Syrer und Griechen. Zur ökumenischen Bedeutung vom Konzil in Ferrara-Florenz


Hausarbeit, 2018

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Zum Konzil in Ferrara-Florenz

3. Die orthodoxen Christen
3.1 Die syrisch-orthodoxen Christen
3.2 Die griechisch-orthodoxen Christen

4. Die Unionsbullen der syrisch-orthodoxen Christen und griechisch-orthodoxen Christen im Vergleich

5. Fazit

7. Literatur

1. Einleitung

„Freuen sollen sich die Himmel und es frohlocke die Erde‘, denn die Mauer, welche die westliche und östliche Kirche trennte, ist beseitigt, Friede und Eintracht kehrten zurück. Nun hat jeder ‚Schlußstein [sic!] Christus, der aus beiden eins machte‘, durch das starke Band der Liebe und des Friedens beide Wände verbunden, er vereint und hält sie durch den Bund beständiger Einheit zusammen. So erstrahlte nach langem Nebel der Trübsal und nach dem abgrundtiefen Dunkel, das durch die lange Spaltung bedingt war, für alle das heitere Licht der ersehnten Einheit“ 1

Innerhalb dieser wissenschaftlichen Arbeit soll sich mit dem Konzil von Ferrara- Florenz beschäftigt werden und dabei die griechisch-orthodoxen sowie die syrisch- orthodoxen Christen näher betrachtet werden. Hierbei wird ein Vergleich zwischen den Syrern und Griechen in Bezug auf die Unionsbullen getätigt. Zuallererst wird jedoch das Konzil in Ferrara-Florenz erläutert und seine Intentionen und wichtigsten Inhalte dargestellt. Im Anschluss daran werden jeweils die syrisch-orthodoxen Christen und griechisch-orthodoxen Christen genauer beleuchtet, um verdeutlichen zu können, welche Unterschiede im Gegensatz zu dem katholischen Christentum auftreten, sodass die Inhalte des Konzils nachvollziehbarer und deutlicher werden . Darauf aufbauend werden die Unionsbullen beider orthodoxen Kirchen aus den Konzilsdekreten untersucht und gegenübergestellt, um letztlich Vergleiche zwischen beiden christlich-orthodoxen Glaubensgemeinschaften ziehen zu können und in einem Fazit darauf aufbauend beurteilt werden kann, welcher Glaubensgemeinschaft man im dem Konzil mehr entgegengekommen ist.

2. Zum Konzil in Ferrara-Florenz

Das Konzil von Ferrara-Florenz war ein ökumenisches Konzil und intendierte das Schisma zwischen Ost- und Westkirche aufzulösen und beide Kirchen durch Klärungen der Differenzen und Glaubensunterschiede wieder näher zueinander zu bringen. Es wurde in Ferrara am 8. Januar 1438 eröffnet und 1439 nach Florenz verlegt. Am 24. September erfolgte dann eine weitere Verlegung nach Rom. Es ist

nicht eindeutig geklärt, wann genau das Konzil beendet wurde, da keinerlei

Dokumente über die Auflösung des Konzils vorliegen2. Die Einberufung des Konzils schien gerade das byzantinische Reich stark zu interessieren, da sie im Krieg mit den Osmanen standen und diese als eine Gefahr für den Kaiserhof in Konstantinopel ansahen. Die Byzantiner erhofften sich Hilfe und Unterstützung im Kampf gegen die Osmanen durch den Westen3. Die Bedingungen für das Konzil mit den Griechen4 wurde von dem Papst Martin V. vorbereitet, letztendlich jedoch nach seinem Tod von dem Nachfolger Papst Eugen IV. in Basel eingeleitet5.

