Jugendsprache. Ein mediensprachlicher Vergleich der deutschen und polnischen Jugendsprache


Bachelorarbeit, 2016

52 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil I

1. Jugendsprache

2. Sprache

3. Fachsprache

4. Jugend
4.1 JUGENDSPRACHE
4.2 NUTZEN DER JUGENDSPRACHE
4.3 ENTSTEHUNG DER JUGENDSPRACHE
4.3.1 JUGENDSPRACHFORSCHUNG
4.3.2 ENTWICKLUNG UND EVOLUTION DER JUGENDSPRACHE
4.4 AUFGLIEDERUNG DER JUGENDSPRACHEN
4.4.1. DIE „ALLGEMEINE“ JUGENDSPRACHE
4.4.2. DIE LIFESTYLE-JUGENDSPRACHE
4.4.3. DIE GEOGRAPHISCHE JUGENDSPRACHE
4.4.4. DIE ETHNISCHE JUGENDSPRACHE

5. Massenmedien
5.1. EINTEILUNG DER MEDIEN
5.1.1. PRIMÄRE MEDIEN „MENSCHENMEDIEN“
5.1.2. SEKUNDÄRE MEDIEN „SCHREIB- UND DRUCKMEDIEN“
5.1.3. TERTIÄRE MEDIEN „ELEKTRONISCHE MEDIEN“
5.1.4. QUARTÄRE MEDIEN „DIGITALE MEDIEN“
5.1.5. QUINTÄRE MEDIEN „INTELLIGENTE DIGITALE MEDIEN“
5.2. PRINTMEDIEN
5.2.1. GESCHICHTE UND HERKUNFT DER SCHRIFT
5.3. ZEITSCHRIFT
5.3.1. GESCHICHTE DER ZEITSCHRIFTEN
5.3.2. JUGENDZEITSCHRIFTEN
5.3.3. THEMATIK DER JUGENDZEITSCHIFTEN
5.3.4. JUGENDMAGAZINE IN DEUTSCHLAND – IM DEUTSCHSPRACHIGEM RAUM UND IN POLEN
5.4. INTERNET
5.4.1. GESCHICHTE UND ENTSTEHUNG DER INTERNETS

Teil II – Praktischer Teil

6 Bravo das Magazin der Jugend
6.1. ENTSTEHUNG UND GESCHICHTE DER BRAVO
6.2. DIE MARKE BRAVO
6.2.1. RUBRIKEN

7. Sprachliche Eigenschaften
7.1. SYNTAX
7.2. ANGLIZISMEN
7.3. KOMPOSITA
7.4. VULGARISMEN
7.5. PHRASEOLOGISCHE REDEWENDUNGEN

8 Facebook
8.1. SYNTAX
8.2. ANGLIZISMEN
8.3. KOMPOSITA
8.4. VULGARISMEN
8.5. PHRASEOLOGISCHE REDEWENDUNGEN

Teil III

9. Jugendsprache – Bravo – Facebook – Ein Vergleich

10 Einfluss der Jugendsprache auf die Allgemeinsprache – Linguistisch Wertvoll oder der Anfang vom Ende der Allgemeinsprache?

11 Literaturverzeichnis

12 Weblinks

13 Printmedien

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Verantwortung Jugendliche

Abb. 2 Verkaufszahlen Jugendzeitschriften Deutschland

Abb. 3 Verkaufte Exemplare Bravo Deutschland

Abb. 4 Nutzung Sozialer Netzwerke im Internet

Abb. 5 Jugendsprache in Werbung

Einleitung

Die vorliegende Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Jugendsprache in der deutschen und polnischen Sprache. Dabei werden essentielle Pfeiler der „Sprache der Jugend“ anhand von Beispielen aufgezeigt und erörtert. Dies erfolgt anhand von Massenmedien, speziell jedoch anhand der deutschen Zeitschrift und dem polnischen Äquivalenten Bravo sowie Facebook-Kommentaren und Posts von Jugendlichen.

Der erste Teil dieser Arbeit widmet sich der theoretischen Veranschaulichung der Einteilung der (Massen-) Medien. Darüber hinaus beschäftigt sich der erste Teil mit der Charakterisierung und der Analyse des Begriffes Jugendsprache – hierbei wird auch tiefergehend der Begriff der Sprache, der Jugend und der Medien, insbesondere dem Medium Zeitschrift untersucht und skizziert.

