Vom Titel der Abschlussarbeit "Betriebliche Gesundheitsförderung von Berufskraftfahrern: Intervention Mapping als Planungsansatz für die Entwicklung einer theorie- und evidenzbasierten Maßnahme zur Rückengesundheit" leitet sich die damit verfolgte Zielfrage ab. Welche Programminhalte sollten bei der Entwicklung einer gesundheitsfördernden Maßnahme angestrebt werden, um die Rückengesundheit von Berufskraftfahrern zu fördern bzw. zu erhalten?
Diese Fragestellung wird zunächst unter Anwendung der ersten beiden Prozessschritte Bedarfsanalyse und Programmentwicklung des Intervention Mapping Verfahren betrachtet. Die darauf folgende Schritte Programmplanung, Implementationsplanung und Evaluationsplanung sind nicht Gegenstand dieser Arbeit.
Zunächst wird ein theoretischer Rahmen gesetzt, in welchem die relevanten Prozessschritte des Intervention Mapping Verfahren ausführlich dargestellt und zusätzlich theoretische Modelle zum Gesundheitsverhalten beschrieben werden. Im darauffolgenden Hauptteil steht in Kapitel drei die Zielgruppe der Berufskraftfahrer im Mittelpunkt. Nach der Skizzierung branchenspezifischer Problematiken soll eine vielschichtige Analyse von berufs- und tätigkeitsbezogenen Belastungsfaktoren die gesundheitlichen Beschwerden der Kraftfahrer darlegen. Als deren Kernproblem werden unspezifische Rückenschmerzen durch eine abschließende Betrachtung der Krankenversicherungsstatistiken identifiziert.
Das vierte Kapitel beinhaltet die wesentlichen Arbeitsschritte der Bedarfsanalyse als erster Schritt des IM Verfahren. Hierbei werden die allgemeinen Risikofaktoren für die Entstehung von Rückenschmerzen untersucht und anschließend für die Berufsgruppe der Kraftfahrer in verhaltens- bzw. umweltbedingte Risikofaktoren gegliedert. Ebenso werden personelle Determinanten mit Hilfe von ausgewählten Theorien des Gesundheitsverhaltens ermittelt. Zuletzt werden die aktuell vorherrschenden Interventionsmöglichkeiten zur Prävention von Rückenschmerzen auf deren Wirksamkeit untersucht.
Kapitel fünf umfasst die Bearbeitung des zweiten Programmschritts des IM. Dabei erfolgt die Spezifikation von hierarchischen Zielkriterien, um letztlich die angestrebten Programminhalte als Endprodukt der theoriegeleiteten Planung in Form von Matrizen (speziell organisierte Tabellen) darzustellen. Das sechste Kapitel bildet den inhaltlichen Abschluss. Es beinhaltet eine Zusammenfassung der Ergebnisse und einen weiterführenden Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Interventionsmodelle der Gesundheitsförderung
2.1 PRECEDE-Modell
2.2 Intervention Mapping Ansatz
2.2.1 Bedarfsanalyse
2.2.2 Planungsmatrizen von Veränderungszielen
2.3 Theoretische Modelle zum Gesundheitsverhalten
2.3.1 Das Sozioökologische Modell
2.3.2 Modelle der Gesundheitspsychologie
3 Gesundheitsrisiken im Tätigkeitsprofil der Berufskraftfahrer
3.1 Beschäftigtenstruktur und berufliche Gesamtaufgabe
3.2 Die Problematik im Berufsbild der Kraftfahrer
3.3 Berufs- und tätigkeitsbezogene Belastungsfaktoren
3.3.1 Physische Belastungsfaktoren
3.3.2 Psychische Belastungsfaktoren
3.3.3 Soziale Belastungsfaktoren
3.3.4 Verkehrsbedingte Belastungsfaktoren
3.4 Belastungsfolgen: Gesundheitliche Beschwerden der Berufskraftfahrer
3.5 Erkrankungen in der Versicherungsstatistik
3.6 Zusammenfassung
4 Bedarfsanalyse: Rückenschmerzen
4.1 Auswirkungen von Rückenschmerzen auf die Lebensqualität
4.2 Risikofaktoren für die Entstehung von Rückenschmerzen
4.2.1 Verhaltensbedingte Risikofaktoren der Berufskraftfahrer
4.2.2 Umweltbedingte Risikofaktoren der Berufskraftfahrer
4.3 Determinanten des Verhaltens
4.3.1 Die sozial-kognitive Theorie
4.3.2 Die Theorie des geplanten Verhaltens
4.4 Grundsätze der Rückenschmerzprävention
4.4.1 Bewegungsprogramme
4.4.2 Informationsbasierte Programme
4.4.3 Hilfsmittel
4.4.4 Ergonomische Interventionen
4.4.5 Multidimensionale verhaltensbezogene Programme
4.5 Zusammenfassung
5 Matrizenerstellung von Veränderungszielen
5.1 Spezifizierung der Programmziele (Behavioral Outcomes)
5.2 Definition von Handlungszielen (Performance Objectives)
5.3 Personelle Determinanten
5.4 Matrizen von Veränderungszielen (Change Objectives)
6 Schluss
6.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
6.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit zielt darauf ab, auf Basis des methodischen Ansatzes des Intervention Mapping eine theorie- und evidenzbasierte gesundheitsfördernde Maßnahme zur Prävention von unspezifischen Rückenschmerzen bei der Zielgruppe der Berufskraftfahrer in Logistikunternehmen zu entwickeln, um deren Rückengesundheit zu erhalten oder zu fördern.
