Steigende Schülerzahlen führen zu einem Mangel an Lehrpersonal, der mit den bisherigen Quantitäten an Lehramtsabsolventen nicht mehr gedeckt werden kann. Um die nötige Anzahl an Lehrkräften zu akquirieren, lassen die Bundesländer Quereinsteiger in unterschiedlichem Maße und mit verschiedenen Zugangsvoraussetzungen zum Lehrerberuf zu, die die Unterrichtsversorgung gewährleisten sollen.
Diese Maßnahme ist umso verwunderlicher, da die „Gewerkschaft Öffentlicher Dienst Lehrer“, der „Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer“ und der „Verband Bildung und Erziehung (Deutschland)“ im Jahr 2008 die Lehrerschaft als einen Eckpfeiler der Demokratie betiteln und dass diese Berufsgruppe eine „hochstehende Grundausbildung mit Master-Abschluss“ benötigt, um den Wohlstand der Gesellschaft zu sichern. Unter anderem sollen Lehrerinnen Fachleute für Lernen und Lehren sein. Sie sollen ihr Handeln am Erziehungsauftrag orientieren und ihre pädagogische Kompetenz für Diagnose, Beratung und Zertifizierung von Schülern nutzen. Mit diesem Leitbild werden Lehrer zu Repräsentanten einer Bildungselite, die nach Büchner und Brake (2006) durch ihre wissenschaftliche Qualifizierung anerkannte Experten auf ihrem Gebiet sind .
Es besteht also die Grundannahme, dass die Bildungselite der Lehrerschaft zur Sicherung der Demokratie beiträgt und sie dafür eine pädagogisch-akademische Ausbildung benötigen. Aktuell werden zur Lehrerbedarfsdeckung jedoch Quereinsteigerinnen eingesetzt, die ohne eine grundständige Lehramtsausbildung unterrichten dürfen. Aus dieser Konstellation entstehen Fragestellungen bzw. Themenkomplexe, die in der folgenden Bachelorabschlussarbeit bearbeitet werden:
- Zugänge zum Lehrerberuf im historischen Kontext und die „ersten“ Quereinsteigenden;
- Wer darf Lehrer werden und wer wird Lehrer;
- Das Lehrerausbildungsgesetz NRW;
- Wie reproduziert sich die Lehrerschaft;
- Die Lehrerversorgung: Quantitäten und Bedarfe;
- Die Lehrerbedarfsprognosen 2014 bis 2030 der KMK und der „Schüler-Boom“;
- Maßnahmen zur Sicherung der Unterrichtsversorgung;
- Der Quer- bzw. Seiteneinstieg;
- Die gesetzliche Legitimation in Nordrhein-Westfalen;
- Die Unterscheidung zwischen Quer- und Seiteneinsteiger;
- Berufswahlmotive für den Quereinstieg;
- Die Qualifizierung der Quereinsteigenden;
- Der Lehrerberuf und der Professionalisierungsdiskurs;
- Gibt es Alternativen zur grundständigen Lehramtsausbildung;
- Der Lehrerberuf als Profession;
- Schluss
Inhaltsverzeichnis
Vorwort und Danksagung
I. Einleitung
II. Hauptteil
2.1 Zugänge zum Lehrerberuf im historischen Kontext und die „ersten“ Quereinsteigenden
2.2 Wer darf Lehrer werden und wer wird Lehrer?
2.2.1 Das Lehrerausbildungsgesetz NRW (LABG)
2.2.2 Wie reproduziert sich die Lehrerschaft?
2.3 Die Lehrerversorgung: Quantitäten und Bedarfe
2.3.1 Die Lehrerbedarfsprognosen 2014 bis 2030 der KMK und der „Schüler-Boom“
2.3.2 Maßnahmen zur Sicherung der Unterrichtsversorgung
2.4 Der Quer- bzw. Seiteneinstieg
2.4.1 Die gesetzliche Legitimation in Nordrhein-Westfalen
2.4.2 Die Unterscheidung zwischen Quer- und Seiteneinstieg
2.4.3 Berufswahlmotive für den Quereinstieg
2.4.4 Die Qualifizierung der Quereinsteigenden
2.5 Der Lehrerberuf und der Professionalisierungsdiskurs
2.5.1 Gibt es Alternativen zur grundständigen Lehramtsausbildung?
2.5.2 Der Lehrerberuf als Profession
III. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die pädagogische Professionalität im Kontext der Reproduktion schulischer Bildungseliten und analysiert kritisch die aktuellen Herausforderungen und Lösungsstrategien bei der Lehrerbedarfsdeckung durch Quer- und Seiteneinstiegsprogramme.
