Investitionsabzugsbeträge nach § 7g EStG

Eine kritische Analyse zum Investitionsabzugsbetrag und seiner Rückabwicklung


Projektarbeit, 2018

38 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis A

Abkürzungsverzeichnis C

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise

2 grundlagen
2.1 aufbau des § 7g einkommensteuergesetz
2.2 persönlicher anwendungsbereich
2.2.1 Begünstigte Steuerpflichtige
2.2.2 Betriebsbezogene voraussetzungen
2.2.3 Betriebsgrößenmerkmale
2.3 sachlicher anwendungsbereich
2.3.1 begünstigte wirtschaftsgüter
2.3.2 investitionsabsicht und betriebliche nutzung
2.3.3 verbleibensvoraussetzungen

3 verfahren bei investitionsabzugsbeträgen
3.1 bildung des investitionsabzugsbetrages
3.1.1 Zeitpunkt der bildung des investitonsabzugsbetrages
3.1.2 Wirkung des investitionsabzugsbetrages
3.2 höhe des investitionsabzugsbetrages
3.3 durchführung der geplanten investition
3.3.1 Hinzurechnung des investitionsabzugsbetrages und anschaffungskostenminderung
3.3.2 inanspruchnahme der Sonderabschreibung

4 rückwirkende auflösung des investitionsabzugsbetrages
4.1 rückgängigmachung des investitionsabzugsbetrags bei Nichtinvestition
4.2 rückgängigmachung des investitionsabzugsbetrages bei verletzung der verbleibens- und nutzungsfristen
4.3 Folgen in bezug auf die verzinsung

5 Fazit
5.1 Theoretische Schlussfolgerun g
5.2 Ausblick

Quellenverzeichnis
Literatur
Rechtsquellen
Gerichtsentscheidungen
Richtlinien und verwaltungserlasse
Internet

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Der § 7g EStG dient der Förderung kleinerer und mittlerer Betriebe durch die Sonderabschreibung und den Investitionsabzugsbetrag. Die Vorschrift soll den Unternehmen helfen, ihre Liquidität zu steigern, die Eigenkapitalausstattung zu verbessern sowie die Investitions- und Innovationskraft zu verbessern und damit die Wettbewerbskraft stärken.1 Mit der Unternehmenssteuerreform 2008 wurde der § 7g EStG grundlegend neu konzipiert. Ziel des Investitionsabzugsbetrages und der Sonderabschreibung ist es, im Wege der Steuerstundungen, kleineren und mittleren Betrieben das Ansparen finanzieller Mittel und somit die Finanzierung von Investitionen zu erleichtern. Die Wirkung des Abzugsbetrages ergibt sich in einer zinslosen Steuerstundung. Von erheblicher Bedeutung ist auch die Förderung von gebrauchten beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens. In Frage zu stellen ist jedoch, ob es überhaupt möglich ist, dass der begünstigte Personenkreis hinsichtlich eines auf 235.000 € begrenzten Eigenkapital bzw. bei der Ermittlung des Gewinns nach § 4 Abs. 3 EStG auf 100.000 € begrenzten Gewinns, das Fördervolumen in Höhe von 500.000 € in vollem Umfang in Anspruch zu nehmen.2 Seit der Einführung des § 7g EStG wurde diese Vorschrift durch eine Vielzahl von Gesetzen teilweise enorm geändert. Die meisten dieser Änderungen haben einen konjunkturpolitischen Hintergrund. Mit dem Gesetz zur Umsetzung steuerrechtlicher Regelungen des Maßnahmenpaktes „Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung“ im Jahr 2008 wurden die steuerrechtlichen Maßnahmen, die zu einer Belebung der Binnennachfrage und zur Stützung der Konjunktur führen sollten, umgesetzt. Es wurde eine befristete Erhöhung der Grenzen für die Inanspruchnahme des Investitionsabzugsbetrages und der Sonderabschreibung eingeführt.3 Das Steueränderungsgesetz 2015, das mit Wirkung zum 01.01.2016 in Kraft getreten ist, brachte für die Anwendung des § 7g EStG erhebliche Erleichterungen und Verfahrensvereinfachungen. Der Steuerpflichtige muss für die Inanspruchnahme von Investitionsabzugsbeträgen keine konkrete Investitionsabsicht mehr haben und aufgrund dessen diese auch nicht mehr nachweisen. Es entfällt somit das Erfordernis der Funktionsbenennung des anzuschaffenden Wirtschaftsguts.4 Es besteht keine Verpflichtung mehr beim Erwerb des begünstigen Wirtschaftsguts die Hinzurechnung nach § 7g Abs. 2 EStG vorzunehmen.5 Durch das Wegfallen des Tatbestandsmerkmals „Investitionsabsicht“ entsteht ein hohes Gestaltungspotenzial. Dieses ruft jedoch auch Kritik hervor, es liege „nur“ ein Fiskalkredit mit einer Kreditlinie von 200.000 € vor. Bei Nichtinvestition ist der „Kredit“ zwar mit Zinsen nach § 233a AO teuer eingekauft, aber auf der anderen Seite wird dieser ohne die Aufbringung von Sicherheiten gewährt. Diese stelle eine verfassungsrechtlich bedenkliche „Besteuerung nach Wahl“ dar.6

