Typisch Deutsch – typisch Japanisch? Eine Befragung von deutschen und japanischen Studierenden

Die Kulturdimensionen nach Edward T. Hall, Geert Hofstede, Charles Hampden-Turner und Fons Trompenaars


Hausarbeit, 2014

26 Seiten, Note: 1,7

Stefanie Schmude (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problem
1.1. Kulturdimensionen nach Hall
1.2. Kulturdimensionen nach Hofstede
1.3. Kulturdimensionen nach Hampden-Turner und Trompenaars
1.4. Probleme bei der Bestimmung von Kulturdimensionen

2. Methode

3. Ergebnisse
3.1. Ergebnisse der ersten Fragebatterie
3.2. Ergebnisse der zweiten Fragebatterie
3.3. Ergebnisse der dritten Fragebatterie
3.4. Ergebnisse der vierten Fragebatterie

4. Diskussion und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Problem

Es gibt viele Versuche einer Definition von Kultur. Kultur kann als all das vom Menschen Geschaffene, also nicht natürlich Vorkommende verstanden werden. (Treichel 2011, 19) Kultur kann auch mit der Hochkultur identifiziert werden, mit Kunst, Religion und Wissenschaft. (Treichel 2011, 21) Auf einer anderen Ebene gehört zur Kultur nicht nur Materielles, sondern auch die Weise, wie Menschen denken. Kultur wird tradiert, sie wird erlernt, nicht vererbt. (Hofstede 2009, 4) Gert Hofstede definiert Kultur als „die kollektive Programmierung des Geistes, die die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von einer anderen unterscheidet.“ (Hofstede 2009, 4) Charles Hampdon-Turner und Fons Trompenaars (2012, 8) definieren Kultur als Art und Weise, wie eine Gruppe von Menschen Probleme löst.

Kulturen sind wandelbar, entweder durch intrakulturelle Veränderungen oder durch Einflüsse von außen. Dazu gehört z. B. die Übernahme fremdkultureller Charakteristika wie Yoga oder Sprache, wobei die Adaption in der Regel nicht vollständig geschieht, sondern von der eigenen Umwelt angepasst wird. Heute sind Kulturen u. a. durch den internationalen Handel und die weltweiten Kommunikationsmöglichkeiten miteinander vernetzt, sodass für eine Kultur „tendenziell alle anderen Kulturen zu Binnengehalten geworden“ (Welsch 2011, 151) sind.

Die Gleichsetzung von Kultur und Nation ist problematisch. Denn die Entstehung der Nationalstaaten ist oft willkürlich und mehr von politischem Denken als von kulturellem Zugehörigkeitsgefühl geprägt gewesen. (Hofstede 2009, 22) Andererseits ist ohne die Gleichsetzung von Kultur und Nation die Abgrenzbarkeit und Vergleichbarkeit von Kulturen nicht gegeben. (Hofstede 2009, 23) Generell besteht das Problem, dass Kulturen eigentlich viel zu komplex sind, um beschrieben werden zu können. (Furrer-Küttel/ Treichel 2011, 265) Es darf zu Recht bezweifelt werden, dass die umfassende Erschließung aller Kulturstandards möglich sei.

