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Hegels Logik im Computer

Title: Hegels Logik im Computer

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 19 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Uwe Lorenz (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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In der Informatik, der „Computerwissenschaft“, gehört die klassische Logik zu den zentralen Fächern. Manche halten die Informatik gar für einen Teilbereich der Mathematik. So ist das Wort „Informatik“ eine Kreation aus den Begriffen „Information“ und „Mathematik“. Gleichwohl befindet sich das formale Denken in der Informatik in der Krise. Abgesehen davon, dass sich das gewöhnliche logische Denken bei dem Versuch einer axiomatischen Fundierung von sich selbst in unauflösliche Widersprüche verstickt hat, haben sich durch die vielfältige und höchst konkrete Nutzung des Computers auch ganz neue Herausforderungen an die Computerwissenschaft ergeben. Das Denken in der wissenschaftlichen Informatik fristet daher zur Zeit ein Zwitterdasein zwischen abstrakter formaler Logik und der pragmatischen Suche nach ingeneur-technischen Lösungen für konkrete, praktische Probleme.
Nun nennt sich auch das im Seminar behandelte Werk Hegels „Die Wissenschaft der Logik“. Jedoch unterscheidet sich das im Werk Behandelte sehr stark von dem was man gewöhnlich, zumindest im Informatikstudium, unter Logik versteht. Trotzdem bin ich an das Studium dieser Schrift mit der Hoffnung gegangen, aus Hegels Denken vielleicht neue Impulse für die Probleme die die Informatik bspw. mit dem Lebendigen, dem Komplexen oder dem Widersprüchlichen hat, gewinnen zu können. Und in der Tat ist Hegels Philosophie geeignet den Blick auf die aktuell gegebene mangelhafte Arbeits- und Denkweise in den Computerwissenschaften dramatisch zu erweitern.
Daher sollte man das Folgende auch unter dem Aspekt einer möglichen besonderen Anwendbarkeit von Hegels Logik in einem von formalistischem und mechanistischem Denken geprägten Umfeld lesen. Hegel quasi als eine Art „höhere Mathematik“, die als eine Erweiterung der einfachen „diskreten Arithmetik“ der herkömmlichen Informatik dienen könnte.
Hegel begreift die Logik als die „Wissenschaft der Idee an und für sich“, dies kann hier natürlich nicht in vollem Umfang behandelt werden, jedoch lassen sich Ansätze skizzieren, wodurch durch die Erweiterung von für die theoretische Informatik so grundlegenden Konzepten wie „Begriff“ oder „Menge“ möglich wird. Am Ende dieses Weges soll nicht mehr und nicht weniger als eine neue Auffassung vom Computer stehen, welche über die des digitalen Rechenautomaten, aber auch über die des Computers als Werkzeug, die Reduzierung auf ein einfaches Arbeits- und Gestaltungsmittel, wie in bisherigen Kritiken oft gefordert wird, hinausgeht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Der „Begriff“ und die Logik aus der Sicht Hegels

2. Der mathematische Verstand und die widersprüchliche Wirklichkeit

3. Der Computer – mehr als eine digitale Rechenmaschine

3.3. Besonderheit „Programmierung“

3.4. Der Computer: Ein Mechanismus aus diskreten Zuständen?

3.5. Kontinuierliche Quantität im Digitalcomputer

4. Das Maß und die Realität

5. Der Computer als differentes Objekt mit einem veränderlichen „Für-Sich“ sein

5.1 Ansätze einer nicht-mechanistischen Prozeßmodellierung

5.2. Widerspruch zwischen Prozeßauflösung und Komplexität

6. Das Wesen der Datenfolge ist die Musik

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die philosophischen Grundlagen der Informatik durch die Linse der hegelschen Logik, mit dem Ziel, den Computer über seine Rolle als rein mechanistischer, diskreter Rechenautomat hinaus als komplexes, prozessorientiertes System neu zu begreifen.

  • Kritische Analyse des formalistischen Denkens in der Informatik.
  • Anwendung hegelianischer Konzepte wie "Begriff", "Quantität" und "Widerspruch" auf IT-Strukturen.
  • Untersuchung der Diskrepanz zwischen diskreter Speicherstruktur und kontinuierlicher Realitätswahrnehmung.
  • Entwicklung von Ansätzen für eine nicht-mechanistische Prozeßmodellierung.

Auszug aus dem Buch

3.2. Der Computer: Ein Mechanismus aus diskreten Zuständen?

Heute wird der Computer als ein Rechenautomat verstanden, welcher Symbole manipuliert und dabei zu mehr oder weniger sinnvollen Ergebnissen kommt, je nachdem wie man die Regeln festlegt, nach denen diese Manipulation stattfindet. Beim Start springt die Maschine unter Anleitung ihres Programms, vermittelt durch den Vorgang der Manipulation einzelner Symbole, von einem Zustand in den nächsten. Das Ziel dabei sind „sinnvolle“ Zustände, d.h. symbolische Repräsentationen, welche der Anwender oder angeschlossene Peripheriegeräte, z.B. ein Industrieroboter, nutzbringend interpretieren soll.

