Die Begriffe Funktion und Figuration nach Norbert Elias

Verdeutlicht durch einen Theorie-Praxis-Transfer


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
7 Seiten, Note: 6.0 (Schweiz)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINFÜHRUNG

2. PRAXISBEISPIEL

3. THEORIE-­PRAXIS-­TRANSFER
3.1. THEORIE
3.2 THEORIEANWENDUNG AUF DAS PRAXISBEISPIEL

4. FAZIT

5. LITERATUR

1. Einführung

Die folgende Arbeit befasst sich mit der Theorie von Norbert Elias. Folglich wird der Fokus vor allem auf seine Begriffe „Funktion“und„Figuration“gelegt, welche durch ein Beispiel aus dem persönlichen Leben der Leserschaft verdeutlicht werden sollen. Durch diese Art der Auseinandersetzung mit der Theorie Elias’ soll ein Theorie-­Praxis-­Transfer gelingen.

2. Praxisbeispiel

Nebst meiner Zeit an der Berner Fachhochschule arbeite ich zusätzlich in einem Café in Bern. Seit Herbst 2015 wird das Café neu geleitet – das Konzept wurde vollkommen verändert, das Angebot ist nicht mehr dasselbe wie zuvor und zudem hat sich auch die Kundschaft gewandelt. Der Umgang des neuen Besitzers mit seinen Mitarbeitenden ist anders, sowie sich umgekehrt auch das Verhalten der Mitarbeitenden gegenüber dem Chef verändert hat.

Der Fokus dieser Arbeit wird vor allem auf dem interdependenten Verhältnis zwischen der Autorin und dem Chef liegen – sowohl Autorin wie auch der Chef werden dabei, bezüglich Elias, als Individuen in einer Figuration interdependenter Individuen betrachtet 1. Zur vereinfachten Verdeutlichung wird die Autorin im Folgenden jeweils A genannt und der Chef als B bezeichnet.

3. Theorie-­Praxis-­Transfer

3.1.Theorie

Die folgenden Worte beziehen sich auf das Vor-­Spiel Modell der unnormierten Verflechtungen nach Norbert Elias. In seinem Werk „WasistSoziologie“erklärt Elias den Begriff der Funktion unter der Beachtung der für den Begriff sinnstiftenden Interdependenzen und Reziprozitäten zwischen Menschen, die in irgendeiner Weise eine Beziehung miteinander eingehen. Seiner Definition nach können Funktionen nicht ohne diese Interdependenzen und Reziprozitäten betrachtet und verstanden werden;; sie würden sinnlos erscheinen. Folglich gilt es alle in einer Figuration bedeutenden interdependenten Individuen sowie deren jeweilige Funktion füreinander zu beachten, um den Begriff der Funktion als einen Relationsbegriff vollständig verstehen und ihre jeweiligen Handlungen begreifen zu können. Elias zieht seine Definition aber so weiter, dass nicht nur ausschliesslich Individuen eine solche massgebende Beachtung gestiftet werden muss, sondern auch Institutionen. Die erwähnten Funktionen geben schliesslich auch Auskunft darüber, wie sich die Machtbalancen zwischen interdependenten Individuen ausweisen. Diese Machtbalancen unterliegen stets Machtproben, bei welchen es sich um die Erkundung der gegenseitigen Abhängigkeiten und deren Ausmass sowie Intensität dreht. Elias’ kurz erläutertes Spielmodell weist zudem den Blick stark auf den Prozess, welcher hierzu nichtunbeachtetgelassen werdendarf;; ohne denProzesswürden Interessenskonflikte fortwährend als Ultima Ratio enden. Des Weiteren wird zunehmend bewusst, dass sämtliche menschliche Beziehungen sowie Verflechtungen Prozesse sind. So zeigen diese Verflechtungsprozesse wiederum auf, inwiefern alle involvierten interdependenten Personen einer Figuration berücksichtigt werden müssen, um das vollumfängliche Verständnis zu erlangen.

Als weiteres Spielmodell, welches bezogen auf dan Theorie-­Praxis-­Transfer interessant erscheinen wird, sind Modelle normierter Verflechtungen zwischen zwei Personen. Hier weist eine Person eine massgebende Menge an Kontrolle, respektive Macht über eine andere Person auf. Diese Kontrolle sowie Macht beruht aber nicht ausschliesslich auf der Einseitigkeit;; auch die in dieser Figuration schwächere Person weist eine Macht gegenüber der stärkeren Person auf. Die beiden agieren in einer Interdependenz, wobei sie sich, wobei auch immer, stets beeinflussen.2

Weiter soll der Begriff der Figuration nach Elias erklärt werden, denn um die Menschen als Gesellschaft begreifen zu können, müssen auch der einzelne Mensch an sich und die Figurationen, die die Menschen bilden, beachtet werden3. Notwendigerweise ist zu begreifen, dass das Individuum die Gesellschaft formt, umgekehrt aber auch die Gesellschaft das Individuum formt. Eine Gesellschaft darf weiter nicht als eine Momentaufnahme angesehen werden, vielmehr muss auch hier der Charakter des Prozesses beachtet werden. Diese Entwicklung einer Gesellschaft ist nicht zufällig, sie ist aber auch nicht geplant, folgt aber dennoch bestimmten Mustern. Folglich sind alle Handlungen von Individuen in einer Figuration interdependent und die Individuen an sich besitzen jeweils eine relative Autonomie gegenüber den anderen Individuen der entsprechenden Figuration4. Elias definiert deutlich, dass eine Figuration definitiv keine Abstraktion ist, sondern konkreten Charakter aufweist5.

