Die Bedeutung des lebenslangen Lernens in der Wissensgesellschaft ist ein Handlungslernen, welches mehr und mehr auf interdisziplinäre Interaktion, fachübergreifende Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen basiert.
Die mit den gesellschaftlichen Veränderungen entstehenden Forderungen hinsichtlich der Globalisierung schlagen sich auch in den wissenschaftlichen Ausrichtungen nieder. Das multidisziplinäre Handeln im Beruf und Alltag fordert somit in ihrer theoretischen Grundlage eine verstärkte Kooperation unterschiedlicher Wissenschaftszweige bis hin zur interdisziplinären Theoriebildung.
Moderne erkenntnistheoretische Debatten, sowohl seitens der Naturwissenschaften als auch seitens der Geistes- und Sozialwissenschaften, welche vom Neopositivismus, des kritischen Rationalismus, der kritischen Theorie und der Hermeneutik geleitet waren, haben zur Überwindung der verankerten Antagonismen geführt. So haben Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zu Einsichten geführt, welche über den philosophischen epistemischen Stand gehen und insbesondere das Lernen betreffen.
Inhaltsverzeichnis
I. Vom Begriff des Lernens lernen
II. Darstellung neuerer Lernkonzepte
II.1. Das handlungsorientierte Lernkonzept von Hans Aebli
II.2 Der Lernbegriff im konstruktivistischen Sinne
II.2.1 Grundzüge des Konstruktivismus
II.2.2 Lernen durch Koevolution
II.3 Rekapitulation zentraler Aussagen
III. Forderungen an die Didaktik
III.1 kognitionspsychologische Ansätze als Vorläufer der konstruktivistischen Theoriebildung
III.2 konstruktivistische Didaktik
III.2.1 Dimension 1: Allgemeine Anforderungen an die Didaktik
III.2.2 Dimension 2: Das Lern- und Lehrverhältnis
III.2.3 Dimension 3: Die Lernlandschaft
III.2.4 Dimension 4: Methode und Kontrolle
III.3 Zusammenfassung konstruktivistischer Thesen
IV. Kritische Stellungnahme zum Konstruktivismus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz des Konstruktivismus als innovative Lerntheorie in der Erwachsenenbildung und prüft kritisch, ob dieser Ansatz didaktisch neue Erkenntnisse liefert oder lediglich bekannte Konzepte unter modernem Vokabular reformuliert. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob die Forderungen der konstruktivistischen Didaktik eine substanzielle pädagogische Innovation darstellen oder eher einen „Schein als Sein“-Charakter besitzen.
- Vergleich zwischen dem handlungsorientierten Lernen nach Hans Aebli und dem konstruktivistischen Lernverständnis.
- Analyse der Bedeutung von Autopoiese und Koevolution in Lernprozessen.
- Untersuchung der strukturellen Anforderungen an eine konstruktivistische Didaktik.
- Kritische Reflexion über die Popularität des Konstruktivismus in der heutigen Wissensgesellschaft und Ökonomie.
Auszug aus dem Buch
II. DARSTELLUNG NEUERER LERNKONZEPTE
Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts begann der Biologe, Erkenntnistheoretiker und Psychologe JEAN PIAGET mit der Analyse der geistigen Entwicklung im Kindesalter, wobei er hoffte einen Einblick in die Strukturen und das Funktionieren der Erkenntnis zu gewinnen. „Piaget bezeichnete sein Forschungsfeld als „genetische Epistemologie“, die Wissenschaft vom Aufbau der Erkenntnis in der Ontogenese.“ Sie wird als eine kognitive Theorie verstanden, da sie „die kognitiven Funktionen und ihre Entwicklung als wesentliche Grundlage jeglicher Entwicklung aufzuweisen versucht.“ Die Entwicklung wird als ein subjektabhängiger, aktiver Prozess verstanden, wobei das Subjekt mithin der aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt fortschreitend Erkenntnis aufbaut. Dabei weist er auf die Zirkularität des Erkennens hin, indem die Wechselwirkung von „Ich“ mit der „Welt“ als ein „Subjekt Objekt- Zirkel“ verstanden wird. Piaget selbst versteht seine Theorie als konstruktivistisch, „da die kognitiven Strukturen vom Subjekt konstruiert werden“.