1.2 Zielsetzung

Die Arbeit beschreibt den Aufbau und die Wirkung des § 7g EStG. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Folgen der Rückgängigmachung des Investitionsanzugsbetrages bei Nichtinvestition beziehungsweise bei Verstoß gegen die Verbleibens-und Nutzungsvoraussetzungen gesetzt. Des Weiteren erfolgt eine kritische Betrachtung der aktuellen Rechtslage hinsichtlich der Verzinsung nach § 233a AO bei Rückgängigmachung des Investitionsabzugsbetrages.

1.3 Vorgehensweise

Durch die Problemstellung und die Zielsetzung wird zu Beginn an das angestrebte Thema herangeführt. Im Kapitel 2 soll der theoretische Bezugsrahmen hergestellt werden. Hier wird versucht, die Grundlagen darzustellen.

In Kapitel 3 werden die Verfahren bei Investitionsabzugsbeträgen näher beleuchtet. Hierzu wird konkret die Durchführung einer geplanten Investition dargestellt. Im zweiten Schritt wird die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Sonderabschreibungen beleuchtet. Kapitel 2 und 3 stellten die Grundlage für Kapitel 4 dar.

Die kritische Analyse der Folgen der Rückgängigmachung des Investitionsabzugsbetrages wird in Bezug auf die Verzinsung der Steuernachzahlung in Kapitel 4 analysiert.

2 grundlagen

2.1 aufbau des § 7g einkommensteuergesetz

Aufgrund der Stellung im EStG ist der § 7g EStG eine Vorschrift der Gewinnermittlung, diese Norm findet somit nur für Gewinneinkunftsarten Anwendung. In § 7 Abs. 1 EStG sind Begünstigungen für eine geplante Investition geregelt, der sogenannte Investitionsabzugsbetrag.7 Steuerpflichtige können für künftige Anschaffung oder Herstellung von abnutzbaren Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens bis zu 40 % der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten als sog. Investitionsabzugsbetrag gewinnmindernd geltend machen.8 Des Weiteren sind in § 7g Abs. 1 EStG die Größenmerkmale, der Investitionszeitraum, die Behaltensvoraussetzungen, Nachweispflichten sowie die Höhe und die Höchstbeträge aller Investitionsabzugsbeträge geregelt.9 Im Absatz 2 ist die Situation nach Inanspruchnahme des Abzugsbetrages im Wirtschaftsjahr der tatsächlichen Investition geregelt.10 Die Rechtsfolgenden der Nichtinvestition innerhalb des Investitionszeitraums sind in Absatz 3 geregelt.11 § 7g Abs. 4 EStG findet bei Verstößen gegen die Behaltens- und Nutzungsvoraussetzungen Anwendung.12 Nach § 7g Abs. 5 EStG können bei abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens Sonderabschreibungen neben der normalen Abschreibung im Jahr der Anschaffung oder Herstellung und in den vier folgenden Jahren bis zu insgesamt 20 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten in Anspruch genommen werden. Voraussetzungen für die Sonderabschreibungen sind in Abs. 6 geregelt, bestimmte Betriebsgrößenmerkmale dürfen nicht überschritten werden und das Wirtschaftsgut muss bestimmte Nutzungsvoraussetzungen erfüllen.13 Durch Absatz 7 werden Personengesellschaften und Gemeinschaften für Zwecke der Anwendung der Absätze 1-6 einem Steuerpflichtigen gleichgestellt.14