Kulturstandards sind nach Alexander Thomas „Arten des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns, die von der Mehrzahl der Mitglieder einer bestimmten Kultur für sich und andere als normal, typisch und verbindlich angesehen werden.“ (Thomas 2005, 25) Auf generalisiertem Niveau beschreiben Kulturstandards die Mehrheit und nicht Individuen. Dabei gilt immer ein gewisser Toleranzbereich von Varianzen. (Thomas 2005, 25) Die Standards sind zumeist in der Kindheit erlernt worden und werden unbewusst eingehalten, da dieser Verhaltensrahmen Sicherheit gibt. (Hampden-Turner/Trompenaars 2012, 32) Die Kultur verleiht dem Individuum Identität und ermöglich Kommunikation und Handeln sowie den Umgang mit den eigenen Gefühlen. (Hofstede 2009, 5) Jedoch besteht die Gefahr, dass von den eigenen Kulturstandards abweichendes Verhalten nicht verstanden wird, als unangenehm empfunden wird, Ablehnung provoziert und eine gefühlte Überlegenheit auslöst. (Thomas 2005, 24) Wenn unterschiedliche Kulturstandards aufeinandertreffen, ist die Kommunikation erschwert und es können aufgrund der Distanz negative Gefühle wie Bedrohung oder Unwohlsein entstehen. Bei solchen so genannten kritischen Begegnungen mit anderen Kulturen werden zuerst die eigenen Kulturstandards herangezogen, weil diese den bisherigen Verhaltens- und Verstehensrahmen gebildet haben. (Thomas 2005, 24) Es ist daher eine Sensibilisierung für Kulturstandards vor interkulturellen Begegnungen nötig, um nicht von abweichenden Verhaltensweisen verunsichert zu werden. Der Kulturrelativismus verlangt, vorschnelle Urteile über andere Gruppen aufzugeben und sich stattdessen darüber zu informieren. (Hofstede 2009, 6) Um internationale Lösungen für die aktuellen globalen Probleme wie Welthunger und Meeresverschmutzung finden zu können, ist es wichtig zu verstehen, wie die Politiker aus den verschiedenen Kulturen denken. (Hofstede 2009, 2) Auch in der internationalen Wirtschaft ist interkulturelles Management für den Erfolg notwendig. (Scholz/Stein 2013, 9) Interkulturelle Begegnungen bergen jedoch nicht nur Gefahren, sondern bieten auch Faszination. (Scholz/Stein 2013, 64) Hampdon-Turner und Trompenaars (2012, 1) nehmen an, dass man andere Kulturen niemals völlig verstehen kann. Kulturdimensionen bilden eine abstraktere Ebene der Unterschiede zwischen Kulturen ab, sie sind der Versuch, „bestimmte Kulturstandards auf bestimmte Grunddimensionen menschlichen Verhaltens“ (Layes 2005, 60) zurückzuführen. Die Kulturdimensionen dienen zur leichteren Analyse und Klassifikation von Kulturen. „Eine Dimension ist ein Aspekt einer Kultur, der sich im Verhältnis zu anderen Kulturen messen läßt.“ (Hofstede 2009, 29)

1.1. Kulturdimensionen nach Hall

Edward T. Hall hat elementare Kulturdimensionen identifiziert. Er grenzt „High-Context“- Kommunikation und „Low-Context“-Kommunikation voneinander ab. (Layes 2005, 64) Implizite und indirekte Kommunikation ist kontextreich, es muss sozusagen zwischen den Zeilen gelesen werden. (Furrer-Küttel/Treichel 2011, 243) Dagegen ist explizite und direkte Kommunikation kontextarm, die Aussagen stehen für sich selbst. Deutsche gelten als direkt und explizit. Positiv ist daran, dass dieses ehrlich wirkt, negativ dagegen ist, dass dieses auch als unhöflich und langatmig wahrgenommen werden kann. (Schroll-Machl 2007, 189) In interkulturellen Verhandlungen können durch unterschiedliche Kontextbezüge große Missverständnisse entstehen, z. B. wenn man nicht klar erkennen kann, ob der Angehörige der anderen Kultur verärgert ist oder nur blufft. (Hall 1959, 139)

