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Spiegelneuronen - Mirror Neurons

Die zwischenmenschliche Kommunikation als neuronaler Nachahmungsprozess

Title: Spiegelneuronen - Mirror Neurons

Research Paper (undergraduate) , 2005 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: BA Michael Kempmann (Author)

Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
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Summary Excerpt Details

In dieser Hausarbeit widme ich mich neuen neurobiologischen Erkenntnissen über die Hirnaktivität bei der Erkennung von Handlungen, sowie – teilweise nicht genau nachgewiesenen – Hypothesen über den Einfluss von Spiegelneuronen auf die Erkennung von Sprache und der Evolution sprachlicher Kommunikation. Schließlich soll auch auf Empathie eingegangen werden, ein Bereich, in dem das Spiegelneuronensystem die neurale Basis von Intersubjektivität sein soll.

Spiegelneuronen sind Neuronen, die im Gehirn bei Beobachtung von Handlungen die selben Potenziale auslösen, wie bei der Ausführung gleicher Handlungen. Entdeckt wurden solche Potenziale erstmals in den 1990er Jahren von den italienischen Neurologen Vittorio Gallese und Giacoma Rizzolati an der Neurobiologischen Fakultät der Universität Parma. Sie unternahmen Versuche an Affen und entdeckten zufällig Potenziale, die schon bei der Beobachtung von Handlungen feuerten. Während andere Affen oder der Experimentator die Versuchsaufgabe (Greifen einer Nuss) lösten bzw. aufbauten, waren bei den nicht aktiven, nur beobachtenden Affen Potenziale zu messen. Diese Affen hatten noch Elektroden an den Messpunkten und die Aufzeichnungsgeräte waren noch eingeschaltet. Es scheint, als sei mit den Spiegelneuronen der neurologische Mechnismus gefunden, mit dessen Hilfe die fundamentale Eigenschaft der Erkennung von Handlungen plausibel und einfach erklärt werden kann und auch die Grundlage für die Imitation motorischer Handlungen gefunden wurde. Damit wären die Spiegelneuronen grundlegend für das menschliche Sozialverhalten verantwortlich.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2.0 Das Spiegelneuronensystem und das Erkennen von Handlungen

2.1. Rückblick: Forschungsergebnisse der Spiegelneuronenforschung beim Affen

2.2. Rückblick: Forschungsergebnisse der Spiegelneuronenforschung beim Menschen

2.3. Die Bedeutung des Spiegelneuronenkomplexes für die menschliche Fähigkeit der Imitation

3.0. Das Spiegelneuronensystem und seine Rolle bei der Spracherkennung

3.1. Bedeutungsentwicklung aus Lauten und Gesten

3.2. Onomatopöie und Schematopöie

3.3. Audio-visuelle Spiegelneuronen und Echo-Spiegelneuronen

4.0. Die Wurzeln der Empathie

4.1 Definition: Identität

4.2 "implicit certainities"

4.3 Von den "implicit certainities" zu einem "Shared Manifold of Intersubjectivity"

4.4 "Shared Manifold of Intersubjectivity"

5.0. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die neurobiologischen Grundlagen von Spiegelneuronen und deren Rolle bei der Erkennung von Handlungen, der Sprachevolution sowie der Entstehung von Empathie und Intersubjektivität.

  • Neurobiologische Mechanismen der Handlungserkennung ("direct matching").
  • Die Funktion von Spiegelneuronen bei der Imitation motorischer Handlungen.
  • Zusammenhang zwischen Spiegelneuronen und der Evolution menschlicher Sprache.
  • Die Rolle des "Shared Manifold of Intersubjectivity" für Empathie und soziales Verhalten.
  • Kritische Reflexion über die Bedeutung der Spiegelneuronen für ein ganzheitliches Verständnis des menschlichen Geistes.

Auszug aus dem Buch

2.1. Rückblick: Forschungsergebnisse der Spiegelneuronenforschung beim Affen

Wie bereits beschrieben wurden Spiegelneuronen zunächst beim Affen gefunden und zwar im prämotorischen Cortex und in der sog. F5-Region.

„Electrophysilogical studies have shown that in this area, there is a motor representation of mouth an hand actions. Neurons discharge when the monkey executes specific goal-directed hand actions such as grasping, holding, tearing and manipulating objects” (Buccino, 1, 3ff.).