2.2 persönlicher anwendungsbereich

Für die Inanspruchnahme von Investitionsabzugsbeträgen sind gewisse persönliche Voraussetzungen zu erfüllen.

2.2.1 Begünstigte Steuerpflichtige

Die Vorschrift des § 7g EStG ist personenbezogen, denn der Investitionsabzugsbetrag kann sowohl von unbeschränkt steuerpflichtigen Unternehmen als auch von beschränkt steuerpflichtigen Unternehmen in Anspruch genommen werden.15 Der Investitionsabzugsbetrag soll als Finanzierungserleichterung für kleinere und mittlere Betriebe dienen. Unter den Anwendungsbereich des § 7g EStG fallen sowohl Gewerbebetriebe, als auch Betriebe die der Erzielung von Einkünften aus selbstständiger Arbeit oder aus Betriebe der Land- und Forstwirtschaft.16 § 7g EStG findet Anwendung für natürliche Personen und für Mitunternehmerschaften i.S.d. § 15 Abs. 1 Nr. 2 EStG sowie für Körperschaften i.S.d. § 1 KStG.17 Bei unentgeltlicher Betriebsübertragung gemäß § 6 Abs. 3 EStG gehen die Besteuerungsmerkmale des Rechtsvorgängers nach allgemeiner Auffassung auf den Erwerber über.18 Gemäß § 7g Abs. 7 EStG tritt bei Personengesellschaften und Gemeinschaften an die Stelle des Steuerpflichtigen die Personengesellschaft, wenn es sich um eine Mitunternehmerschaft handelt (§ 13 Abs. 7 EStG, § 15 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EStG, § 18 Abs. 4 EStG). Dies bedeutet, dass bei einer Personengesellschaft nicht der einzelne Gesellschafter den Investitionsabzugsbetrag in Anspruch nimmt, sondern die Personengesellschaft selbst. Somit kann der Abzugsbetrag nicht von der Personengesellschaft in die Einzelunternehmen der Gesellschafter übertragen werden.19 Der Investitionsabzugsbetrag kann nur bei Gewinneinkunftsarten gebildet werden, denn nur diese Einkunftsarten haben ein Anlagevermögen. Für die Inanspruchnahme des Investitionsabzugsbetrag bzw. der Sonderabschreibung ist die Gewinnermittlungsart, Betriebsvermögensvergleich oder Überschussrechnung gem. § 4 Abs. 3 EStG ohne Bedeutung.20

2.2.2 Betriebsbezogene voraussetzungen

Der Investitionsabzugsbetrag ist betriebsbezogen. Ein Steuerpflichtiger mit mehreren Betrieben kann daher den Abzug in jedem Betrieb geltend machen, soweit der Betrieb die Voraussetzungen erfüllt, auch dann wenn das addierte Betriebsvermögen aller Betriebe die Grenzen überschreitet. Im Falle der Betriebsaufspaltung können sowohl das Besitz- als auch das Betriebsunternehmen Investitionsabzugsbeträge geltend machen, hierbei kommt es auf die Größe des jeweiligen Betriebes an. Dasselbe gilt bei Organschaften für den Organträger und die Organgesellschaft.21 Der Betrieb muss aktiv am wirtschaftlichen Verkehr teilnehmen und eine in diesem Sinne werbende Tätigkeit ausüben.22 Infolgedessen steht Steuerpflichtigen, die den Betrieb im Rahmen einer Betriebsverpachtung im Ganzen fortführen oder einen ruhenden Gewerbebetrieb erklärt haben, die Geltendmachung des Investitionsabzugsbetrages nicht offen. Des Weiteren können Betriebe die sich in der Eröffnungsphase befinden einen Investitionsabzugsbetrag in Anspruch nehmen. Indizien für eine Betriebseröffnung können z.B. sein, das Vorliegen einer Gewerbeanmeldung, Unterlagen (z.B. Kostenvoranschläge, konkrete Verhandlungen) aus denen sich die geplante Anschaffung der wesentlichen Betriebsgrundlagen schließen lässt.23 Die Eröffnung eines Betriebes gilt dann als abgeschlossen, wenn alle wesentlichen Betriebsgrundlagen angeschafft sind.24 Laut Auffassung des BFH sind in den Jahren vor Abschluss der Betriebseröffnung strenge Maßstäbe an die tatsächliche Investitionsabsicht zu stellen. Eine verbindliche Bestellung des anzuschaffenden Wirtschaftsgutes sei zwar auch bei sich in Gründung befindlichen Betrieben nicht zwingend erforderlich, jedoch ist bei der Prüfung der Investitionsabsicht auch eine begrenzte Berücksichtigung der künftigen Entwicklung zulässig. Als Indiz für eine Investitionsabsicht gelten zum Beispiel konkrete Vertragsverhandlungen.25

