In dieser Arbeit sollen 'Der Prozess' von Franz Kafka und 'Der Fremde' von Albert Camus unter dem Aspekt des Todes und dessen (existentialistischer) Bedeutung verglichen sowie durch Erörterung des Todes der beiden Protagonisten und den damit verknüpften Themenkomplexen spezifisch die Auswirkung der Todesurteile erarbeitet werden.
Der Tod, vor allem im Hinblick auf dessen negierende Wirkung auf das menschliche Leben und die daraus entstehende Absurdität, ist bei Kafka wie auch Camus ein wiederkehrendes Thema und erstreckt sich in seiner Wirkung auf deren Werk, Leben und Philosophie.
Die Analyse der beiden Texte soll primär von dem Standpunkt einer existentialistischen, vor allem durch Camus geprägten, Auffassung der Absurdität der Welt geschehen und so, zumindest in Grundzügen, auch in Kafkas Text zu finden ist.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG: KAFKA, CAMUS UND DER EXISTENTIALISMUS
2 ALBERT CAMUS: DER FREMDE
2.1 ZUSAMMENFASSUNG
2.2 INDIFFERENZ
2.3 GESELLSCHAFT UND SCHULD
2.4 ABSURDITÄT UND ERKENNTNIS
2.5 TOD
2.5.1 DAS SUBJEKT IM TOD
2.5.2 DIE TRAGWEITE DES TODES
2.5.3 DIE WAHRNEHMUNG DES TODES
3 FRANZ KAFKA: DER PROZESS
3.1 ZUSAMMENFASSUNG
3.2 ENTSCHEIDUNGSUNFÄHIGKEIT
3.3 GESELLSCHAFT UND SCHULD
3.4 ABSURDITÄT UND ERKENNTNIS
3.5 TOD
3.5.1 DAS SUBJEKT IM TOD
3.5.2 DIE TRAGWEITE DES TODES
3.5.3 DIE WAHRNEHMUNG DES TODES
4 UNAUSWEICHLICHER TOD?
5 SCHLUSSBETRACHTUNGEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Todes und dessen existentialistische Implikationen in den Werken "Der Prozess" von Franz Kafka und "Der Fremde" von Albert Camus, wobei insbesondere die Auswirkungen der Todesurteile auf die Protagonisten sowie die damit verknüpften Themen Schuld, soziale Rolle und Weltauffassung analysiert werden.
- Vergleich der existentialistischen Todesauffassung bei Camus und Kafka.
- Analyse der Schuldfrage als essenzieller Bestandteil der menschlichen Existenz.
- Untersuchung der Absurdität als Bedingung des menschlichen Lebens.
- Kontrastierung von Meursaults Bewusstwerdung und Josef K.s Lähmung.
- Die Rolle der Gesellschaft als richtende Instanz gegenüber dem Individuum.
Auszug aus dem Buch
2.4 ABSURDITÄT UND ERKENNTNIS
Bis zu seiner Zeit im Gefängnis lebt Meursault „in a world foreign to socially accepted values; the everyday questions which torment the average individual have no meaning to Meursault. He questions nothing.” Während der Zeit im Gefängnis ändert sich dieser Zustand und schlägt mit dem Todesurteil in ein Erkennen und Überdenken des (bisherigen) Lebens um: zu Beginn seiner Haft braucht er etwas Zeit, um sich an die neuen Lebensumstände zu gewöhnen. Nach dem anfänglichen Sehnen nach Zigaretten, Frauen oder der Natur – was einer der ersten Anstöße für ihn ist, sich Gedanken zu machen über seine Situation und was der Freiheitsentzug eigentlich für ihn bedeutet – ist er schnell dazu in der Lage, seinen neuen Alltag zu akzeptieren, sich zu adaptieren und empfindet das Fehlen bestimmter Dinge nicht mehr als Strafe.
Erst im Gerichtssaal dann hat er das „unsinnige Bedürfnis zu weinen“, weil er bemerkt, dass die Menschen im Saal ihn verabscheuen. Dieses erste Aufblitzen ist die Vorstufe der späteren Reflexion über sich und das Leben: er will dem „unerbittlichen Mechanismus“ entrinnen, der ihn, in Form des Todesurteils, dazu zwingt, über seinen unausweichlichen Tod in naher Zukunft und in diesem Zusammenhang auch über seine Vergangenheit nachzudenken. Meursault fängt hier zum ersten Mal an, sich abstrakt-hypothetische Gedanken zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: KAFKA, CAMUS UND DER EXISTENTIALISMUS: Einführung in die Fragestellung zur Todesbedeutung bei Camus und Kafka aus einer existentialistischen Perspektive.
2 ALBERT CAMUS: DER FREMDE: Analyse von Meursaults Indifferenz, seiner Schuld und seiner durch den Tod ausgelösten Bewusstwerdung.
3 FRANZ KAFKA: DER PROZESS: Untersuchung der Schuld, Unentschlossenheit und der fatalen Sinnlosigkeit im Leben von Josef K.
4 UNAUSWEICHLICHER TOD?: Vergleich der Unausweichlichkeit des Todes bei beiden Protagonisten unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Lebensauffassung.
5 SCHLUSSBETRACHTUNGEN: Resümee des Vergleichs, wobei der Tod bei Camus als Auslöser für Freiheit, bei Kafka hingegen als endgültiges Scheitern in einem Netz aus Schuld interpretiert wird.
Schlüsselwörter
Existentialismus, Absurdität, Tod, Schuld, Individuum, Gesellschaft, Bewusstsein, Entfremdung, Reflexion, Meursault, Josef K., Literaturvergleich, Freiheit, Endlichkeit, Sinnfrage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Romane "Der Fremde" von Albert Camus und "Der Prozess" von Franz Kafka im Hinblick auf das zentrale Thema des Todes und seine existentialistische Bedeutung für die Protagonisten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit beleuchtet primär die Themenbereiche Absurdität des Seins, Schuld (individuell und existentiell), soziale Konventionen sowie die Bewusstwerdung des Individuums angesichts der Endlichkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die spezifische Auswirkung der jeweiligen Todesurteile auf die Protagonisten Meursault und Josef K. zu erarbeiten und zu vergleichen, wie beide Figuren mit der Absurdität ihrer Situation umgehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die die Texte primär durch die Linse des Existentialismus (insbesondere basierend auf Camus’ Philosophie) deutet und vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Abschnitte, die zunächst Meursaults Entwicklung zur Reflexion und anschließend Josef K.s Verstrickung in Schuld und Sinnlosigkeit detailliert analysieren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Absurdität, Existentialismus, Schuld, Entfremdung und die individuelle Auseinandersetzung mit dem Tod.
Warum empfindet Meursault den Tod am Ende des Romans als etwas Befreiendes?
Durch die Akzeptanz der Absurdität und das Verwerfen jeglicher Hoffnung gewinnt Meursault eine Unabhängigkeit, die es ihm erlaubt, seinem Schicksal mit einer "zärtlichen Gleichgültigkeit" gegenüberzustehen.
Inwiefern unterscheidet sich die Schuld von Josef K. von derjenigen Meursaults?
Während Meursaults Schuld sich auf eine konkrete Tat (Mord) bezieht, bleibt die Schuld von Josef K. diffus und eher als existentielles Schuldbewusstsein oder "parasitäre Schuldideologie" zu verstehen.
- Arbeit zitieren
- A. K. (Autor:in), 2018, Tod und Absurdität im Vergleich zwischen "Der Fremde" von Albert Camus und "Der Prozess" von Franz Kafka, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456477