Zuerst erschwerte dem Papst das Konzil durch wenige Teilnehmer, welche darauf erpicht waren neue Reformen durchzusetzen und die Meinung vertraten, dass das Konzil die oberste Gewalt in der Kirche habe. Als diese Teilnehmer als Zuspitzung die als Ketzer verurteilten Hussiten einluden, vertagte Papst Eugen IV. das Konzil auf einen anderen Zeitpunkt und anderen Ort. Aufgrund des Drucks der Konzilsväter musste Papst Eugen IV. 1433 seine Bulle mit der Bitte um Auflösung des Konzils zurückziehen. Der Papst erklärte sich zu einem neuen Treffen bereit und verfasste ein Konzilsdekret, indem die Absicht einer Union postuliert wurde und die Verlegung des Konzils an einen Ort des Westens angekündigt wurde - nach Ferrara. Am 8.

Januar 1438 wurde das Konzil erneut eröffnet6. Im März des gleichen Jahres

erreichte eine griechische Delegation von etwa siebenhundert Kirchenvertretern Ferrara, sodass die Verhandlungen beginnen konnten. Auf Seiten der orthodoxen Kirche waren alle östlichen Patriarchate vertreten und auch der byzantinische Kaiser.7

„ I n den theologischen Debatten zwischen Griechen und Lateinern ging es vorrangig um vier kontroverse Themen:

1 . Die Frage nach dem Fegefeuer

2 . Die Eucharistie

3 . Der Primat des Papstes

4 . Die auf Augustin zurückgehende Lehre vom Ausgang des Heiligen Geistes aus dem Vater und dem Sohn, und daraus folgend die seit den westgotischen Synoden des siebenten Jahrhunderts bezeugte und seit karolingischer Zeit im Westen verbindlich gewordene Einfügung des filioque (Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht) in das Nicaenum (Nicaeno-

Con stantinopolitanum)“ 8.

Die Lösungsfindung und Verhandlungen dauerten lange an und waren beschwerlich und zäh. Gerade das Lösen der Unstimmigkeiten zwischen der lateinischen und griechischen Sprache und der Auslegungsmeinungen der Kirchenväter erschwerten den Weg zur Einstimmigkeit9. Vom achten bis dreizehnten Dezember 1438 fanden vierzehn Sitzungen über das filioque im Glaubensbekenntnis statt. Die Griechen hielten an dem Argument fest, dass das Dekret vom Konzil in Ephesos im Jahre 431 verbiete und10 „jeden verdamme, der ein anderes Glaubensbekenntnis spreche, niederschreibe oder verfasse als das vom Konzil von Nikaia definierte“11. Es wurde von ihnen so ausgelegt, dass keine einzige Silbe oder einziges Wort hinzugefügt oder gar abgeändert werden dürfe. Im Gegensatz dazu hatten die Lateiner eine

andere Ansicht. Ihrer Auffassung nach sei das filioque nicht wirklich etwas neu Hinzugefügte, sondern eher eine Klärung dessen, was in dem Glaubensbekenntnis bereits ausgedrückt worden sei und darüber hinaus das gesprochene Glaubensbekenntnis nicht das original nikänische sei, sondern das nikaeno- konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis12 . In den vielen Diskussionssitzungen wiederholten sich stets die Argumentationsketten, sodass keinerlei Einsicht oder

Einigung bestand. Aufgrund der finanziellen Lage wurde das Konzil im März 1439 nach Florenz verlagert, wo es weiterhin zur Diskussion des filioque kam. Die Griechen wurden sich im Laufe der acht Sitzungen immer mehr uneins über die eigentlichen Unionsverhandlungen13. Nachdem der Papst einen letzten Versuch unternahm und erneut auf die Griechen zuging, beugten sich diese letztendlich den

Vorstellungen und Auffassungen der Lateiner. Schließlich akzeptierte die griechische

Synode am 6. Juni 1939 den Hervorgang des Heiligen Geistes14. „Die Himmel sollen sich freuen und die Erde soll jauchzen […], denn abgebrochen ist die Mauer, welche West- und Ostkirche voneinander trennte […]“15 – so begann die Urkunde namens Laetentur Coeli. Nach und nach trafen auch andere Glaubensminderheiten zum Konzil ein, die ihre Belange mit der römisch-katholischen Kirche zu klären versuchten. Unter ihnen waren so beispielsweise die Armenier, die Syrer oder die Kopten16. In dieser Arbeit sind jedoch nur die Dekrete der Syrer und der Griechen von Bedeutung.

