Die vorliegende Dual-Task-Fahrsimulationsstudie untersucht den Einfluss akustischer und emotionaler Stressoren auf die Aufmerksamkeit der Probanden. Hierzu wurde die Aufmerksamkeit von 40 Versuchspersonen durch ihre Fahrleistung im Lane-Change-Task, einer Fahrsimulation, gemessen, während sie nebenbei im Rahmen einer Zweitaufgabe passende Geldsummen in drei Schwierigkeitsgraden aus einem Geldbeutel entnehmen mussten. Die Probanden der drei Experimentalgruppen wurden emotional, mittels Bildern aus dem IAPS, und/oder akustisch, via weißen Rauschens, gestresst. Ihr Stresslevel wurde mithilfe des NASA-TLX gemessen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Ausführungen und aktueller Forschungsstand
2.1 Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit
2.2 Dual-Task-Aufgaben
2.3 Stress
2.3.1 Akustische Stressinduktion
2.3.2 Emotionale Stressinduktion
2.4 Problemstellung und Hypothesen
3. Methode
3.1 Probanden
3.2 Experimentaldesign und Durchführung
3.3 Datenanalyse
4. Ergebnisse
5. Diskussion
6. Schlussfolgerungen und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung des Einflusses von akustischen und emotionalen Stressoren auf die Aufmerksamkeit von Autofahrern während der Bearbeitung einer konkurrierenden Zweitaufgabe in einer Fahrsimulation. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, ob zusätzliche Belastungsfaktoren zu einer weiteren Reduktion der Fahrleistung und einem Anstieg des subjektiven Stressempfindens führen.
- Einfluss von Dual-Task-Situationen auf die Aufmerksamkeit beim Autofahren
- Messung der Fahrleistung mittels Lane-Change-Task
- Experimentelle Induktion von akustischem Stress (weißes Rauschen) und emotionalem Stress (IAPS-Bilder)
- Analyse der mentalen Beanspruchung durch den NASA-Task Load Index (NASA-TLX)
- Überprüfung additiver Stressoreffekte auf kognitive Ressourcen
Auszug aus dem Buch
2.3 Stress
Im bereits im Rahmen der Struktur-Theorien erwähnten Experiment von Paridon und Kaufmann (2010) wurde neben dem Einfluss der Ausübung einer Nebentätigkeit auf die Fahrleistung auch die mentale Belastung untersucht. Diese war im Experiment definiert nach ISO 10075 als die unmittelbare Wirkung auf das Individuum als mentaler Stress. (Deutsches Institut für Normung e.V., 2004) Dies wurde im Experiment auf mehreren Ebenen gemessen: Der physiologische Stresslevel wurde über die Veränderung der Herzrate der Probanden erhoben. Mittels Selbstauskunftsverfahren wurde zudem der emotionale Stress der Probanden erhoben. Hierzu gaben die Versuchspersonen eine subjektive Einschätzung ihres Stresslevels auf einer 10-Punkte-Skala von „entspannt“ bis „gestresst“ an. Wie bereits erwähnt ergab sich ein signifikantes Ergebnis für den Anstieg der Herzrate der Probanden in der Dual-Task-Bedingung. Auch ein Anstieg im subjektiven Stressempfinden konnte festgestellt werden. Dies lässt darauf schließen, dass die Bearbeitung von Dual-Task-Aufgaben zu einer erhöhten mentalen Belastung führt.
