'Liebe beginnt' von Marie Luise Kaschnitz - Analyse des Buches mit dem Schwerpunkt Liebe und Nationalsozialismus


Seminararbeit, 2005

18 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Liebe

3. Liebe im Roman
3.1. Silvias Liebesbeziehung zu Andreas
3.2. Vergleich: Liebe beginnt und Liebe als System

4. Silvias Wandel : Abhängigkeit - Volksgemeinschaft - Familie

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Der Roman „Liebe beginnt“ von Marie Luise Kaschnitz, aus dem Jahre 1933, handelt von Silvia und Andreas. Die beiden Protagonisten sind ein Paar und leben, eher unauffällig, zusammen in einer Wohnung. Silvia ist arbeitslos und kümmert sich um den Haushalt, während Andreas seine Zeit in der Bibliothek verbringt. Er ist Wissenschaftler und Schriftsteller. Ihr Leben gerät jedoch aus den Fugen und schon im ersten Kapitel werden Veränderungen deutlich. Die beiden begeben sich auf eine Reise, welche ihre Einstellungen und ihr Leben komplett verändert. Silvia beschreibt diese Reise und ihre Gefühle, wie sie sich entwickeln, neu ordnen und verändern.

In meiner Arbeit zu diesem Buch möchte ich versuchen, diese Veränderungen aufzuzeigen. Ich möchte deutlich machen, welche Beziehung Silvia zu Andreas hat und wie diese sich wandelt.

Da der Roman 1933 entstanden ist, finden sich in den Lebensweisen und Aussagen der Figuren, positive und negative Einstellungen zum Nationalsozialismus. Silvia befindet sich, auf Grund dessen, in einem Zwiespalt, zwischen dem Wunsch, einer Gemeinschaft anzugehören und, dem eher freien, Dasein ihres Lebensgefährten Andreas. Diesen Zwiespalt will ich versuchen, unter Einbezug der damals vorherrschenden Rolle von Familie und Frau, deutlich zu machen.

Um einen Einstieg in das Thema zu finden, muss man zunächst den Begriff Liebe definieren. Hierbei gilt es zu beschreiben, was Liebe eigentlich ausmacht, von was sie bedingt wird und was sie für die Menschen bedeutet.

2. Definition von Liebe

Der Begriff Liebe gibt uns seit Jahrhunderten Rätsel auf. Spricht man von Emotionen, meint man etwas anderes als körperliche Liebe und Sexualität. Redet man von freundschaftlichem Verständnis und davon, dass man Einstellungen und Hobbys teilt, kann dies auf einen Lebensabschnittsgefährten oder Ehepartner, aber auch auf einen guten Freund zutreffen. All dies Attribute, die wir unserem geläufigen Begriff von Liebe zuschreiben.

Schlägt man den Ausdruck Liebe z. B. in einer Enzyklopädie nach, so heißt es:

„Liebe (vom mittelhochdeutschen liob = gut) ist die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung, die ein Mensch für einen anderen empfinden kann, ein Gefühl inniger und tiefer Verbundenheit mit dem Nächsten. Ausgehend von der biologisch angeborenen Fähigkeit zu intensiven positiven Gefühlen gegenüber einem anderen Menschen wurde der Begriff schon immer auch im übertragenen Sinne verwendet und steht dann allgemein für die stärkste Form der Hinwendung zu anderen Lebewesen oder Dingen.“[1]

Das Liebe jedoch auch als Funktionssystem gesehen werden kann, welches einem, auf den ersten Blick einfachen, binären Code folgt, dass wollen Liebende, wie auch andere, die mit der Materie nicht intensiv beschäftigen, nicht wahrhaben.

Niklas Luhmann beschäftigte sich in seinem Werk Liebe als Passion von 1982 mit dem System Liebe.

„In diesem Sinne ist das Medium Liebe selbst kein Gefühl, sondern ein Kommunikationscode, nach dessen Regeln man Gefühle ausdrücken, bilden, simulieren, anderen unterstellen, leugnen und sich mit all dem auf die Konsequenzen einstellen kann, die es hat, wenn entsprechende Kommunikationen realisiert werden.“[2]

Er geht dabei weniger darauf ein, was Liebe ist und wie sie zu deuten sei, sondern beschreibt, wie wir sie kommunizieren. D.h. Liebe ist Interaktion und Kommunikation.

