Für den folgenden Literaturbericht ist vor allem von Bedeutung, welche unterschiedlichen Tätigkeitsfelder von Frauen auf Kreuzzügen in der Forschung diskutiert werden, auf welche Quellen sich die jeweiligen Autoren dabei stützen und wie zuverlässig die dort enthaltenen Aussagen bewertet werden können.
Mit den zahlreichen mittelalterlichen Kreuzzügen werden häufig Vorstellungen in Verbindung gebracht, in denen vor allem Männer diejenigen waren, die Gebrauch von Waffen machten und somit an kriegerischen Handlungen maßgeblich beteiligt waren. Standardwerke zu diesem Thema, wie beispielsweise Nikolas Jasperts ,,Die Kreuzzüge“, Hans Eberhard Meyers ,,Geschichte der Kreuzzüge“, Norman Housleys ,,Die Kreuzritter“oder Peter Thoraus Monografie, die ebenfalls den Titel ,,Die Kreuzzüge“ trägt, stellen zwar die Kreuzzüge in ihrer Entwicklung, als auch in ihren jeweiligen Besonderheiten detailliert dar, allerdings wird die Thematik ,,Geschlecht“ völlig außer Acht gelassen, was den Eindruck erweckt, die männliche Domäne innerhalb von Kreuzzugsbewegungen sei selbstverständlich. Aus diesem Grund hat vor allem die Mediävistik in den letzten zwei Jahrzehnten den Versuch unternommen, Rollenzuschreibungen in den Fokus der Forschung zu stellen und ebenfalls innerhalb der Kreuzzugsforschung die Kategorie ,,Geschlecht“ zu einem bedeutenden Forschungsfeld zu transformieren. Die Genderforschung hat sich somit bemüht, der Frau als wichtige Akteurin ebenfalls Aufmerksamkeit zu schenken, allerdings hebt insbesondere Christoph T. Maier hervor, dass diese Aufarbeitung in Bezug auf Frauen im Kontext der Kreuzzüge noch in ihren Anfängen steckt. Dies begründet er damit, dass der Rückgriff auf zeitgenössische Quellen, die Aufschluss darüber geben, welche Rollen die Frau in mittelalterlichen Kriegen übernommen hat, aufgrund der eingeschränkten Quellenlage nur begrenzt möglich ist.
Inhaltsverzeichnis
1) Literaturbericht: Tätigkeitsfelder von Frauen auf Kreuzzügen
1.1) Einleitung
1.2.1) Sabine Geldsetzer
1.2.2) Christoph T. Maier
1.2.3) Michael R. Evans
1.2.4) Keren Caspi-Reisfeld
2) Quellenanalyse: Die Darstellung der Frau in Bildquellen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle und Partizipation von Frauen an den mittelalterlichen Kreuzzügen auf Basis zeitgenössischer schriftlicher Quellen sowie einer exemplarischen Bildanalyse. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, wie wissenschaftliche Forschung und bildliche Darstellungen das weibliche Rollenverständnis im Kontext des "Heiligen Krieges" interpretieren, bewerten und gegebenenfalls konstruieren.
- Analyse wissenschaftlicher Standardwerke zu weiblichen Tätigkeitsfeldern auf Kreuzzügen.
- Untersuchung der Diskrepanz zwischen muslimischen und christlichen Quellendarstellungen.
- Kritische Bewertung von Rollenzuschreibungen (z.B. Kriegerin vs. Prostituierte).
- Verbindung von historischer Quellenkritik mit der Analyse mittelalterlicher Buchmalerei.
Auszug aus dem Buch
1.2.1) Sabine Geldsetzer
Als das wohl ausführlichste Werk zu der Frage, welche Tätigkeiten Frauen während eines Kreuzzuges ausübten bzw. übernahmen, lässt sich Sabine Geldsetzers Werk aus dem Jahr 2003 nennen, das den Titel „Frauen auf Kreuzzügen. 1096-1291“ trägt. Die Autorin setzt sich in dieser Publikation mit den unterschiedlichsten Thematiken auseinander, die sie sehr detailliert in einzelne Kapitel unterteilt. Im ersten Kapitel ihres Werkes erläutert Geldsetzer, wie genau sie eine Kreuzzugsteilnehmerin definiert. Anschließend folgen Kapitel, die zum einen die Frage behandeln, wie die weibliche Teilnahme an einem Kreuzzug von Autoritäten bewertet wurde, zum anderen thematisiert die Autorin unterschiedliche Motive, aufgrund derer sich Frauen dazu entschieden haben könnten, an einem Kreuzzug teilzunehmen.