Der zweite Teil zeigt praktische Beispiele der Jugendsprache aus sekundären Medien – anhand der Bravo Ausgabe Nr. 46/2014 (Deutschland) und Nr. 21/2015 (Polen) und des tertiären Mediums „Facebook“ die Beschaffenheit und Eigenart der Jugendsprache, sowohl in der polnischen als auch in der deutschen Sprache, auf. Der Schwerpunkt hierbei liegt auf der deutschen Sprache; die polnische Analyse der Jugendsprache dient zur Veranschaulichung der Jugendsprachen im europäischen Raum.

Der dritte und letzte Teil dieser Bachelorarbeit fasst die in Teil eins und zwei erarbeiteten Ergebnisse zusammen und skizziert den Einfluss von Jugendsprache auf die allgemeine Sprache.

Teil I

1 Jugendsprache

Bei Jugendsprache handelt es sich um Sprache, die von einer bestimmten Gruppe von Rezipienten und Produzenten gesprochen und/oder geschrieben wird. Im Normalfall geht der Allgemeinsprachler davon aus, dass Jugendsprache von der Jugend gesprochen wird, Eva Neuland schreibt: „In der Öffentlichkeit ist die Rede von der Sprache der Jugend[..]“1. Jedoch lässt sich die Sprache der Jugendlichen nicht so leicht einordnen und klassifizieren. Jugendsprache stellt heute einen sehr großen Markt, dem immer mehr Beachtung geschenkt wird. In einer modernen Welt ist davon auszugehen , dass auch die Sprache modern sein muss. Diese Sprache ist modern im Hinblick auf die Geschichte und die Entwicklung. Doch mit zunehmender Kommerzialisierung und Stereotypisierung fällt es nicht leicht Wahrheit von Fiktion zu trennen.

Um Jugendsprache definieren zu können, muss der Begriff in seine zwei Bestandteile aufgeteilt werden, zum einen in den Begriff „Jugend“ und zum anderen in den Begriff „Sprache“. Beide Begriffe müssen getrennt voneinander analysiert werden, um sie nicht nur auf der sprachlichen Ebene zu verstehen, sondern, was bedeutend wichtiger ist, auf der zwischensprachlichen Ebene.

2 Sprache

Sprache kann man dank Linguistik und Sprachwissenschaft sehr systematisch charakterisieren. So ist Sprache ein Kommunikationsmittel, dass es uns ermöglicht, Gedanken und Gefühle sowohl schriftlich, mimisch als auch oral zu äußern. Dabei ist diese Gesamtheit der Kommunikation lediglich beim Menschen vorzufinden. Charles Darwin schreibt dazu: „Genau an dem Punkte, wo der Mensch sich von der Tierwelt lostrennt, bei dem ersten Aufblitzen der Vernunft, als der Offenbarung des Lichts in uns, finden wir die Geburtsstätte der Sprache.“2 Diese Kommunikationsmethoden stellen ein lineares Zeichensystem dar, das voraussetzt, dass der Kommunikator und der Rezipient dasselbe Zeichensystem – dieselbe Sprache – beherrschen. Nur so ist gegeben, dass die Reihenfolge von Lauten und Wörtern auch richtig verstanden werden kann. Die Sprache ist dabei jedoch nicht als geschlossenes System zu verstehen sondern als stetiger Prozess. Dieser Prozess der Sprache ist kontinuierlich. Solange eine Sprache gesprochen wird, entwickelt sich die Grammatik, die Rechtschreibung und der Wortschatz fortlaufend weiter. Linguisten wie der amerikanische Sprachwissenschaftler Steven Pinker, zeigen auf, dass der durchschnittliche Kommunikator im Alltag ca. 6,4 Billionen Sätze á 5 Wörter bilden könnte3. Daraus lässt sich verstehen, dass der Mensch eine enorme Vielzahl an Möglichkeiten hat, Ein und das Selbe auszudrücken, ohne sich zu wiederholen. Die Charakterisierung der Sprache sollte jedoch nicht nur durch die Darstellung der einzelnen Bausteine erfolgen, die definieren wie ein Wort zusammengesetzt wird, aus welchen Bestandteilen es besteht oder ab wann ein Satz ein Satz ist. Es sollte aufgezeigt werden, dass Kultur aus Sprache resultiert oder umgekehrt. Besonders im Kontext dieser Bachelorarbeit ist es wichtig zu verstehen, dass Sprache viel mehr ist als ein System und Struktur ist. Der russische Autor Anton Pawlowitsch Tschechow schreibt in einem Brief im Oktober 1892: „Je höher die Kultur, desto reicher die Sprache“.