- Historische Entwicklung der Lehrerberufs und seiner Zugangssteuerung
- Analyse der sozialen Herkunft und Reproduktion der Lehrerschaft
- Vergleich von Lehrerbedarfsprognosen und Ableitung politischer Maßnahmen
- Theoretische Auseinandersetzung mit Professionalisierungsdiskursen im Lehrberuf
- Kritische Reflexion der Qualifizierung von Quereinsteigenden
Auszug aus dem Buch
2.1 Zugänge zum Lehrerberuf im historischen Kontext und die „ersten“ Quereinsteigenden
„Wer den Knoten nicht kennt, der kann ihn auch nicht lösen.“ (Aristoteles, Metaphysik, Buch III, Kap. 1.)
Gemäß diesem aristotelischen Zitats beleuchtet das folgende Kapitel auszugsweise die Geschichte und die Entwicklung des Lehrerberufs. Dies ist nötig, um den Lehrerberuf in seiner historisch gewordenen Form zu verstehen und die Steuerungsmechanismen der Lehrerquantitäten sowie Zugänge zum Lehramt in der Geschichte aufzutun. Zusätzlich sollen erste Hinweise auf Quereinsteiger in der Historie des Lehrerberufs herausgestellt werden. Der Schwerpunkt dieses Kapitels liegt auf der historischen Entwicklung des Lehrerberufs ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert.
Kemnitz (2011) hält fest, dass die Entstehung des Lehrerberufs mit der Entwicklung des modernen Schulsystems eng verbunden ist, weil hier eine eigenständige und sozial anerkannte Lehrertätigkeit entstehen konnte. Erst durch den Beginn der Institutionalisierung des staatlichen Schulwesen und der Etablierung der „niederen“ und „höheren“ Schulen entstanden die verschiedenen Berufsstände im Lehrerberuf, die mit ihren jeweiligen Zugangsvoraussetzungen und Prüfungsordnungen, noch heute in den Lehrämtern zu finden sind (vgl. Thierack 2002, 50).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung zur Reproduktion schulischer Bildungseliten vor und verknüpft sie mit der aktuellen Debatte um Lehrermangel und Quereinstieg.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung, die normativen Grundlagen der Lehrerausbildung, die Lehrerbedarfsprognosen und die theoretischen Konzepte von Professionalität im Lehrerberuf.
III. Schluss: Der Schlussteil fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und plädiert für eine stärkere Subjektorientierung in der Bildungspolitik.
Schlüsselwörter
Lehrerberuf, Pädagogische Professionalität, Bildungseliten, Quereinstieg, Seiteneinstieg, Lehrermangel, Lehrerbedarfsprognose, Professionalisierungsdiskurs, Lehramtsausbildung, Soziale Herkunft, Lehrerversorgung, Schulsystem, Subjektbildung, Qualifizierung, Inklusion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Professionalität und der Frage, wie schulische Bildungseliten reproduziert werden, insbesondere vor dem Hintergrund des aktuellen Lehrkräftemangels.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen historische Zugänge zum Lehrerberuf, die soziale Zusammensetzung der Lehrerschaft, die Diskrepanz zwischen Lehrerbedarf und -angebot sowie die Professionalisierungstheorie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Legitimierung von Quer- und Seiteneinstiegsprogrammen kritisch zu hinterfragen und zu diskutieren, wie pädagogische Professionalität in einem sich wandelnden Bildungssystem gewahrt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse und den Vergleich von verschiedenen Bildungsstudien sowie Prognosedaten zur Lehrerversorgung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben historischen Rückbezügen auch das Lehrerausbildungsgesetz NRW, die Lehrerbedarfsprognosen der KMK und der Bertelsmann-Stiftung sowie Ansätze zur Professionalisierung nach Oevermann detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Lehrerberuf, Pädagogische Professionalität, Lehrermangel, Quereinstieg, Seiteneinstieg und Bildungseliten.
Wie unterscheidet sich der Quer- vom Seiteneinstieg in NRW?
In NRW unterscheiden sich diese primär durch ihren Status: Der Quereinstieg führt in der Regel in einen Vorbereitungsdienst, während der Seiteneinstieg eine direkte Einstellung in den Schuldienst mit berufsbegleitender Qualifizierung bedeutet.
Warum ist das Thema der sozialen Herkunft so relevant für den Lehrerberuf?
Die soziale Herkunft beeinflusst den Habitus von Lehrkräften, was wiederum Auswirkungen auf die Interaktion mit Schülern aus unterschiedlichen sozialen Schichten und somit auf die Reproduktion sozialer Ungleichheit im Bildungssystem haben kann.
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- Marius Blum (Author), 2018, Pädagogische Professionalität. Zur Reproduktion schulischer Bildungseliten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456830