Scheidungsmediation. Die Alternative der außergerichtlichen Konfliktlösung


Hausarbeit, 2012

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Seite

1. Einleitung

2. Scheidung und Scheidungsfolgen
2.1 Der gesellschaftliche Wandel im Bereich Familie und Partnerschaft
2.2 Kampf ums Kind und Folgen von Ehescheidung fürs Kind

3. Mediation
3.1 Geschichtlicher Hintergrund der Mediation
3.2 Grundprinzipien und Ziele der Mediation
3.3 Rolle des Mediators
3.4 Anwendungsbereiche

4. Scheidungsmediation
4.1 Warum Mediation bei Scheidung?
4.2 Scheidungsmediation als Ersatz für gerichtliche Verfahren?

5. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Ehe hat nur noch eine Fifty-fifty-Chance“, so lautet der Titel eines Artikels in „Die Welt“ vom 25.11.2012, kontinuierlich steigende Scheidungsraten belegen, dass nahezu jede zweite Ehe in Deutschland scheitert (vgl. Grziwotz 2008, S. 5), in etwa der Hälfte aller Scheidungsfälle sind Kinder betroffen (vgl. Decker-Theiß 2004, S. 1). Scheidungen sind heute absolut keine Randerscheinungen mehr, sondern nahezu alltäglich und gesellschaftlich toleriert (vgl. Dahme; Wiese 2009, S. 10).

Oftmals bestehen große Konflikte zwischen den beiden Parteien, welche rechtlich ausgetragen werden. Durch diese enorm hohen Scheidungszahlen entsteht in den Gerichten eine starke Überbelastung. Kooperative Vermittlung in Form von Mediation als ein außergerichtliches Konfliktlösungsverfahren stellt zum einen eine große Entlastung für die Justiz dar (vgl. Proschk1998, S. 5) und bringt zudem auch viele Vorteile für die Konfliktparteien mit sich.

Einen Einblick in die Scheidungsmediation soll die vorliegende Hausarbeit geben. Zunächst geht es hinführend um Scheidung und Scheidungsfolgen (2), wobei ich auf den gesellschaftlichen Wandel in Hinblick auf Partnerschaft und Familie (2.1) und die betroffenen Kinder (2.2) eingehen möchte. Anschließend wird ein Überblick über Mediation generell gegeben (3), wobei sich die Unterkapitel in den geschichtlichen Hintergrund (3.1), die Grundprinzipien der Mediation (3.2), die Rolle des Mediators (3.3) und die Anwendungsbereiche der Mediation (3.4) gliedern. Darauf folgt das Thema Scheidungsmediation (4), hierbei möchte ich auf die Fragen „Warum Mediation bei Scheidung?“ (4.1) und „Scheidungsmediation als Ersatz für gerichtliche Verfahren?“ (4.2) eingehen. Abschließend folgt ein kurzes Resümee (5).

2. Scheidung und Scheidungsfolgen

„Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen, sagt das Gesetz. Sie kann aber auch geschieden werden, wenn sie „gescheitert“ ist“ (Strecker 2010, S. 1). Wie bereits eingangs erwähnt, scheitert nahezu jede zweite Ehe in Deutschland, besonders hoch sind die Trennungszahlen in deutschen Großstädten.

In den 1950er Jahren wurde noch jede achte Ehe geschieden, heute scheint die Bedeutsamkeit der Institution Ehe immer mehr abzunehmen. Die durchschnittliche Ehedauer hat sich allerdings in den letzten zwanzig Jahren geringfügig erhöht, im statistischen Mittel scheitert die Ehe heute nach vierzehn Jahren und zwei Monaten, 1992 hielt eine Ehe durchschnittlich nur elf Jahre und sechs Mona- te (vgl. Die Welt, Artikel vom 25.11.12). Es werden zunehmend auch lang andauernde, ältere Ehen geschieden (vgl. Faris 1997, S. 5). Nach nur sechs Ehejahren würde nur noch knapp die Hälfte aller Ehegatten ihren Partner wieder heiraten (vgl. Grziwotz 2008, S. 5).