- Analyse des Tätigkeitsprofils und der Belastungsfaktoren von Berufskraftfahrern.
- Untersuchung von Risikofaktoren für die Entstehung von unspezifischen Rückenschmerzen.
- Theoretische Fundierung durch Modelle des Gesundheitsverhaltens (z. B. sozial-kognitive Theorie, Theorie des geplanten Verhaltens).
- Entwicklung von Interventionszielen, Handlungszielen und deren Operationalisierung in Planungsmatrizen.
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Problematik im Berufsbild der Kraftfahrer
Die berufliche Tätigkeit von Kraftfahrern im Güterverkehr ist von vielen Anpassungs- und Flexibilitätserfordernissen der Logistikbranche geprägt und somit nicht nur durch den mobilen Arbeitsplatz von anderen Erwerbszweigen zu unterscheiden. Die speziellen Arbeitsbedingungen und damit einhergehenden beruflichen Anforderungen wirken sich zunehmend auf die Arbeits- und Lebenssituation der Berufskraftfahrer aus. Die in der Bevölkerung oftmals als rudimentär bezeichnete Arbeit wird auch in der sozialpolitischen Öffentlichkeit äußerst selektiv betrachtet und nur in Verbindung mit schwerwiegenden Verkehrsunfällen erwähnt. Auch im betrieblichen Kontext werden die spezifischen Bedingungen der LKW-Fahrer nur unzureichend thematisiert (vgl. Schäfer/Steininger 1989, S. 1).
Nach Angaben des Bundesamtes für Güterverkehr (2013, S. 89) stehen für viele Unternehmen die beruflichen Anforderungen der Berufskraftfahrer im Mittelpunkt. Insbesondere werden hierbei das Arbeits- und Sozialverhalten sowie die persönlichen Eigenschaften der Fahrer erwähnt. Aus ökonomischer und somit betrieblicher Perspektive ist der Berufskraftfahrer als Dienstleister das Bindeglied zwischen dem eigenen Unternehmen und dem Kunden. Ein gepflegtes Äußeres von Fahrer und Fahrzeug, ein tadelloses Verhalten sowie eine hohe Kommunikations- und Kritikfähigkeit sind Qualitätsanforderungen der Unternehmen und tragen letztlich zur Kundenzufriedenheit bei (vgl. Burgmann u. a. 2005, S. 17 ff.). Jedoch handelt es sich bei diesen Aspekten um bestimmte Erwartungen der Unternehmen, so dass eine problemorientierte Auseinandersetzung der ganzheitlichen Arbeits- und Lebenssituation und den damit verbundenen Berufsrisiken nicht gegeben ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Bedeutung der Logistikbranche, den Fachkräftemangel sowie die hohen physischen und psychischen Belastungen der Berufskraftfahrer, welche die Entwicklung einer gezielten gesundheitsfördernden Maßnahme zur Rückengesundheit notwendig machen.