Nachdem die unterschiedlichen Umstände und Bedingungen, wie beispielsweise der Reise Komfort auf Kreuzzügen angesprochen wird, widmet Geldsetzer der Frage, welche Tätigkeiten bzw. Funktionen Frauen auf Kreuzzügen eigentlich hatten, ein ganzes Kapitel, was sich über 57 Seiten erstreckt und somit als sehr umfangreich betrachtet werden kann. Abschließend beinhaltet Sabine Geldsetzers Monografie eine erhebliche Anzahl an Kurzbiografien. Somit enthält das Kapitel „Was taten Frauen auf Kreuzzügen“ die für diesen Literaturbericht wichtigsten Informationen.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Literaturbericht: Tätigkeitsfelder von Frauen auf Kreuzzügen: Dieser Abschnitt wertet verschiedene Forschungsansätze aus, um zu klären, welche Rollen Frauen tatsächlich einnahmen und wie diese in der Mediävistik bewertet werden.
2) Quellenanalyse: Die Darstellung der Frau in Bildquellen: Anhand einer Illustration von Jean Colombe wird untersucht, wie Frauen in der mittelalterlichen Buchmalerei inszeniert wurden und welche historischen Kontextfaktoren diese Darstellung beeinflussten.
Schlüsselwörter
Kreuzzüge, Frauengeschichte, Genderforschung, Quellenkritik, Mittelalter, Kreuzzugsteilnehmerin, Buchmalerei, Prostitution, Kampfhandlungen, Rolle der Frau, Quellenanalyse, Mediävistik, Christentum, Islamische Chronistik, Outremer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Partizipation von Frauen an mittelalterlichen Kreuzzügen anhand von literarischen Forschungsberichten und einer speziellen Bildquelle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition der weiblichen Rolle auf Kreuzzügen, die Zuverlässigkeit von Quellen sowie die geschlechtsspezifische Stigmatisierung der Frau.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der tatsächlichen weiblichen Teilnahme und ihrer tendenziösen Darstellung in zeitgenössischen christlichen und muslimischen Quellen aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus Literaturbericht zur Auswertung bestehender Forschungsliteratur und der methodischen Quellenkritik, angewandt auf eine mittelalterliche Bildquelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Diskussion der Forschungsmeinungen zu weiblichen Tätigkeitsfeldern und eine anschließende quellenkritische Analyse einer Buchmalerei aus "Les passages d'Outremer".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Genderforschung, Kreuzzüge, Quellenkritik und mittelalterliche Rollenbilder definiert.
Welche Rolle spielt die "Margarethe von Beverley" in der Arbeit?
Sie dient als exemplarisches Fallbeispiel für eine Frau, die aktiv an Kampfhandlungen beteiligt war, wobei die Forschung ihre Glaubwürdigkeit und Motivation kritisch hinterfragt.
Wie werden Frauen in der untersuchten Bildquelle dargestellt?
In der analysierten Buchmalerei werden Frauen primär als eine Gruppe dargestellt, die vom Heer getrennt wird, um Sittenlosigkeit zu vermeiden, was eine rein negative Interpretation widerspiegelt.
Warum wird das Bild als problematisch für die Rolle der Frau bewertet?
Das Bild reduziert Frauen auf ihre Rolle als Prostituierte und ignoriert ihre potenziell unterstützende Funktion im Kreuzzugsgefolge, was dem gesellschaftlichen Idealbild der Zeit entsprach.
- Citation du texte
- Marieke Ozimek (Auteur), 2017, Frauen auf Kreuzzügen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457344