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Schöpfer und Schöpfung. Zum Verhältnis von Elternschaft und Autorschaft in Mary Shelleys "Frankenstein" und Heinrich von Kleists "Der Findling"

Titel: Schöpfer und Schöpfung. Zum Verhältnis von Elternschaft und Autorschaft in Mary Shelleys "Frankenstein" und Heinrich von Kleists "Der Findling"

Masterarbeit , 2015 , 83 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Johanna Mandelartz (Autor:in)

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Verlauf dieser Arbeit möchte ich einige Fragen beantworten, die sich einerseits auf die konkret in den Texten dargestellte Elternschaft, andererseits auf deren mögliche Interpretation als Autorschaftsmodell beziehen. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Eltern-Kind-Beziehung, wie sie in den Texten dargestellt wird, vom Autor des Textes als Aussage über die Beziehung zwischen Autor und Werk gedacht ist, der Text also die Umstände und Gründe seiner eigenen Entstehung und Existenz reflektiert. Die behandelte Literatur ist selbstreflexiv. Daher werden auch Erwähnungen von Schriftstücken in den Texten genauer untersucht. Frankenstein und Der Findling werden dabei zunächst unabhängig voneinander untersucht, damit sich die Zusammenhänge innerhalb des jeweiligen Textes deutlicher abzeichnen. Dabei sollen folgende Fragen beantwortet werden:

1. Welchen „Zweck“ hat Elternschaft diesen Texten zufolge für Eltern, weshalb entscheiden sie sich trotz der damit verbundenen Mühen und Kosten dafür, Kinder großzuziehen?
2. Welche möglichen Gründe liegen der „künstlichen“ Vaterschaft von Antonio Piachi und Victor Frankenstein zugrunde?
3. Wie unterscheidet sich die künstliche Herstellung des Elternschaftsverhältnisses von der natürlichen?
4. Wirken sich diese Unterschiede auf die Eltern-Kind-Beziehung aus und wenn ja, in welcher Form?
5. Ist künstliche Elternschaft im Hinblick auf die angestrebten Zwecke der Eltern als geeigneter Ersatz zu betrachten?
6. Was bezwecken Autoren diesem Modell zufolge mit dem Erschaffen von Werken?
7. Wie entsteht diesem Modell zufolge ein literarisches Werk? Wer ist an seiner Entstehung beteiligt?
8. Wie verhalten sich dem dargestellten Autorschaftsmodell zufolge Autor und Text zueinander, nachdem das Werk fertiggestellt wurde und welche Rolle spielt die Artifizialität, die der Autorschaft eigen ist, dabei?
9. Wie beantwortet das dargestellte Autorschaftsmodell die Frage, ob die Autoren mit ihrem Zielvorhaben beim Verfassen der Werke Erfolg haben?
10. Welche Vorstellung von Schöpfung liegt diesem Modell zugrunde?
11. Was haben die Autorschaftsmodelle, die Frankenstein und Der Findling zugrundeliegen, gemeinsam, was unterscheidet sie?
12. Welche Auswirkungen haben Schrift-Erzeugnisse auf den Verlauf der Handlung und welche Bedeutung tragen sie für die Einschätzung des Romans bzw. der Novelle für den Leser?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Elternschaft und Autorschaft: Eine jahrtausendealte Tradition

Elternschaft und Autorschaft in 'Frankenstein' und 'Der Findling'

Vorgehen

Fragestellungen

Zur Einordnung in den historischen Kontext: Elternschaft und Autorschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Elternschaft im 19. Jahrhundert: Vom 'Haus' zur Kernfamilie

Autorschaft und Rechtsverständnis: Entwicklung des Urheberrechts bis zum 19. Jahrhundert

Elternschaft als Autorschaft in 'Der Findling'

Elternschaftskonstellationen in 'Der Findling'

Das Findlingsmodell von Autorschaft

Elternschaft als Autorschaft in 'Frankenstein'

Elternschaftskonstellationen in 'Frankenstein'

Das Frankensteinmodell von Autorschaft

'Frankenstein' und 'Der Findling': Gemeinsamkeiten und Unterschiede der präsentierten Autorschaftsmodelle

Künstlich generierte Elternschaft in 'Frankenstein' und 'Der Findling'

Autorschaft als notwendig scheiternde Elternschaft?

