Das Pol Pot-Regime in Kambodscha. Untersuchung des Genozid-Begriffes und dessen Übertragbarkeit auf die Gewalttaten der Roten Khmer


Hausarbeit, 2013
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. 20. Jahrhundert als Zeitalter der Völkermorde

2. Definition des Begriffes

3. Das Pol-Pot-Regime in Kambodscha
3.1. Historische Entwicklungen
3.2. Die Ideologie der Roten Khmer
3.3. Die Köpfe der Roten Khmer
3.4. Wirtschaftlicher Niedergang
3.5. Ermordung der Bevölkerung
3.6. Zwangsehen zur Garantie der Reinrassigkeit
3.7. Religiöse und ethnische Minderheiten

4. Das Khmer-Rouge-Tribunal

5. Vernichtungsabsichten der Roten Khmer

6. Andauernde Traumatisierung der Bevölkerung

7. Literaturverzeichnis

1. 20. Jahrhundert als Zeitalter der Völkermorde

„Darum will ich den Himmel bewegen, dass die Erde beben soll von ihrer Stätte durch den Grimm des HERRN Zebaoth und durch den Tag seines Zorns. Und sie sollen sein wie ein verscheuchtes Reh und wie eine Herde ohne Hirten, dass sich ein jeglicher zu seinem Volk kehren und ein jeglicher in sein Land fliehen wird, darum dass, wer sich da finden lässt, erstochen wird, und wer dabei ist, durchs Schwert fallen wird. Es sollen auch ihre Kinder vor ihren Augen zerschmettert werden, ihre Häuser geplündert und ihre Weiber geschändet werden“1 - Schon in der Bibel gibt es Passagen, die auf Völkermorde hinweisen lassen. Die Geschichte des Genozids beginnt schon vor über 2.000 Jahren, auch wenn vor allem das 20. Jahrhundert als Zeitalter der Völkermorde bezeichnet wird. So bilden der Holocaust an den Juden, die Ermordungen der Armenier durch das jungtürkische Regime oder auch der Genozid in Ruanda 1994 traurige Höhepunkt dieser Historie. Auch in Kambodscha kam es zwischen 1975 und 1979 zu unvorstellbaren Gewaltakten durch die Roten Khmer. Bis zu 30 Prozent der kambodschanischen Gesamtbevölkerung mussten in diesem Zeitraum ihr Leben lassen. Doch wie sind diese Tötungen begrifflich einzuordnen? Können die Taten der Roten Khmer als Genozid eingestuft werden? Diese Hausarbeit soll sich zunächst mit der Begrifflichkeit des Genozids auseinandersetzen. Nach einer kurzen Zusammenfassung der historischen Entwicklungen in Kambodscha, soll eine genaue Analyse des Roten Khmer-Regimes erfolgen. So soll unter anderem die Ideologie der Khmer in den Vordergrund rücken. Anschließend soll herausgearbeitet werden, ob die Gewalttaten in Kambodscha als Genozid einzustufen sind.

