Die Idee, den unter anderem finanziellen Erfolg von Mozarts Zauberflöte (UA 1791) auszunutzen, veranlasste Schikaneder, Textautor der mozart’schen Zauberflöte, eine Fortsetzung zu schaffen. Meinerseits bin ich Mitte 2012 in der damals neu publizierten Schikaneder-Biografie von Eva Gesine Baur auf die Nachfolgeoper gestossen, die, nachdem Mozart etwa 3 Monate nach der Uraufführung seines letzten Werkes verstorben war, von einem anderen Komponisten, nämlich Peter von Winter, kom-poniert wurde.
Ein zweiter Teil der Zauberflöte? Das schien mir interes-sant und auch nicht jedermann bekannt. Es zeigte sich dann im Rahmen der durchgeführten Recherchen, dass Ende des 18. Jahrhunderts aber auch bis ins 20. Jahrhundert immer wieder versucht wurde, eine Fortset-zung der Zauberflöte zu schreiben. In der vorliegenden Arbeit konzentrie-re ich mich auf das Nachfolgewerk des ursprünglichen Textdichters, Emanuel Schikaneder, ohne allerdings andere Ansätze ganz ausser Acht zu lassen.
Im August 2012 bot sich die Gelegenheit, die Oper von Schikaneder/Winter an den Salzburger Festspielen zu sehen. Der primä-re Eindruck war recht positiv, jedenfalls habe ich mich einen Abend lang sehr gut unterhalten. Die Musik gleicht, ohne bei der ersten Anhörung eine eigentliche Analyse durchzuführen, derjenigen Mozarts sehr. Nicht selten finden sich jedoch ziemlich eindeutige Musikzitate aus der Zau-berflöte. Ist das Labyrinth nur ein Abklatsch des grossen Meisterwerks Mozarts oder handelt es sich doch um ein eigenständiges Werk? Eine eingehende Betrachtung schien mir jedenfalls durchaus lohnend.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgeschichte
2.1. Das Märchen "Lulu oder die Zauberflöte"
2.2. Vorläufer der mozart’schen Zauberflöte
2.3. Die dänische Zauberflöte: "Lulu"
2.4. "Die Zauberflöte" von Emanuel Schikaneder und Wolfgang Amadeus Mozart
2.5. Bearbeitungen von Schikaneders Zauberflötentext
3. Fortsetzungen: "Der Zauberflöte zweyter Theil"
3.1. Emanuel Schikaneder und Peter Winter: "Das Labyrinth. Der Zauberflöte zweyter Theil" (1798)
3.2. Johann Wolfgang von Goethe: "Der Zauberflöte zweyter Theil" (Fragment, 1807)
3.3. Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio: "Der Kederich" (1834)
3.4. "Das Labyrinth". Der Zauberflöte zweyter Theil von Scherm und Holzkamp
4. "Das Labyrinth oder der Kampf mit den Elementen"
4.1. Entstehungsgeschichte
4.2. Die Autoren
4.2.1. Emanuel Schikaneder (1751-1812)
4.2.2. Peter (von) Winter (1754-1825)
4.3. Das Libretto
4.3.1. Dramatis personae
4.3.2. Die Handlung (Plot)
4.4. Analyse
4.4.1. Notenmaterial (verwendete Quellen)
4.4.2. Musikalisch-dramaturgische Analyse
4.4.2.1. Ouverture
4.4.2.2. Instrumentalstücke, Tänze, Pantomimen
4.4.2.3. Rezitative
4.4.2.4. Ariosi und Arien
4.4.2.5. Duette, Terzette, Quartette, Quintette
4.4.2.6. Ensembles und Chöre
4.4.2.7. Monologe, Dialoge
5. Aufführungsgeschichte und Rezeption
6. Zauberflöte versus Labyrinth
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Masterarbeit untersucht die Oper "Das Labyrinth, oder der Kampf mit den Elementen" (1798) von Emanuel Schikaneder und Peter von Winter. Ziel ist es zu analysieren, ob es sich dabei lediglich um einen "Abklatsch" von Mozarts "Zauberflöte" handelt oder um ein eigenständiges Werk, indem die Entstehungsgeschichte, die Autoren, das Libretto sowie musikalische Strukturen in den Fokus gerückt werden.
- Analyse der Fortsetzungen von Mozarts "Zauberflöte"
- Biografische Untersuchung von Emanuel Schikaneder und Peter von Winter
- Musikalisch-dramaturgische Analyse des Singspiels "Das Labyrinth"
- Vergleich der handlungstragenden Elemente zwischen "Zauberflöte" und "Labyrinth"
- Rezeptionsgeschichte und Aufführungspraxis der Nachfolgeoper
Auszug aus dem Buch
2.1. Das Märchen "Lulu oder die Zauberflöte"
In einem Walde nicht weit von Mehru, der Hauptstadt im Königreich Korassan, lag ein altes Schloss, das an Herrlichkeit kaum seinesgleichen hatte. Es war [...] durch Zauberei erbaut worden. [...] Dieses Schloss bewohnte seit vielen Jahren eine Fee, die sich bei den Einwohnern derselbigen Gegend in grosse Furcht gesetzt hatte. Denn da sie einige, die ihre einsame Wohnung aus Vorwitz ausspähen wollten, übel empfing, so ward sie für grausam und blutgierig ausgeschrien, dass sogar die Wanderer ihren Wald vermieden. Sie wusste alle Gestalten anzunehmen; am liebsten aber erschien sie in einem strahlenreichen Glanze, der stärker blendete als das hellste Sonnenlicht. [...] Das Volk nannte sie die "strahlende" Fee.
