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Robbe-Grillets "Glissements progressifs du plaisir" und die Transgression nach Bataille

Titel: Robbe-Grillets "Glissements progressifs du plaisir" und die Transgression nach Bataille

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 20 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: René Dietzsch (Autor:in)

Französische Philologie - Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Jahr 1974 stellte Robbe-Grillet als Regisseur seinen dritten Film "Glissements progressifs du plaisir" fertig, zu dem er im selben Jahr einen sogenannten "ciné-roman" veröffentlicht hat. Letzterer kann als symbiotisches Konstrukt verstanden werden, das sich zwischen den Medien Buch und Film bewegt. Darin sind eine kurze Zusammenfassung der Kernhandlung und das Drehbuch mit Dialogen, Fotografien ausgewählter Szenen sowie eine sekundengenaue Auflistung der Filmszenen und Schnitte enthalten. Der Film löste bei den Rezipienten ähnlich ambivalente Emotionen aus wie die meisten seiner filmischen Werke – sie erfreuten, verwirrten oder enttäuschten gar das Publikum.

In dieser Arbeit wird untersucht, welche Erwartungen die Zuschauer an die Filme stellen und ob und inwiefern Robbe-Grillets gewillt ist, diese Erwartungen zu erfüllen. Das allerdings geschieht vor einem besonderen Hintergrund: Robbe-Grillets Film wird auf der Folie des zwanzig Jahre zuvor entstandenen Werkes "L’Érotisme" von Geoges Bataille betrachtet. Die Frage besteht darin, ob Robbe-Grillet als lecteur Batailles verstanden werden kann, ob er also bewusst Grenzen überschreitet, und welche Bereiche er durch die mutmaßlich übertretenen Grenzen voneinander zu scheiden sucht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Zur Einführung

2. Robbe-Grillets Glissements vor dem Hintergrund der Transgressionstheorie Batailles

2.1. Der Film: Resümee, Struktur und Motive

2.2. Verbot und Transgression nach Georges Bataille

2.3. Robbe-Grillet als lecteur Batailles

2.4. Andere Deutungsansätze des Films

3. Zusammenfassung

4. Bibliografie

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, den Film "Glissements progressifs du plaisir" von Alain Robbe-Grillet vor dem Hintergrund der Transgressionstheorie von Georges Bataille zu analysieren. Dabei wird untersucht, inwiefern Robbe-Grillet als bewusster "Leser" Batailles verstanden werden kann und ob die im Film dargestellten Grenzübertritte – insbesondere in Bezug auf Sexualität, Gewalt und religiöse Tabus – als Bestätigung oder Infragestellung gesellschaftlicher Normen fungieren.

  • Analyse der narrativen Struktur und zirkulären Motive des Films.
  • Erarbeitung der zentralen Theoreme Batailles zu Verbot, Transgression und Erotik.
  • Untersuchung spezifischer Grenzübertritte (Homoerotik, Nacktheit, Sadomasochismus, Sakrileg).
  • Intermediale Betrachtung des Verhältnisses zwischen Film und ciné-roman.
  • Diskussion gesellschaftskritischer Deutungsansätze im Kontext des Poststrukturalismus.

Auszug aus dem Buch

2.2. Verbot und Transgression nach Georges Bataille

Von besonderem Interesse im vorliegenden Zusammenhang ist das erste Kapitel in Batailles Werk L’Érotisme, das den Titel L’interdit et la transgression trägt. In der Hauptsache führt er darin Ursprung und Genese von Sexualität und Erotik, Krieg, Tötung und Tod, deren Verankerung in der christlichen Religion, deren Tabuisierung und schließlich das Brechen der Tabus aus. Betrachten wir zunächst einige grundlegende Thesen.

Voraussetzung für die Entstehung von Religion und Erotik ist die Etablierung von Verboten und deren Überschreitung. Wenn Verbote mit dem Ziel der Rückkehr zu einem ursprünglichen, eben vorschriftsfreien Zustand übertreten werden, offenbart sich der Unterschied zu einem gesetzesfreien Urzustand: „[…] la transgression diffère du ‹retour à la nature›: elle lève l’interdit sans le supprimer. Là se cache le ressort de l’érotisme, là se trouve en même temps le ressort des religions.“ (Bataille 1957: 42). Eine anschauliche Unterteilung der gesellschaftlichen „Welt“ des Menschen in zwei Sphären bietet wohl die folgende Stelle am besten:

La transgression excède sans la détruire un monde profane, dont elle est le complément. La société humaine n’est pas seulement le monde du travail. Simultanément – ou successivement – le monde profane et le monde sacré la composent, qui en sont les deux formes complémentaires. Le monde profane est celui des interdits. Le monde sacré s’ouvre à des transgressions limitées. C’est le monde de la fête, des souverains et des dieux. (Bataille 1957: 76)

Alles, was die „Produktivität“ des Menschen (um mit Batailles ökonomisch anmutenden Worten zu sprechen) im „profanen“ Alltag hemmen könnte, wird mit anderen Worten also von der „heiligen“ Welt absorbiert. Was Verbot im Alltag, wird Gebot im Fest. Stellt sich die Frage, wozu es überhaupt Verbote gibt und wer diese errichtet. Bataille ist sich sicher „que les interdits ne sont pas imposés du dehors“ (Bataille 1957: 45), sondern Produkt historisch gewachsener Konventionen ist, die freilich auch von einer Gesellschaft zur anderen variieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zur Einführung: Die Einleitung stellt den Regisseur Alain Robbe-Grillet sowie seinen Film "Glissements progressifs du plaisir" vor und führt in die theoretische Fragestellung der Arbeit ein, die eine Verbindung zu Georges Batailles Transgressionstheorie herstellt.

