konnten Messungen mit Zeitunterschieden im Bereich von einigen Hundert Millisekunden erfasst werden. Sie wurden nun aufgefordert, mit dem Handgelenk zu einer beliebigen Zeit eine willkürliche Bewegung zu machen, und mit Blick auf die Uhr anzugeben, wann ihnen der Entschluss zu dieser Bewegung erstmals bewusst wurde.

Die Handbewegung sollte in einer vorgegebenen Zeit von maximal drei Sekunden erfolgen. Der gemessene Zeitpunkt ergibt den Wert W für „Wille“. Nun bestimmte Libet gleichzeitig noch zwei objektive Parameter, indem er die elektrische Aktivität sowohl im motorischen Kortex im Stirnlappenbereich, als auch die elektrische Aktivität im Bereich des Armmuskels maß.

Die Messungen im Armmuskel erlauben eine Aussage darüber, wann die Muskelaktivität EMG tatsächlich stattfindet. Die Messungen im Bereich des motorischen Kortex erlauben eine Aussage über das sog. „Bereitschaftspotenzial“ BP. Das Bereitschaftspotential wurde 1965 von den deutschen Neurologen Hans Kornhuber und Lüder Deecke entdeckt. Sie fanden heraus, dass beim Vollzug von selbstgesteuerten Willenshandlungen ein allmählicher Anstieg der elektrischen Aktivität im Bereich des supplementär motorischen Areals erfolgte und dass diese Gehirnaktivität der tatsächlichen Bewegung um ca. eine Sekunde vorausgeht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den Aufstieg der Hirnforschung im pädagogischen Diskurs und formuliert das erkenntnistheoretische Grundproblem der Neurodidaktik.

2. AUFGABEN UND PROBLEME EINER BIOLOGISCHEN THEORIE DES BEWUSSTSEINS: Dieses Kapitel erörtert die Herausforderungen, Bewusstsein rein neuronal aus Gehirnaktivität erklären zu wollen.

3. FREIHEIT ODER DETERMINISMUS: Hier werden die Libet-Experimente sowie deren philosophische Implikationen hinsichtlich der Willensfreiheit kritisch analysiert.

4. EINLEITUNG UND DEFINITION DER NEURODIDAKTIK: Es erfolgt eine begriffliche Klärung der Neurodidaktik sowie eine Darstellung ihrer neurobiologischen Prämissen (Plastizität, Gedächtnis, Belohnung).

5. NEURODIDAKTIK UND FRÜHFÖRDERUNG: Dieses Kapitel prüft die wissenschaftliche Stabilität des Konzepts der "kritischen Phasen" und hinterfragt die Dringlichkeit der frühkindlichen Förderung.

6. DIE THEORIE DER NEURODIDAKTIK IM LICHTE EINER ALLGEMEINEN DIDAKTIK: Die Untersuchung befasst sich mit der methodischen Berechtigung der Neurodidaktik und ihrer semantischen Blindheit.

7. ZUM GUTEN SCHLUSS: EINE BIOLOGISCHE ANTHROPOLOGIE FÜR EINE PÄDAGOGISCHE DIDAKTIK: Das abschließende Kapitel entwirft einen Perspektivenwechsel, der neuronale Grundlagen mit pädagogischer Freiheit zu vereinen sucht.

Schlüsselwörter

Neurodidaktik, Hirnforschung, Gehirn, Bewusstsein, Lernprozesse, Willensfreiheit, Determinismus, Plastizität, Synapsen, Frühförderung, Pädagogik, Gedächtnis, Neurobiologie, Amygdala, Hippokampus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht kritisch den Anspruch der Neurodidaktik, pädagogisches Handeln auf Basis neurowissenschaftlicher Erkenntnisse über das Gehirn neu zu begründen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören das Verhältnis von Gehirn und Bewusstsein, die Debatte um Willensfreiheit und Determinismus, sowie die neurobiologischen Grundlagen von Lernen, Gedächtnis und frühkindlicher Entwicklung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, ob die Neurodidaktik als pädagogische Disziplin legitim ist oder ob sie an theoretischen Kategorienfehlern scheitert, wenn sie biologische Fakten direkt in pädagogische Normen übersetzen will.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor wendet eine theoretische Analyse und erkenntnistheoretische Reflexion an, die sich auf Philosophie des Geistes, Neurobiologie und Erziehungswissenschaft stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Definition der Neurodidaktik, die Debatten um das Libet-Experiment, die Rolle des limbischen Systems und des Hippokampus sowie die Problematik des Kindheitsdeterminismus im Kontext der Frühförderung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Neuroplastizität, semantische Blindheit, Kategorienfehler, "Lernfenster", sowie die Unterscheidung zwischen erfahrungsheischender und erfahrungsabhängiger Plastizität.

Welche Rolle spielt das Libet-Experiment für die Argumentation des Autors?

Das Experiment dient als Ausgangspunkt, um zu zeigen, dass die vorschnelle Interpretation der Hirnforschung, der Mensch sei durch neuronale Prozesse determiniert und Freiheit eine Illusion, erkenntnistheoretisch fragwürdig ist.

Wie bewertet der Autor die aktuelle Diskussion um Frühförderung?

Der Autor betrachtet die Dringlichkeit der Frühförderung als wissenschaftlich oft überbewertet und warnt davor, das Kindheitsalter unter dem Diktat der "kritischen Phasen" zum ausschließlichen Ort für entscheidende Lernleistungen zu erklären.

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Details

Title
Hirnforschung, Neurodidaktik und Erziehungswissenschaft
Subtitle
Chancen und Grenzen gehirngerechten Lehrens und Lernens
Grade
1,0
Author
Rainer Witzisk (Author)
Publication Year
2005
Pages
77
Catalog Number
V455743
ISBN (eBook)
9783668898202
ISBN (Book)
9783668898219
Language
German
Tags
hirnforschung neurodidaktik erziehungswissenschaft chancen grenzen lehrens lernens
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rainer Witzisk (Author), 2005, Hirnforschung, Neurodidaktik und Erziehungswissenschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455743
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