Die Seminararbeit befasst sich mit dem Thema Kamplexverbindungen von Kunststoffen. Zunächst wird diese Stoffklasse anhand der Bindungsstruktur weiter untergliedert. Dann werden die Darstellung und einige Eigenschaften eines Kunststoffkomplexes beschrieben. Abschließend werden mögliche Anwendungen für Kunststoffkomplexe erläutert.
In der Natur sind Komplexe, die einen oder mehrere makromolekulare Liganden enthalten, weit verbreitet. Die Mehrzahl aller Enzyme zählt dazu und auch viele andere, für das Leben in seiner heutigen Form notwendige Verbindungen, wie der Blutfarbstoff Hämoglobin, der für unsere Atmung nötig ist, oder das Chlorophyll, ohne das es keine Grünpflanzen und somit keine höheren Lebewesen geben könnte. Diese Stoffgruppe ist dermaßen erfolgreich und vielseitig, da liegt es nahe, auch natürlicherweise nicht vorkommende Vertreter zu untersuchen. Dazu zählen Komplexe, die ein Polymer darstellen, aber auch Komplexe mit unregelmäßigen Liganden, die sich nicht aus vielen gleichen Monomeren zusammensetzen lassen. Erstere sind wesentlich leichter künstlich herzustellen und damit für die Forschung interessanter. Sie lassen sich noch weiter unterteilen: In Kunststoffkomplexe, deren Polymer in der Natur nicht vorkommt und Komplexe natürlicher Polymere, welche in der Natur nicht als Komplexligand auftauchen.
Diese Arbeit befasst sich ausschließlich mit Kunststoffkomplexen. Zunächst wird diese Klasse von Stoffen noch einmal in zwei Gruppen unterteilt, von denen eine schwerpunktmäßig behandelt wird und von anderen metallorganischen Verbindungen abgegrenzt wird. Dann werden exemplarisch ein Vertreter, seine Synthese und seine Eigenschaften anhand von Experimenten detailliert vorgestellt. Danach wird hergeleitet, wie die Bindungsstärke einer Komplexbindung von der Beschaffenheit des Liganden abhängt und schließlich einige mögliche Anwendungen für diese Stoffgruppe dargelegt. Abschließend wird eine knappe Zusammenfassung folgen.
Inhaltsverzeichnis
1 Makromolekulare Komplexe vom Naturstoff zum Kunstprodukt
2 Kunststoffkomplexe: Was ist das?
2.1 Polymerkomplexe
2.1.1 Aufbau
2.1.2 Herstellung
2.2 Polymere Komplexe
2.2.1 Aufbau
2.2.2 Herstellung
3 Versuche
3.1Versuche mit einem Polyamid-Eisen(III)-Komplex
3.1.1 Darstellung per Grenzflächenkondensation
3.1.2 Ermittelung der Verhältnisformel
3.1.3 Eigenschaften dieses Komplexes
3.1.3.1 Beschreibung
3.1.3.2 Löslichkeit in organischen Lösemitteln
3.1.3.3 Redoxverhalten
3.1.3.4 Verhalten gegenüber Liganden
3.1.3.5 Verhalten im sauren oder basischem Milieu
3.3 Polyamid-Komplexe mit anderen Metallionen
4 Zusammenhang zwischen Bindungsstärke und dem Aufbau des Liganden
5 Anwendungen
5.1 Schwermetallfilter
5.2 Mechanisch feste Lösungen
5.3 Aufbewahrung von Stoffen
5.4 Nass formbare Duroplaste
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten synthetischer Kunststoffkomplexe, wobei der Fokus auf der Abgrenzung zwischen Polymerkomplexen und polymeren Komplexen sowie der experimentellen Analyse eines Polyamid-Eisen(III)-Komplexes liegt. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Bindungsstärke dieser Komplexe und deren Eignung für industrielle Prozesse.
- Klassifizierung und strukturelle Charakterisierung von Kunststoffkomplexen
- Synthese und experimentelle Analyse eines Polyamid-Eisen(III)-Komplexes
- Theoretische Herleitung der Bindungsstärke von Liganden
- Einsatzmöglichkeiten als Schwermetallfilter und als mechanisch feste Lösungen
- Entwicklung nass formbarer Duroplaste
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Ermittelung der Verhältnisformel
Der Versuch wurde mehrmals mit verschiedenen Eisenmengen wiederholt. Das Filtrat wurde aufgefangen und sein Gehalt an Eisen, coulometrisch bestimmt. Eine Titration hätte, für derart niedrige Konzentrationen, keine ausreichend genauen Ergebnisse geliefert.
Das heißt pro 0,04 mol Amidfunktionen werden 0,079 mol Eisen(III)-Ionen gebunden, also fast doppelt so viele.