3.2 TheorieanwendungaufdasPraxisbeispiel

Bezogen auf das persönliche Praxisbeispiel zeigt sich, dass die höhere Macht beginnend bei B gelegen hat. Als neuer Chef steht B stereotypisch eine hohe Machtposition zu. B gegenüber tritt A mit Respekt und Anstand auf. Aufgrund der Differenz der Machtposition werden Anweisungen und Veränderungsbefehle angenommen und widerspruchsfrei ausgeführt.

Dennoch weist A trotz der geringeren Macht ein gewisses Mass der Macht gegenüber B auf;; A verfügt einerseits über langjährige Erfahrung in genau diesem Café, weist seit langer Zeit eine hohe Flexibilität auf, die Arbeitsabläufe sind internalisiert, die Vorlieben der Kundschaft oder Zeiten der Flauten sind bekannt und mögliche Optimierungspotenziale werden erkannt.

Dieses zu Beginn erwähnte Machtgefälle zwischen A und B ist aber nicht statisch, sondern durchläuft Prozesse, wie sie, so Elias, in allen Beziehungen zwischen Menschen vorkommen. Bezogen auf die Beziehung zwischen A und B bedeutet dies nun, dass A durch ihre Kompetenzen, vor allem ihre Qualifikationen der Arbeitsweise und ihrer Flexibilität, die Machtbalance während kritischen Zeiten massgebend verändern kann. Eine solche kritische Zeit tritt auf, als B das Arbeitsklima durch seine immer öfters auftretende Unprofessionalität sowie seinen Egozentrismus negativ beeinflusst. Dieses im Café neu entstandene Arbeitsklima und die verschlechterte Beziehung zwischen vielen Angestellten und B führen zu einer etwa dreimonatigen Fluktuation der Mitarbeitenden während Beginn der Hochsaison. B muss schnellstmöglich neue Mitarbeitende finden und ist während dieser Phase auf die Fachkompetenzen, Erfahrung, Flexibilität und internalisierten Arbeitsabläufe seitens A angewiesen. Bereits durch diese Veränderung der Figuration hat sich die Machtbalance zwischen A und B zu Gunsten von A verändert und die neu entstandene hohe Abhängigkeit von B gegenüber A wird hiermit verdeutlicht;; A könnte für sich entscheiden, auch aus dem Team auszusteigen, was höchstwahrscheinlich den Zusammenbruch der bisherigen Ordnung im Café zur Folge hätte. Oder A könnte zusätzliche Arbeitseinsätze verweigern, was eine weniger gravierende Aufwirbelung der bisherigen Ordnung im Café zur Folge hätte. Schliesslich entscheidet sich A dazu, die bisherige Ordnung grösstmöglich beizubehalten und willigt ein, zusätzliche Arbeitstage zu übernehmen und neue Mitarbeitende einzuarbeiten. Dieses Einverständnis und die damit zusammenhängende Bereitstellung der persönlichen Fachkompetenzen, Erfahrungen, Flexibilität und internalisierten Arbeitsabläufe erhöht die Macht seitens A gegenüber der Macht von B um ein weiteres. Durch dieses Ereignis wird deutlich ersichtlich, inwiefern erhöhte Macht in Korrelation mit mehr Kontrolle seitens der mächtigeren Person bezüglich einer Situationen steht;; A kann nun relativ frei und beharrlich darüber entscheiden, ob und wann sie arbeiten will und macht dies B auch wörtlich klar. Auch bezüglich spontaner Ferientage erlangt A eine gewisse Kontrolle über B, wie es sie vorher so nicht gab. Diese ausgeprägte Willenskraft seitens A entstand aber auch als Reaktion auf das Verhalten von B, welcher oft die Interessen seiner Mitarbeitenden unberücksichtigt lässt und nur auf seine Vorteile abzielend handelt. So ist hier die Verflechtung ersichtlich – eine Aktion löst x von B löst bei A die Reaktion y aus und umgekehrt.

[...]


1 Elias, 2014, S. 13

2 Elias,2014,S.88-­93

3 Elias,2014,S.152

4 Elias,2014,S.154

5 Elias,2014;; S.154

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Die Begriffe Funktion und Figuration nach Norbert Elias
Untertitel
Verdeutlicht durch einen Theorie-Praxis-Transfer
Hochschule
Berner Fachhochschule Soziale Arbeit
Note
6.0 (Schweiz)
Autor
Jahr
2017
Seiten
7
Katalognummer
V457390
ISBN (eBook)
9783668896765
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Note: 6,0 (Schweiz) entspricht der Note: 1,0 (dt. Notensystem) An einem Praxisbeispiel werden die Begriffe Funktion und Figuration nach Norbert Elias verdeutlicht.
Schlagworte
begriffe, funktion, figuration, norbert, elias, verdeutlicht, theorie-praxis-transfer
Arbeit zitieren
Vera Schmid (Autor), 2017, Die Begriffe Funktion und Figuration nach Norbert Elias, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457390

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