Zeitverständnis ist nach Hall entweder auf „Polychronie“ oder „Monochronie“ ausgerichtet. Eine Kultur ist monochron orientiert, wenn eins nach dem anderen erledigt wird. Zeit gilt als kostbares Gut und wird als gradlinig verlaufend betrachtet. Sie wird als naturgegeben betrachtet, der Mensch ist von ihr umgeben und kann ihr nicht entkommen. (Hall 1959, 6) Typisch dafür ist eine sequentielle Aufgabenerledigung und das Wertlegen auf Pünktlichkeit. (Furrer-Küttel/Treichel 2011, 241) „Not only do we Americans segment and schedule time, but we look ahead and are oriented almost entirely toward the future. […] Time with us is handled much like a material; we earn it, spend it, save it, waste it.“ (Hall 1959, 7) Für eine polychrone Orientierung ist das Multi-Tasking, die parallele Aufgabenerledigung typisch. Zeit wird als Ereigniszeit und als ausreichend vorhanden wahrgenommen und der Umgang damit ist großzügig. (Furrer-Küttel/Treichel 2011, 241) Natürlich sind das rein monochrone oder das rein polychrone Zeitverständnis zwei extreme Punkte, zwischen denen sich alle Kulturen einordnen.

Hall unterscheidet außerdem die Kulturdimension „Distanz“, diese betrifft den Raum, den der einzelne braucht, um sich wohlzufühlen. (Furrer-Küttel/Treichel 2011, 242) Zum Beispiel gilt ein Abstand von etwa einem Meter zu anderen Personen in Westeuropa als angemessen, in Brasilien ein Abstand von unter einem halben Meter. (Furrer-Küttel/Treichel 2011, 242) Außerdem gibt es Unterschiede der Distanz zwischen den Geschlechtern. Wenn die Gesprächspartner unterschiedliche Distanzen gewohnt sind, kann schnell Unbehagen entstehen. (Hall 1959, 181)

1.2. Kulturdimensionen nach Hofstede

Hofstede hat die Kulturdimension „Machtdistanz“ beschrieben, das Ausmaß, wie stark weniger einflussreiche Mitglieder die ungleichmäßige Verteilung von Macht entweder respektieren oder anfechten. (Hofstede 2009, 522) In Deutschland wird ein flaches Machtgefälle angestrebt, es ist akzeptabel, Respektspersonen wie dem Chef, dem Lehrer oder dem Vater zu widersprechen. Statt durch Druck von oben, sind Deutsche durch ihr Verantwortungsgefühl motiviert. (Schroll-Machl 2007, 96) Macht kann durch die Position, die Schicht oder den Status entstehen. Bei geringer Machtdistanz berät sich der Chef mit seinen Mitarbeitern, bei hoher Machtdistanz duldet der Vorgesetzte keinen Widerspruch von seinen Angestellten. (Hofstede 2009, 58) Durch die stärkere Gleichberechtigung ist in Kulturen mit einer geringen Machtdistanz eine größere Flexibilität wichtig, um Ziele zu erreichen. (Hofstede 2009, 61)

Eine weitere Kulturdimension beschreibt Hofstede als „Kollektivismus“ gegenüber „Individualismus“. (Hofstede 2009, 30) Parallel dazu sprechen Hampden-Turner und Trompenaars (2012, 11) von „Communitarianism“ und „Individualism“. Im Kollektivismus ist das Leben des Einzelnen innerhalb eines sozialen Netzwerks mit starkem Zusammengehörigkeitsgefühl verankert, das Wohlergehen der Gruppe hat Vorrang vor den Interessen des Einzelnen. (Hofstede 2009, 521) Bei Aufgaben, die im Team gelöst worden sind, sollte die Anerkennung für das ganze Team ausgesprochen werden. Lob und Beförderung von Einzelnen kann sogar zur Demotivierung der ganzen Gruppe führen, weil sie das Wir-Gefühl untergraben. (Hofstede 2009, 135) In kollektivistischen Kulturen werden direkte Auseinandersetzungen vermieden, um die Harmonie nicht zu gefährden (Hofstede 2009, 123). Die Beziehung steht stärker im Fokus als die Sache. Für den Individualismus dagegen ist emotionale Unabhängigkeit typisch, der Einzelne ist wichtiger als die Gruppe und jeder trägt selbst die Verantwortung für sich selbst und die Familie. (Hofstede 2009, 520) Einzelne Teammitglieder sollten für ihre Leistungen honoriert werden, um die Motivation zu unterstützen. (Hofstede 2009, 135) Stephan Dahl (2000) beurteilt Deutschland als nicht besonders individualistisch, was er vermutlich aus dem stark ausgeprägten Sozialstaat schlussfolgert. Dahls Aussage wird dadurch relativiert, dass eine niedrige Ausprägung beim Individualismus oft mit einer hohen Machtdistanz zusammenhängt, was im Falle Deutschlands kaum zutrifft. (Hofstede 2009, 111)

