Ich möchte zunächst die Globalisierungstendenzen in der Touristikbranche darstellen. Die Länder der Dritten Welt setzen viele Hoffnungen in den Tourismus. Was sie sich vom Ausbau des Tourismus versprechen und welche Risiken damit verbunden sind möchte ich schildern.
Es ist unbestritten, dass Tourismus viele Auswirkungen auf das Reiseland, seine Bewohner und seine Landschaft mit sich bringt. Diese Auswirkungen zeigen sich besonders deutlich in Ländern der Dritten Welt, die mit extremen humanitären, wirtschaftlichen und strukturellen Problemen zu kämpfen haben. Aus der Vielzahl der Folgeerscheinungen des Tourismus möchte ich hier die wirtschaftlichen und räumlichen Effekte eingehender betrachten. Dabei soll der Schwerpunkt auf den Auswirkungen für die Menschen vor Ort liegen: Wie sind die Beschäftigungseffekte des Tourismus, wie verändert sich die Struktur des lokalen Wirtschaftsgefüges? Und welche Effekte ergeben sich durch raumverändernde Maßnahmen für die Menschen in den bereisten Ländern?
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DER INTERNATIONALE TOURISMUS
3. DER TOURISMUS IN DIE DRITTE WELT
3.1. Ausmaß
3.2. Chancen
3.3. Risiken
4. WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DES TOURISMUS
4.1. Tourismus als Devisenquelle?
4.2. Tourismus als Mittel gegen die Arbeitslosigkeit?
4.3. Tourismus als Wachstumsmotor?
5. DIE RÄUMLICHEN AUSWIRKUNGEN DES TOURISMUS
5.1. Infrastruktur
5.2. Landschaftswandel
5.3. Nutzungskonflikte
5.4. Umweltbelastungen
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die ökonomischen und räumlichen Auswirkungen des internationalen Tourismus auf Entwicklungsländer, mit einem besonderen Fokus auf die Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung. Die zentrale Forschungsfrage adressiert das Spannungsfeld zwischen den erhofften Entwicklungsimpulsen durch den Tourismus und den realen negativen Folgen wie Abhängigkeiten, Ressourcenknappheit und sozio-ökonomischen Verwerfungen.
- Globalisierungstendenzen in der internationalen Touristikbranche.
- Wirtschaftliche Wirkungsmechanismen und Devisenströme in der Dritten Welt.
- Beschäftigungseffekte und deren Qualität im formellen sowie informellen Sektor.
- Räumliche Transformationen durch Infrastrukturmaßnahmen und Tourismusprojekte.
- Konfliktlinien zwischen Tourismusnutzung und dem alltäglichen Bedarf der lokalen Bevölkerung.
Auszug aus dem Buch
4.2. Tourismus als Mittel gegen die Arbeitslosigkeit?
Eine zentrale Erwartung, die mit der Förderung des Tourismus verbunden ist, bezieht sich auf die positive Beeinflussung des Arbeitsmarktes. Das Tourismusgewerbe wird häufig als wenig kapitalintensiv dargestellt, d.h. dass pro investierter Kapitaleinheit relativ viele Arbeitsplätze geschaffen werden können.3 Dies scheint ideal für Länder mit hoher Arbeitslosigkeit und Kapitalmangel. Auch das niedrige Lohn- und Qualifikationsniveau in den Entwicklungsländern entspricht optimal den Bedürfnissen der Tourismusindustrie.
Verschiedene Studien kommen aber zu dem Ergebnis, dass die Investitionskosten für einen Arbeitsplatz im Tourismussektor wesentlich höher sind, als angenommen. So wurden für einen solchen Arbeitsplatz dreimal höhere Investitionskosten ermittelt, wie für die Schaffung eines Arbeitsplatzes in der Kleinindustrie.4
Hier muss allerdings unterschieden werden zwischen "Billig"- und Luxustourismus, denn die Intensität der Beschäftigungseffekte wird wesentlich bestimmt von der Art des vorherrschenden Tourismus. So wurde beispielsweise für Tunesien belegt, dass die Kosten für einen neuen Arbeitsplatz in einem Vier-Sterne-Hotel etwa dreimal so hoch sind wie in einem Drei-Sterne-Hotel.5
Ist in einem Gebiet der Anschluss an den Massentourismus erst einmal vollzogen, dann geht von diesem eine starke Beschäftigungswirkung aus. Sie führt zur Migration insbesondere von jungen Menschen, die in der Hoffnung auf einen Arbeitsplatz aus dem Hinterland in die touristischen Zentren drängen, was zu vielen Problemen in den Zuwanderungsräumen führt: "Wohnungsmangel, Slumbildung, Versorgungs- und Entsorgungsprobleme, Infrastrukturdefizite, illegale Landnahme oder Baumassnahmen [...] sind typisch für rasant wachsende Tourismusorte."6
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt die Globalisierungstendenzen der Touristikbranche und führt in die Thematik der wirtschaftlichen und räumlichen Auswirkungen auf Entwicklungsländer ein.