Eine Sprache kann erlernt werden, da es sich dabei „nur“ um ein System handelt. Jedoch ist für einen ordentlichen Sprachgebrauch bzw. Spracherwerb notwendig auch die Kultur der jeweiligen Sprache kennen zu lernen. Kultur ist all das, was der Mensch geschaffen hat, ob materiell oder immateriell – somit ist die Sprache ein Teil, wenn nicht wesentlicher und unabdingbarer Bestandteil der Kultur – Sprache erlaubt es, die Kultur zu pflegen und weiterzugeben. Sprache bedingt das Zusammensein der Menschen. Außerdem ist Sprache auch als Abbild der Geschichte zu verstehen. Dank der Sprache können wir nicht nur kommunizieren, sondern auch verstehen – verstehen in Rolle des Rezipienten und auf Hinblick der Kultur und der Geschichte.

3 Fachsprache

Die Fachsprache ist eine Sprach-Kategorie, die in einem bestimmten Fachgebiet oder einer bestimmten Branche genutzt wird. Dieter Möhns und Robert Pelkas Definition der Fachsprache lautet: „Wir verstehen unter Fachsprache heute die Variante der Gesamtsprache, die der Erkenntnis und begrifflichen Bestimmung fachspezifischer Gegenstände sowie der Verständigung über sie dient und damit den spezifischen kommunikativen Bedürfnissen im Fach allgemein Rechnung trägt. Fachsprache ist primär an Fachleute gebunden, doch können an ihr

auch fachlich Interessierte teilhaben. Entsprechend der Vielzahl der Fächer, die man mehr oder weniger exakt unterscheiden kann, ist die Variante ‚Fachsprache„ in zahlreichen mehr oder weniger exakt abgrenzbaren Erscheinungsformen realisiert

[..].“4. Zur Fachsprache gehören Fachbegriffe und Fremdwörter, die entweder außerhalb des Fachgebiets sehr ungebräuchlich sind, oder eine andere Bedeutung als in der Allgemeinsprache haben. Der Wortschatz der Fachsprache erlaubt es sowohl dem Rezipienten, als auch dem Produzenten eine Kommunikation anzuwenden, die nur diese Individuen verstehen, obwohl der Allgemeinheit bestimmte Begrifflichkeiten bekannt sind. Dabei ist die Fachsprache nicht als Mittel zur Ausschließung bestimmter Gruppen zu verstehen, sondern als Verbesserung und Intensivierung der Kommunikation ihrer Nutzer. Bei der mündlichen oder schriftlichen Kommunikation innerhalb der Fachsprache gelten die von den Anwendern geschaffenen Regeln der sprachlichen Logik, Semantik und des Syntax. Diese von der Allgemeinsprache abweichenden Regelungen müssen hierbei keineswegs schriftlich festgehalten werden, der Spracherwerb einer Fachsprache erfolgt meist durch mündliches Erlernen dieser. Das Festhalten wird erst dann notwendig, wenn ein Außenstehender diese Sprache erlernen möchte, jedoch nicht explizit in dem jeweiligen Bereich der Fachsprache aktiv ist. Dabei bedient sich die Fachsprache der Fundamente der Allgemeinsprache. Zunächst werden diese an die jeweilige Fachsprachen angepasst, um die Kommunikation zu vereinfachen und zu präzisieren. Alle Begrifflichkeiten, die darüber hinaus benötigt werden um ein sprachliches Zusammenleben zu ermöglichen, werden neu kreiert.

Fachsprachen zeigen, dass der Wunsch nach Kommunikation nie an Wichtigkeit verliert, dass Sprache kein von Wissenschaftlern bzw. Linguisten geschaffenes System ist, sondern, dass jedes Individuum, dass Sprache verwendet, als Schaffer und Konstrukteur dieser angesehen werden muss.

Nachdem aufgezeigt wurde, dass Sprache ein lineares Zeichensystem und ein wesentliches Kulturgut ist, folgt nun eine Definition des Begriffes „Jugend“.

4 Jugend

Unter dem Begriff „Jugend“ verstehen wir eine Gruppe, die altersbeschränkt ist. Meistens denken wir an eine Altersspanne von dem zwölften bis zum einundzwanzigstem Lebensjahr. Dabei wird die „Jugend“ zwischen der Kindheit und dem Erwachsenenalter abgegrenzt.

Durch diese Abgrenzung muss auch verstanden werden, dass es sich bei dieser Gruppe um eine Übergangszeit handelt.