Die These ist nun, dass der aktuelle Begriff vom Computer als digitaler Rechenautomat die Wirklichkeit nur sehr ungenügend ausdrückt. Vor allem die Vorstellung vom Computer als einen Automaten, d.h. einer Maschine, die von diskreten Zuständen strukturiert wird, welche „Inhalt“ repräsentieren, soll im Folgendenden untersucht werden.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Krise des formalen Denkens in der Informatik und schlägt vor, Hegels Logik als Impulsgeber für ein tieferes Verständnis komplexer Prozesse zu nutzen.

1. Der „Begriff“ und die Logik aus der Sicht Hegels: Dieses Kapitel erläutert Hegels Unterscheidung zwischen verständiger Logik und vernünftigem Denken und plädiert für einen konkreten, dynamischen Begriffsansatz.

2. Der mathematische Verstand und die widersprüchliche Wirklichkeit: Hier wird die Mengenlehre nach Cantor kritisch hinterfragt und aufgezeigt, dass der formale Verstand bei der Modellierung von Wirklichkeit an Grenzen stößt.

3. Der Computer – mehr als eine digitale Rechenmaschine: Das Kapitel hinterfragt die rein mechanische Sicht auf Rechenmaschinen und diskutiert die Programmierung sowie die Natur diskreter Zustände.

3.3. Besonderheit „Programmierung“: Dieser Abschnitt beschreibt, wie durch Programmierung ein Eigenleben entsteht und fordert eine Abkehr von rein mechanistischer Reduktion.

3.4. Der Computer: Ein Mechanismus aus diskreten Zuständen?: Es wird die These aufgestellt, dass die Sichtweise des Computers als bloßem diskreten Automaten die Realität unzureichend abbildet.

3.5. Kontinuierliche Quantität im Digitalcomputer: Hier wird untersucht, wie diskrete Datenmengen wie bei der Musikdigitalisierung in der Wahrnehmung kontinuierliche Qualität annehmen.

4. Das Maß und die Realität: Dieses Kapitel thematisiert die Abhängigkeit der Realitätswahrnehmung vom gewählten Maßstab und die Grenzen der Auflösung.

5. Der Computer als differentes Objekt mit einem veränderlichen „Für-Sich“ sein: Der Computer wird hier als physikalische Struktur mit eigenem konkreten Dasein begriffen, das sich durch Selbstbezug auszeichnet.

5.1 Ansätze einer nicht-mechanistischen Prozeßmodellierung: Dieser Abschnitt überträgt hegelianische Kategorien auf Programmierkonzepte wie "x.addiere(1)" und komplexe Simulationen.

5.2. Widerspruch zwischen Prozeßauflösung und Komplexität: Es wird analysiert, wie begrenzte Ressourcen bei komplexen Prozessen zum "Ruckeln" oder zur diskreten Auflösung führen.

6. Das Wesen der Datenfolge ist die Musik: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse am Beispiel der digitalisierten Musik und betont, dass die Datenstruktur ohne menschlichen Zweck bedeutungslos bleibt.

Schlüsselwörter

Hegel, Logik, Informatik, Computerwissenschaft, diskrete Zustände, Prozessmodellierung, Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Berechenbarkeit, Abstraktion, Begriff, Quantität, Widerspruch, Systemtheorie, Datenstruktur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit unternimmt den Versuch, die Informatik durch die philosophische Brille von G.W.F. Hegel neu zu betrachten, um eine Brücke zwischen abstrakter Logik und der praktischen, oft mechanistisch geprägten Arbeit am Computer zu schlagen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen die Begriffe des "Verstandes" versus der "Vernunft", die Kritik an der rein formalistischen Mengenlehre, die Architektur von Rechenmaschinen sowie die prozesshafte Natur von Datenverarbeitung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, eine neue Auffassung vom Computer zu entwickeln, die über die Sichtweise des rein digitalen Rechenautomaten hinausgeht und die Selbstbewegung und Komplexität von Prozessen integriert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die dialektische Methode nach Hegel, um informatische Konzepte wie Variablen, Mengen und Rechenvorgänge kritisch zu analysieren und sie von einem starren, mechanistischen Verständnis zu befreien.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Anwendung hegelianischer Kategorien auf technische Aspekte: von der Funktionsweise der "Flip-Flop"-Schaltung über meteorologische Simulationen bis hin zur Entstehung von Musik aus digitalisierten Daten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Hegels Logik, Prozeßmodellierung, Diskretheit vs. Kontinuität, formale Modellierung und die Philosophie der Informatik geprägt.

Warum spielt das Beispiel der Musik eine so zentrale Rolle?

Das Beispiel der digitalisierten Musik illustriert perfekt die Diskrepanz zwischen der gespeicherten, diskreten Bitfolge und dem tatsächlichen Erlebnis (der Musik), womit der Autor verdeutlicht, dass Technik erst durch den menschlichen Zweck Sinn erhält.

Wie unterscheidet der Autor zwischen "begreifen" und "verstehen"?

"Verstehen" ist für den Autor eine äußerliche, fixierende Form des Denkens, während "Begreifen" eine tiefere, dialektische Durchdringung beschreibt, die das Bewegliche und Lebendige des Untersuchungsgegenstands einbezieht.

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Details

Title
Hegels Logik im Computer
College
Technical University of Berlin  (Institut für Philosophie)
Grade
1,5
Author
Uwe Lorenz (Author)
Publication Year
2004
Pages
19
Catalog Number
V45686
ISBN (eBook)
9783638430432
Language
German
Tags
Hegels Logik Computer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Uwe Lorenz (Author), 2004, Hegels Logik im Computer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45686
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