2 Interventionsmodelle der Gesundheitsförderung: Dieses Kapitel setzt einen theoretischen Rahmen und beschreibt das Intervention Mapping Verfahren sowie relevante Modelle des Gesundheitsverhaltens, die als Basis für die ganzheitliche Planung von Interventionsmaßnahmen dienen.
3 Gesundheitsrisiken im Tätigkeitsprofil der Berufskraftfahrer: Es erfolgt eine Analyse der Zielgruppe, der Berufsrisiken und der Belastungsfaktoren (physisch, psychisch, sozial, verkehrsbedingt), die in der Gesamtheit zu den identifizierten gesundheitlichen Beschwerden und dem hohen Krankenstand führen.
4 Bedarfsanalyse: Rückenschmerzen: Dieses Kapitel identifiziert unspezifische Rückenschmerzen als das dominierende Gesundheitsproblem, untersucht Risikofaktoren, personelle Determinanten und die Wirksamkeit bisheriger Interventionsansätze.
5 Matrizenerstellung von Veränderungszielen: Basierend auf den vorherigen Schritten werden spezifische Programm- und Handlungsziele definiert und in Matrizen operationalisiert, um die theoretisch fundierten Programminhalte für die Intervention festzulegen.
6 Schluss: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Bedeutung des entwickelten Planungsansatzes und gibt einen Ausblick auf die Notwendigkeit weiterführender Forschung.
Schlüsselwörter
Betriebliches Gesundheitsmanagement, Berufskraftfahrer, Rückenschmerzen, Intervention Mapping, Gesundheitsförderung, Prävention, Arbeitsbelastung, Lebensqualität, Verhaltensänderung, körperliche Aktivität, biopsychosoziales Modell, Planungsmatrizen, Rückengesundheit, Logistikbranche, Gesundheitsverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung einer theorie- und evidenzbasierten gesundheitsfördernden Maßnahme zur Rückengesundheit für Berufskraftfahrer in der Logistikbranche.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das betriebliche Gesundheitsmanagement, die Belastungs- und Risikofaktoren im Berufsbild der Kraftfahrer sowie die Anwendung des Intervention Mapping Ansatzes zur zielgerichteten Planung präventiver Maßnahmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Zielfrage lautet: Welche Programminhalte sollten bei der Entwicklung einer gesundheitsfördernden Maßnahme angestrebt werden, um die Rückengesundheit von Berufskraftfahrern zu fördern bzw. zu erhalten?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird der strukturierte Planungsansatz des Intervention Mapping (IM) nach Bartholomew et al. verwendet, um eine systematische, theoriebasierte Maßnahmenentwicklung zu gewährleisten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung (Interventionsmodelle), die detaillierte Analyse der Arbeitsrisiken und gesundheitlichen Beschwerden der Kraftfahrer, eine umfassende Bedarfsanalyse zu Rückenschmerzen und die Erstellung von Planungsmatrizen für Veränderungsziele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind u. a. Betriebliches Gesundheitsmanagement, Berufskraftfahrer, Intervention Mapping, Rückenschmerzen, körperliche Aktivität und Verhaltensänderung.
Welche Rolle spielt das PRECEDE-Modell in dieser Arbeit?
Das PRECEDE-Modell dient als diagnostische Grundlage für die Bedarfsanalyse, um Gesundheitsrisiken und deren Einflussfaktoren systematisch zu erfassen und zu verstehen.
Warum sind Muskel-Skelett-Erkrankungen bei Kraftfahrern so relevant?
Die Arbeit identifiziert diese Erkrankungen, insbesondere Rückenschmerzen, als das dominierende Gesundheitsproblem in der Transportbranche, das zu hohen krankheitsbedingten Fehlzeiten führt.
Welche Rolle spielen die "Kernprozesse" im Intervention Mapping?
Die Kernprozesse helfen den Interventionsplanern dabei, komplexe Problematiken zu verstehen und aufgeworfene Fragen theoriebasiert sowie mithilfe empirischer Daten zu beantworten.
Was leisten die im Anhang aufgeführten Matrizen?
Die Matrizen stellen das Kernprodukt der Arbeit dar und verknüpfen Handlungsziele mit personellen Determinanten, um konkrete, theoriegeleitete Programminhalte für die Interventionsmaßnahme zu definieren.
- Citation du texte
- Niklas Stadler (Auteur), 2015, Intervention Mapping und die Gesundheitsförderung von Berufskraftfahrern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457442