“Very interestingly, part of these neurons discharge both when the monkey performs specific goal-directed hand actions and when it observes another monkey or an experimenter performing the same or similar action” (Buccino, 2, 4ff.). (Als Belege werden von Buccino folgende Texte benannt: Gallese, Fadiga, Fogassi, Rizzolatti, 1996; Rizzolatti, Fadiga, Gallese, Fogassi, 1996a)

Es wurde also festgestellt, dass es im Hirn von Menschenaffen Bereiche gibt, in denen motorische Bewegungen repräsentiert werden. Weiter wurde festgestellt, dass diese Neuronen nicht nur bei der Durchführung, sondern bei der bloßen Beobachtung feuern. Es handelt sich bei den von Spiegelneuronen kodierten Bewegungen nicht um elementare Bewegungen (sondern greifen, halten etc. s.o.). Offensichtlich werden Handlungen nicht aufwendig visuell analysiert, es handelt sich viel mehr um einen Mechanismus der direkten Erkennung („direct matching mechnism“) von beobachteter Handlung durch Abbildung der beobachteten Handlung mittels der selben Potenziale, wie bei der Exekution der gleichen Bewegung, im Hirn des Beobachtern (direkte Repräsentation).

Buccino unterstreicht einige der Hauptcharakteristika der Spiegelneuronen: „during action observation they discharge only when a biological effector (a hand, for example) interacts with an object“ (2, 23ff.), nicht, wenn die Handlung mit einem Werkzeug ausgeführt wird (vgl. Buccino, 2, 26). „Mirror neurons are not active [...] when the observed action is simply mimicked, that is executed in the absence of an object” (Buccino, 2, 26ff.). Außerdem feuern sie nicht bei “mere visual presentation of an object” (Buccino, 2, 29f.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Arbeit gibt einen Überblick über neurobiologische Erkenntnisse zu Spiegelneuronen, deren Bedeutung für die Handlungs- und Spracherkennung sowie deren Rolle bei Empathie.

2.0 Das Spiegelneuronensystem und das Erkennen von Handlungen: Dieses Kapitel erläutert den "direct matching"-Mechanismus im Gehirn, der es ermöglicht, beobachtete Handlungen durch interne motorische Repräsentationen zu verstehen.

2.1. Rückblick: Forschungsergebnisse der Spiegelneuronenforschung beim Affen: Hier werden die ursprünglichen Entdeckungen von Spiegelneuronen in der F5-Region des Affengehirns sowie deren spezifische Aktivierung bei zielgerichteten Handlungen beschrieben.

2.2. Rückblick: Forschungsergebnisse der Spiegelneuronenforschung beim Menschen: Das Kapitel belegt die Existenz eines analogen Systems beim Menschen, das komplexe motorische Simulationen bei der Beobachtung von Handlungen ermöglicht.

2.3. Die Bedeutung des Spiegelneuronenkomplexes für die menschliche Fähigkeit der Imitation: Es wird diskutiert, wie Spiegelneuronen die Grundlage für Imitationslernen bilden und eine Verbindung zwischen visueller Wahrnehmung und motorischer Ausführung herstellen.

3.0. Das Spiegelneuronensystem und seine Rolle bei der Spracherkennung: Dieses Kapitel untersucht die Verbindung zwischen Spiegelneuronen in Spracharealen (Broca-Zentrum) und der evolutionären Entwicklung von Sprache aus Gesten und Lauten.

3.1. Bedeutungsentwicklung aus Lauten und Gesten: Die Theorie wird vorgestellt, dass Sprache aus einer gestenbasierten Kommunikation hervorging, die später durch kombinatorische lautliche Fähigkeiten erweitert wurde.

3.2. Onomatopöie und Schematopöie: Die Rolle von Lautmalerei und pantomimischen Gesten als mögliche Ursprungsformen der Sprachentwicklung wird thematisiert.

3.3. Audio-visuelle Spiegelneuronen und Echo-Spiegelneuronen: Es wird erläutert, wie spezialisierte Neuronen Klänge mit motorischen Handlungen verknüpfen und so das Verständnis von Sprache unterstützen.

4.0. Die Wurzeln der Empathie: Dieses Kapitel verknüpft das Spiegelneuronensystem mit dem Konzept der Intersubjektivität und dem intuitiven Verständnis für die Handlungen und Gefühle anderer.