Jedoch gehört jemand, der das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat, entweder zur Gruppe der Jugendlichen oder zu den Erwachsenen, schließlich ist dieser Zensus im Leben einer der wichtigsten: Es wird die Volljährigkeit erreicht, es darf in den meisten Ländern gewählt werden und erhält andere bedeutsame Rechte. Das deutsche Jugendstrafgesetz umfasst alle jungen Menschen zwischen dem vierzehnten und siebzehnten Lebensjahr, nur in speziellen Fällen wird es bei Personen bis zum zwanzigstem Lebensjahr angewendet „Jugendlicher ist, wer zur Zeit der Tat vierzehn, aber noch nicht achtzehn, Heranwachsender, wer zur Zeit der Tat achtzehn, aber noch nicht einundzwanzig Jahre alt ist.“5. Der Begriff Jugend ist bei dieser Zuordnung immer von dem Blickpunkt des Produzenten abhängig. Für eine Person, die fest im Leben steht und eine Familie aufgebaut hat, kann ein lediger sechsundzwanzigjähriger zur Jugend gehören. Als einen reifen jungen Studenten zählt man sich lieber zu den jungen Erwachsenen, um sich von den Jugendlichen abzugrenzen. Als Jugendlicher ist man folglich kein Kind mehr, jedoch auch nicht zwingend eine reife erwachsene Person. Es gibt unreife Siebzehnjährige, sowie es unreife Fünfundzwanzigjährige gibt. Folglich ist die Jugendgruppe nicht unbedingt nur altersbeschränkt, sondern vielmehr reifebeschränkt. Laut der „15. Shell

Jugendstudie Jugend 2006“ finden über die Hälfte der Jugendlichen es für angesagt Verantwortung zu übernehmen. Folglich handelt es sich bei der deutschen Jugend um einer eher verantwortungsvolle Jugend.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Verantwortung Jugendliche Quelle: 15. Shell Jugendstudie Jugend 2006

Dabei sind die Jugendlichen eine der wichtigsten Gesellschaftsgruppen, da sie die Zukunft eines Landes, einer Kultur sind. Johann Wolfgang von Goethe beschreibt die Jugend mit den Worten: „Die jungen Leute sind Apercus der Natur.“

4.1. Jugendsprache

Die Jugendsprache bildet eine der wichtigsten Fachsprachen im Hinblick auf die weitere sprachliche Entwicklung des Produzenten. Neben dem weitentwickeltem und großen Wortschatz, dessen Umfang anhand von eigenen Wörterbüchern festgehalten werden kann, ist auch die Anzahl der Produzenten und Rezipienten beeindruckend. Der Anteil der Jugendlichen an der Bevölkerung im Jahre 2014 lag in Deutschland bei knapp 11% und in Polen bei über 12%. Das sind ca. 8 Millionen bzw. ca. 4,5 Millionen Nutzer.6 Jugendsprache dient der Identitätsschaffung einer bestimmten Gruppe, die nach ihrem Alter klassifiziert ist7. Diese sprachliche Form der Kommunikation zeigt, wie fortwährend die Entwicklung von Sprache ist. In dem kaum bzw. gar nicht möglichem festzuhaltenden – da immer weiterwachsendem und schier unendlichem – Wortschatz der Jugendsprache ist klar zu erkennen, wie neologisch wertvoll dieser ist. Ausdrücke wie „Pimmelkopf“ zeigen zudem wie phantasievoll bei der Entstehung neuer Wörter gearbeitet wird, jedoch auch, wie vulgär diese sein können.

Vulgarismen dienen in dieser Sprache oft der Kommunikation, jedoch ist die Gewichtung und Schwere dieser Wörter nicht anderen Sprachen bzw. Fachsprachen gleich. Vulgäre Floskeln wie „Leck mich am/im Arsch“ oder „Du kannst mich mal“ werden häufig im Umgang miteinander benutzt, ohne dass sich der Rezipient über das Gesagte beleidigt oder angegriffen fühlen muss.

Auch die lexikalische Betrachtung dieser Sprache ist außerordentlich interessant.

