Fußball im Sportunterricht. Eine Analyse unterschiedlicher Vermittlungskonzepte


Projektarbeit, 2017
30 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Fußball

Einleitung

1 Gegenstandanalyse
1.1 Historischer Kontext
1.2 Der Kern des Spiels
1.3 Der Reiz am Fußball

2 Vermittlungskonzeption
2.1 Grundsatzüberlegungen
2.2 Erschließen der Kernidee
2.3 Umfassendere Erfahrungen

3 Wie gestaltet sich das Lehren im Rahmen dieser Vermittlungsstrukturen?
3.1 Wie kann das Erschließen des Gegenstandes durch die Maßnahmen des Lehrens indirekt angeregt, unterstützt und strukturiert werden?
3.2 Welche Überlegungen zum Bewegungslernen liegen dem Lehren zugrunde?

4 Wie kann die jeweilige Vermittlungskonzeption unter den konkreten Bedingungen des Sportunterrichts umgesetzt und der Unterricht gestaltet werden?
4.1 Grundlagenunterricht
4.2 Konfrontation mit der komplexen Spielidee
4.3 Reflexion des Auftaktspiel
4.4 Reduzierung des komplexen Spiels über verschiedene Änderungen
4.5 Reduzierung der Technikanforderung
4.6 Spiel mit vergrößertem Team
4.7 Reflexion der Spiele mit den verschiedenen Änderungen
4.8 lsoliertes Üben der Durchbruchsmöglichkeit mit abschließenden Torschuss
4.9 Die weiteren Schritte

Literaturverzeichnis

Einleitung

Fußball – das ist eine Sportart die weltweit bekannt und verbreitet ist wie kaum ein anderer Sport. In vielen Gebieten, so auch bei uns in Deutschland, ist Fußball die beliebteste Sportart, was sich nicht nur die aktiven Sportler, sondern auch zahlreiche Zuschauer, welche den Sport auf Sportplätzen, Stadien oder in den Medien verfolgen, widerspiegeln. In der folgenden Arbeit soll es nun darum gehen, die beliebte Sportart Fußball in Hinblick auf ihren sportlichen Gegenstand sowie auf das Vermitteln, Lehren und Lernen zu untersuchen. Dazu soll im ersten Kapitel geklärt werden, was den sportlichen Gegenstand Fußball ausmacht, um anschließend auf den gewonnenen Erkenntnissen basierend eine Vermittlungskonzeption des Fußballspiels zu entwickeln. Im nächsten Schritt werden wir versuchen zu klären, wie sich das Lehren von Fußball gestalten kann und was es dabei zu beachten gilt. Zum Abschluss der vorliegenden Arbeit soll der Blick nun auf den speziellen Kontext der Schule gerichtet und erarbeitet werden, wie sich unterrichtliche Lernsituationen vor dem Hintergrund der vorigen Überlegungen realisieren lassen könnten.

1 Gegenstandanalyse

Beim Fußballspiel handelt es sich um ein Zielschussspiel, bei dem zwei Mannschaften mit jeweils 11 Spielerinnen/Spielern versuchen, mehr Tore zu schießen als die gegnerische Mannschaft. Es geht darum das Spielgerät, in diesem Fall den Fußball, ins gegnerische Tor zu befördern, um das Spiel zu gewinnen.

1.1 Historischer Kontext

Historisch gesehen war das Fußballspiel ein von Jugendlichen selbst organisiertes Spiel, das sich auf Straßen, Hinterhöfen und Bolzplätzen abspielte. Diese Form der eigenen Spielorganisation nennt man Straßenfußball. Die als früher geschlossen betrachtete Spielkultur mit ihrer Reichweite ist abhandengekommen. Unbebaute Flächen und leere Plätze sind für andere Zwecke genutzt worden, sodass eine Wiederkehr nicht mehr möglich war. Aufgrund dieser Veränderungen haben sich die Spielbedürfnisse der Kinder dementsprechend verändert und individualisiert. Das Kinderleben wird von Institutionen organisiert. Dies wirkt sich beschränkend auf das Fußballspiel aus. Des Weiteren ist der Anteil an Jugendarbeit im Vereinsfußball kaum vorhanden (vgl. Balz & Dietrich, 1996, S. 21). Zwar gibt es den Jugendfußball, dieser kann das selbstorganisierte Spielen der Jugend jedoch nicht kompensieren, da die Kinder schon in frühen Jahren anfangen zu trainieren, bevor sie spielen dürfen. Die Jugend ist überfordert und kann derartigen Belastungen langfristig nicht standhalten, sodass sie sich anderen Angeboten widmet, wie dem Streetball, einer Variante des Basketballs, welche von Sportartikelindustrien gesponsert wird. Demnach gibt es auch Versuche Fußballvarianten, wie den Streetsoccer, einzuführen, jedoch ist dieser von den wirtschaftlichen Interessen der Investoren abhängig und somit nicht langfristig haltbar. Der Fußball hat was die Spieltätigkeit der Kinder angeht nachgelassen. Trotz des Wandels der Spielwirklichkeit ist Fußball heute dennoch ein der wichtigsten Sportarten der Unterhaltungsindustrie. Heutzutage ist qualitativ guter Fußball ohne Medien nicht vorstellbar und Fußballkonsum wird sogar als Bereicherung empfunden. Dieser Medienkonsum regt allerdings nicht zum Fußballspielen an, sondern sorgt dafür, dass Jugendliche mehr darüber sprechen, als eigene Spielerfahrungen in dieser Sportart zu sammeln. Man spricht von einer Diskrepanz zwischen der körperlichen Erfahrung und der Fußballmedienwelt. So eröffnen diese Medien neue Spielmöglichkeiten in Form von Computerspielen (vgl. ebd, S. 22). Bei dieser Form des Medienkonsums haben die Heranwachsenden die Möglichkeit, etwas über Fußball zu erfahren. Sie lernen die gesamte Organisation mit ihren Einflussfaktoren kennen, was im normalen Fußballspiel nicht realisiert werden kann, da man „nur selbst spielt und nicht viel machen kann“. Somit haben Heranwachsende heute weniger praktische Erfahrung, aber umso mehr Wissen über den Gesamtcharakter Fußball (vgl. ebd., S. 23)