Raphael Lemkin gilt als Urvater des Genozid-Begriffes. In seinem Werk „ Axis Rule in occupied Europe. Laws of Occupation, Analysis of Government, Proposals for Redress“ legt er die Definition des Begriffes fest. Sein Verständnis spiegelt sich auch in der Genozidkonvention von 1948 wider. Aufgrund seines Schwerpunktes auf den Holocaust der Nationalsozialisten, übersieht er jedoch die Komponente der politischen Ermordungen. So fallen seiner Definition zufolge die gezielten Tötungen an Demonstranten, Oppositionellen und Andersdenkenden nicht in die Kategorie des Genozids. Des weiteren spielen die Erkenntnisse von Boris Barth in „ Genozid. Völkermord im 20. Jahrhundert, Geschichte, Theorien, Kontroversen “ eine große Rolle. Barth vergleicht zahlreiche Ansätze der Genozidforschung miteinander und liefert einen umfangreichen Überblick über die Begrifflichkeiten. Er bezeichnet Genozide als Produkt des 20. Jahrhunderts, lässt jedoch die Frage offen, wieso er zu dieser historischen Einordnung kommt. Zudem fasst er zwar die Forschungslage übersichtlich zusammen, erbringt jedoch keine eigenen Erkenntnisse. Politikwissenschaftliche Analysen zum Thema Rote Khmer werden meist nur am Rande behandelt. Die Schwierigkeit ist, dass vor allem Zeitzeugenberichte als Quelle genutzt werden. Durch die paranoide Geheimhaltung der Partei gibt es weder schriftliche Dokumente, Anweisungen oder Belege. Viele Werke sind daher eher deskriptiv und berichten lediglich von den historischen Gegebenheiten. Auch die Frage, ob Kambodscha als Genozid einzustufen ist, wird per se verneint, ohne dass weitere Untersuchungen vollzogen werden. Ausnahmen bildet „ Das hybride Khmer Rouge-Tribunal“ von Susanne Dyrchs. Ihre Analysen sind jedoch eher im Bereich der Rechtswissenschaft anzusiedeln. Dennoch liefert sie einen umfangreichen Überblick zur internationalen Rechtsgrundlage und ordnet das Geschehen um die Roten Khmer präzise. Besonders hervorgehoben werden muss ebenso „ Holocaust in Kambodscha “ von Ariane Barth und Tiziano Terzani. Das Spiegel-Buch, das eher einen literarischen, als einen wissenschaftlichen Anspruch stellt, erläutert die bedrückenden Emotionen der Bevölkerung und vermittelt so die Konsequenzen der Roten Khmer-Herrschaft eindrucksvoll. Zeitschriftenartikel zum Thema sind rar oder sehr plakativ und überzogen. Hintergrundanalysen und wissenschaftlich fundierte Quellen sind meist nicht vorhanden. Eine überraschende Ausnahme ist Thomas Hummitzsch, der mit seinem Artikel in der Zeitschrift für Internationale Politik und Gesellschaft, nicht nur historische Entwicklungen darstellt, sondern auch politische Zusammenhänge und Auswirkungen erläutert. Zudem eruiert er die Vorgehensweise des Khmer Rouge-Tribunals und erörtert die Bedeutung und Notwendigkeit der Strafverfolgung.

2. Definition des Begriffes

Der Begriff des Genozids wurde notwendig, als nach den Gräueltaten des NS-Regimes Winston Churchill von einem „Verbrechen ohne Namen“ sprach. In den Nürnberger Prozessen wurde festgehalten, dass die Absicht zur vollständigen Vernichtung einer Gruppe kein Kriegsverbrechen sei und daher eine neue Begrifflichkeit notwendig sei. So wurde zunächst vom Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesprochen.2 Raphael Lemkin, ein polnisch-jüdischer Jurist, prägte in den kommenden Jahren die Bezeichnung Genozid. Etymologisch setzt sich der Begriff aus dem Altgriechischen „ genos “ (Art, Spezie, Volk) und aus dem Lateinischen „ caedere “ (töten) zusammen.3 Lemkin selbst definierte Genozid als „a coordinated plan of different actions aiming at the destruction of essential foundations of the life of the national groups, with the aim of annihilating the groups themselves“4. Unabdingbar ist dabei eine strikte Abgrenzung des Begriffes zu ethnischen Säuberungen und Massenmord. So definiert Massenmord ein beinahe willkürliches und unterschiedsloses Töten der Bevölkerung durch die Regierung.5 Unter ethnischer Säuberung wird im Vergleich dazu, lediglich das Entfernen einer ethnischen oder religiösen Gruppe aus einem bestimmten Territorium verstanden. Darunter fallen Vertreibungen, Deportationen oder auch unter Umständen Ermordungen.6 Lemkin stellt klar, dass Genozid kein Kriegsverbrechen ist, da es auch in Friedenszeiten zu einem Völkermord kommen kann.7 Während viele Politikwissenschaftler über die Präzession des von Lemkin vorgeschlagenen Verständnis diskutieren, gibt die Genozidkonvention der Vereinten Nationen von 1948 klare Richtlinien vor.