2. Robbe-Grillets Glissements vor dem Hintergrund der Transgressionstheorie Batailles: Dieses Hauptkapitel analysiert den Film durch die theoretische Linse Batailles, indem es Struktur, Motive und spezifische Tabubrüche im Film untersucht und mit Batailles Konzepten von "profaner" und "heiliger" Welt vergleicht.

2.1. Der Film: Resümee, Struktur und Motive: Dieses Unterkapitel bietet eine Zusammenfassung der Handlung, beschreibt die zirkuläre, nicht-lineare Erzählstruktur und identifiziert zentrale, wiederkehrende Symbole.

2.2. Verbot und Transgression nach Georges Bataille: Dieses Unterkapitel erarbeitet die theoretischen Grundlagen des Werkes "L’Érotisme", insbesondere die dialektische Beziehung zwischen dem Verbot und dessen Überschreitung als konstitutives Element menschlicher Kultur.

2.3. Robbe-Grillet als lecteur Batailles: Dieses Unterkapitel wendet die zuvor entwickelten Theoreme auf fünf konkrete Aspekte des Films an, darunter Homoerotik, Nacktheit und Sadomasochismus, um die bewusste Anwendung der Transgressionstheorie durch Robbe-Grillet zu belegen.

2.4. Andere Deutungsansätze des Films: Dieses Unterkapitel kontextualisiert die vorliegende Arbeit, indem es alternative Interpretationen, wie etwa gesellschaftskritische oder feministische Perspektiven der Filmwissenschaft, aufgreift und diskutiert.

3. Zusammenfassung: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und bestätigt, dass die Provokation in Robbe-Grillets Werk nicht ziellos ist, sondern durch den Bruch mit gesellschaftlichen Tabus deren Gültigkeit in einer dialektischen Weise verifiziert.

4. Bibliografie: Das Verzeichnis listet sämtliche herangezogenen Primärquellen und die verwendete Sekundärliteratur auf.

Schlüsselwörter

Alain Robbe-Grillet, Georges Bataille, Glissements progressifs du plaisir, Transgression, Verbot, Erotik, Filmtheorie, Poststrukturalismus, Tabubruch, Narratologie, Gesellschaftskritik, Ciné-roman, Mise en abyme, Gewalt, Sakrileg.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Film "Glissements progressifs du plaisir" von Alain Robbe-Grillet unter Anwendung der Transgressionstheorie des französischen Philosophen Georges Bataille.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Beziehung zwischen Film und Zuschauer, die Darstellung von Tabubrüchen, die Dialektik von Verbot und Überschreitung sowie die Verbindung von Gewalt und Sexualität.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu untersuchen, ob Alain Robbe-Grillet als bewusster Leser der Theorien Batailles fungiert und wie er filmisch mit den Grenzen zwischen dem "Profanen" und dem "Heiligen" spielt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine hermeneutische Text- und Filmanalyse angewandt, die das Werk Robbe-Grillets auf der theoretischen Folie von Batailles "L’Érotisme" interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Vorstellung des Films, die Erarbeitung der Theorie Batailles sowie die detaillierte Analyse spezifischer Szenen hinsichtlich ihrer transgressiven Qualität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Transgression, Tabubruch, Erotik, narrativer Bruch, gesellschaftliche Normen und die philosophische Verbindung zwischen Robbe-Grillet und Bataille.

Wie geht Robbe-Grillet mit dem voyeuristischen Potenzial seiner Bilder um?

Robbe-Grillet provoziert den Zuschauer zwar durch die Nähe zu Tabuthemen, entzieht dem Voyeurismus jedoch die Befriedigung, indem er die Szenen immer wieder bricht oder als bloße Abbilder entlarvt.

Welche Rolle spielt der sogenannte "ciné-roman" bei der Interpretation?

Der ciné-roman dient als wertvolle Interpretationshilfe, da er Dialoge, Schnitte und Regieanweisungen enthält, die Robbe-Grillets intentionale Spielereien mit der Wahrnehmung des Zuschauers belegen.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Robbe-Grillets "Glissements progressifs du plaisir" und die Transgression nach Bataille
Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,0
Autor
René Dietzsch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V456052
ISBN (eBook)
9783668878976
ISBN (Buch)
9783668878983
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Robbe-Grillet Bataille nouveau roman glissements
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
René Dietzsch (Autor:in), 2010, Robbe-Grillets "Glissements progressifs du plaisir" und die Transgression nach Bataille, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456052
Blick ins Buch
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