Schrift-Erzeugnisse in 'Frankenstein' und 'Der Findling': Vom Erzeugnis zum Zeugen

Die Aufhebung der Vernichtung durch Fortschreibung und Rezeption

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Elternschaft und Autorschaft in Mary Shelleys 'Frankenstein' und Heinrich von Kleists 'Der Findling'. Im Zentrum steht die These, dass die in den Texten dargestellten, künstlichen Eltern-Kind-Beziehungen als Reflexion der Autoren über den künstlerischen Schöpfungsprozess zu deuten sind, wobei die literarischen Werke als symbolische „Kinder“ der Autoren fungieren.

  • Analyse der Elternschaftsmotive als Metaphern für kreative Schaffenskraft.
  • Untersuchung der künstlichen Generierung von Nachkommenschaft als Ersatz für natürliche Fortpflanzung.
  • Reflexion über die Rolle von Schriftstücken und deren performative Kraft innerhalb der Erzählungen.
  • Vergleich der Modelle von Autorschaft bei Kleist und Shelley unter Berücksichtigung historischer Kontexte.
  • Diskussion der Ambivalenz von Schöpfung, Hybris und der Zerstörung des Schöpfers durch sein Werk.

Auszug aus dem Buch

Das Frankensteinmodell von Autorschaft

In diesem Kapitel wird das, was aus der Analyse im vorherigen Kapitel über die Beziehung von Victor und der Kreatur bekannt ist, als Aussage über die Beziehung von Autor und Werk interpretiert.

Victor Frankenstein, der im Roman für die Figur des Autors steht, ist von seinen Eltern von Kindheit an dafür bestimmt, seine Cousine und Adoptivschwester Elizabeth zu heiraten, mit der er Seite an Seite aufgewachsen ist und die nach dem Tod seiner Mutter deren Rolle in der Familie übernommen hat. Zudem ist die Familiendynamik von Unehrlichkeit, Lügen und dem Verleugnen jedes Konfliktpotenzials geprägt, und seine aufgrund der isolierten Kindheit sehr beschränkten Erfahrungen im Umgang mit Fremden reichen nicht aus, um sich in der Gesellschaft Unbekannter souverän verhalten zu können. Aufgrund der übermäßigen, familienartigen Nähe zu Elizabeth kann er ihr gegenüber kein erotisches Begehren entwickeln und zeigt keinerlei ehrliches Verlangen, sie zu heiraten, auch wenn er zur Beruhigung und des eigenen Gewissens regelmäßig behauptet, dies tun zu wollen; gleichzeitig ist es für ihn unmöglich, eine Frau außerhalb seiner Familie kennen zu lernen, da sowohl seine mangelnde Sozialkompetenz als auch das Versprechen, das er den Eltern und Elizabeth gegeben hat, dem im Wege stehen. Wie alle anderen Menschen auch hat er aber dennoch einen Drang, zu zeugen und sich zu verewigen. Für ihn bietet die Wissenschaft einen Ausweg.

Zusammenfassung der Kapitel

Elternschaft und Autorschaft: Eine jahrtausendealte Tradition: Das Kapitel beleuchtet die jahrtausendealte Verbindung zwischen dem Schöpfer-Schöpfung-Verhältnis bei Eltern und Autoren.

Elternschaft und Autorschaft in 'Frankenstein' und 'Der Findling': Einleitung in die methodische Vorgehensweise sowie die Fragestellungen der Arbeit.

Zur Einordnung in den historischen Kontext: Elternschaft und Autorschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Historischer Abriss über das Familienleben und die Entwicklung des Urheberrechts zur Entstehungszeit der Werke.

Elternschaft als Autorschaft in 'Der Findling': Untersuchung der verwandschaftlichen Konstellationen in Kleists Novelle unter besonderer Berücksichtigung der Vater-Sohn-Beziehung.

Das Findlingsmodell von Autorschaft: Interpretation der Eltern-Kind-Beziehung in 'Der Findling' als Modell für die Beziehung zwischen Autor und Text.

Elternschaft als Autorschaft in 'Frankenstein': Analyse der Familienstruktur und der Beziehung zwischen Victor Frankenstein und seiner Kreatur.

Das Frankensteinmodell von Autorschaft: Interpretation der Beziehung zwischen Victor und der Kreatur als Modell für den künstlerischen Schöpfungsprozess.