„In dieser Konvention bedeutet Völkermord eine der folgenden Handlungen, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören: a) Tötung von Mitgliedern der Gruppe, b) Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe, c) vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen; d) Verhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind; e) gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.“8

Genozid stellt also die Intention zur Vernichtung einer nationalen, ethnischen, rassischen oder religiösen Gruppe dar. Somit ist schon die Absicht der totalen Zerstörung einer Gruppe ein Völkermord. Das stellt eine erhöhte Schwierigkeit für die Strafverfolgung dar: Der Nachweis eines Völkermordes ist in der Praxis nur sehr schwer zu erbringen. Auch die Tatsache, dass nur Verfolgungen aus nationalen, ethnischen, rassischen oder religiösen Gründen einen Genozid darstellen, beherbergt Schwierigkeiten. Daher entwickelte der Politikwissenschaftler Rudolph Joseph Rummel den Begriff des Demozids, welcher sowohl Massenmorde, als auch Genozide einschließt. Ebenso prägte er die Idee des Politizids und erweiterte, durch die Einfügung der Ermordung von Personen durch die Regierung aus politischen Gründen, die Komponenten des Genozids.9 Weiter sind Begrifflichkeiten wie Ethnozid, Ökozid, Femizid oder Ökonomizid in der Fachliteratur zu finden.10 In den Fokus soll nun der Begriff des Autogenozids rücken: In diesem Fall richtet sich der Völkermord gegen die eigene Bevölkerung. Da der Ausdruck den Eindruck eines freiwilligen Suizids erweckt, wird die Bezeichnung des Autogenozids skeptisch betrachtet. So behaupten Kritiker, dass die Grenze zwischen Opfer und Täter verschwimmt.11 Jean Lacouture erläutert die Idee als „mass killing of members of the group to which the perpetrators themselves belong“.12 In diesem Punkt ist ein klarer Widerspruch zur klassischen Genozidkonvention zu finden. Das Konzept des Autogenozids wird sowohl formell, als auch inhaltlich ausgeschlossen, da die Konvention lediglich von der gezielten Tötung von Mitgliedern anderer ethnischer Gruppierungen ausgeht. Generell ist daher strittig, ob ein Autogenozid in die Kategorie des Genozids eingeordnet werden darf.13

3. Das Pol-Pot-Regime in Kambodscha

3.1. Historische Entwicklungen

Im Jahre 802 gründete sich in Kambodscha das Reich der Khmer. Die Herrscher der Khmer wurden wie Halbgötter verehrt. Sie standen in direkter Verbindung zu den Göttern und vermittelten zwischen diesen und der Menschheit. Als Zeichen ihrer Machtstellung ließen sie viele Tempelanlagen erbauen. Ihre ausschweifenden Bautätigkeiten stürzten das Land letztendlich in den finanziellen Ruin und sorgte 1432 für das Ende der Khmer-Herrschaft des Angkor-Reichs.14 Thailand und Vietnam annektieren daraufhin zahlreiche Gebiete Kambodschas und forderten die absolute Vorherrschaft. Besonders die brutale vietnamesische Besetzung sorgte für Unmut in der Bevölkerung. So wurde im 19. Jahrhundert die Erklärung Kambodschas zum französischen Protektorat vom Volk begrüßt. Frankreichs Einfluss ermöglichte zahlreiche Reformen, wie beispielsweise die Abschaffung der Sklaverei. 1887 wurde Kambodscha ein Teil Indochinas. Nach der Besetzung Japans während des Zweiten Weltkrieges, wurde 1945 die Unabhängigkeit Kambodschas ausgerufen. Formell wurde jedoch erst am 09. November 1953 eine vollständige Unabhängigkeit von Frankreich erreicht. Das Staatsoberhaupt Norodom Sihanouk, der schon 1941 durch die Franzosen zum König ernannt worden war, erschuf in Kambodscha in den folgenden Jahren eine personalisierte Autokratie und berief sich auf die historische Stellung der Khmer-Herrscher als Halbgötter.15 Parallel verbündeten sich einige kambodschanische Studenten, die in den 50ern Jahren in Paris lebten und dort den Kommunismus für sich entdeckten, zu einer Widerstandsgruppierung. Nach Studentenrevolten im Jahre 1963 flohen die Widerständler, die sich Rote Khmer nannten, in den kambodschanischen Urwald und begannen dort, einheimische Bauern als Verbündete zu rekrutieren. Da es immer wieder zu US-Flächenbombardements und Grenzüberschreitung des Vietnamskrieges auf kambodschanischer Seite kam, war vor allem die ablehnende Haltung der Roten Khmer gegenüber den USA, ein Grund für den massiven Rückhalt innerhalb der Bevölkerung.16 Mit der militärischen Unterstützung kommunistischer Vietnamesen konnten die Guerillatruppen große Teile des Landes erobern. Auch Sihanouk, der 1970 nach Drängen der USA gestürzt worden war, kooperierte mit den Khmer. Am 17. April 1975 wurde schließlich die Hauptstadt Phnom Penh eingenommen. Die von den USA unterstützte Regierung unter Lon Nol wurde gestürzt und die Demokratische Republik Kampuchea ausgerufen.17 Bis 1976 war die Führungsclique gesichtlos. Unter dem Begriff Angkar versteckten sich die Partei sowie die führenden Mitglieder Pol Pot, Nuon Chea, Ta Mok und Ieng Sarey. Ankar sorgte für eine sofortige Evakuierung aus den Städten und die Errichtung von Arbeits- und Vernichtungslagern. Mit Hilfe eines Vierjahresplans sollte ein agrarischer Kommunismus in Kambodscha errichtet werden.18