Gefördert werden nur Investitionen in inländischen Betrieben (inländische Betriebsstätte) des Steuerpflichtigen. Wird das mit dem Investitionsabzugsbetrag begünstigte Wirtschaftsgut innerhalb der Verbleibensfrist z.B. von einer inländischen in eine ausländische Betriebsstätte verbracht oder es findet eine Betriebsverlegung ins Ausland statt, kommt es zu einer rückwirkenden Versagung der Begünstigung.26

2.2.3 Betriebsgrößenmerkmale

Da der Investitionsabzugsbetrag zum Zwecke der Förderung kleiner und mittlerer Betriebe dienen soll, kann dieser nur von Betrieben mit einer bestimmten Größenordnung in Anspruch genommen werden. Gemäß § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG werden für Gewerbebetriebe, Betriebe die der selbstständigen Arbeit dienen und für Betriebe der Land- und Forstwirtschaft bestimmte Größenmerkmale wie folgt definiert, die nicht überschritten werden dürfen. Das Gesetz bestimmt als maßgeblichen Zeitpunkt für die Beurteilung der Erfüllung der Größenmerkmale den Schluss des Wirtschaftsjahres, in dem der Investitionsabzug vorgenommen werden soll.27

Bei Gewerbebetrieben oder solchen Betrieben, die der selbstständigen Arbeit dienen und welche ihren Gewinn gem. § 4 Abs. 1 EStG oder § 5 EStG ermitteln, darf das Betriebsvermögen gem. § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchstabe a) EStG den Grenzwert von 235.000 € nicht überschreiten. Dieser Grenzwert findet bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG keine Anwendung.28 Das Betriebsvermögen ist wie folgt zu ermitteln:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ermittlung Betriebsvermögen

Beim Begriff des Betriebsvermögens geht es um die Steuerbilanzwerte. Zum Anlagevermögen wird das Umlaufvermögen sowie aktive Rechnungsabgrenzungsposten hinzuaddiert. Rückstellungen, Verbindlichkeiten, passive Rechnungsabgrenzungsposten und steuerbilanzielle Rücklagen (z.B. § 6b EStG) werden abgezogen. Ansparabschreibungen i.S.d § 7g Abs. 3 ff. EStG sind ebenfalls abzuziehen.29 Durch rechtzeitige Entnahmen/Ausschüttungen besteht die Möglichkeit die Höhe des Betriebsvermögens zu mindern, dies ist jedoch nicht mehr möglich, wenn die Ausschüttungsbeschlüsse erst nach Ablauf des Wirtschaftsjahres gefasst werden. Seit 2008 besteht für die Gewerbesteuer ein Abzugsverbot als Betriebsausgabe gem. § 4 Abs. 5b EStG, jedoch hinsichtlich der Grenze für die Inanspruchnahme des Investitionsanzugsbetrages, mindert die GewSt-Rückstellung weiterhin das maßgebliche Betriebsvermögen.30 Für die Bestimmung der betrieblichen Größenmerkmale sind die Werte in der Handelsbilanz unerheblich. Zur Ermittlung des Betriebsvermögens ist der Investitionsabzugsbetrag nicht als Schuldposten abzuziehen. Dies ergibt sich aus seiner systematischen Stellung als außerbilanzieller Abzugsposten.31 Die Gewährung eines Investitionsabzugsbetrages ist nicht schon deshalb ausgeschlossen, weil der Steuerpflichtige im Anschluss an eine Außenprüfung zur Kompensation der von dieser ermittelten Gewinnerhöhung geltend macht.32