4.1 Definition: Identität: Hier wird der Unterschied zwischen Selbst-Identität und Gruppen-Identität erläutert.

4.2 "implicit certainities": Es wird untersucht, wie neuronale "innere Kopien" von Handlungen dazu beitragen, andere Personen in die eigene Lebenswelt einzuordnen.

4.3 Von den "implicit certainities" zu einem "Shared Manifold of Intersubjectivity": Die Hypothese eines geteilten Raums der Intersubjektivität wird als Basis für Empathie und soziale Kommunikation eingeführt.

4.4 "Shared Manifold of Intersubjectivity": Das Konzept wird in eine phänomenologische, eine funktionale und eine subpersonale Ebene unterteilt.

5.0. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass Spiegelneuronen eine fundamentale Rolle beim Handlungsverstehen, der Sprache und Empathie spielen und den Grundstein für soziale Interaktion legen.

Schlüsselwörter

Spiegelneuronen, Handlungserkennung, Neurowissenschaft, Imitation, Sprachevolution, Broca-Zentrum, Empathie, Intersubjektivität, Shared Manifold, Identität, Motorik, Kognition, Verhaltensforschung, Neurobiologie, Intersubjektive Kommunikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der neurologischen Funktion von Spiegelneuronen und deren Einfluss auf zentrale menschliche Fähigkeiten wie Handlungsverständnis, Sprache und Empathie.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die motorische Repräsentation beobachteter Handlungen, die Evolution der menschlichen Sprache aus Gesten sowie die neurologischen Grundlagen für Intersubjektivität und soziales Einfühlungsvermögen.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Spiegelneuronensystem als Bindeglied zwischen individueller Wahrnehmung und sozialem Handeln fungiert und als neuronale Basis für Sprache und zwischenmenschliche Empathie dient.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?

Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, bei der Ergebnisse aus der elektrophysiologischen Forschung, fMRT-Studien und verhaltenspsychologischen Theorien synthetisiert werden, um ein umfassendes Bild der Spiegelneuronen-Funktion zu zeichnen.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei große Bereiche: die Mechanismen der Handlungserkennung, die Hypothesen zur Entstehung von Sprache aus gestenbasierten Kommunikationsformen und die neurologische Begründung von Empathie durch das "Shared Manifold of Intersubjectivity".

Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?

Die wichtigsten Schlagworte sind Spiegelneuronen, Direct-Matching-Mechanismus, Intersubjektivität, Sprachevolution, Echo-Spiegelneuronen und das Shared Manifold.

Wie genau hilft der "direct matching mechanism" beim Verständnis von Handlungen anderer?

Dieser Mechanismus ermöglicht es dem Gehirn, bei der Beobachtung einer fremden Handlung dieselben motorischen Potenziale zu aktivieren, die bei der eigenen Ausführung derselben Handlung entstehen würden, wodurch ein direktes Verständnis der Absicht des Gegenübers ermöglicht wird.

Inwiefern beeinflussen Spiegelneuronen die Theorie der Sprachevolution?

Sie ermöglichen eine Theorie, in der Sprache aus einer gestenbasierten, pantomimischen Kommunikation hervorgegangen ist, da die motorischen Areale, die Gesten steuern, eng mit den Sprachzentren verschaltet sind.

Was bedeutet der Begriff "Shared Manifold of Intersubjectivity" in diesem Kontext?

Es bezeichnet einen geteilten mentalen Raum, in dem Individuen durch neuronale Spiegelungsprozesse die Handlungen und Emotionen anderer auf einer prä-reflexiven Ebene verstehen können, was die Grundlage für soziales Miteinander bildet.

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Details

Title
Spiegelneuronen - Mirror Neurons
Subtitle
Die zwischenmenschliche Kommunikation als neuronaler Nachahmungsprozess
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Medien- und Kulturwissenschaft)
Course
Kommunikation - kulturwissenschaftlich
Grade
1,0
Author
BA Michael Kempmann (Author)
Publication Year
2005
Pages
20
Catalog Number
V45626
ISBN (eBook)
9783638429979
ISBN (Book)
9783638819930
Language
German
Tags
Spiegelneuronen Mirror Neurons Kommunikation Empathie Einfühlung Mitgefühl Wahrnehmung Gehirn Rizzolatti Spiegelneurone Spiegelneuronensystem
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
BA Michael Kempmann (Author), 2005, Spiegelneuronen - Mirror Neurons, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45626
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