3.2. Die Ideologie der Roten Khmer

Das wesentliche Ziel der Roten Khmer war die Schaffung eines autarken radikal-kommunistischen Bauernstaates ohne Klassenunterschiede. Nach Richard Pipes erschufen die Roten Khmer dabei die „reinste Verkörperung des Kommunismus“19. Die Grundlage des Staates sollte die Landwirtschaft darstellen, sodass es zu einer Abschaffung des Geldes, des Handels und der Industrie kam. Die Städte wurden evakuiert und die Bewohner wurden in landwirtschaftliche Kollektive eingegliedert. Das gesamte gesellschaftliche Leben wurde ab sofort gemeinschaftlich organisiert: Privateigentum wurde entwendet, es gab Einheitskleidung und die Mahlzeiten wurden gemeinschaftlich eingenommen. Private Treffen waren unmöglich und jegliche Individualität wurde ausgelöscht. Weiterhin kam es zu einer gezielten Zerschlagung familiärer, sozialer und religiösen Bindungen. Zudem stellt die Überwachung und Denunziation der Bevölkerung ein wesentliches Element der Khmer-Ideologie dar.20

Nichtsdestotrotz unterscheidet sich die Idee der Roten Khmer in einigen Punkten von der klassischen kommunistischen Ideologie: Es wurde keine Planwirtschaft geschaffen und ein Fortschritt durch Industrialisierung wurde verneint. Außerdem bilden die nationalistischen Pan-Elemente, mit dem Ziel der Wiederherstellung des Angkor-Reichs, einen klaren Widerspruch. Ebenso fand kein kommunistischer Staatsaufbau statt. Daher spricht man auch vom „Steinzeit-Kommunismus“.21 Die Städte wurde vollkommen evakuiert, da sich dort laut Khmer der Ursprung der feindlichen „dekadenten, pervertierten Kultur des US-Imperialismus und der Lon Nol-Clique“22 befand. Auch der für kommunistische Systeme übliche Dualismus von Staat und Partei fehlte in Kambodscha. Stattdessen übten sich die Partei „Democratic Kampuchea“ und die Führungsclique in strenger Geheimhaltung.23 Deshalb blieb auch ein Personenkult um Pol Pot aus. Es entwickelte sich daraus ein gigantischer Überwachungsstaat, der von der mysteriösen Macht der Angkar umgeben war. Angkar bezeichnete die anonyme Organisation, hinter der sich die Roten Khmer verbargen. "Angkar weiß alles, sieht alles, hört alles, kann sogar Gedanken lesen“24, verdeutlicht die Idee des permanenten Überwachungsstaates.

Ben Kiernan sprach von einem „einzigartigen Amalgam von Kommunismus und Rassismus“25 in Kambodscha. So wird zwischen dem altem und dem neuem Volk unterschieden. Das alte Volk sind die Bewohner der Gebiete, die vor 1975 von Guerilla-Kämpfern der Roten Khmer befreit wurden und als Unterstützer des Systems gesehen wurden. Das neue Volk aber wurde als Klassenfeind degradiert. Stadtbewohner, aber auch Intellektuelle, Ärzte, Anhänger des Lon Nol-Regimes sowie Mönche und westlich Orientierte sollten vernichtet werden.26 Zunächst fanden die Verfolgungen aus politischen Gründen statt: So wurde behauptet die Stadtbevölkerung habe unter ausländischem Einfluss Staatsverrat begangen. Gleichzeitig wurden jedoch auch ethnische Gruppierungen als Klassenfeinde stereotypisiert. So wurden beispielsweise die muslimischen Cham oder die vietnamesischen Bewohner Kambodschas als Staatsfeinde betrachtet.27 Zusammenfassend wurde jedoch jede Person, die sich aus dem Kollektiv ausschloss und des Individualismus bezichtigt wurde, verfolgt und vernichtet.