„Maskulinität“ und „Femininität“ bilden eine weitere Kulturdimension nach Hofstede. (Hofstede 2009, 30) Die Frage ist, ob Männer und Frauen in einer Kultur die gleichen Eigenschaften teilen. Generell stellt Hofstede fest, dass in maskulin geprägten Kulturen die sozialen Geschlechterrollen eindeutig verteilt sind, während sich in feminin geprägten Kulturen die Geschlechterrollen überschneiden. (Hofstede 2009, 522) Feminine Kulturen fördern eher Eigenschaften wie Mitgefühl, Toleranz und Bescheidenheit, maskuline Kulturen eher Aggressivität und Wettbewerb. (Hofstede 2009, 519)

Außerdem ist „Unsicherheitsvermeidung“ bei Hofstede eine Kulturdimension. (Hofstede 2009, 30) Es handelt sich dabei um den Grad, zu dem man sich von Unsicherheiten bedroht oder im Gegenteil herausgefordert fühlt. (Hofstede 2009, 524) Unsicherheiten können z. B. durch Gesetze und Regeln vermieden werden. (Hofstede 2009, 252) Die USA, Jamaika und Dänemark gelten eher als risikofreudig, Belgien, Griechenland, Japan und Deutschland eher als risikoscheu. (Hofstede 2009, 234) Rechtsextremismus ist ein Anzeichen von Unsicherheitsvermeidung aus Angst vor dem Fremden, eine positive oder neutrale Einstellung gegenüber Ausländern wie die Offenheit für die Küche anderer Kulturen gilt dagegen alsrisikofreudig. (Hofstede 2009, 280) Die Kombination von Maskulinität und hoher Unsicherheitsvermeidung wird als Nährboden für Faschismus betrachtet, in Deutschland, Japan und Italien liegt diese Kombination vor. (Dahl 2000) Japan erzielt einen hohen Indexwert für die Unsicherheitsvermeidung, dort ist es üblich, nach Feierabend mit den Kollegen trinken zu gehen, um die aufgestauten Gefühle herauszulassen. (Hofstede 2009, 237)

In Kulturen mit „Kurzzeitorientierung“ steht der Respekt vor Traditionen und die Wichtigkeit, das Gesicht zu wahren, im Fokus. (Hofstede 2009, 295) Der Zukunft kommt eine geringere Bedeutung zu als der Gegenwart und der Vergangenheit. Dagegen befassen sich Kulturen mit „Langzeitorientierung“ stärker mit der Vorsorge für die Zukunft. Ausdauer, Sparsamkeit und Anpassung gelten als Tugenden. (Hofstede 2009, 295)

Ferner gibt es noch die Kulturdimension „Indulgence“ versus „Restraint“. Eine von „Indulgence“ geprägt Kultur hat sich dem Genuss und der Befriedigung von Bedürfnissen verschrieben. „Restraint“ bedeutet Zurückhaltung, die Menschen leben bescheidener und können ihr Leben nicht so sehr genießen. (Hofstede 2008, 9)

Zuletzt definiert Hofstede „Monumentalismus“ als Kulturdimension, typisch dafür sind Stolz und Inflexibilität. Gegenteilig wäre eine von „Self-Effacement“ geprägte Kultur, die Bescheidenheit und Flexibilität ausmachen. (Hofstede 2008, 10)