1.2 Der Kern des Spiels

Der Kern des Fußballspiels basiert auf einer dynamischen Wechselseitigkeit von Angriffs- und Abwehraktionen. Angriff und Abwehr sind zwei voneinander untrennbare Aspekte, die sich in drei unterscheidbaren Situationen widerspiegeln. Diese lassen sich in unterteilen in Torschuss und Torabwehr, Herausspielen von Torgelegenheiten und das Abschirmen des Tores sowie dem Aufbauen des Angriffs und dem Stören des Angriffs. Diese stellen die Grundcharakteristika des Spiels dar. Das eigentliche Spiel mit seinen besonderen technischen und taktischen Anforderungen entsteht jedoch erst durch Regularien wie Spielgerät, Spielerzahl, Ziel- und Feldgröße (vgl. Böcker & Dirks, 2013, S. 2). Da das Spielfeld im Verhältnis der Spielerzahl relativ groß ist, spielt auch die Raumnutzung eine entscheidende Rolle. Es geht darum, einen räumlichen Vorteil zu schaffen, welcher gezielt herbeigeführt wird, indem man beispielsweise den Raum bzw. das Spiel breit macht, um die Abstände zwischen den Abwehrspieler/innen des gegnerischen Teams zu vergrößern, und so einen Pass durch die Abwehrreihen spielen zu können. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, das Spiel auf eine bestimmte Seite zu verlagern, um so die gegenüber liegende Seite frei zu machen und einen Pass in diesen Raum zu spielen. Der Pass kann wiederum nur gespielt werden, wenn der/die Mitspieler/in diesen Raum erkennt und sich dementsprechend frei läuft. Das Passspiel ist somit von den/der Spieler/in ohne Ball abhängig. Damit der Pass gelingen kann, sind funktionale Techniken erforderlich. Ein/eine Spieler/in muss also komplexe Situationen durch Ballannahme und Ballmitnahme vorbereiten und diese einschätzen können. Er/Sie muss kalkulieren können, wie weit der/die Gegenspieler/in entfernt ist und wie viel Platz benötigt wird, um beispielsweise einen Pass spielen zu können. Demgegenüber muss das gegnerische Team versuchen Räume geschlossen zu halten, indem es die Abstände zwischen seinen eigenen Spielern/Spielerinnen möglichst gering hält, um so einen Pass oder einen Schuss zu unterbinden.

1.3 Der Reiz am Fußball

Die Herausforderungen in der Umsetzung der Spielidee des Fußballs liegen bei unerfahrenen Spieler/innen insbesondere im ungewohnten Bewegungsvollzug mit den Füßen. Zudem kann der Ball nie gesichert werden und steht allen zur Verfügung. Eine erhöhte Anforderung an technischen Aspekten, wie zum Beispiel Ballkontrolle oder Ballsicherung, ist also von großer Bedeutung. Aktionen mit dem Ball in Form von Dribblings sind hingegen kontraproduktiv, da der Ball so schnell verloren gehen kann. Die Spieler/innen stehen also unter ständiger Spannung und sind auf das Freilaufen ihrer Mitspieler/innen angewiesen. Aufgrund der Annahme, dass der Ball nie gesichert werden kann, werden gegnerische Spieler/innen gezielt angelaufen, um einen Fehlpass zu provozieren. So ist es üblich, dass Abwehrspieler/innen schon in ihrer eigenen Spielfeldhälfte angegriffen werden, um so eine mögliche Torchance kreieren zu können. Der Bewegungsvollzug mit den Füßen stellt die Spieler/innen also vor einige Probleme. Die Vorhersehbarkeit des Geschehens auf dem Fußballfeld ist dadurch beschränkt und charakterisiert sich als planbare Ordnung und unkontrollierbarer Zufall. Fußball ist ein Spiel mit einigen Überraschungsmomenten. Diese nicht vorhersehbaren Momente hängen mit der Komplexität des Sportspiels zusammen (vgl. Balz & Dietrich, 1996, S. 25). Es stellt also ein komplexes System dar, dessen Spielgeschehen ein Gleichgewicht zwischen Ordnung und Chaos bildet. Aufgrund dieses Gleichgewichts sollten starre Vorstellungen über die richtige Form des Fußballspiels in Schulen eher vermieden werden. Die Grundidee Tore schießen und verhindern sollte nach wie vor erkennbar sein während das selbstorganisierte Spielen der SuS gefördert wird. Darüber hinaus sollte gewährleistet werden, dass SuS lernen mit dem Zufall zu leben und selbst überraschende Dinge zu tun (vgl. ebd., S. 26).

