Es ist unbestritten, dass jeder von uns in seiner eigenen Filterblase lebt. Die sozialen Medien präsentieren uns ausschließlich Inhalte, die wir unterstützen. Doch ist der Einfluss solcher Algorithmen wirklich so groß, dass er auch den Erfolg von Fake News erklärt?
Eine alternative Erklärung liefert das Konzept des digitalen Tribalismus. Wie Lars Urhahn erläutert, beschreibt dieses die Bildung von virtuellen sozialen Gruppen. In Zeiten der Digitalisierung identifizieren wir uns vermehrt über virtuelle Bezugspunkte und beurteilen Informationen gemäß den Interessen der Gruppe.
Urhahn geht den psychologischen Grundlagen für die Entstehung solcher digitalen Tribes nach. Anhand einer eigenen Studie klärt er, inwiefern die Verarbeitung von Fake News von der Gruppenzugehörigkeit abhängt. Lars Urhahn deckt auf, wie wir heutzutage Nachrichteninhalte verarbeiten.
Aus dem Inhalt:
- Glaubwürdigkeit;
- Neuigkeit;
- Authentizität;
- Social Media;
- Kommunikation
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Fake News
2.2 Digitaler Tribalismus
3 Wahrnehmung und Wirkung von Fake News
3.1 Nachrichtenqualität
3.2 Perzipierter Wahrheitsgehalt
3.3 Botschafts- und Kommunikatorglaubwürdigkeit
3.4 Anschlusskommunikation
4 Methodik
4.1 Untersuchungsanlage und Sample
4.2 Stimuli
4.3 Skalen
4.4 Exkurs: Forschungsethik
5 Ergebnisse und Diskussion
5.1 Nachrichtenqualität
5.2 Perzipierter Wahrheitsgehalt
5.3 Botschafts- und Kommunikatorglaubwürdigkeit
5.4 Anschlusskommunikation
5.5 Weiterführende Ergebnisse
5.6 Zwischenfazit
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, warum Fake News so erfolgreich sind, und erforscht den Zusammenhang zwischen digitalem Tribalismus und der identitätsstiftenden Informationsverarbeitung. Das primäre Ziel ist es, zu klären, inwiefern die Verarbeitung von Fake News von der Gruppenzugehörigkeit der Rezipienten abhängt und wie dies kognitionspsychologisch begründet werden kann.
- Phänomenologie und Prävalenz von Fake News in digitalen Medien
- Konzept des digitalen Tribalismus und Identitätsstiftung
- Identity-protective cognition thesis (ICT) als psychologische Grundlage
- Einfluss politischer Gruppenzugehörigkeit auf die Nachrichtenbewertung
- Anschlusskommunikation als Folge von Fake News-Rezeption
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Erscheinungsformen und Definition
Wie bereits zu Anfang der Arbeit angeklungen ist, sind Fake News nicht gleich Fake News. Da der Terminus im öffentlichen Diskurs aktuell jedoch omnipräsent ist und häufig unreflektiert verwendet wird, gilt mittlerweile fast alles als Fake News, was entweder falsch ist oder auch nur den Anschein erweckt, falsch zu sein. Auch die politische Instrumentalisierung des Begriffs, in dem Argumente des politischen Gegners strategisch als Fake News denunziert werden (Dentith 2017: 75f.), hat zu diesem Umstand beigetragen. An dieser Stelle soll daher eine systematische Einordnung der verschiedenen Erscheinungsformen von Fake News erfolgen und definiert werden, was im Kontext dieser Studie unter Fake News zu verstehen ist.
Tatsächlich galten Fake News in der „Pre-Trump-Era“ lange als das Produkt von Satire-Sendungen wie etwa – den in den USA beliebten – The Daily Show with Jon Stewart oder The Colbert Report. Selbst viele wissenschaftliche Publikationen (u.a. Balmas 2014; Marchi 2012) verwiesen auf die Ursprünge von Fake News in derartigen Unterhaltungssendungen. So stellt etwa Balmas (2014: 432) fest: „Fake news genre represents programming where either the program’s central focus or a very specific and well-defined portion is devoted to political satire“. Marchi (2012: 253) betont darüber hinaus, dass Fake News zwar real existierende Nachrichtenformate imitiere, mittels Satire im Kern jedoch eine ernsthafte Diskussion über politische Themen anstoßen wolle. Dort liegt der Unterschied zur Parodie, einer weiteren Erscheinungsform von Fake News, die sowohl in Format als auch Inhalt fiktiv ist (Tandoc et al. 2018: 142). Beiden Fake News-Formen ist hingegen gemein, dass der Rezipient in der Regel nicht getäuscht wird, sondern sich bewusst ist, dass es sich nicht um „echte“ Nachrichten handelt (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Fake News, deren Relevanz in modernen Demokratien und Vorstellung der Forschungsabsicht.
2 Theoretischer Hintergrund: Umfassende Auseinandersetzung mit den Begriffen Fake News, digitalem Tribalismus sowie kognitionspsychologischen Theorien zur Informationsverarbeitung.
3 Wahrnehmung und Wirkung von Fake News: Definition der untersuchten Konstrukte (Nachrichtenqualität, Wahrheitsgehalt, Glaubwürdigkeit, Anschlusskommunikation) und Herleitung der Hypothesen.
4 Methodik: Darstellung des experimentellen Designs, der Stichprobe sowie der eingesetzten Messinstrumente und forschungsethischer Überlegungen.
5 Ergebnisse und Diskussion: Präsentation der empirischen Befunde der Studie und Einordnung in den theoretischen Kontext.
6 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse sowie Ausblick auf zukünftige Forschung und Lösungsansätze.
Schlüsselwörter
Fake News, Digitaler Tribalismus, Identität, Informationsverarbeitung, Identity-protective cognition, Soziale Identität, Nachrichtenqualität, Glaubwürdigkeit, Anschlusskommunikation, Filterblase, Echo-Kammer, Politische Polarisierung, Experiment, Mediennutzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, warum Fake News online so erfolgreich sind, und untersucht dabei die Rolle von Gruppenidentität und digitalem Tribalismus bei der Verarbeitung von Informationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Fake News, psychologische Mechanismen der Identitätswahrung (ICT), soziale Gruppenprozesse im Internet sowie die Wahrnehmung von Nachrichtenqualität.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern die politische Orientierung und die damit verbundene Gruppenzugehörigkeit die Bewertung von Nachrichteninhalten beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt ein 2x2-Experimentaldesign als Paper-and-Pencil-Studie mit 145 Probanden, um die Wirkung von fiktiven Nachrichteninhalten zu testen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Theoriebildung zu Fake News und digitalem Tribalismus sowie die methodische Umsetzung und Diskussion der empirischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Digitale Identität, kognitive Verzerrungen (Bias), Nachrichtenbewertung, politische Polarisierung und soziale Gruppenkohäsion.
Welche Rolle spielt das "Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen" in der Studie?
Das Institut wurde als fiktive Quelle für eine Studie innerhalb der experimentellen Stimuli verwendet, um die Glaubwürdigkeitszuschreibung in Abhängigkeit von der politischen Einstellung zu testen.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich der Wirkung von Fake News?
Die Arbeit resümiert, dass Fake News zwar nicht zwangsläufig Wahlen entscheiden, aber als identitätsstiftender "Treibstoff" für digitale Stämme wirken und die gesellschaftliche Polarisierung verstärken können.
- Citar trabajo
- Lars Urhahn (Autor), 2019, Warum sind Fake News so erfolgreich? Digitaler Tribalismus und identitätsstiftende Informationsverarbeitung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456012