Sitzen ist das neue Rauchen. Ist das Sitzen wirklich so schädlich?
Hinsichtlich der Thematik „Rauchen“ sind sich Wissenschaft und Gesellschaft mittlerweile einig, der Tabakkonsum ist gesundheitsschädlich. Ob dieser Konsens auch auf das Sitzen zutreffen kann soll durch eine Literaturrecherche festgestellt werden.
Das Ziel dieser Literaturanalyse ist demnach zu bestimmen, welche Konsequenz das Sitzen auf den menschlichen Organismus aufweist. Im Zuge der Digitalisierung verbringen immer mehr Menschen ihren beruflichen Alltag im Sitzen. Aufgrund dessen wurde folgende Forschungsfrage aufgestellt: Welche Auswirkungen hat das Sitzen im arbeitsbedingtem Kontext auf die Gesundheit?
Um jene Forschungsfrage beantworten zu können, wurden mit Hilfe festgelegter Einschlusskriterien wissenschaftliche Artikel aus den Datenbanken PubMed, CINAHL oder Medline ausgewählt und ausgewertet. Für die Recherche wurden sechs geeignete wissenschaftliche Artikel bzw. Reviews und Meta-Analysen gefunden. Die Artikel befassten sich damit, ob Sitzen im beruflichen Kontext für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen verantwortlich sein kann. Die Ergebnisse aus diesen Studien konnten deutlich signifikante Zusammenhänge zwischen dem Sitzen und den Auswirkungen auf das Herz- Kreislauf-System feststellen. Insbesondere für die Erkrankung Diabetes mellitus und für die Mortalität konnten eindeutige Erkenntnisse geliefert werden. Bezüglich der Ergebnisse zum Muskel-Skelett-System konnten keine signifikanten Zusammenhänge herausgestellt werden. Es konnten jedoch tendenzielle Zusammenhänge von längerem Sitzen hinsichtlich der Arbeit, der Freizeit und von Rückenschmerzen aufgezeigt werden.
Betrachtet man das Sitzen im Gesamtkontext, lässt sich die Aussage „Sitzen ist das neue Rauchen“ bestätigen. Die gewonnenen Erkenntnisse aus den ausgewählten Studien weisen jedoch hinsichtlich des beruflichen Kontexts Lücken auf. Aus diesem Grund ist es schwierig, eindeutige Aussagen für die vorliegende Forschungsfrage zu treffen. Auf dieser Grundlage ist es empfehlenswert, das Sitzen am Arbeitsplatz zukünftig detaillierter einzugrenzen und zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Gesundheit und Krankheit
2.2 Bewegungsmangel
2.2.1 Sitzende Tätigkeit
2.2.2 Metabolisches Äquivalent
2.3 Biomechanische Wirkmechanismen während des Sitzens
3 Gegenwärtiger Forschungsstand
3.1 Pathophysiologische Auswirkungen des Sitzens auf den Körper
3.2 Erkenntnisse zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen
3.3 Erkenntnisse zu Muskel-Skelett-Erkrankungen
4 Methode
4.1 Fragestellung
4.2 Einschlusskriterien
4.3 Literaturrecherche
4.4 Ergebnis
5 Ergebnis
5.1 Ergebnisse Herz-Kreislauf-Erkrankungen
5.1.1 van Uffelen et al. 2010
5.1.2 Dunstan, Thorp & Healy 2011
5.1.3 Biswas et al. 2015
5.1.4 Zusammenfassung bezüglich Herz-Kreislauf-Erkrankungen
5.2 Ergebnisse Muskel-Skelett-Erkrankungen
5.2.1 Chen et al. 2009
5.2.2 Roffey et al. 2010
5.2.3 Janwantanakul, Sitthipomvorakul & Paksaichol 2012
5.2.4 Zusammenfassung bezüglich Muskel-Skelett-Erkrankungen
5.3 Schlussfolgerung
6 Diskussion
7 Fazit/Ausblick
8 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht wissenschaftlich, ob und inwiefern sitzende Tätigkeiten im beruflichen Kontext negative gesundheitliche Auswirkungen haben, um die These „Sitzen ist das neue Rauchen“ zu evaluieren. Dabei steht die Forschungsfrage im Fokus, welche Auswirkungen das Sitzen im arbeitsbedingten Kontext auf die Gesundheit hat.