Bei Personengesellschaften kommt es auf den Gesamtwert des steuerlichen Betriebsvermögens der Mitunternehmerschaft gem. § 7g Abs. 7 EStG an. Dies bedeutet, dass das Betriebsvermögen aus Sonder- und Ergänzungsbilanzen hinzugerechnet werden muss, dies gilt auch dann, wenn der Investitionsabzugsbetrag im Sonderbetriebsvermögen vorgenommen werden soll.33 Eine Personengesellschaft kann nur einen Betrieb unterhalten, somit wird der Abzug von der Personengesellschaft geltend gemacht. Bei Investitionen die im Gesamthandsvermögen geplant werden, erfolgt der Abzug beim Gesamthandsgewinn, bei Investitionen im Sonderbetriebsvermögen ist hingegen das Ergebnis aus der Sonderbilanz des Gesellschafters zu mindern.34

Bei Gewinnermittlung gem. § 4 Abs. 3 EStG (Einnahmen-Überschuss-Rechnung) von Gewerbetreibenden und Freiberuflern ist nicht die Höhe des Betriebsvermögens von Relevanz, die Begünstigung richtet sich nach dem Gewinn ohne Berücksichtigung von eventuellen Investitionsabzugsbeträgen. Für die Ermittlung der Höchstgrenze bleiben die gewinnmindernd zu berücksichtigenden Investitionsabzugsbeträge außer Ansatz.35 Der Gewinn gem. § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchst. c EStG darf 100.000 € nicht übersteigen. Bei Betrieben der Land- und Forstwirtschaft, die ihren Gewinn gem. § 4 Abs. 3 ermitteln, reicht es nach Auffassung des BMF Schreibens vom 20.11.2013 aus, wenn entweder die Gewinngrenze von 100.000 € oder der Wirtschaftswert bzw. der Ersatzwirtschaftswert nicht überschritten wird.36

Personengesellschaften: Unabhängig von der Anzahl der beteiligten Personen ist die Gewinngrenze in Höhe von 100.000 € betriebsbezogen. Bei der Ermittlung der Gewinngrenze sind auch Betriebseinnahmen bzw. Betriebsausgaben des Sonderbetriebsvermögens bzw. der Ergänzungsbilanzen mit einzubeziehen. Kritik besteht bei der gleichen Anwendung der Gewinngrenze von 100.000 € bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften. Betroffene Personengesellschaften können dem Förderverlust nur durch Wechsel der Gewinnermittlungsart entgehen. Bei Wechsel der Gewinnermittlung durch Bestandsvergleich gem. § 4 Abs. 1 EStG, § 5 EStG profitiert der Steuerpflichtige von den Größenmerkmalen des § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchst. frühestens am Ende des ersten Wirtschaftsjahres mit Gewinnermittlung durch Bestandsvergleich.37

Bei Betrieben der Land- und Forstwirtschaft richtet sich die Begünstigung gem. § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchst. b EStG nach dem Wirtschaftswert (§§ 33ff. BewG). Dieser umfasst nur die Eigentumsflächen des Land-, und Forstwirts. Der Wirtschaftswert darf zum Schluss des Abzugsjahres nicht mehr als 125.000 € betragen. Bei Betrieben der Land- und Forstwirtschaft, die in neuen Bundesländern gelegen sind, ist nicht der Wirtschaftswert, sondern der Ersatzwirtschaftswert (§§125 ff. BewG) maßgeblich.38 Für land- und forstwirtschaftliche Betriebe, die ihren Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG ermitteln, gilt allerdings die 100.000 € Grenze.39