Letztendlich kann die Ideologie der Roten Khmer als radikalste Entwicklung des Kommunismus bezeichnet werden. Neben den klassischen Theorien Lenins vermischt sich die Ideologie mit Prinzipien des stalinistischen Terrors, Ideen der Kulturrevolution Maos sowie den Autarkie-Gedanken der nordkoreanischen Chuche'e-Ideologie.

3.3. Die Köpfe der Roten Khmer

Das wesentliche Merkmal der Partei „Democratic Kampuchea“ und deren Mitglieder war die Geheimhaltungspflicht. Die Parteifunktionäre versteckten sich hinter der Organisation Angkar. Selbst die kambodschanische Bevölkerung wusste nicht, wer sich hinter dem mysteriösen Verband wirklich versteckte. Erst nach dem Sturz der Roten Khmer wurde bekannt, dass Pol Pot als Führer der Bewegung agierte. Die strenge Diskretion sollte als Mittel gegen den Imperialismus dienen.28 „Nur durch Geheimhaltung können wir Herr der Situation sein und die Feinde besiegen, die nicht in der Lage sind herauszufinden, wer wer ist29 “.

Die von „Democratic Kampuchea“ gestellte Regierung erließ nach 1976 weder Gesetze noch sonstige Rechtsverordnungen. Das erschwert die nachträgliche Untersuchung, wer sich hinter Angkar wirklich verbarg. Die Satzung der Partei lässt jedoch darauf schließen, dass das Zentral-Komitee die Verantwortung für die politischen Richtlinien trug. Pol Pot als Generalsekretär stand an oberster Stelle. Sein Stellvertreter wurde durch Neon Chea gestellt. Der Außenminister Ieng Sary gilt als „Brother No.3“. Die Führungsclique der Partei wurde als „Standing Commitee of the Central Comittee of the Communist Party of Kampuchea“ bezeichnet. Der engste Führungskreis hatte sich schon zu Studienzeiten in Paris zu einer kommunistisch orientierten Gruppierung zusammengeschlossen. Neben den Mitgliedern des „Standing Comittees“ gab es weitere führende Verantwortliche wie beispielsweise Kaing Guek Eav, der die Leitung des Foltergefängnisses S-21 in Tuol Sleng inne hatte.30

[...]


1 Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers, Jes.13, 13-16

2 Vgl. Barth, Boris, Genozid. Völkermord im 20. Jahrhundert, Geschichten, Theorien, Kontroversen, C.H. Beck, München, 2006, S.12-15

3 Vgl. Trummer, Peter I., Genozid: Lehren aus dem 20. Jahrhundert und Herausforderungen für das 21. Jahrhundert, in: Der Bürger im Staat, 2004/4, S.217

4 Lemkin, Raphael, Axis Rule in occupied Europe. Laws of Occupation, Analysis of Government, Proposals for Redress, Lawbook Exchange Ltd., New Jersey, 2005, S.81

5 Vgl. Trummer, Peter I., Genozid: Lehren aus dem 20. Jahrhundert und Herausforderungen für das 21. Jahrhundert, in: Der Bürger im Staat, 2004/4, S.218

6 Vgl. Barth, Boris, Genozid. Völkermord im 20. Jahrhundert, Geschichten, Theorien, Kontroversen, C.H. Beck, München, 2006, S.195

7 Vgl. Ebenda, S.12

8 Konvention zur Verhütung und Bestrafung des Genozids, Vereinten Nationen Generalversammlung Resolution 260 A (III) vom 9. Dezember 1948, Art. II

9 Vgl. Rummel, Rudolph J., Demozid – der befohlene Tod, Lit Verlag, Münster, 2003, S.29

10 Vgl. Barth, Boris, Genozid. Völkermord im 20. Jahrhundert, Geschichten, Theorien, Kontroversen, C.H. Beck, München, 2006, S.28