Somit gilt PIAGETs Gedanke der Konstruktion nicht nur als ein Vorläufer der konstruktivistischen Theorie, sondern bildet auch die Grundlage für die weiterführende Ansicht seines Schülers HANS AEBLI.
Dieser entwickelte einen kognitiven didaktischen Ansatz, in dem Lernen als individueller Entwicklungsprozess bestimmt wird. Er geht davon aus, dass die auf Erfahrung basierende kognitive Entwicklung des Subjektes, seine eigene Strukturen des Handelns, Denkens und Wissens aufbaut. Dieser Aufbau erfolgt nach AEBLI unter systematischer Anleitung, wie sie in der Schule am besten anzutreffen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Vom Begriff des Lernens lernen: Dieses Kapitel führt in die Bedeutung des lebenslangen Lernens ein und definiert Lernen als aktive Tätigkeit, wobei erste Bezüge zur Neurobiologie und Systemtheorie hergestellt werden.
II. Darstellung neuerer Lernkonzepte: Hier werden das handlungsorientierte Lernen von Hans Aebli und die konstruktivistischen Grundzüge gegenübergestellt, wobei Konzepte wie Autopoiese und Koevolution zentral sind.
III. Forderungen an die Didaktik: Dieses Kapitel leitet die Anforderungen an eine moderne Didaktik aus den theoretischen Modellen ab und untergliedert diese in konkrete Dimensionen wie Lernumgebung und Evaluation.
IV. Kritische Stellungnahme zum Konstruktivismus: Der letzte Teil reflektiert die ökonomische und politische Instrumentalisierung des Konstruktivismus und hinterfragt dessen Innovationsgehalt gegenüber traditionellen bildungstheoretischen Ansätzen.
Schlüsselwörter
Konstruktivismus, Handlungsorientiertes Lernen, Hans Aebli, Lebenslanges Lernen, Didaktik, Autopoiese, Koevolution, Kognitionspsychologie, Systemtheorie, Wissensgesellschaft, Selbstorganisation, Subjektivität, Erkenntnistheorie, Pädagogische Professionalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit dem Konstruktivismus als Lerntheorie auseinander und hinterfragt dessen pädagogischen Mehrwert gegenüber traditionellen Ansätzen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Vergleich zwischen dem handlungsorientierten Ansatz von Hans Aebli und modernen konstruktivistischen Lerntheorien sowie deren Anwendung in der Didaktik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu analysieren, ob die Forderungen der konstruktivistischen Didaktik tatsächlich eine neue Erkenntnis bieten oder ob es sich lediglich um eine modifizierte Darstellung bereits bekannter bildungstheoretischer Konzepte handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse und theoretische Reflexion, um Lerntheorien und didaktische Anforderungen miteinander in Beziehung zu setzen.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Konstruktivismus, das Lernkonzept nach Aebli und die daraus abgeleiteten Forderungen für die didaktische Praxis in verschiedenen Dimensionen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Konstruktivismus, Handlungsorientierung, Autopoiese, Koevolution und lebenslanges Lernen.
Warum wird der „Subjekt-Objekt-Zirkel“ bei Jean Piaget als wichtig erachtet?
Er illustriert die zirkuläre Wechselwirkung zwischen dem lernenden Subjekt und der Welt, was als fundamentales Vorläufer-Konzept für die konstruktivistische Sichtweise gilt.
Inwiefern hinterfragt die Autorin den Nutzen des Konstruktivismus?
Sie deutet an, dass der Konstruktivismus aufgrund seiner interdisziplinären Natur und seines modernen Vokabulars besonders gut vermarktbar ist, auch wenn die inhaltliche Substanz teilweise auf Altbekanntem basiert.
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- Dorothée Schneider (Author), 2005, Der Konstruktivismus als innovative Lerntheorie oder mehr Schein als Sein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45712