1.3. Kulturdimensionen nach Hampden-Turner und Trompenaars

Hampden-Turner und Trompenaars haben ebenfalls Kulturdimensionen beschrieben. Zunächst werden „Universalismus“ und „Partikularismus“ erläutert. Universalisten halten allgemein gültige Normen für wichtiger als persönliche Beziehungen. Die Basis von Vertrauen ist für sie, dass man sich an die Regeln hält, denn Regeln gelten als gut. (Hampden- Turner/Trompenaars 2012, 11) Wer keine Regeln hat, dem kann man nicht vertrauen. Anhänger des Partikularismus stellen persönliche Beziehungen über Regeln.

Des Weiteren sprechen Hampden-Turner und Trompenaars von „Neutralität“ gegenüber „Emotionalität“. Neutrale Kulturen bevorzugen die sachliche Ebene und Distanz, während emotionale Kulturen Gefühlsäußerungen in der Öffentlichkeit akzeptieren, was sich auch auf das Verhalten an der Arbeitsstelle auswirkt. (Hampden-Turner/Trompenaars 2012, 11)

Auf der Beziehungsebene ist auch die nächste Kulturdimension angesiedelt. Sind die Beziehungen von „Diffusität“ geprägt, vermischen die Menschen problemlos private und berufliche Beziehungen, gehen also auch nach Feierabend mit ihren Kollegen trinken und sprechen über ihr Privatleben. „Spezifität“ dagegen heißt, dass man solche Beziehungen nicht vermischt und klar zwischen Beruf und Privatem unterscheidet. (Hampden- Turner/Trompenaars 2012, 12)

Die Trennung des nächsten Dimensionenpaars ist nicht einfach, da es sich nicht um eindeutige Gegensätze handelt und meist eine Mischform vorliegt. Status wird beim „Achievement" von der eigenen Leistung abhängig gemacht, z. B. davon, was man studiert hat. „Ascription“ bedeutet, dass Status nach Herkunft, Geschlecht und Beziehungen verliehen wird, z. B. danach, an welcher Universität man studiert hat. (Hampden-Turner/Trompenaars 2012, 12)

Die Kulturdimension „Einstellung zur Zeit“ teilt Kulturen danach ein, ob sie vergangenheits-, gegenwarts- oder zukunftsorientiert sind. (Hampden-Turner/Trompenaars 2012, 13) Außerdem wird die Zeit entweder synchron oder sequentiell strukturiert. (Hampden- Turner/Trompenaars 2012, 13) In einem sequenziellen Zeitverständnis verläuft die Zeit gradlinig und wird eingeteilt, Termine und Absprachen müssen eingehalten werden. (Furrer- Küttel/Treichel 2011, 254) In synchron orientierten Kulturen wird Zeit eher als Kreislauf verstanden, als immaterieller Wert und nicht greifbar. (Furrer-Küttel/Treichel 2011, 254)

Die Dimension „Einstellung zur Umwelt“ fragt danach, wie abhängig der Mensch sich von der Umwelt oder dem Schicksal empfindet. (Hampden-Turner/Trompenaars 2012, 13) Bei empfundener Eigenkontrolle hat der Mensch die Macht über die Natur und er trägt selbst die Verantwortung für Erfolge und Misserfolge. (Furrer-Küttel/Treichel 2011, 255) Wo eher Fremdkontrolle angenommen wird, versucht der Mensch im Einklang mit der Natur zu leben, glaubt an das Schicksal und beurteilt die äußeren Umstände als mächtiger als sich selbst. (Furrer-Küttel/Treichel 2011, 255) Die Angst vor Umwelteinflüssen hat z. B. in Japan zur Entwicklung des Walkmans und zum Tragen von Atemschutzmasken bei Infekten geführt. (Hampden-Turner/Trompenaars 2012, 13)