Lexikalisch lässt sich die Jugendsprache wie folgt charakterisieren :Mittel, die den Unterschied in der Jugendsprache aufzeigen sind vor allem Begrüßungsfloskeln, wie zum Beispiel „Hey!“ und saloppe Anreden untereinander wie „Digga“. Eine Verschmelzung dieser beiden Begrifflichkeiten wird oftmals im Jugendsprachgebrauch verwendet und somit begrüßen sich Jugendliche mit Ausdrücken wie „Hey Digga!“ oder „Hey Alter!“. Es gibt auch in dieser Fachsprache eine weit verbreitete Nutzung von Floskeln, die nicht wirklich dem Gesagten oder Geschriebenen etwas beifügen. Die Endung „Würd´ ich sagen“ an einem Satzende oder „Ich schwör`“ zur Bekräftigung und Verfestigung des Gesagten tragen der Aussage nicht wirklich etwas semantisch Wertvolles bei. Diese Mittel stehen zudem häufig am Ende einer Aussage und bilden eine Art „Abschluss“ der Mitteilung. Auch Mittel zur Aufmerksamkeitssteigerung werden vom Produzenten eingesetzt. So gibt es beispielsweise das einfache Wort „ey“, dessen Verwendung lediglich mehr Beachtung seinem Produzenten schenken soll. Auch eine Besonderheit der Benutzung von Adjektiven seitens der Jugendlichen ist besonders auffällig. Trotz eines enorm großen Wortschatzes werden Adjektive wie „super“ oder „total“ extrem häufig, mit dem Ziel der Intensivierung des Gesagten benutzt. Ein weiterer Bereich, der mit der Globalisierung einhergeht, ist die Verwendung von Anglizismen. Dieses Phänomen hat mit dem Bild der englischen Sprache und der englischsprachigen Länder zu tun. Englische Wörter werden als „cool“ angesehen. In Filmen wie beispielsweise „Save the Last Dance“ werden englische Wörter in die deutschsprachig Version übernommen, ohne den Versuch zu unternehmen, diese zu übersetzen („Slamin´“ = eng. toll). Auch in neuen Sozialen Medien wie Facebook, Instagram oder Twitter, werden Mitteilungen oft in englischer Sprache gefasst. Dies kann im Ganzen, in Teilen oder nur in Hashtags passieren. Eine weitere Besonderheit sind die Abkürzungen, die verwendet werden. Dabei gibt es oft logische Abkürzungen, die aus den Anfangsbuchstaben der zu abkürzenden Wörter bestehen, so etwa bei der Abkürzung „HDL“ = Hab dich lieb. Auch die Endungen von Wörtern werden oft nicht weiter beachtet und so heißt es nicht etwa „Ich gehe in den Park“ sondern „ich geh´ Park“. Hier wird noch eine weitere Form der Weglassung sicht- und hörbar. Oft kommt es zur Weglassung von Präpositionen und Artikeln. Dies erschwert die Kommunikation zwischen jugendlichen und der älteren Generation. Anstatt zu sagen „Ich bin am Bahnhof“ heißt es „Ich bin Bahnhof“. Jedoch ist die Mitteilung und die Information dieser und ähnlicher Aussagen für die jugendlichen Rezipienten eindeutig verständlich.

Bei der Jugendsprache entwickelt sich im besten Fall der Sprachgebrauch eines jugendlichen Produzenten. Im Idealfall nehmen die sprachlich und lexikalisch prekären Methoden der Kommunikation mit dem Alter ab, sodass zwar der Wortschatz an sich bestehen bleiben kann, jedoch die grammatikalischen Regeln der Allgemeinsprache zumindest ansatzweise eingehalten werden. Dabei ist die Entwicklung der Reife beim jungen Menschen ausschlaggebend hierfür. Jugendsprache und Sprache müssen hierbei nicht nur linguistisch sondern auch soziologisch betrachtet werden. Sprache ist das Mittel linguistischer Kompetenz eines Produzenten; Sprache wird geschaffen, alle direkten sowie indirekten Einflüsse bilden folglich den Spracherwerb und den Sprachgebrauch.

4.2. Nutzen der Jugendsprache

Die Jugendsprache dient wie jede andere Sprache der Kommunikation zwischen einer bestimmten Gruppe von Rezipienten und Produzenten. Dazu kommt der Angehörigkeitsfaktor, denn jungen pubertierenden Menschen fehlt oft der Bezug zu einer bestimmten Gruppe. Aber auch die Abgrenzung wird mit dem Sprachgebrauch möglich, so kann man als Jugendlicher sich selbst und anderen beweisen, dass man kein Kind mehr ist. Herman Ehmann sieht in seinem Buch „Oberaffengeil“ sechs Hauptpunkte, wieso die Jugendsprache existiert und folglich auch welchen Nutzen sie hat, diese lauten:

- Der Protestaspekt

Fast immer steht Protest im Vordergrund, wenn jugendliche sich in ihrer Sprechweise von der Alltagssprache der Erwachsenen bewusst abgrenzen. Sie verstehen „ihre“ Sprache in erster Linie als Instrument gegen die – aus ihrer Sicht – zur Sprache gebrachte Sprachlosigkeit der Erwachsenenwelt und als Gegenpol zu bestehenden sprachlichen und gesellschaftlichen Normen bzw. Konventionen, die antiquierte Relikte aus vorangegangenen Zeiten darstellen. Schlagendes Beispiel hierfür ist Dinos als Synonym für „Eltern“.

