Die Hausarbeit befasst sich mit der Ambivalenz zwischen der Bejahung und der Kritik, die G. E. Lessing in seinem Werk "Ernst und Falk" an der deutschen Freimaurerei des 18. Jahrhunderts übt.
Gotthold Ephraim Lessing gilt heute nicht nur als wohl berühmtester Vertreter der deutschen Aufklärung und unerschütterlicher Verfechter des Toleranz- und Humanitätsideals – seit den 1850er Jahren wurde er, trotz seines mangelnden freimaurerischen Engagements, fortwährend zur Schlüsselfigur der deutschen Freimaurerei stilisiert. Für Robert Fischer, der damalige Oberbürgermeister Geras und Mitglied der Freimaurerloge Archimedes zum ewigen Bunde war Lessing „der leuchtende Stern geworden, der seiner Zeit voraus, noch heute glänzt und Klarheit verbreitet“, er sei sogar „in seinem ganzen Geist und Wirken ein größerer Freimaurer als tausend Andere“. Dem Internationalen Freimaurerlexikon von 1932 zufolge sei Lessing der „Künder der philosophischen und sozialethischen Gedankeninhalte der Freimaurerei“, ja nahezu der „eigentliche Begründer der freimaurerischen Humanitätslehre“ und der „lebendige Beweis für die Absolutheit des freimaurerischen Gedankens, der auch losgelöst vom Logenleben bestehen und wirken kann“. Den Aufstieg zum Schutzpatron diverser Freimaurerlogen schaffte Lessing während der 1860er Jahre, in welchen sich erste „Lessing-Logen“ etablierten. Die erste Loge war dabei die 1866 gegründete Lessing-Loge in Barmen. Die Mitglieder dieser, und auch folgender Lessing-Logen, würdigten nicht nur den heroisierten Freimaurer, sondern verpflichteten sich auch, nach seinen freimaurerischen Prinzipien und Arbeitszielen zu leben und zu schaffen. Ebendiese Prinzipien fixierte Lessing vorrangig in seinem 1778 verfassten Werk Ernst und Falk. Gespräche für Freymäurer, welches für den Festredner des Gründungsfestes der Barmer Freimaurerloge das „klassische Gründungsdokument des modernen Freimaurertums“ darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Freimaurerei der Aufklärung in Deutschland
3 Lessing, der Freimaurer?
4 Lessings „Ernst und Falk“
4.1 Form und Charakter des Werkes
4.2 Zentrale Kritik- und Programmpunkte
5 Zeitgenössische Rezeption
6 Schlussbemerkungen
7 Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das philosophische Spätwerk „Ernst und Falk. Gespräche für Freymäurer“ von Gotthold Ephraim Lessing, um die Ambivalenz des Autors zwischen der Bejahung der freimaurerischen Leitideen und der Kritik an der konkreten Logenpraxis zu analysieren und Lessings Positionierung innerhalb dieses Diskurses zu erörtern.
- Historische Einordnung der Freimaurerei im Kontext der deutschen Aufklärung.
- Analyse der Biografie Lessings im Hinblick auf sein Verhältnis zur Freimaurerei.
- Untersuchung der Form, des Charakters und der zentralen Thesen von „Ernst und Falk“.
- Reflektion der zeitgenössischen Rezeption und des utopischen Gehalts von Lessings Entwurf.
Auszug aus dem Buch
4.1 Form und Charakter des Werkes
Ernst und Falk. Gespräche für Freimäurer ist ein philosophisches Spätwerk Lessings aus dem Jahr 1778. Es besteht aus fünf Gesprächen zwischen zwei Parteien. Die Gespräche I-III erschienen 1778 anonym im Erstdruck in Göttingen, im Jahr 1780 erfolgte der Druck der Gespräche IV-V mit dem Zusatztitel Fortsetzung. Die Ortsangabe Wolfenbüttel gibt einen eindeutigen Hinweis auf Lessing als Verfasser der Schrift. Die Enttäuschung Lessings über das Logenleben war strukturgebend: wollte er zunächst nur eine Sachschrift über die Ursprünge der Freimaurerei verfassen, so entwickelte er nach seiner traumatischen Logenerfahrung das Konzept der kritischen Auseinandersetzung.