1.4. Probleme bei der Bestimmung von Kulturdimensionen

Die Bestimmung von Kulturdimensionen wirft jedoch auch einige Probleme auf. (Layes 2005, 71) Oft erscheinen die Dimensionen als nicht allumfassend und sich auf gewisse Aspekte beschränkend, wobei der Eindruck entsteht, dass jede Kultur sich genau an einem Punkt dieser Skalen einordnen lasse. (Layes 2005, 71) Dies ist jedoch nicht der Fall, da die Eigenschaften keineswegs eindimensional sind, sondern mehrere Facetten beinhalten, in denen sich die Kulturen jeweils wieder unterschiedlich voneinander unterscheiden können. (Layes 2005, 71) Ein weiteres Problem ist, dass Kulturen nicht objektiv betrachtet werden können, weil sie immer aus der Perspektive der eigenen Kultur beobachtet und verglichen werden. (Layes 2005, 72) Daraus folgt oft unbeabsichtigt eine wertende Haltung, wenn z. B. Kulturen als „affektiv“ oder „partikular“ bezeichnet werden. (Layes 2005, 72) Das Konstrukt der Kulturdimensionen liefert nützliche Werkzeuge für die Betrachtung von Kulturen, sollte aber immer vorsichtig verwendet werden. (Layes 2005, 72)

2. Methode

Diese Seminararbeit ist im Rahmen des Seminars „Interkulturelle Kommunikation“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Wintersemester 2013/2014 entstanden. Es werden die Ergebnisse einer Fragebogenaktion unter deutschen und japanischen Studierenden analysiert und interpretiert. Der Fragebogen ist von Sonja Vandermeeren anhand der Kulturdimensionen und Stereotype von Hofstede, Trompenaars und Hall entwickelt worden (Vandermeeren 2013, 567f.). Als Untersuchungsmaterial hat dieser ihrer Veröffentlichung „Kulturdimensionen und Stereotype: eine empirische Untersuchung in Dänemark und Deutschland“ (2013) zugrunde gelegen. Bei der Erstellung des englischsprachigen Fragebogens ist darauf geachtet worden, die Fragen „möglichst dimensionen- und informantengerecht sowie eindeutig, konkret und einfach“ zu formulieren (Vandermeeren 2013, 568). Die relativ große Zahl der Fragen ist für Studierende zumutbar, bei anderen Befragten, z.B. Politikern oder Hotelmanagern, hätte der Fragebogen deutlich kürzer ausfallen müssen. Um signifikante Unterschiede zu ermitteln, ist der Chi-Quadrat-Test im Programm SPSS zur Anwendung gekommen.

An der Fragebogenbefragung nahmen 94 deutsche und 118 japanische Studierende teil. Von den deutschen Studierenden werden nur diejenigen einbezogen, die von Geburt an die deutsche Nationalität besessen haben, das sind 84 % der Befragten, also 79 deutsche Studierende. Damit kann relativ sicher ausgeschlossen werden, dass die Befragten eine gemischte kulturelle Identität haben, was der Fragestellung abträglich wäre. Natürlich gibt es keine „reine“ Kultur und es hat so etwas auch nie gegeben, z. B. ist das antike Griechenland maßgeblich von Ägypten, Asien, Babylonien und Phönizien beeinflusst gewesen. (Welsch 2011, 153) In dem Fragebogen, der in Japan verteilt worden ist, ist die Frage nach der Nationalität gestrichen worden, da diese aufgrund der koreanischen Minderheit als anstößig empfunden worden wäre.1 80 % der deutschen Befragten waren weiblich, von den 118 japanischen Studierenden beantworteten nur 99 die Frage nach ihrem Geschlecht. Von diesen 99 waren 72 % weiblich. Da nur Studierende befragt worden sind, kann eine Verallgemeinerung auf die Gesamtbevölkerung nur mit Vorsicht versucht werden. (Benesch/Steiner 2008, 162) Der Ablauf der Befragung sah so aus, dass die Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Fragebögen ohne weitere Instruktion erhielten und ohne zeitliche Begrenzung selbstständig ausfüllten.