- Der Abgrenzungsaspekt

Viele Erwachsene versuchen, sich sprachlich anzubiedern, um so vermeintlich Zugang zur Welt der jugendlichen zu bekommen und leichter von diesen akzeptiert zu werden. Dieser Versuch misslingt fast immer, da der Erwachsene nicht mehr authentisch wirkt und sich wie ein Elefant im verbalen Porzellanladen benimmt. Solche Anbiederei wird von seiten der Jugendlichen eher als Eindringen in eine Intimsphäre angesehen, in der man altersmäßig unter sich bleiben möchte. Jugendsprache ist somit immer auch ein Stück bewusster Abgrenzung.

- Der Aspekt der Credibility

„Echt“ bzw. authentisch sein, Originalität ausdrücken, Glaubwürdigkeit rüberbringen

– so lassen sich die Ideale der meisten heutigen Jugendlichen umrisshaft definieren: Diese Art von Credibility zeigt sich auch deutlich im sprachlichen Verhalten. Anders gesagt: Im Trend liegt, was nicht unbedingt im Trend liegt, aber nicht etwa nur deshalb, weil es nicht im Trend liegt, sondern vor allem deshalb, weil das, was im Trend liegt, logischerweise nicht allzu originell sein kann! – Nicht verstanden? Kein Problem; merken sie sich einfach dies: Entscheidend für die heutigen Jugendlichen ist, dass die Sprache authentisch klingen und zur jeweiligen Person bzw. zu deren

Einstellung passen soll. Was auch immer das dann im Detail heißen mag.

- Der Spiel- und Innovationsaspekt

Der Wunsch, etwas Neues, Eigenes, ganz Persönliches und Authentisches zu schaffen, ist bekanntlich tief in der menschlichen Natur verwurzelt. Ganz besonders gilt dies für die Sprache, mit der ein junger Mensch vorzugsweise „spielt“: aus Lust am Absurden, am Witz durch Umgreifen eingeführter Begriffe (z. B. Breitbandnudel, Denkzwerg, Bodenturner, Dusseltier, Fahrlappen, Frischling).

- Der affektiv – emotionale Aspekt

Aufgestaute Aggressionen werden am sinnvollsten durch konkrete Handlungen oder verbal abgebaut. Hunde, die bellen, beißen nicht. Also: Die Jugendsprache kann als ein Stück „kanalisierter Emotionsabfuhr“ mit therapeutischem Effekt gedeutet werden: Wer sich sprachlich abreagiert, begeht keinen Vatermord und braucht keine Therapeuten. Da sich Jugendliche während der Pubertät mit ziemlich vielen Konflikten auseinandersetzen müssen, die sie allesamt nicht lösen können, drängen ihre aufgestauten Affekte und Emotionen in die Sprache.

- Der kommunikativ – ökonomische Aspekt

Wie schon erwähnt, zeichnet sich die Jugendsprache gegenüber der Hoch- bzw. Standardsprache durch eindeutige kommunikative Vorteile aus. Sie ist konkreter und farbiger als die überwiegend an Abstraktion und Deskription orientierte Standardsprache.

- Sie ist ökonomischer und bequemer als die vielfach langatmige, verschnörkelte Standardsprache.

- Sie drückt subjektive Gefühle und Stimmungen besser aus als die um Objektivität und Sachlichkeit bemühte Standardsprache.

- Sie entkrampft die jeweilige Gesprächsatmosphäre und ist durch ihre weitgehende Regellosigkeit wesentlich flexibler als die steifere Standardsprache. 8

Ansehen, Abgrenzung, Aggressionsabbau, Innovation sowie Protest und Lässigkeit das sind die Nutzen bzw. der Grund der Jugendsprache.

4.3.Entstehung der Jugendsprache

4.3.1.Jugendsprachforschung

Bei der Entstehung und Entwicklung der Jugendsprache ist festzustellen, dass es nicht eine Jugendsprache gibt, sondern dieser Jargon fest mit der Evolution jugendlicher Bewegungen und Phänomene der jugendlichen Kultur verbunden ist.

Bereits Ende des 17. Jahrhunderts9 - und somit keine moderne Erscheinung - ist die Rede von der ersten deutschen Jugendsprache. So entwickelte sich mit Einzug der deutschen Sprache in die Hörsäle der Universitäten der Jargon der Studenten.