Das passt sehr gut zur Theorie. Eine Amidfunktion enthält 3 freie Elektronenpaare, davon sitzen allerdings zwei an demselben Sauerstoffatom, sodass höchstens eine davon eine Komplexbindung eingehen kann. Man würde also 0,08 mol erwarten.
Das Polyamid bindet dabei an beiden Bindungsstellen, gemäß den Voraussetzungen aus Kapitel 4, fester an die Ionen als Wasser.
Durch den Eisenüberschuss können Mehrfachbindungen eines Metallions an die Amidgruppen fast vollständig verhindert werden, deswegen fällt der Unterschied zwischen Theoriewert und dem praktisch ermitteltem Wert so gering aus.
Des Weiteren ist bemerkenswert, dass Eisen(III)-chlorid die Amidkondensation katalysiert. Ohne Eisen(III)-chlorid läuft dieselbe Reaktion nicht oder nur extrem langsam ab.
Möglicherweise lässt sich dieser Effekt auf die Wirkung des Eisenions als Lewis-Säure zurückführen. Komplexbildende Teilchen nehmen wie alle Lewis-Säuren Elektronenpaare auf. In diesem Fall scheint sich ein Komplex aus Bernsteinsäure und den Eisenionen zu bilden, in dem ein Elektronenpaar eines Sauerstoffatoms der Carboxygruppe in eine Bindung an das Eisenion abgegeben wird. Dadurch verringert sich die Elektronendichte an der Carboxygruppe, sodass diese leichter nukleophil angegriffen werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Makromolekulare Komplexe vom Naturstoff zum Kunstprodukt: Einführung in die Thematik der Komplexverbindungen und Abgrenzung der für diese Arbeit relevanten synthetischen Kunststoffkomplexe.
2 Kunststoffkomplexe: Was ist das?: Definition und theoretische Unterteilung der Stoffklassen in Polymerkomplexe und polymere Komplexe sowie deren Aufbau.
3 Versuche: Detaillierte Darstellung der experimentellen Untersuchung eines Polyamid-Eisen(III)-Komplexes, einschließlich Synthese, Stabilitätsanalysen und Verhaltens bei Einwirkung von Chemikalien.
4 Zusammenhang zwischen Bindungsstärke und dem Aufbau des Liganden: Theoretische Analyse der Bindungsenergien basierend auf dem Lewis-Säure-Base-Konzept.
5 Anwendungen: Diskussion praktischer Einsatzfelder wie Schwermetallfiltration, Katalysatorträger und spezielle Werkstofftechnologien.
6 Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung der Ergebnisse zur Struktur, Synthese und dem breiten Anwendungspotenzial der Kunststoffkomplexe.
Schlüsselwörter
Kunststoffkomplexe, Polymerkomplexe, Polyamid-Eisen-Komplex, Grenzflächenkondensation, Bindungsstärke, Lewis-Säure, Schwermetallfilter, Duroplaste, Chelatbildung, Koordinationspolymere, Materialwissenschaft, Eisen(III)-chlorid, Redoxverhalten, Hydrolyse, Metallionenbindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Erforschung und Charakterisierung synthetischer Kunststoffkomplexe, in denen Metallionen über donative Elektronenbindungen an organische Polymere gebunden sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der chemischen Klassifizierung der Komplexe, der experimentellen Synthese per Grenzflächenkondensation sowie der theoretischen Bestimmung der Bindungsstärke zwischen Ligand und Zentralteilchen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Verhalten von Kunststoffkomplexen zu verstehen und aufzuzeigen, wie diese gezielt als funktionelle Materialien, etwa für die Filtertechnik oder als nass formbare Duroplaste, eingesetzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden sowohl theoretische Ansätze (Lewis-Säure-Base-Konzept) als auch praktische Experimente angewandt, wobei die coulometrische Bestimmung der Eisenkonzentration eine wesentliche Rolle spielt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die detaillierte Analyse eines Polyamid-Eisen(III)-Komplexes hinsichtlich seiner Eigenschaften und eine Evaluierung technischer Anwendungsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Kunststoffkomplexe, Grenzflächenkondensation, Bindungsstärke, Schwermetallfilter und Polymer-Metall-Wechselwirkungen.
Wie unterscheidet sich der Zustand des Komplexes in Wasser?
In wasserfreiem Zustand verhält sich der untersuchte Polyamid-Eisen-Komplex wie ein spröder Duroplast; unter Wasseraufnahme wird er jedoch transparent, weich und klebrig, ähnlich einem Thermoplast.
Warum wird Eisen(III)-chlorid bei der Synthese als wichtig erachtet?
Es fungiert nicht nur als Komplexbildner, sondern katalysiert nachweislich die Amidkondensation, was die Reaktion erst effizient ermöglicht.
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- Michael Witt (Autor), 2018, Komplexverbindungen von Kunststoffen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456288