- Zusammenhang zwischen langem Sitzen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Einfluss von Sitzdauer und Sitzverhalten auf das Muskel-Skelett-System
- Analyse aktueller wissenschaftlicher Studien, Reviews und Meta-Analysen
- Bedeutung von Bewegungsmangel im digitalen Arbeitsalltag
- Diskussion über Präventionsmaßnahmen und ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
Auszug aus dem Buch
Occupational Sitting and Health Risks: A Systematic Review
Van Uffelen (2010) fasst die Erkenntnisse von Zusammenhängen zwischen beruflichem Sitzen und Gesundheitsrisiken zusammen. Das Ziel ihrer Arbeit war es, die Evidenzlage zu dieser Fragestellung systematisch durch ein Review zu klären. Das Team um van Uffelen bediente sich zur Recherche von wissenschaftlichen Artikeln der Datenbanken PubMed, PsychINFO, CENTRAL, CINAHL, EMBASE und PEDro. Zeitraum hierfür war März bis April 2009. Für den Auswahlprozess von wissenschaftlichen Artikeln wurden Einschlusskriterien festgelegt. In jenen Untersuchungen sollten Erwachsene mit einem Bezug zum beruflichen Sitzen untersucht werden. Die Definition des Sitzens im Kontext der Arbeit sollte durch Selbstberichte und durch objektive Messungen unter 1.5 METs gewährleistet sein. Aus diesem Grund wurden für alle Studien Befragungen mit Probanden durchgeführt. Jene Befragungen dienten der Einordnung und der Kategorisierung von subjektiven Einschätzungen zum Sitzverhalten. Des Weiteren sollten ausgewählte Studien Zusammenhänge zwischen einer sitzenden Tätigkeit und Erkrankungen beinhalten. Die Überprüfung zur Einhaltung dieser Einschlusskriterien übernahmen zwei unabhängige Gutachter. Beide Gutachter bedienten sich unabhängig voneinander eines Bewertungsbogens, mit dessen Hilfe sich die Qualitäten einzelner Studien bemessen ließen. Nach dieser Überprüfung wurden 43 relevante wissenschaftliche Artikel mit 2192772 Stichproben ausgewählt. Nachfolgend wurden diese Artikel in Gruppen bezüglich Gesundheitsrisiken aufgeteilt und deren Studiendesign dargestellt:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, dass langes Sitzen im beruflichen Kontext ein wachsendes Gesundheitsproblem darstellt, und erläutert die Relevanz der Forschungsfrage.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Gesundheit, Krankheit, Bewegungsmangel, sitzende Tätigkeit und das metabolische Äquivalent sowie die biomechanischen Zusammenhänge.
3 Gegenwärtiger Forschungsstand: Hier wird der wissenschaftliche Kenntnisstand zu den pathophysiologischen Auswirkungen von Sitzverhalten auf den menschlichen Organismus sowie spezifisch auf das Herz-Kreislauf- und Muskel-Skelett-System beleuchtet.
4 Methode: Dieses Kapitel erläutert die methodische Vorgehensweise bei der Literaturrecherche, einschließlich der Fragestellung, der definierten Einschlusskriterien und des Suchvorgangs in medizinischen Datenbanken.
5 Ergebnis: Dieser Abschnitt präsentiert und interpretiert die Ergebnisse der ausgewählten Studien bezüglich der gesundheitlichen Auswirkungen des Sitzens auf das Herz-Kreislauf-System und das Muskel-Skelett-System.
6 Diskussion: Das Kapitel kritisiert und reflektiert die methodische Qualität der ausgewählten Studien und bewertet die Aussagekraft der Erkenntnisse im Hinblick auf die Forschungsfrage.
7 Fazit/Ausblick: Die Schlussfolgerung fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Tendenz zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen des Sitzens und plädiert für künftige Forschungsansätze und Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz.
Schlüsselwörter
Sitzen, Bewegungsmangel, Gesundheit, Krankheit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Muskel-Skelett-Erkrankungen, Sitzdauer, Sitzverhalten, Arbeitsplatz, Metabolisches Äquivalent, Ergonomie, Literaturanalyse, Prävention, Gesundheitsrisiken, Rückenbeschwerden
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die gesundheitlichen Auswirkungen von langem Sitzen im beruflichen Kontext und geht der Frage nach, ob die populäre Aussage „Sitzen ist das neue Rauchen“ wissenschaftlich haltbar ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themenfelder sind der Einfluss von sitzender Tätigkeit auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Auswirkungen auf das Muskel-Skelett-System sowie die Bedeutung von körperlicher Aktivität und Ergonomie am Arbeitsplatz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, durch eine Literaturanalyse zu bestimmen, welche negativen gesundheitlichen Konsequenzen das Sitzen im arbeitsbedingten Kontext auf den menschlichen Organismus hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, bei der mittels systematischer Suche in medizinischen Datenbanken wie PubMed, CINAHL und Medline relevante wissenschaftliche Studien, Reviews und Meta-Analysen identifiziert, selektiert und ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der theoretische Hintergrund und die biomechanischen Grundlagen des Sitzens dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Darstellung und Diskussion der Ergebnisse verschiedener wissenschaftlicher Studien zu Herz-Kreislauf- und Muskel-Skelett-Erkrankungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sitzdauer, Bewegungsmangel, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Muskel-Skelett-System, Prävention und Arbeitsplatzgestaltung charakterisiert.
Wie bewerten die ausgewählten Studien den Zusammenhang zwischen Sitzen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Die analysierten Studien identifizieren tendenziell signifikante Zusammenhänge zwischen hoher Sitzdauer und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie eine erhöhte Mortalität, unabhängig von der körperlichen Aktivität.
Gibt es eindeutige wissenschaftliche Belege für die These „Sitzen ist das neue Rauchen“?
Die Arbeit stellt fest, dass es zwar starke Indizien und tendenzielle Zusammenhänge gibt, eine pauschale wissenschaftliche Bestätigung der These jedoch aufgrund der Komplexität und Heterogenität der Studienlage sowie der methodischen Einschränkungen der untersuchten Daten erschwert wird.
- Arbeit zitieren
- David Rohkohl (Autor:in), 2018, Sitzen ist das neue Rauchen! Die Auswirkungen vom Sitzen im arbeitsbedingtem Kontext auf die Gesundheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455787