Bei den Scheidungsursachen werden oftmals verschiedene Einstellungen und Interessen bei Kommunikationsproblemen als wichtigste Trennungsgründe genannt. Kommunikation ist in vielen Beziehungen ein Problem. Psychologische Forschungen belegen, dass sich zufriedene Paarbeziehungen durch eine konstruktive und gelungene Problemlösung und Kommunikation auszeichnen, unzufriedene Paare dahingegen destruktive Kommunikationsmuster aufweisen (vgl. Faris 1997, S. 8).

Die Scheidung einer Ehe bringt in verschiedenen Lebensbereichen erhebliche Konsequenzen mit sich, insbesondere wenn die Ehe Kinder hervorgebracht hat. Man spricht hierbei von Scheidungsfolgen, gemeint ist zum Beispiel die Frage nach Unterhaltszahlungen, nach elterlicher Sorge und Umgangsrecht, nach dem Hausrat und der gemeinsamen Ehewohnung. Viele Paare sind nicht allein in der Lage, diese Probleme auszuhandeln und ziehen oft in einem regelrechten „Rosenkrieg“ vor Gericht.

2.1 Der gesellschaftliche Wandel im Bereich Familie und Partnerschaft

In den letzten Jahrzehnten hat sich ein tiefgreifender Wandel im familiären und partnerschaftlichen Bereich vollzogen. Ablesen lässt sich dieser Wandel an bevölkerungsstatistischen Indikatoren. In Bezug auf die Heirats- und Scheidungszahlen sowie die Geburtenziffern sind folgende Trends zu beobachten:

1. Die Zahl der Eheschließungen nimmt ab.
2. Parallel zu den abnehmenden Heiratsziffern nimmt die Scheidungszahl zu.
3. Nach dem Babyboom Mitte der 60er Jahre ist jetzt ein anhaltend niedriges Geburtenniveau zu verzeichnen (vgl. Faris 1997, S. 4 f).

Außerdem zu benennen sind die veränderten Voraussetzungen der Arbeitswelt, die Alterung der Bevölkerung, veränderte Erziehungsstile und -ziele sowie die zunehmende Berufstätigkeit von beiden Elternteilen. All diese Faktoren stellen Familien und damit auch elterliche Partnerschaften vor neue Herausforderungen (vgl. www.kas.de).

Eine weitere tiefgreifende Veränderung besteht darin, wie Familie gelebt und erlebt wird, bedingt durch eine veränderte Sinnzuschreibung an sie. „Das Leitbild der dauerhaften Partnerschaft – und damit verbundenen Elternschaft – verliert […] an strenger Verbindlichkeit“ (Faris 1997, S. 6). Auch die Pluralisierung der Lebensformen ist ein nennenswerter Faktor. Neben der traditionellen Ehe gibt es viele Partnerschaften ohne Trauschein, Paare tendieren dazu, in Verbindungen ohne gemeinsame Wohnung zu leben, nicht wenige Frauen bevorzugen ein Zusammenleben nur mit ihren Kindern. Heutzutage hat sich das Modell der Beziehung so weit verändert, dass es nahezu selbstverständlich ist, dass sich ein Paar trennt, wenn es nicht mehr zusammenpasst. Als ein zentraler Faktor für diesen Trend lässt sich die Erweiterung der Optionen und biographischer Handlungsmöglichkeiten benennen, die (vor allem für Frauen) stark zugenommen haben (vgl. Faris 1997, S. 6 f).

„Dem Widerspruch zwischen den Anforderungen durch Ideale und den Anforderungen des täglichen Lebens gewachsen zu sein, wird schwieriger. Oftmals gestaltet sich das Durchhalten von einmal gewählten Lebensperspektiven bei vergleichbar attraktiven Optionen schwierig, es wird an den Idealen festgehalten und die Partner werden ausgetauscht“ (Faris 1997, S. 8).

2.2 Kampf ums Kind und Folgen von Ehescheidung fürs Kind

„Für Kinder bedeuten Trennung und Scheidung ihrer Eltern auch den Verlust ihrer sie in ihrer Entwicklung tragenden vollständigen Familienstruktur. Kinder verlieren, was für ihre Entwicklung fundamental ist: die geordnete Struktur der Familie“ (Proschk 1998, S. 13).