'Frankenstein' und 'Der Findling': Gemeinsamkeiten und Unterschiede der präsentierten Autorschaftsmodelle: Synthese der Ergebnisse beider Einzelanalysen.

Künstlich generierte Elternschaft in 'Frankenstein' und 'Der Findling': Vergleich der nicht-biologischen Entstehungsweisen der „Kinder“ in beiden Werken.

Autorschaft als notwendig scheiternde Elternschaft?: Theoretische Betrachtung des Scheiterns als inhärentes Moment künstlerischer Schöpfung.

Schrift-Erzeugnisse in 'Frankenstein' und 'Der Findling': Vom Erzeugnis zum Zeugen: Untersuchung der Rolle von Dokumenten und Briefen für die Handlungslogik und Deutung der Texte.

Die Aufhebung der Vernichtung durch Fortschreibung und Rezeption: Zusammenfassung der Ergebnisse und Erweiterung der Analyse um die Perspektive der Rezeption.

Schlüsselwörter

Elternschaft, Autorschaft, Schöpfung, Mary Shelley, Heinrich von Kleist, Frankenstein, Der Findling, Literaturwissenschaft, Kopfgeburt, Urheberrecht, Rezeption, Schöpfungsprozess, künstliche Vaterschaft, Hybris, Textzeugnisse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Masterarbeit analysiert die metaphorische Verknüpfung von Elternschaft und Autorschaft in den Werken 'Frankenstein' von Mary Shelley und 'Der Findling' von Heinrich von Kleist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die künstliche Erzeugung von „Nachkommen“ (Werken), das Verhältnis von Autor und Werk, die Rolle des Schöpfers sowie die Auswirkungen von Schrift und Sprache.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Autoren ihre eigene künstlerische Schöpfung in den Texten als einen reflexiven Prozess darstellen, der mit den Unzulänglichkeiten und Sehnsüchten der Schöpfer verknüpft ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit geht methodisch induktiv vor: Sie arbeitet nah am Text und abstrahiert aus den Einzelbeobachtungen der Eltern-Kind-Beziehungen ein allgemeines Modell der Autorschaft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine detaillierte Einzelanalyse der zwei Werke, einen Vergleich der Modelle sowie eine Untersuchung der Rolle schriftlicher Dokumente in den Erzählungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Elternschaft, Autorschaft, Schöpfung, Frankenstein, Der Findling, Kopfgeburt, Urheberrecht und Rezeption.

Welche Rolle spielt die „künstliche“ Elternschaft in den Texten?

Sie dient als notwendiger Ersatz für die natürliche Fortpflanzung, ermöglicht dem Autor jedoch erst durch den bewussten Prozess der „Kopfgeburt“ die Kontrolle und Gestaltung des entstehenden Werkes.

Warum endet die Geschichte in beiden Fällen mit dem Tod des Schöpfers?

Laut der in den Werken präsentierten These führt die Hybris der künstlichen Schöpfung zwangsläufig zur Zerstörung des Schöpfers durch sein eigenes Werk, da dieses eine Eigendynamik entwickelt.

Welche Bedeutung haben Schriftstücke in den untersuchten Werken?

Schriftstücke wie Urkunden oder Briefe fungieren als performative Akte, die Realität schaffen oder täuschen können, und unterstreichen die Macht von Sprache als Werkzeug des Schöpfungsprozesses.

Wie unterscheidet sich die Rezeption von der Aussage der Texte?

Während die Texte auf der Handlungsebene das Scheitern und die Vernichtung des Schöpfers vorführen, zeigt die historische Realität durch das Fortbestehen der Werke, dass die künstlerische Verewigung durch Rezeption tatsächlich gelingt.

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Details

Titel
Schöpfer und Schöpfung. Zum Verhältnis von Elternschaft und Autorschaft in Mary Shelleys "Frankenstein" und Heinrich von Kleists "Der Findling"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Johanna Mandelartz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
83
Katalognummer
V455788
ISBN (eBook)
9783668865549
ISBN (Buch)
9783668865556
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adoption Eltern Pflege Kindsmord Vatermord Ödipus Adoptiv Zeugung Fruchtbarkeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Johanna Mandelartz (Autor:in), 2015, Schöpfer und Schöpfung. Zum Verhältnis von Elternschaft und Autorschaft in Mary Shelleys "Frankenstein" und Heinrich von Kleists "Der Findling", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455788
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Leseprobe aus  83  Seiten
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