2. DER INTERNATIONALE TOURISMUS: Dieses Kapitel beschreibt das enorme Wachstum des globalen Tourismusmarktes sowie die zunehmende Konzentration der Branche in den Händen großer Konzerne aus Industrieländern.
3. DER TOURISMUS IN DIE DRITTE WELT: Hier werden das Ausmaß des Tourismus in Entwicklungsländern, die damit verbundenen ökonomischen Chancen sowie die strukturellen Risiken und Abhängigkeiten analysiert.
4. WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DES TOURISMUS: Dieses Kapitel hinterfragt kritisch den Beitrag des Tourismus zur Devisenbeschaffung, zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und als Motor für das Wirtschaftswachstum.
5. DIE RÄUMLICHEN AUSWIRKUNGEN DES TOURISMUS: Hier werden infrastrukturelle Folgen, der Wandel von Landschaften, daraus resultierende Nutzungskonflikte und ökologische Belastungen erörtert.
6. FAZIT: Das Fazit fasst die negativen Wirkmechanismen zusammen und fordert eine stärkere Einbindung der lokalen Bevölkerung sowie eine nachhaltigere Ausrichtung der Tourismusentwicklung.
Schlüsselwörter
Tourismus, Dritte Welt, Entwicklungsländer, Massentourismus, Deviseneinnahmen, Arbeitsmarkt, Infrastruktur, Ressourcennutzung, Landschaftswandel, ökologische Folgen, Globalisierung, Abhängigkeit, soziale Auswirkungen, nachhaltige Tourismusentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des internationalen Massentourismus auf die Länder der Dritten Welt, wobei ein kritischer Blick auf die ökonomischen und räumlichen Konsequenzen geworfen wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die ökonomische Bilanz des Tourismus, die Beschäftigungssituation vor Ort, der Einfluss auf Infrastruktur und Landschaft sowie Nutzungskonflikte um knappe Ressourcen wie Wasser.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den in den Tourismus gesetzten wirtschaftlichen Hoffnungen und der tatsächlichen, oft benachteiligenden Realität für die lokale Bevölkerung in Entwicklungsländern aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literatur- und Sekundärdatenanalyse, um verschiedene wirtschaftliche und soziale Aspekte des Tourismus in der Dritten Welt sowie Fallbeispiele aus unterschiedlichen Regionen zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die ökonomischen Wirkungen – wie Deviseneinnahmen und Beschäftigung – sowie die räumlichen Auswirkungen, insbesondere die infrastrukturelle Erschließung und die ökologischen Folgen durch Massentourismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dritte Welt, Tourismus, Devisen, Arbeitslosigkeit, Infrastruktur, Landschaftswandel, Nutzungskonflikte, Umweltbelastung und Abhängigkeit.
Warum ist der Tourismus für Entwicklungsländer oft keine nachhaltige Einnahmequelle?
Aufgrund von Importabhängigkeiten für touristische Standards und der Gewinnabfuhr durch internationale Konzerne verbleibt oft nur ein geringer Teil des Kapitals vor Ort, während gleichzeitig soziale und ökologische Kosten durch die lokale Bevölkerung getragen werden.
Welche Rolle spielt der "informelle Sektor" im Tourismus?
Der informelle Sektor bietet zwar Lebensgrundlagen für einen großen Teil der Bevölkerung, ist jedoch von Prekarität, Konkurrenzdruck und mangelnder rechtlicher Absicherung geprägt, wobei zudem Kinderarbeit ein signifikantes Problem darstellt.
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- Daniel Lehmann (Author), 2003, Tourismus in die Dritte Welt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45788