Die Grenzen des § 7 g Abs. 1 EStG gelten auch bei unterjähriger Eröffnung eines Betriebes. Nach dem Gesetzeswortlaut beziehen sich die Grenzen nur auf das Jahr der Bildung des Abzugsbetrages. Werden die Grenzen im weiteren Verlauf des Investitionszeitraums überschritten, beeinträchtigt dies nicht die frühere Inanspruchnahme der Begünstigung; ein anschließendes Unterschreiten der Grenze ermöglicht nicht die Begünstigung rückwirkend. § 7g EStG bezieht sich immer auf den Betrieb, die Wertgrenze bezieht sich somit bei einem Inhaber von mehreren Betrieben immer auf den einzelnen Betrieb.40 Stellt sich nachträglich heraus, dass die Wertgrenze überschritten ist, ist der entsprechende Steuerbescheid des Abzugsjahres nach den Vorschriften der Abgabenordnung (§§ 164, 165 172 ff. AO) zu ändern. Beim nachträglichen Unterschreiten der Grenzwerte, ist eine nachträgliche Inanspruchnahme des Investitionsanzugsbetrages zulässig, vorausgesetzt, dass der Steuer-, oder Feststellungsbescheid noch nach den Vorschriften der Abgabenordnung (z.B. § 164 Abs. 2 AO) geändert werden kann.41

2.3 sachlicher anwendungsbereich

2.3.1 begünstigte wirtschaftsgüter

Gemäß § 7g Abs. 1 Satz 1 EStG sind abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens begünstigt. Umgekehrt bedeutet dies, dass unbewegliche Wirtschaftsgüter nicht begünstigt sind. Im Sinne des § 7 g EStG ist ein Wirtschaftsgut beweglich, wenn es weder mit Grund und Boden noch mit Gebäuden in einem einheitlichen Nutzungs- und Funktionszusammenhang steht.42 Bei Photovoltaikanlagen kann die Abgrenzung von Bedeutung sein: Eine auf einem geschlossenen Dach angebrachte Anlage ist als beweglich einzustufen und ist daher begünstigt. Die Finanzverwaltung begünstigt auch dachintegrierte Photovoltaikanlagen „wie eine Betriebsvorrichtung“. Photovoltaikanlagen die jedoch eine Dacheindeckung ersetzen, sind als unbewegliche Wirtschaftsgüter einzustufen und demzufolge nicht begünstigt.43 Ebenfalls begünstigt sind geringwertige Wirtschaftsgüter i.S.d. § 6 Abs. 2 EStG sowie Sammelposten (§ 6 Abs. 2a EStG).44 Mangels Beweglichkeit kommen immaterielle Wirtschaftsgüter (z.B. Software) nicht als begünstigte Wirtschaftsgüter in Betracht. Damit das Wirtschaftsgut zum Anlagevermögen zuzuordnen ist, muss es dauerhaft dem Betrieb dienen. Gegenstände die mit der Absicht angeschafft werden, sie kurzfristig weiter zu verkaufen, gehören daher nicht zu den Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens.45 Auch der Erwerb von gebrauchten Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens ist begünstigt.46 Nicht begünstigt sind Wirtschaftsgüter die der Steuerpflichtige gem. § 6 Abs. 1 Nr. 5 in sein Betriebsvermögen einlegt oder Wirtschaftsgüter die der Steuerpflichtige unentgeltlich erwirbt. Bei teilentgeltlichem Erwerb liegt in der Höhe der Entgeltlichkeit eine Anschaffung i.S.d. § 7g Abs. 1 Satz 1 EStG vor.47

[...]