3. Die orthodoxen Christen

Aus dem großen Schisma 1054 heraus entstand die orthodoxe Kirche. Insgesamt zählt die Orthodoxe Kirche mit ca. 400 Millionen orthodoxen Christen17 hinter der römisch-katholischen Kirche18 als „die zweite große geschlossene christliche Konfession, die in fast allen Ländern mehr oder minder stark vertreten ist“19. In dieser wissenschaftlichen Arbeit wird die Orthodoxe Kirche auch als Ostkirche bezeichnet,

da dies der historisch entwickelte Begriff (durch die damalige Reichseinteilung des alten Imperium Romanum) des Kirchenkörpers ist, welcher gegenüber der römisch - katholischen Kirche stand20. Ihre kirchliche Einheit verstehen die Orthodoxen als eine Koinonia, als eine Gemeinschaft. Innerhalb der einzelnen Kirchen werden Entscheidungen durch Synoden gefällt, welche das oberste Organ ist, das selbst dem Kirchenoberhaupt, dem Ehrenprimat, Rechenschaft schuldigt. Dem

Kirchenoberhaupt gebührt der Vorsitz aller Kirchenoberhäupter. Die Urform der gesamten Kirchenleitung der orthodoxen Kirche zeigt sich noch heute durch die Pentarchie, den fünfgeteilten Patriarchaten der altkirchlichen Ära: Rom, Antiochia,

Alexandria, Konstantinopel und Jerusalem21. Für diese Arbeit ist relevant, dass

da aus ihr verschiedene Strömungen ausgehen, wie beispielsweise die syrisch- orthodoxen Christen und die griechisch-orthodoxen Christen, welche für diese wissenschaftliche Arbeit von hohem Interesse sind, da sie Teilnehmer des Konzils in Ferrara-Florenz waren und sich trotz ihrer orthodoxen Glaubensweisen in Feinheiten unterscheiden .

Die Orthodoxe Kirche bedeutet Lobpreis und rechter bzw. richtiger Glaube. Zusammengesetzt ist orthodox aus dem griechischen Wort orthodoxos: orthos (richtig) und dokeo (meinen, glauben, bekennen). Da der Begriff der Ostkirche heutzutage aufgrund der weltweiten Diaspora nicht mehr griffig ist, versteht sich die autokephale23 orthodoxe Kirche als „die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische

Kirche, wie sie im Glaubensbekenntnis bekannt wird“24. Die Basis des orthodoxen

Glaubens ist dabei die Heilige Schrift und die Überlieferung der Kirche - der Heiligen Tradition. Aus beiden Komponenten konstituiert sich die Offenbarung Gottes25. Anders als im Katholizismus gehören die Ikonen zu den wichtigsten Symbolen der Orthodoxen Kirche und die Ikonenverehrung zu der orthodoxen Frömmigkeit26.

In der Ikonenverehrung wird das eigentliche Urbild angepriesen, das durch die Ikone eine Art Ebenbild ist und sich trotz dessen von dem Urbild unterscheidet27. Dadurch wird auch die Heiligenverehrung im Orthodoxen Kirchenraum ersichtlich. Die Heiligen

werden geehrt, da sie „als Freunde Christi, als Kinder und Erben Gottes“28 gelten.29

[...]


1 Wohlmuth, J.: Dekrete der ökumenischen Konzilien., Bd. 2: Konzilien des Mittelalters. Paderborn: Schöningh ³1973, 524.

2 Suermann, H.: Der arabische Text der Bulle Cantate Domino des Konzils von Florenz: Vorüberlegungen für eine erneute Edition. IN: Greisiger, L.; Vashalomidze, S.G.: Der Christliche Orient und seine Umwelt. Gesammelte Studien zu Ehren Jürgen Tubachs anläßlich [sic!] seines 60. Geburtstags. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2007, 399-405, hier: 399.

3 Vgl. Müller, H.: Die kirchliche Krise des Spätmittelalters. Schisma, Konziliarismus und Konzilien. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH 2012., 48.