Für ein Kind bedeutet die Trennung seiner Eltern einen Abschied von der bisherigen Art des gemeinsamen Zusammenlebens, von diesem Moment an hat das Kind anstelle eines gemeinsam betreuenden und erziehenden Elternpaares künftig zwei einzelne Elternteile, einen alleinerziehenden und einen abwesenden. Für viele Kinder stellt diese Tatsache eine Katastrophe dar, die ihre Zeit braucht, um verarbeitet zu werden. Mit der Trennung der Eltern ändern sich auch die Beziehungen zwischen ihnen und dem Kind. Zwischen den Eltern kann Eifersucht und Konkurrenz um die Aufmerksamkeit und Zuneigung des gemeinsamen Kindes aufkommen.

Das vorrangige Bedürfnis des Kindes ist es, keinen Elternteil zu verlieren und keinen Streit der Eltern zu erleben. Kinder, um die gestritten wird, können große Schuldgefühle entwickeln. Streit um das Kind entsteht zwischen den Eltern vor allem aus Ängsten. Der Vater könnte beispielsweise befürchten, dass er sein Kind nicht mehr sieht, wenn die Mutter es hat oder sämtliche Mitspracherechte zu verlieren, die Mutter könnte sich davor fürchten, dass ihr Ex-Partner sie über die Kinder weiterhin versuchen könnte zu dominieren und auszuspionieren.

Für viele Kinder ist es nicht einfach, wenn einer oder beide Elternteile eine neue Partnerschaft eingehen, denn es muss dann seine Mutter oder seinen Vater mit jemand anderem teilen. Auch für den jeweils anderen Elternteil ist diese Situation oftmals nicht einfach, denn sie können mit dem neuen Partner des anderen in Konkurrenz um die Elternrolle geraten, insbesondere dann, wenn der neue Partner mit dem Kind zusammen in einem Haushalt wohnt.

Nicht selten entsteht zwischen den beiden Elternteilen ein regelrechter Kampf ums Kind, doch aus ihrer Zuneigung zu ihrem Kind sollte auch der natürliche Wunsch resultieren, die Dinge zum Besten des Kindes zu regeln. Aber nicht selten wird die Einschätzung der Eltern, was das Beste für ihr Kind sei, durch ihre eigenen Wünsche, Ängste und Bedürfnisse beeinflusst.

Manchmal werden Kinder auch als Instrument benutzt, das passiert beispielsweise dann, wenn ein Elternteil verlassen und zutiefst gekränkt worden ist, und er den Wunsch aufbaut, den anderen Partner ebenfalls zu verletzten und zu bestrafen. In diesem Fall liegt die Versuchung nahe, ihm das gemeinsame Kind vorzuenthalten (vgl. Strecker 2010, S. 205 ff).

Oftmals sind es nur noch die Kinder, die eine Ehe zusammenhalten. Viele Eltern sind der Meinung, sie dürften ihren Kindern eine Trennung nicht zumuten, und so leben viele Paare für ihre Kinder zwar noch zusammen, aber nur noch nebeneinander her. Nicht selten sind in solchen Beziehungen Streitigkeiten an der Tagesordnung. Kinder haben allerdings ein sehr feines Gespür für die Harmonie in der Ehe ihrer Eltern. Wenn über die Krisen in der Ehe mit ihnen nicht gesprochen wird, sie von den Kindern aber wahrgenommen werden, führt dies oft dazu, dass die Kinder sich selbst vorwerfen, sie seien daran schuld. Außerdem geraten Kinder in einen Loyalitätskonflikt gegenüber beiden Elternteilen, wenn diese sich streiten. In solchen Fällen kann eine Trennung der Eltern auch für die Kinder besser sein (vgl. Dahme; Wiese 2009, S. 22 f).

3. Mediation

„Mediation ist eine Möglichkeit, Konflikte in kultivierter Weise auszutragen und eine Beilegung auf der Basis gegenseitigen Verstehens zu erreichen und sozialen Frieden zu wahren oder zu stiften“ (Montada; Kals 2007, S. XI).