Mit diesen Worten beginnt das Kunstmärchen Lulu oder die Zauberflöte. Der Sohn des hier regierenden Königs wurde Lulu genannt. Er jagte gerne in der Nähe des Feenschlosses, wobei er aber zum Gebäude stets einen gebührlichen Abstand hielt, um die Fee Perifirime nicht zu provozieren. Einmal wurde eine grosse Jagd veranstaltet, an der der ganze Hof teilnahm. Lulu wollte seine Tapferkeit zeigen und an diesem Tage einen Löwen oder Tiger mit eigener Hand erlegen. In der Tat begegnete ihm ein ungeheurer Tiger, der eine niedliche weisse Gazelle jagte. In seinem Eifer verliess Lulu dieses eine Mal seine üblichen Jagdgründe und näherte sich ungewollt dem Schlosse, aus dem unvermittelt die Fee in ihrem Lichtgewand hervortrat. Ihr Strahlenkranz blendete den Prinzen, so dass er die Augen schloss. Deine Bescheidenheit gefällt mir, sprach die Fee. Befehle deinem Knechte, du Göttliche, sprach Lulu [...] mein Herz und mein Arm ist dein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Zauberflöten-Fortsetzungen und Begründung der Untersuchung von Schikaneders Labyrinth.
2. Vorgeschichte: Untersuchung des kulturellen Umfelds und der literarischen Quellen wie der Dschinnistan-Sammlung, die zur Entstehung der Zauberflöte führten.
3. Fortsetzungen: "Der Zauberflöte zweyter Theil": Überblick über verschiedene Versuche von Komponisten und Dichtern, eine Fortsetzung der Zauberflöte zu schaffen.
4. "Das Labyrinth oder der Kampf mit den Elementen": Tiefgehende Analyse der Entstehungsgeschichte, der Autoren, des Librettos und der musikalischen Strukturen des Hauptwerkes.
5. Aufführungsgeschichte und Rezeption: Dokumentation der Resonanz des Publikums und der zeitgenössischen Kritik sowie der wechselvollen Aufführungsgeschichte bis in die Gegenwart.
6. Zauberflöte versus Labyrinth: Ein vergleichender Blick auf dramaturgische und musikalische Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Werke.
7. Fazit: Synthese der Ergebnisse zur Frage der Eigenständigkeit des Werkes gegenüber der mozartschen Vorlage.
Schlüsselwörter
Das Labyrinth, Emanuel Schikaneder, Peter von Winter, Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte, Dschinnistan, Singspiel, Musiktheater, Opernanalyse, Libretto, Freimaurerei, Aufführungsgeschichte, Rezitativ, Koloraturen, Musikdramaturgie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem fast vergessenen Singspiel "Das Labyrinth, oder der Kampf mit den Elementen", einer Fortsetzung der berühmten Zauberflöte, die 1798 von Emanuel Schikaneder und Peter von Winter geschaffen wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die literarischen Quellen, die biografischen Hintergründe der Schöpfer, eine detaillierte musikalisch-dramaturgische Analyse des Werkes sowie der Vergleich mit Mozarts Original.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Beantwortung der Forschungsfrage, ob "Das Labyrinth" lediglich ein nachgeahmter Abklatsch oder ein eigenständiges Werk mit künstlerischem Wert ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse des Librettos, historischer Quellen und musikalischer Strukturen (u.a. durch Auswertung von Klavierauszügen und Partitur-Digitalisaten) sowie eine Einordnung in den kulturhistorischen Kontext.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Autoren, eine detaillierte Analyse der einzelnen Musiknummern und eine Dokumentation der wechselhaften Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Schikaneder, Winter, Labyrinth, Zauberflöte, Musikdramaturgie, Freimaurerei und Opernanalyse.
Warum war es für Schikaneder wichtig, eine Fortsetzung zu schreiben?
Aufgrund finanzieller Nöte und des enormen Erfolgs der ersten Zauberflöte suchte Schikaneder nach einem erneuten "Kassenschlager", um seinen wirtschaftlichen Fortbestand zu sichern.
Wie unterscheidet sich die musikalische Qualität von der Mozarts?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Winters Musik zwar handwerklich solide und mit Ohrwürmern ausgestattet ist, jedoch die sinfonische Tiefe und universelle Brillanz von Mozarts Komposition nicht erreicht.
Welche Bedeutung hat die Figur des Papageno im Labyrinth?
Papageno entwickelt sich vom lebenslustigen Burschen zum Familiengründer, wobei seine Rolle als Identifikationsfigur für das Publikum und Träger von Buffo-Elementen weiter ausgebaut wurde.
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- Hans Peter Friedli (Author), 2014, "Das Labyrinth". Der Zauberfloete zweyter Theil, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457787