Schon im Jahre 1930 legitimierte der Soziologe und Volkswirt Werner Sombart in seinem Werk Nationalökonomie und Soziologie die Erforschung der Ökonomie aus sozialwissenschaftlicher Sicht, wenn er sagt, dass Wirtschaft (…) ein Teil der menschlichen Gesellschaft [ist] (Sombart, 1930). Daran knüpft ein Teilgebiet der Soziologie an- die Wirtschaftssoziologie. Inwiefern wirtschaftliches Handeln in soziale Strukturen eingebettet ist, beschreibt Mark Granovetter 1985 in seinem Aufsatz Economic Action and Social Structure: The Problem of Embeddedness, welcher als das Leitbild in dieser Debatte gilt und Raum für weitere Untersuchung bietet.
In dieser Hausarbeit soll geprüft werden, welche Rolle die Kultur bei der Einbettung wirtschaftlicher Entscheidungen in die soziale Umwelt spielt. Daher wird nun zunächst die Theorie der Einbettung nach Granovetter beschrieben sowie überblickshalber verschiedene Dimensionen der Einbettung dargestellt. Die Dimension der Kultur ist schließlich relevant für diese Arbeit, weshalb anschließend eine Annäherung an den Kulturbegriff vorgenommen wird. Hier zeigt sich, dass es keine eindeutige Definition von Kultur gibt. Nun erfolgt die Darstellung und methodische Bewertung von diversen Studien, die anhand von Ultimatum- Spielen kulturelle Einflüsse auf wirtschaftliche Entscheidungssituationen untersucht haben. Durch das Zusammentragen aller Ergebnisse kann anschließend die Forschungsfrage beantwortet werden. Zuletzt werden zentrale Befunde zusammengefasst und ein Ausblick auf weitere Forschungsmöglichkeiten gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Einbettung wirtschaftlicher Entscheidungen in die soziale Umwelt- Welche Rolle spielt hierbei die Kultur?
2.1 Theorie zur Einbettung wirtschaftlichen Handelns
2.2 Annäherung an den Kulturbegriff
2.3 Darstellung und Bewertung empirischer Ergebnisse zur Erforschung kultureller Einflüsse
2.4 Kulturelle Einbettung wirtschaftlicher Entscheidungen
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die Rolle der Kultur bei der Einbettung wirtschaftlicher Entscheidungen in die soziale Umwelt. Ausgehend von der Theorie der Einbettung nach Mark Granovetter wird analysiert, inwiefern kulturelle Faktoren das wirtschaftliche Handeln von Individuen beeinflussen und das klassische Modell des homo oeconomicus ergänzen oder infrage stellen.
- Sozioökonomische Einbettungstheorien nach Granovetter
- Begriffsbestimmung von Kultur in der Soziologie
- Empirische Untersuchung kultureller Einflüsse mittels Ultimatum-Spielen
- Kritische Bewertung von Laborexperimenten in der Sozialforschung
- Zusammenhang zwischen kulturellen Normen und wirtschaftlichem Verhalten
Auszug aus dem Buch
2.1 Theorie zur Einbettung wirtschaftlichen Handelns
Der Begriff der Einbettung wird üblicherweise mit dem Soziologen Mark Granovetter in Verbindung gebracht, welcher als bekannter Vertreter der Netzwerkanalyse gilt. Erstmals wurde diese Bezeichnung allerdings in Karl Polanyis Werk The Great Transformation aus dem Jahre 1944 verwendet, in welchem er kurz gesagt die Herausbildung der liberalen Marktwirtschaft beschreibt. Granovetter verbreitet das Konzept der Einbettung schließlich in seinem bekannten Aufsatz Economic Action and Social Structure: The Problem of Embeddedness (1985) auf eine andere Art und Weise als Polanyi. Dies gilt als zentraler Diskussionspunkt für die neue Wirtschaftssoziologie, da wirtschaftliches Handeln keine reine Untersuchung der Ökonomen bleiben darf, sondern vor einem sozialen Kontext betrachtet werden muss (Vgl. Braun et al. 2013: S. 167). Diese Idee wird im Folgenden erläutert. Zunächst beschreibt Granovetter das Konzept der Über- und Untersozialisierung, welche er beide kritisiert.