1 Vgl. KKB/Egner/Stößel, § 7g EStG,

2 Vgl. Meyer in Herrmann/Heuer/Raupach (2017), EStG § 7g Anm. 3

3 Vgl. Steuerschroeder, Steuerlexikon online

4 Vgl. Lahme (2018), Investitionsabzugsbetrag Rz. 1

5 Vgl. Lippross (2018), EStG § 7g Rz. 12

6 Vgl. Brandis/Blümich (2018), EStG § 7g Rn. 1

7 Vgl. Brandis/Blümich (2018), EStG § 7g Rn. 1

8 Vgl. Lippross (2018), EStG § 7g Rz. 1

9 Vgl. Littmann/Bitz/Pust (2016), EStG § 7g Rn. 21

10 Vgl. Brandis/Blümich (2018), EStG § 7g Rn. 1

11 Vgl. Littmann/Bitz/Pust (2016), EStG § 7g Rn. 21

12 Vgl. Brandis/Blümich (2018), EStG § 7g Rn. 1

13 Vgl. Zenthöfer in Finanz und Steuern (2013), S. 410

14 Vgl. Meyer in HHR (2017), EStG § 7g Anm. 100

15 Vgl. Lahme (2018), Investitionsabzugsbetrag Rz. 7

16 Vgl. Schmidt/Wagenblast (2018), Investitionsabzugsbetrag Rn. 4

17 Vgl. Meyer in HHR (2017), EStG § 7g Anm. 4

18 Vgl. Meyer in HHR (2017), EStG § 7g Anm. 5

19 Vgl. Lahme (2018), Investitionsabzugsbetrag Rz. 8

20 Vgl. Lippross (2018), EStG § 7g Rz. 22

21 Vgl. Schmidt/Kulosa (2018), EStG § 7g Rz. 12

22 Vgl. BMF v. 20.11.2013, BStBl I 2013, 1493, Ez. 1

23 Vgl. Cremer, NWB, Beilage zu NWB Heft /39/2017 S. 17

24 Vgl. BMF vom 20.11.2013, BStBl I 2013, 1493, Rz. 27 ff.

25 Vgl. BFH-Urteil vom 4.3.2015, IV R 30/12

26 Vgl. Brandis/Blümich (2018), EStG § 7g Rn. 24

27 Vgl. Schmidt/Wagenblast (2018), Investitionsabzugsbetrag Rn. 18

28 Vgl. Meyer in HHR (2017), EStG § 7g Anm. 28

29 Vgl. Brandis/Blümich (2018), EStG § 7g Rn. 56

30 Vgl. Schmidt/Kulosa (2018), EStG § 7g Rz 15

31 Vgl. Meyer in HHR (2017), EStG § 7g Anm. 28

32 Vgl. BFH Urteil vom 23.3.2016 IV R 9/14, BStBl II 2016, 769

33 Vgl. Lippross (2018), EStG § 7g Rz. 29

34 Vgl. Schmidt/Kulosa (2018), EStG § 7g Rz 13

35 Vgl. BMF vom 20.11.2013, BStBl I 2013, 1493, Rz. 13

36 Vgl. Lippross (2018), EStG § 7g Rz. 31

37 Vgl. Meyer in HHR (2017), EStG § 7g Anm. 30

38 Vgl. KKB/Egner/Stößel, § 7g EStG

39 Vgl. Schmidt/Kulosa (2018), EStG § 7g Rz 16

40 Vgl. Brandis/Blümich (2018), EStG § 7g Rn. 56

41 Vgl. Meyer in HHR (2017), EStG § 7g Anm. 27

42 Vgl. Schmidt/Wagenblast (2018), Investitionsabzugsbetrag Rn. 22

43 Vgl. Schmidt/Kulosa (2018), EStG § 7g Rz 5

44 Vgl. BMF vom 20.11.2013, BStBl I 2013, 1493, Rz. 4

45 Vgl. Schmidt/Wagenblast (2018), Investitionsabzugsbetrag Rn. 22

46 Vgl. Lahme (2018), Investitionsabzugsbetrag Rz. 5

47 Vgl. Meyer in HHR (2017), EStG § 7g Anm. 21

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Investitionsabzugsbeträge nach § 7g EStG
Untertitel
Eine kritische Analyse zum Investitionsabzugsbetrag und seiner Rückabwicklung
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
38
Katalognummer
V457568
ISBN (eBook)
9783668894334
ISBN (Buch)
9783668894341
Sprache
Deutsch
Schlagworte
investitionsabzugsbeträge, estg, eine, analyse, investitionsabzugsbetrag, rückabwicklung
Arbeit zitieren
Marina Gloning (Autor:in), 2018, Investitionsabzugsbeträge nach § 7g EStG, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457568

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