Die Erforschung dieses sprachlichen Phänomens erfolgte in den Anfängen der Jugendsprache anhand von Wörterbuchverzeichnissen. So gilt das von Robert Salmasius gefertigte Wörterbuch „Das Handlexikon der unter den Herren Purschen auf Universitäten gebräuchlichsten Kunstwörter“ als eines der ersten Sachbücher dieser Art und kann als Zäsur bzw. Beginn der Jugendsprachforschung angesehen werden. In den nachfolgenden Jahrzenten und Jahrhunderten folgten weitere Wörterbücher, die sich dieser Thematik annahmen. Diese frühen Untersuchungen der Sondersprache, zeigen jedoch nicht die Sprache der damaligen Jugendlichen auf, sondern viel mehr, dass die zuvor gestellte These, dass es sich bei der Jugendsprache um ein soziologisches Ereignis handelt, welches sich aus einer bestimmten Bewegung männlicher Studenten bildete10. Denn die verfassten Wörterbuchverzeichnisse beschäftigten sich nur mit der Sprache der Studenten bzw. Schüler – und diese waren zudem männliche Akademiker. Somit kann nicht die Rede von einer einheitlichen Jugendsprache des 18.-19. Jahrhunderts sein. Zudem handelt es sich bei dieser Gruppe jugendlicher Männer um eine privilegierte Schicht.

4.3.2. Entwicklung und Evolution der Jugendsprache

Bei der Analyse der Entwicklung der Jugendsprache kann nicht von einer einheitlichen und folglich logischen Entwicklung gesprochen werden. Die Entwicklung erfolgt viel mehr nicht dynamisch und kontinuierlich, sondern sie erlebt Sprünge, die nicht zwingend aufeinander aufbauen müssen. Jugendliche sehen sich als Teil einer Gruppe an – ihr Sprachgebrauch soll die Abgrenzung zu anderen Individuen, z.B.

Erwachsenen, demonstrieren und ihnen ein Gefühl von Zugehörigkeit zeigen. Die Sprache evaluiert mit der Kultur und den gerade angesagten Trends11. Dieses Phänomen ist bereits in der Nachkriegszeit in Deutschland zu sehen. Hierbei ist aufs Deutlichste zu erkennen, dass dieses Sprachgut an populäre Musikrichtungen bzw. Video-Spiele, später auch an die technischen Entwicklungen der jeweiligen Jahrzehnte unabdinglich gekoppelt ist. Beispielsweise hatten bzw. haben Bewegungen, wie „Punk“ oder „Rock and Roll“ Einfluss auf die Gestaltung und Entwicklung der Jugendsprache. Heutzutage hat die in Deutschland beliebte „Rap-Musik“ Einfluss auf die Gegebenheiten der Ausdrucksweise der Jugendlichen. Somit kann nach der Nachkriegszeit von einer „allgemeinen“ Jugendsprache die Rede sein, da nun die kulturellen Bewegungen und musikalischen Geschmäcker, sowie technische Neuerungen für die Entwicklung jugendlicher Sprache ausschlaggebend sind. Es handelt sich nicht mehr um eine rein männlich orientierte Sprache einer bestimmten Schicht. So gehören ab dem Zweiten Weltkrieg alle Jugendlichen – männlich, weiblich, arm, reich – zu den Rezipienten dieser Sprache. Die Jugendsprache taucht also folglich erst im 20. Jahrhundert auf, vorher war es die Sprache der Studenten und Schüler, somit eine Studenten- bzw. Schülersprache. Erst im Jahre 1982, als die „Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung“12 erforschte, ob die Jugend eine andere Sprache spreche, war damit der erste Baustein für eine allgemeine Jugendsprache gesetzt, die ab den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts kontinuierlich mehr an Beachtung der Linguisten gewann13.

4.4. Aufgliederung der Jugendsprachen

Der Komplex der Jugendsprache kann meines Erachtens nach in eine Hauptkategorie und mehrere Unterklassen eingeordnet werden, bei der alle Jugendlichen eine spezielle Sprache sprechen, die sich abgrenzen lässt, jedoch soll nicht davon ausgegangen werden, dass es nicht verschiedene Varietäten der Jugendsprache gibt. So muss man anhand verschiedener tiefkultureller, ethnischer und geographischer Faktoren sowie sozialer Gegebenheiten die verschiedenen „Dialekte“ der Jugendsprache unterscheiden.

4.4.1. Die „allgemeine“ Jugendsprache

Im allgemeinen Sprachgebrauch der Jugendlichen geht es primär nicht um dem speziellen Wortschatz der Anglizismen und Neologismen, die für andere Altersgruppen nur schwer oder überhaupt nicht verständlich sind, sondern um die Ausdrucksweise und die Umgangsformen, die verwendet werden. An dem Beispiel „Was geht ab?“ wird klar, dass diese Umgangsformen auch von Teilnehmern anderer Fachsprachen verstanden werden, diese jedoch nicht zum Gebrauch kommen. Sowohl der „Punk“ als auch der „Hipster“ verstehen beide diese Formulierungen, obwohl sie verschiedenen Jugendbewegungen angehören.