In klassischen und neoklassischen Wirtschaftstheorien innerhalb der utilitaristischen Denkweise nimmt man das Modell eines homo oeconomicus an, welcher eigeninteressiert seinen Nutzen maximieren will. Es liegt hier ein atomistisches, untersozialisiertes Konzept menschlichen Handelns vor, bei welchem der Einfluss von sozialen Strukturen auf die Wirtschaft ausgeschlossen ist. Man geht nämlich in dieser Tradition davon aus, dass soziale Beziehungen störend sind für den Wettbewerbsmarkt aufgrund von Misstrauen und dass die gesellschaftliche Atomisierung die Bedingung für einen vollkommenen Wettbewerb bildet (Vgl. Granovetter 1985: S. 483/484). Jüngere Theorien dagegen stellen soziale Einflüsse nun in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen Handelns: Diese erscheinen als Prozesse, durch welche sich der Handelnde Gewohnheiten oder Normen aneignet, welche er mechanisch und automatisch befolgen, ohne Rücksicht auf seine rationale Entscheidungsfähigkeit. Hier liegt nun ein Konzept der Übersozialisierung vor, da man annimmt, dass Verhaltensmuster verinnerlicht sind und sich aktuelle Beziehungen nicht auf das Handeln auswirkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die wirtschaftssoziologische Debatte um die Einbettung ökonomischen Handelns ein und formuliert die zentrale Fragestellung nach der Rolle der Kultur in diesem Kontext.
2. Die Einbettung wirtschaftlicher Entscheidungen in die soziale Umwelt- Welche Rolle spielt hierbei die Kultur?: Dieses Kapitel theoretisiert die Einbettung, definiert den Kulturbegriff soziologisch und bewertet empirische Studien, die kulturelle Einflüsse mittels experimenteller Methoden analysieren.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und zeigt auf, dass weder das Modell des homo oeconomicus noch ein rein mechanisches Verständnis die Realität widerspiegeln, während gleichzeitig Ausblicke für die weitere Forschung gegeben werden.
Schlüsselwörter
Wirtschaftssoziologie, Mark Granovetter, Einbettung, Kulturbegriff, Ultimatum-Spiel, homo oeconomicus, soziale Umwelt, Laborexperimente, Fairness-Normen, ökonomisches Handeln, kulturelle Heterogenität, Spieltheorie, Nutzenmaximierung, Sozialforschung, empirische Studien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Frage, wie wirtschaftliche Entscheidungen in den sozialen Kontext eingebettet sind und welchen Einfluss die Kultur auf dieses Handeln ausübt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verknüpft die wirtschaftssoziologische Theorie der Einbettung nach Mark Granovetter mit soziologischen Kulturbegriffen und der empirischen Auswertung experimenteller Wirtschaftsstudien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu prüfen, inwieweit kulturelle Faktoren ökonomische Entscheidungsprozesse beeinflussen und ob diese über rein rationale Nutzenmaximierung hinausgehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung soziologischer Konzepte sowie eine sekundäranalytische Auswertung von experimentellen Daten, insbesondere von Ultimatum-Spielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Einbettung, die Definition von Kultur, die methodische Bewertung von Experimenten zur Untersuchung kultureller Einflüsse und die Interpretation von Ergebnissen verschiedener Studien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Wirtschaftssoziologie, Einbettung, Kultur, Ultimatum-Spiel, homo oeconomicus und soziale Normen.
Was ist das Ergebnis der Analyse bezüglich des homo oeconomicus?
Die Analyse zeigt, dass das Modell des homo oeconomicus nicht ausreicht, da Probanden in Ultimatum-Spielen selten den gesamten Einsatz für sich behalten und von sozialen Faktoren sowie Fairness-Normen beeinflusst werden.
Warum unterscheidet sich das Verhalten von Studenten von dem anderer Gruppen?
Studentische Probanden weisen oft einen ähnlichen kulturellen Hintergrund auf, weshalb sie sich in Experimenten kaum unterscheiden; bei stärker kulturell differenzierten Gruppen zeigen sich hingegen deutliche Variationen durch abweichende soziale Normen.
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- Anonym (Autor), 2016, Die Einbettung wirtschaftlicher Entscheidungen in die soziale Umwelt. Welche Rolle spielt hierbei die Kultur?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456100