In dieser Hausarbeit habe ich die Sprache, was sowohl Inhalt als auch Form betrifft, analysiert. Dabei habe ich versucht, wie bei einem hermeneutischen Zirkel, die Rolle der Zensur und deren Wirkung auf Künstler (einschließlich Schriftsteller) als Individuum im damaligen DDR-System zu beleuchten und den daraus entstandenen Folgen nachzugehen. Inbesondere was deren Wiederspiegelung in diesem literarischen Werk von Chirista Wolf, das autobiographische Zügen enthält, betrifft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtlicher Hintergrund
3. Inhaltsanalyse bezüglich der Sprache
4. Formanalyse
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand der Erzählung "Was bleibt" von Christa Wolf, wie das DDR-Regime durch Zensur und stetige Überwachung die Sprache, das Denken und das Schreiben von Künstlern beeinflusste und welche psychologischen sowie gesellschaftlichen Folgen dies nach sich zog.
- Die Rolle der Sprache als Instrument von Zensur und Machtausübung.
- Die Auswirkungen totalitärer Überwachung auf die individuelle Freiheit und Integrität.
- Der innere Zwiespalt und die Sprachlosigkeit des Individuums im DDR-System.
- Die literarische Verarbeitung von autobiografischen Bezügen und dem Scheitern utopischer Ideale.
Auszug aus dem Buch
3. Inhaltsanalyse bezüglich der Sprache
Die Sprache fungiert als ein wichtiges Element bzw. Motiv in dieser Erzählung, da diese für eine Schriftstellerin, was die Protagonistin der Erzählung ist, als ein Vermögen fungiert und eigentlich Teil ihrer Identität ist. Ansonsten ist Sprache das wichtige Ausdrucks- und Kommunikationsmittel. Der Text beginnt schon mit dem Satz „Nur keine Angst.“ – was eine Zensur-Stimmung in der DDR-Zeiten erzeugt. Danach fängt die Protagonistin mit einer Introspektion über die Sprache an – „In jener anderen Sprache, die ich im Ohr, noch nicht auf der Zunge habe, werde ich eines Tages auch darüber reden. (...) Würde ich meine Sprache je finden?“ Diese Suche nach einer neuen, anderen Sprache, die die Ich-Erzählerin nicht zu eigen machen kann und daher nicht auf der Zunge hat; gleichzeitig auch in der vorhandenen Sprache nicht wirklich ausdrücken kann, verweist auf die ambivalenten Welten bzw. Systemen – einerseits der reale Sozialismus der DDR-Zeit, wo Stimmen durch Zensur unterdrückt waren und andererseits die Wahrnehmung und Erwartung einer sozialistischen Gesellschaft, in der die Autorin leben möchte, was utopisch ist.
„(Es) liegt ein Widerspruch begraben zwischen dem Anspruch einer kritischen und produktiven Haltung gegenüber der Gesellschaft und dem starken Gefühl von Übereinstimmung (...). Ihre (Christa Wolfs) Biographie wie auch ihre Prosatexte zeugen von diesem Spannungsverhältnis, das uns einen ganz neuen Einblick in die fiktionalen Texte gibt.“ Die Sprachlosigkeit der Ich-Erzählerin vertritt dieses Spannungsverhältnis bzw. Konflikt zwischen dem eigentlichen politischen und dem eigenen moralischen System („Wer aber sagte uns, was Würde sei?“) – wie Christa Wolf in einem Interview in ihren eigenen Worten gefasst hatte: „Dass das, was wir uns unter Sozialismus vorstellten, in der DDR absolut in die falsche Richtung ging.“ Diese Zwiespalt hat zu einer Gewissenlosigkeit in der Ich-Erzählerin geführt, als sie meint, dass es jetzt nicht mehr die Möglichkeit gebe, „die Sprachlosigkeit des Gewissenlosen“ mal zu beschreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Erzählung "Was bleibt" ein, thematisiert den historischen Kontext der Veröffentlichung und definiert das Forschungsziel der Untersuchung von Sprache und Zensur.
2. Geschichtlicher Hintergrund: Dieses Kapitel beleuchtet die sozio-politischen Repressionen und die Praxis der Selbstzensur in den letzten Jahren der DDR.
3. Inhaltsanalyse bezüglich der Sprache: Die Analyse konzentriert sich auf die Sprachlosigkeit der Protagonistin und deren Reflexion über den Verlust der freien Artikulation unter ständiger Überwachung.
4. Formanalyse: Dieses Kapitel untersucht die monologische Erzählform und den bewussten Einsatz von Wiederholungen, um den psychischen Druck und den Kommunikationsverlust darzustellen.
5. Schlussfolgerung: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Sprache sowohl für die Staatsmacht zur Kontrolle als auch für Intellektuelle als Mittel zur Identitätsbehauptung eine zentrale Rolle einnahm.
Schlüsselwörter
Christa Wolf, Was bleibt, DDR-Literatur, Zensur, Selbstzensur, Sprache, Sprachlosigkeit, Stasi, Überwachung, Identität, Sozialismus, Wendeliteratur, Monolog, Autorenschaft, Repression.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen von staatlicher Zensur und Überwachung auf die Sprache und Psyche einer Schriftstellerin im Kontext der DDR-Geschichte anhand Christa Wolfs Werk "Was bleibt".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Mechanismen der Zensur, dem Spannungsverhältnis zwischen Individuum und sozialistischem System sowie der literarischen Aufarbeitung von Sprachlosigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Rolle der Sprache als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel unter den restriktiven Bedingungen einer totalitären Überwachungsgesellschaft zu erhellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine inhaltsanalytische Vorgehensweise gewählt, die an den hermeneutischen Zirkel angelehnt ist, um die Rückkoppelung zwischen politischem System und literarischem Ausdruck zu verstehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der geschichtliche Hintergrund, die inhaltliche Sprachebene des Werkes und die formale Struktur der Erzählung im Detail analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind DDR-Literatur, Zensur, Selbstzensur, Überwachung, Sprachlosigkeit, Identität und der systemkritische Aspekt des Werkes.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen dem Schreibdatum und dem Veröffentlichungsdatum von "Was bleibt" eine wichtige Rolle?
Die zeitliche Differenz zwischen der Entstehung (1979) und der Veröffentlichung (1990) verortet das Werk sowohl in der DDR-Literatur als auch in der Wendeliteratur und begründet den "brisanten Literaturstreit" um Christa Wolf.
Wie manifestiert sich die Zensur laut der Analyse in der Sprache der Protagonistin?
Sie zeigt sich durch Sprachnot, den Zwang zu verschlüsselten Codes (z.B. "Tee" und "Kaffee") und eine zunehmende innere Zensur, die bis zur Isolation und Identitätskrise führt.
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- Appy At (Autor), 2017, Analyse von Zensur in Christa Wolfs "Was bleibt", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456848