4.4.2. Die Lifestyle-Jugendsprache

Der Begriff „Lifestyle“ kommt aus dem Englischen (life = Leben, style = Stil), und beschreibt die Art und Weise, wie mein sein Leben lebt. Das Leben besteht aus bestimmten charakteristischen und wiederholbaren Konstanten, die den Charakter und den Geschmack – eben den Stil – schmieden. Da der Begriff „Lifestyle“ so definiert den gesamten Lebensraum umfasst, ist es bei der Klassifizierung der Jugendsprachen notwendig, die Hobbies und die Vorlieben der jeweiligen Rezipienten zu veranschaulichen.

Diese Unterkategorie muss in weitere Sparten aufgeteilt werden.

So richtet sich der Sprachgebrauch in diesen Subkategorien nach dem Musikgeschmack des Rezipienten. Dazu gehört jede Art von Musik, da sich um bestimmte Genres Gruppen bilden. Rock, Pop Techno, House oder Rap14,, all diese Musikrichtungen haben ihre Fans und Zuhörer unter den Jugendlichen. Folglich ist ihre Jugendsprache an die jeweilige Musikrichtung, die sie hören und mögen, gebunden, und somit zu unterscheiden. Dies bezieht sich auch auf sportliche Aktivitäten unter Jugendlichen, denn Jugendliche, die beispielsweise Fußball spielen, gehören zu einer anderen Subgruppe der Jugendlichen als Schwimmer. Auch hierbei, bildet sich ein anderer Sprachgebrauch durch die Rolle des Sportes im Leben jugendlicher Mädchen und Jungen. Einen großen Einfluss, durch den ständigen Anstieg der Wichtigkeit im Leben eines jeden Menschen hat auch die Technik. Ob Fotografie oder Computerspiele, all diese Felder haben ihre jungen User und teilen die Lifestyle-Jugendsprache in einzelne technische Jugendsprachen.

[...]


1 Jugendsprache, Eva Neuland, A. Francke Verlag Tübingen und Basel, Tübingen, 2008, Vorwort

2 Vgl. Aphorismenschatz der Weltliteratur, weltliche Texte für Rede und Schrift, Berlin, Haude & Sener'sche Buchhandlung, 1898

3 Vgl. http://www.spiegel.de/spiegelspecial/a-272938.html (Stand:13.08.2011)

4 Fachsprache – Eine Einführung, Dieter Möhn/Robert Pelka, 1984, Tübingen, S.26

5 Jugendgerichtsgesetz, Paragraph 1 Punkt 2

6 Vgl. http://ec.europa.eu/eurostat/tgm/table.do?tab=table&language=de&pcode=teilm021 (Stand: 15.08.2015)

7 Vgl. Jugendsprache, Eva Neuland, A.Francke Verlag Tübingen und Basel, Tübingen, 2008, Vorwort

8 Oberaffengeil, Hermann Ehmann, Beck, München, 1996 S.22-23

9 Vgl. Jugendsprache, Eva Neuland, A.Francke Verlag Tübingen und Basel, Tübingen, 2008, S.89 ff.

10 Vgl. Jugendsprache, Eva Neuland, A.Francke Verlag Tübingen und Basel, Tübingen, 2008, S.89 ff.

11 Vgl. Oberaffengeil, Hermann Ehmann, Beck, München, 1996 Vorwort

12 Vgl. http://www.deutscheakademie.de/de/aktivitaeten/publikationen/jahrbuch/deutsche-akademie-fuer-sprache-und-dichtung-jahrbuch-i-1982 (Stand: 15.09.2015)

13 Vgl. Jugendsprache, Eva Neuland, A.Francke Verlag Tübingen und Basel, Tübingen, 2008, S.89 ff.

14 Vgl. Jugendsprache, Eva Neuland, A.Francke Verlag Tübingen und Basel, Tübingen, 2008, S.89 ff.

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Jugendsprache. Ein mediensprachlicher Vergleich der deutschen und polnischen Jugendsprache
Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
52
Katalognummer
V456691
ISBN (eBook)
9783668896482
ISBN (Buch)
9783668896499
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendsprache, Polnisch, Deutsch, Bachelor, Lingustik
Arbeit zitieren
Maximilian Smolinski (Autor), 2016, Jugendsprache. Ein mediensprachlicher Vergleich der deutschen und polnischen Jugendsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456691

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