Es handelt sich bei der Mediation um einen systematischen, mehrstufigen Kommunikations- und Kooperationsprozess zwischen den Konfliktparteien, die im Rahmen der Mediation als Medianten bezeichnet werden. Mit Hilfe eines neutralen, unparteiischen Dritten, dem Mediator, erarbeiten die Parteien gemeinsam eine eigenverantwortliche und einvernehmliche Konfliktlösung, die ihren gemeinsamen Bedürfnissen und Interessen gerecht werden kann (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) 1998, S. 30).

Die Erfahrung hat gezeigt, dass selbst erarbeitete Konfliktlösungen deutlich besser akzeptiert und praktiziert werden können als fremde Entscheidungen (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) 1998, S. 5).

Mediation trägt als Konfliktregelungsverfahren auch zur Förderung von Kommunikation und Kooperation bei. Der Begriff Mediation ist als ein feststehender Fachbegriff aus dem Englischen übernommen worden und bedeutet wörtlich übersetzt Vermittlung (vgl. Proschk 1998, S. 20).
Natürlich kann niemand zu Beginn einer Mediation deren sicheren Erfolg voraussagen, doch in den meisten Fällen bedeutet schon allein die Bereitschaft zum Versuch einer Mediation den ersten großen Schritt in Richtung Lösung (vgl. Delerue; Reeckmann-Fiedler 2005, S. 8).

Roland Proschk beschreibt die Mediation sehr treffend, wenn er sagt: „Sie setzt auf Gemeinsamkeit statt Gegnerschaft, auf Verstehen statt Mißverstehen, auf Akzeptanz und Wertschätzung statt Herabsetzung und Geringschätzung, auf zukunftsbezogene Sachlichkeit statt auf rückwärts gerichtete Beschuldigungen, auf gemeinsame Beziehungsklärung statt auf Rechthaben, auf Eigenverantwortlichkeit statt Fremdentscheidung“ (Proschk 1998, S. 20).

Die professionell betriebene Mediation stellt eine (und auch die wichtigste) außergerichtliche Form der Streitbeilegung dar, die in Deutschland auch gesetzlich gefördert wird (vgl. Montada; Kals 2007, S. 3 f). Es handelt sich zwar um ein ziemlich neues Verfahren, das aber eine lang zurückreichende Tradition hat.

3.1 Geschichtlicher Hintergrund der Mediation

Die alten chinesischen und japanischen Streitschlichtungsmodelle, welche die Vermittlung durch einen Dritten vorsehen, der die Konfliktparteien gemäß den Sitten und Bräuchen anleitet, haben eine lange Tradition. Auch im antiken Griechenland finden sich Ansätze von Mediation, wo zwischen den Stadtstaaten andere Städte vermittelten, ebenso wie in vielen Volksstämmen Afrikas. Sogar schon in dem ältesten Buch der Welt, der Bibel, findet man im 1. Korintherbrief Kapitel 6 Vers 1-5 sowie im Matthäus-Evangelium Kapitel 18 Vers 15-17 Hilfestellungen zu außergerichtlichen Konfliktregelungen durch Dritte (vgl. Decker-Theiß 2004, S. 5 f).

Josef Duss-von Werdt hat wichtige Fragmente der mediativen Traditionen aus der griechischen, römischen, mittelalterlichen und neuzeitlichen Geschichte gesammelt und zusammengetragen. Als Belege für diese Tradition gilt die Existenz entsprechender Begriffe in den jeweiligen europäischen Kultursprachen. Duss-von Werdt fand heraus, dass Mediationsverfahren in verschiedenen Lebensbereichen sowohl praktiziert wurde, als auch institutionalisiert waren.

Die Mediation im strafrechtlichen Bereich hat Vorläufer, die weit in die Geschichte zurückreichen. Ein Beispiel hierfür ist der im Mittelalter weit verbreitete ritualisierte Verhandlungsprozess der Parteien mit dem Ziel des Schadensausgleichs durch Wiedergutmachung. Hierbei einigten sich die Par-

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Scheidungsmediation. Die Alternative der außergerichtlichen Konfliktlösung
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V456955
ISBN (eBook)
9783668870970
ISBN (Buch)
9783668870987
Sprache
Deutsch
Schlagworte
scheidungsmediation, alternative, konfliktlösung
Arbeit zitieren
Jennifer Siehms (Autor), 2012, Scheidungsmediation. Die Alternative der außergerichtlichen Konfliktlösung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/456955

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