Diese Sichtweise findet ihre Weiterentwicklung durch Becker/ Reinhard-Becker, die ebenfalls den Blick auf den Stellenwert der Liebe als ein Funktionssystem richten. Sie entwickeln einen von Luhmann aufgestellten Code aus dem Jahre 1975 weiter. Dieser Code beruht auf der Entscheidung des einen Partners zwischen dem Du (also dem Lebenspartner) oder einem anderen (einem Außenstehenden) . Sie gelangen zu dem Ergebnis, dass der Code der Liebe von den Größen Verstehen / Nichtverstehen ausgemacht werden müsse. Diese Codierung beschreibt treffender als Du/ kein anderer das Wesen der Liebe. Liebe herrscht und kann bestehen, wenn die Liebenden einander verstehen. Sie endet, wenn der eine, den anderen, nicht mehr versteht bzw. sich unverstanden fühlt. Alles was zwischen diesen beiden Größen liegt, also nicht vollständiges Verständnis oder Unverständnis ist, fördert die Kommunikation und hält somit die Liebe in Gang.[3]

Kommunikation ist somit, laut Luhmann und Becker/ Reinhard-Becker, eines der wichtigsten Attribute von Liebe und muss erhalten bleiben, um die Liebe zu erhalten. Sie ebnet auch den Weg zur Identitätsfindung, denn dadurch, dass man mit dem Partner kommuniziert und voll und ganz verstanden wird, kann man sich selbst als Ganzes verstehen und findet somit seine wahre Identität. In anderen Bereichen, wie z. B. der Wirtschaft, wird man immer nur in teilen wahrgenommen, wie z.B. als Käufer oder Verkäufer. Alle anderen Teile des Daseins sind unwichtig. In der Liebe jedoch muss der eine alles, vom anderen, wissen und sich für jeden Aspekt des Lebensgefährten interessieren, um ihn lieben zu können. Dadurch reflektiert er sein gegenüber und man kann sich zum erstenmal im Ganzen sehen. In Romanen wird dieser Aspekt oft als die Bejahung des Lebens und als eine Art zweite Geburt dargestellt, welche man durch das Lieben erfährt.[4]

Wenn es mit dem wichtigsten Teil der Liebe, der Kommunikation, ein Problem gibt, so beginnen die Partner an der Liebe zu zweifeln und es kommt zu Konflikten. Diese wachsen, wenn auch ein Perspektivenwechsel zwischen den Partner nicht funktioniert. Dieses so genannte Einfühlen in das Gegenüber soll dazu dienen, den Anderen noch besser zu verstehen und seine Sichtweisen übernehmen zu können. Gelingt dies, so wird man selbst für den Anderen zum Welt- und Lebensteiler. Gelingt dies nicht, kommt es zum Nichtverstehen.[5]

Welche Rolle Gefühle für den Aufbau der Liebe spielen, wird bei Luhmann eher außer Acht gelassen. Es wird jedoch sehr wohl darauf eingegangen, dass sich Liebe, über die Jahrhunderte hinweg, entwickelt hat. Ausgehend von der mittelalterlichen Minne, bei der Liebe als Passion bzw. als Krankheit bezeichnet wird, die die Liebenden blind macht, bis hin zur romantischen Liebe des 18. Jahrhunderts. Diese These greifen auch Becker/ Reinhard-Becker auf, so heißt es:

„Liebe ist zeitabhängig, sie verändert sich und diese Veränderungen reagieren auf bestimmte Problemlagen, die in der Gesellschaft gerade vorherrschen.“[6]

Sie kommen zu dem Schluss, dass wir heute in trivialer Form wie die Romantiker lieben[7], das unser Liebesleben aber auch von der Minne mittelalterlicher Ritter geprägt ist, da wir den Partner oft idealisieren und auf ein Podest stellen, ähnlich einer Passion und dem Sprichwort: Liebe macht blind.[8]

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Liebe [Stand: 16.03.05].

[2] Luhmann, Niklas: Liebe als Passion: Zur Codierung von Intimität. Frankfurt am Main, 1994. S.23.

[3] vgl. Becker, Frank/ Elke Reinhard-Becker: Systemtheorie: Eine Einführung für die Geschichts- und Kulturwissenschaften. Campus Verlag GmbH. Frankfurt am Main, 2001. S.140f.

[4] vgl. Becker, Frank/ Elke Reinhard-Becker: Systemtheorie: Eine Einführung für die Geschichts- und Kulturwissenschaften. Campus Verlag GmbH. Frankfurt am Main, 2001. S.182f.

[5] vgl. ebd. S.189f.

[6] ebd. S.175.

[7] vgl. Becker, Frank/ Elke Reinhard-Becker: Systemtheorie: Eine Einführung für die Geschichts- und Kulturwissenschaften. Campus Verlag GmbH. Frankfurt am Main, 2001. S.177.

[8] vgl. ebd. S.211.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
'Liebe beginnt' von Marie Luise Kaschnitz - Analyse des Buches mit dem Schwerpunkt Liebe und Nationalsozialismus
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Universität)
Veranstaltung
Seminar
Note
1.7
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V45622
ISBN (eBook)
9783638429931
ISBN (Buch)
9783656652267
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Liebe, Marie, Luise, Kaschnitz, Analyse, Buches, Schwerpunkt, Nationalsozialismus, Seminar
Arbeit zitieren
Sabine Jaki (Autor), 2005, 'Liebe beginnt' von Marie Luise Kaschnitz - Analyse des Buches mit dem Schwerpunkt Liebe und Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45622

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