Durch weitere psychologische Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Bearbeitung von Aufgaben unter Stress zu verminderter Leistung führen kann. (Fox, Karic, Ash, Dietz & Swiggum, 2015) Bell (1978) fand heraus, dass der Einfluss von Stress in Dual-Task-Aufgaben dazu führt, dass die Ressourcen, die den Versuchspersonen zur Ausführung der Aufgaben zur Verfügung stehen, beispielsweise ihre Aufmerksamkeit, reduziert werden. Dies zieht nach sich, dass der Hauptaufgabe in der Regel mehr Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden. Dadurch entsteht eine Leistungsminderung in der weniger relevanten Zweitaufgabe. Cohen (1980) verweist in seiner Übersichtsarbeit zu den Auswirkungen von Stress auf die menschliche Leistung und das Sozialverhalten auf die Ergebnisse der Experimente von Glass und Singer (1972). Diese untersuchten die Auswirkungen von Stress auf Leistung überwiegend mittels akustischen Stresses und fanden Belege für eine Leistungsminderung bei der Ausführung unter akutem unvorhersehbarem und unkontrollierbarem Stresseinfluss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Relevanz des Themas im Straßenverkehr, erläutert die Gefahren durch Ablenkung und stellt die Zielsetzung der vorliegenden Studie vor.
2. Theoretische Ausführungen und aktueller Forschungsstand: Bietet einen Überblick über Arbeitsgedächtnismodelle, Dual-Task-Theorien und den Einfluss von Stress auf kognitive Leistungen.
3. Methode: Erläutert den Aufbau der Fahrsimulationsstudie, die Auswahl der 40 Probanden sowie die experimentellen Bedingungen und Messinstrumente.
4. Ergebnisse: Präsentiert die statistische Auswertung der Fahrleistung, der Stressdaten und der Leistung in der Zweitaufgabe unter verschiedenen Stressoreinflüssen.
5. Diskussion: Interpretiert die Ergebnisse im Lichte theoretischer Modelle und diskutiert die (Nicht-)Bestätigung der aufgestellten Hypothesen.
6. Schlussfolgerungen und Ausblick: Fasst die Erkenntnisse zusammen und leitet Empfehlungen für zukünftige Forschungsarbeiten ab.
Schlüsselwörter
Aufmerksamkeit, Autofahren, Fahrsimulation, Dual-Task, Arbeitsgedächtnis, Stress, akustische Stressinduktion, emotionale Stressinduktion, Lane-Change-Task, NASA-TLX, IAPS, kognitive Ressourcen, Leistungsminderung, Verkehrspsychologie, mentale Belastung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die gleichzeitige Ausführung einer Fahraufgabe und einer Nebenaufgabe (Dual-Task) auf die menschliche Aufmerksamkeit auswirkt, wenn zusätzlich akustische und emotionale Stressfaktoren einwirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themenfelder umfassen die kognitive Psychologie, insbesondere das Arbeitsgedächtnis und die Aufmerksamkeitskapazität, sowie die Auswirkungen von Stressoren auf die Fahrleistung im Straßenverkehr.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist zu klären, ob zusätzliche emotionale und akustische Stressoren im Rahmen einer Dual-Task-Situation einen signifikanten Einfluss auf die Aufmerksamkeit und Fahrleistung haben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein experimentelles 2x2-faktorielles Between-subjects Design in einer Fahrsimulation (Lane-Change-Task) mit 40 Probanden angewendet, ergänzt durch psychologische Tests zur Stressmessung (NASA-TLX).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Aufarbeitung der kognitiven Grundlagen, die detaillierte Beschreibung der experimentellen Methodik und eine umfangreiche Auswertung und Diskussion der erhobenen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Aufmerksamkeit, Dual-Task, Fahrsimulation, Stressinduktion, IAPS, kognitive Ressourcen und Leistungsbeeinträchtigung.
Warum wurde der IAPS-Standard für die emotionale Stressinduktion gewählt?
Der IAPS (International Affective Picture System) bietet ein standardisiertes Set an Bildmaterial, das eine gute experimentelle Kontrolle und die Vergleichbarkeit mit anderen Studien ermöglicht.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Stressoren?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Präsentation zusätzlicher Stressoren in Dual-Task-Aufgaben die Aufmerksamkeit nicht generell beeinflusst, wobei die kleinen Stichprobengrößen eine absolute Generalisierung erschweren.
- Citar trabajo
- Linda Mitterweger (Autor), 2018, Einfluss akustischer und emotionaler Stressoren auf die Aufmerksamkeit im Rahmen einer Dual-Task-Fahrsimulationsstudie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457300