11 Vgl. Barth, Boris, Genozid. Völkermord im 20. Jahrhundert, Geschichten, Theorien, Kontroversen, C.H. Beck, München, 2006, S.149

12 Shaw, Martin, What is Genocide?, Polity Press, Cambridge, 2007, S.76

13 Vgl.Ebenda, S.76-77

14 Vgl. Schipper, Edith, Spannungsfeld Südostasien. Die Konstellation der Beziehungen zwischen der Volksrepublik China, Kambodscha und Thailand in den Jahren 1975-1982,Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main, 1987,S.4

15 Vgl. Ebenda,S.5-17

16 Vgl. Dyrchs, Susanne, Das hybride Khmer-Rouge-Tribunal. Entstehung, Entwicklung und rechtliche Grundlagen, Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main, 2008, S.28-31

17 Vgl. Schipper, Edith, Spannungsfeld Südostasien. Die Konstellation der Beziehungen zwischen der Volksrepublik China, Kambodscha und Thailand in den Jahren 1975-1982,Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main, 1987,S.22-37

18 Vgl. Dyrchs, Susanne, Das hybride Khmer-Rouge-Tribunal. Entstehung, Entwicklung und rechtliche Grundlagen, Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main, 2008, S.32-40

19 Barth, Boris, Genozid. Völkermord im 20. Jahrhundert, Geschichten, Theorien, Kontroversen, C.H. Beck, München, 2006, S.154

20 Vgl. Götze, Lutz, Warum Diktatur und Völkermord? Das Pol Pot-Regime
http://www.globkult.de/geschichte/zeitgeschichte/513-warum-diktatur-und-voelkermord-das-pol-pot-regime, vom 02.06.2010, aufgerufen am 04.03.2013

21 Vgl. Königseder, Angelika, Das Pol-Pot-Regime in Kambodscha, in: Benz, Wolfgang (Hrsg.), Vorurteil und Genozid. Ideologische Prämissen des Völkermords,Böhlau Verlag, Wien, 2010, S.174

22 Barth, Boris, Genozid. Völkermord im 20. Jahrhundert, Geschichten, Theorien, Kontroversen, C.H. Beck, München, 2006, S.158

23 Vgl. Ebenda, S.155

24 Studzinsky, Silke, Rote-Khmer-Tribunale: „Nahrung gegen Sex“
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/rote-khmer-tribunale-nahrung-gegen-sex-a-658359.html, vom 02.11.2009, aufgerufen am 04.03.2013

25 Königseder, Angelika, Das Pol-Pot-Regime in Kambodscha, in: Benz, Wolfgang (Hrsg.), Vorurteil und Genozid. Ideologische Prämissen des Völkermords,Böhlau Verlag, Wien, 2010, S.175

26 Vgl. Courtois, Stéphane, Das Handbuch des Kommunismus, Piper Verlag, München, 2010, S.666

27 Vgl. Königseder, Angelika, Das Pol-Pot-Regime in Kambodscha, in: Benz, Wolfgang (Hrsg.), Vorurteil und Genozid. Ideologische Prämissen des Völkermords,Böhlau Verlag, Wien, 2010, S.175

28 Vgl. Königseder, Angelika, Das Pol-Pot-Regime in Kambodscha, in: Benz, Wolfgang (Hrsg.), Vorurteil und Genozid. Ideologische Prämissen des Völkermords,Böhlau Verlag, Wien, 2010, S.174

29 Ebenda, S.174

30 Vgl. Dyrchs, Susanne, Das hybride Khmer-Rouge-Tribunal. Entstehung, Entwicklung und rechtliche Grundlagen, Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main, 2008, S.38-42

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Pol Pot-Regime in Kambodscha. Untersuchung des Genozid-Begriffes und dessen Übertragbarkeit auf die Gewalttaten der Roten Khmer
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
22
Katalognummer
V456862
ISBN (eBook)
9783668886377
ISBN (Buch)
9783668886384
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kambodscha, Rote Khmer, Genozid, Gewalt, Pol Pot
Arbeit zitieren
Cornelia Kauruff (Autor), 2013, Das Pol Pot-Regime in Kambodscha. Untersuchung des Genozid-Begriffes und dessen Übertragbarkeit auf die Gewalttaten der Roten Khmer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456862

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