4 „Mit ‚Griechen‘ waren die Christen gemeint, die zur byzantinischen Kirche gehörten […]“ (Suermann, H. (2007): Der arabische Text der Bulle Cantate Domino des Konzils von Florenz: Vorüberlegungen für eine erneute Edition., 399).

5 Vgl. Gill, J.: Das Konzil von Florenz. IN: Tyciak, J.; von Ivánka, E.; Wiertz, P. (Hrsg.): Handbuch der Ostkirchenkunde. Düsseldorf: Patmos-Verlag 1971., S.65-78., hier: 65.

6 Vgl. ebd., 65f.

7 Vgl. Brennecke, H.C.: Athanasius von Alexandrien auf dem Konzil von Florenz. Berlin: De Gruyter 2016. (=Markschies, C. (Hrsg.): Hans-Lietzmann-Vorlesungen Heft 13)., 16f.

8 Brennecke, H.C.: Athanasius von Alexandrien auf dem Konzil von Florenz, 17f.

9 Vgl. Bryner, E.: Die orthodoxen Kirchen von 1274 bis 1700. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2004. (=Gäbler, U.; Haendler, G.; Schilling, J.; Rogge, J. (Hrsg.): Kirchengeschichte in Einzeldarstellung II/9)., 34.

10 Vgl. Gill, J.: Das Konzil von Florenz, 68.

11 Ebd.

12 Vgl. ebd., 68f.

13 Vgl. Gill, J.: Das Konzil von Florenz, 70.

14 Vgl. ebd., 71.

15 Bryner,E. (2004): Die orthodoxen Kirchen von 1274 bis 1700, 34.

16 Vgl. hierzu: Wohlmuth, J. (1973³): Dekrete der ökumenischen Konzilien, 534ff. (Armenier);567ff. (Kopten).

17 Vgl. Basdekis, A.: Die Orthodoxe Kirche. Eine Handreichung für nicht-orthodoxe und orthodoxe Christen und Kirchen. Frankfurt am Main: Lembeck ⁴2003., 13.

18 Vgl. Gutschera, H.; Maier, J.; Thierfelder, J.: Geschichte der Kirchen. Ein ökumenisches Sachbuch. Freiburg im Breisgau: Herder ²2006., 95.

19 Ebd.

20 Vgl. Diedrich, H.-C. (Hrsg.): Das Glaubensleben der Ostkirche. Eine Einführung in Geschichte, Gottesdienst

und Frömmigkeit der orthodoxen Kirche. München: C.H. Beck 1989., 10.

21 Vgl. Tamcke, M.: Das Orthodoxe Christentum. München: C.H. Beck ²2007., 3. „die eine orthodoxe Kirche in den einzelnen Ländern im Verlauf einer über oder doch fast tausendjährigen Geschichte unter dem Eindruck nationaler Besonderheiten jeweils unterschiedlich geprägt wurde […] aber insgesamt durch die Einheit der Lehre, des Gottesdienstes und der kirchlichen Ordnung zusammengehalten wird“22,

22 Tamcke, M.: Das Orthodoxe Christentum., 3.

23 (=selbständig)

24 Basdekis, A.: Die Orthodoxe Kirche., 27f.

25 Vgl. ebd., 43.

26 Vgl. ebd., 60.

27 Vgl ebd., 61.

28 Ebd., 63.

29 Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Syrer und Griechen. Zur ökumenischen Bedeutung vom Konzil in Ferrara-Florenz
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (kath. Theologie)
Veranstaltung
Ökumene in Spätmittelalter und Renaissance
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V456631
ISBN (eBook)
9783668869370
ISBN (Buch)
9783668869387
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzil, Syrer, Christen, Griechen, orthodox, Ferrara-Florenz, Unionsbulle, Konzilsdekrete, Ökumene, Schisma, Ost- und Westkirche, 1438
Arbeit zitieren
Luise Jelinek (Autor), 2018, Syrer und Griechen. Zur ökumenischen Bedeutung vom Konzil in Ferrara-Florenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456631

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