Die ersten vier Fragebatterien beschäftigen sich mit Kulturdimensionen, wobei die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entweder ihre Zustimmung, eine Bewertung oder eine Wahrscheinlichkeit auf einem sechsstufigen Intervall angeben müssen. Die Kulturdimensionen sind darin unterschiedlich stark vertreten. Es folgen zwei Fragebatterien zu den stereotypen Vorstellungen über die jeweils andere Nationalität und einige Fragen zur eigenen Person. Der Fragebogen ist im Anhang zu finden. Für diese Seminararbeit sind nur die ersten vier Fragebatterien zu den Kulturdimensionen auf signifikante Unterschiede ausgewertet worden. Im Folgenden werden die Ergebnisse über die Ungleichheiten vorgestellt werden, die die Befragung zu den Kulturdimensionen ergeben hat. Der Auswertungsteil ist im Präteritum verfasst, da die Daten in der Vergangenheit ermittelt worden sind. (Benesch/Steiner 2008, 161f.) Dagegen sind allgemeine Erläuterungen wie Definitionen und methodische Überlegungen im Präsens gehalten.

3. Ergebnisse

3.1. Ergebnisse der ersten Fragebatterie

Es wurde ein Signifikanzniveau von .05 bzw. 5 % zugrunde gelegt, um signifikante Kulturunterschiede zwischen Deutschland und Japan zu ermitteln. Die erste Fragebatterie umfasste elf Fragen, die jeweils mit „In choosing a job, how important would it be for you to“ beginnen. Wie wichtig ihnen der jeweilige Fragepunkt bei der Jobwahl sei, konnten die Studierenden auf einem sechsstufigen Intervall angeben: „extremely important“ (1), „important“ (2), „slightly important“ (3), „slightly un important“ (4), „ un important“ (5) oder „extremely un important“ (6). Für die Durchführung des Chi-Quadrat-Tests wurden die Variablen zusammengefasst: Die Variablen 1, 2 und 3 wurden zu „important“, die Variablen 4, 5 und 6 zu „unimportant“. Anschließend wurden die Fragepunkte nacheinander mit der Variable „Nationalität“ gekreuzt. Bei fünf der elf Fragen zeigten sich signifikante Unterschiede. Für 94,9 % der deutschen Befragten war es wichtig, dass ihr Chef Widerspruch von ihnen duldete, aber nur für 81,4 % der japanischen Befragten. Das war ein statistisch sehr signifikanter Unterschied, in beiden Nationalitäten war die Kulturdimension „Macht-Distanz“ eher niedrig ausgeprägt, was für eine flache Hierarchie spricht.

[...]


1 http://de.wikipedia.org/wiki/Koreanische_Minderheit_in_Japan#Heutige_Situation, 10.03.2014.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Typisch Deutsch – typisch Japanisch? Eine Befragung von deutschen und japanischen Studierenden
Untertitel
Die Kulturdimensionen nach Edward T. Hall, Geert Hofstede, Charles Hampden-Turner und Fons Trompenaars
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Interkulturelle Kompetenz
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
26
Katalognummer
V456893
ISBN (eBook)
9783668902466
ISBN (Buch)
9783668902473
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Seminararbeit ist im Rahmen des Seminars „Interkulturelle Kommunikation“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Wintersemester 2013/2014 entstanden. Es werden die Ergebnisse einer Fragebogenaktion unter deutschen und japanischen Studierenden analysiert und interpretiert. Diese Untersuchung hat statistisch signifikante Unterschiede zwischen Deutschland und Japan in elf Kulturdimensionen ergeben.
Schlagworte
typisch, deutsch, japanisch, eine, befragung, studierenden, kulturdimensionen, edward, hall, geert, hofstede, charles, hampden-turner, fons, trompenaars
Arbeit zitieren
Stefanie Schmude (Autor), 2014, Typisch Deutsch – typisch Japanisch? Eine Befragung von deutschen und japanischen Studierenden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456893

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