Dem Vorwort des Werkes ist, neben der Widmung an Herzog Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel, eine, vermutlich von Lessings selbst verfasste, Anmerkung eines Dritten zu entnehmen. Diese begründet den Impuls zur Wahl der Thematik des Werkes damit, dass es zuvor keine kritische Auseinandersetzung mit der Freimaurerei in schriftlicher Form gegeben habe:
„Wenn nachstehende Blätter die wahre Ontologie der Freimäurerei nicht enthalten: so wäre ich begierig zu erfahren, in welcher von den unzähligen Schriften, die sie veranlaßt hat, ein mehr bestimmter Begriff von ihrer Wesenheit gegeben werde.“
Die Präposition für im Titel des Werkes verweist darauf, dass Lessing das Werk als eine Art Leitfaden für eine neue, bessere Praxis für Freimaurer konzipierte. Dabei muss jedoch der Umstand bedacht werden, dass der Begriff Freimaurer im Verlauf des Werkes neu definiert und von der Logenmitgliedschaft separiert wird und somit vielmehr ein Leitfaden für alle darstellt, die im Geiste Freimaurer sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Lessings Rolle als Symbolfigur der Freimaurerei und steckt den Rahmen der Untersuchung hinsichtlich seiner Biografie und seines Werks „Ernst und Falk“ ab.
2 Freimaurerei der Aufklärung in Deutschland: Dieses Kapitel erörtert die historische Entwicklung und die gesellschaftliche Funktion der Freimaurerei in der Aufklärung sowie die Problematik ihrer mythischen Ursprungslegenden.
3 Lessing, der Freimaurer?: Hier wird Lessings ambivalente Beziehung zur Logenmitgliedschaft untersucht, die von anfänglichem Interesse bis hin zu einer herben Enttäuschung über die reale Praxis reichte.
4 Lessings „Ernst und Falk“: Das Kapitel widmet sich der inhaltlichen und formalen Analyse des Werkes, wobei besonders die Kritik an der zeitgenössischen Logenpraxis im Zentrum steht.
4.1 Form und Charakter des Werkes: Dieser Abschnitt erläutert die Genese, die Dialogstruktur und die Zielsetzung der „Freimaurergespräche“ als philosophisches Spätwerk.
4.2 Zentrale Kritik- und Programmpunkte: Hier werden die inhaltlichen Kernpunkte wie der Umgang mit dem Staat, die Differenzierung zwischen „guten“ und „wahren“ Taten sowie die Forderung nach einer moralischen Revolution herausgearbeitet.
5 Zeitgenössische Rezeption: Dieses Kapitel gibt einen Überblick darüber, wie Zeitgenossen und nachfolgende Denker auf Lessings Schrift reagierten und wie sie den darin enthaltenen Diskurs weiterführten.
6 Schlussbemerkungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und bestätigt die Ambivalenz in Lessings Auseinandersetzung mit der Freimaurerei.
7 Literatur- und Quellenverzeichnis: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur wissenschaftlichen Fundierung der Arbeit.
Schlüsselwörter
Gotthold Ephraim Lessing, Ernst und Falk, Freimaurerei, Aufklärung, Logenwesen, Humanitätsideal, Toleranz, Gesellschaftskritik, Moral, Dialogform, Ambivalenz, Sozialgefüge, Utopie, Ständegesellschaft, Freimaurergespräche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht Lessings Auseinandersetzung mit der Freimaurerei, speziell analysiert anhand seines Werks „Ernst und Falk“, um ein tieferes Verständnis seiner kritischen Sichtweise zu erlangen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die historische Rolle der Freimaurerei während der Aufklärung, Lessings persönliches Verhältnis dazu und die kritische Analyse seines literarischen Werkes als Ausdruck dieser Beziehung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, inwiefern „Ernst und Falk“ die Ambivalenz Lessings zwischen der Bejahung der freimaurerischen Ideale und der Kritik an deren praktischer Umsetzung in den Logen darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche und historische Analyse, die auf einer fundierten Auswertung von Primärtexten und einem breiten Spektrum an Sekundärliteratur basiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des historischen Kontexts, der Biografie Lessings, einer detaillierten Werkanalyse von „Ernst und Falk“ sowie der Darstellung der zeitgenössischen Rezeption.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Lessing, Freimaurerei, Aufklärung, Dialogform und Gesellschaftskritik am treffendsten beschreiben.
Wie bewertet Lessing in seinem Werk die reale Logenpraxis?
Lessing kritisiert die Logenpraxis scharf als „dürre Wüste“, in der formelle Rituale und ein neues Ständesystem die ursprünglichen humanistischen Ideale verdrängt haben.
Welche Funktion hat die Dialogform in „Ernst und Falk“?
Der Dialog nach sokratischem Vorbild ermöglicht es Lessing, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und durch das Spiel von Frage und Antwort eine kritische Definition des Freimaurertums zu entwickeln.
Was unterscheidet bei Lessing „gute Taten“ von „wahren Taten“?
„Gute Taten“ sind äußere, oft sozial-karitative Akte zur gefälligen Selbstdarstellung, während „wahre Taten“ auf eine tiefgreifende, moralische Umwälzung der Gesellschaft abzielen.
- Arbeit zitieren
- Taliah Wröbel (Autor:in), 2018, Lessings "Ernst und Falk". Zwischen Bejahung und Kritik der deutschen Freimaurerei des 18. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456285