2 Vermittlungskonzeption

Da jetzt ein Überblick über das Wesen des Fußballspiels mit seinen verschiedenen Facetten gegeben wurde, stellt sich nun die Frage, welche Folgerungen und Implikation sich daraus für das Vermitteln von Fußball ableiten lassen. Wie kann es gelingen, dass hochkomplexe Fußballspiel so zu vermitteln, dass die Lernenden Erfahrungen machen können, welche es ihnen ermöglichen, sich den Charakter des Gegenstandes zu erschließen? Was gilt es dabei zu beachten und welche Fehler sollten vermieden werden? Im folgenden Teil wollen wir versuchen, diese Fragen zu beantworten, indem wir unsere Vermittlungskonzeption zum Fußball darlegen. Dazu sollen zuerst einige grundsätzliche Überlegungen angestellt werden, an denen sich unsere Vermittlungskonzeption orientieren soll. Anschließend werden wir erläutern, was unserer Meinung nach beim Vermitteln zu beachten ist, damit die Kernidee des Fußballs erschlossen werden kann. Wie über die Kernidee hinausgehende Erfahrungen vermittelt werden können, welche ein möglichst umfassendes Bild vom Fußballspiel erzeugen, ist dann Thema des letzten Teils des vorliegenden Kapitels.

2.1 Grundsatzüberlegungen

Wir halten es für geraten, sich zuerst einmal grundsätzliche Gedanken darüber zu machen, welche zentralen Punkte es beim Vermitteln einer Sportart allgemein und insbesondere bei dem Fußball zu beachten gilt, anstatt sich sofort in konkrete Überlegungen zu stürzen. Im letztgenannten Falle sehen wir die Gefahr, gerade nicht nach einer echten Vermittlungskonzeption zu handeln, sondern im Gegenteil eine Mixtur aus verschiedensten Ideen zu erzeugen, wobei es zudem durch ein fehlendes Verdeutlichen wesentlicher Aspekte leichter zu potentiell problematischen Entscheidungen kommen kann. Dies ist uns ganz besonders bewusst, da wir es bei der Gestaltung unserer Praxiseinheit eindrucksvoll am eigenen Leib erfahren durften. Begünstigt durch organisatorische Problemfaktoren machten wir genau den beschriebenen Fehler, indem wir einen zentralen Grundsatz nicht berücksichtigten. Es ist nämlich unabhängig von der Sportart insbesondere bei Anfängern nötig, die Inhalte des Gegenstandes auf allgemeine sowie grundlegende Problemaspekte hin zu fokussieren, um die Neulinge nicht mit einem komplexen Geschehen zu überfordern, in welchem sie sich nur äußerst schwer zurechtfinden können. Stattdessen soll ihnen so eine sinnvolle Konfrontation mit dem Gegenstand ermöglicht werden, welche es ihnen erlaubt, eigenständig dessen basale Strukturen zu erschließen. Genau dies war zwar auch unsere Intention bei unserer Praxisgestaltung, in der wir die bedeutende Herausforderung der Ballbehandlung im Fußball elementarisieren wollten. Jedoch unterlief uns dabei der folgenschwere Fehler, dabei zu vergessen, dass eine Elementarisierung nur dann Sinn macht, wenn dabei der allgemeine Sinnrahmen erhalten bleibt. Also versuchten wir, die Ballbehandlung durch einen Parcours zu thematisieren, in welchem Ballan- und -mitnahme, Dribbeln sowie zielgenaues Passspiel behandelt werden sollten. Damit lieferten wir dann ein ideales Beispiel von einer Übung, in welcher der Sinnrahmen verloren geht und somit eigentlich nicht mehr das Fußballspielen vermittelt wird, sondern ein Geschicklichkeitsparcours, in welchem die Anforderungen an die Spieler völlig andere als im Fußballspiel sind, da grundlegende Aspekte von Situationen aus dem Fußballspiel wie Gegner- und Zeitdruck, begrenzter Raum sowie Notwendigkeit der simultanen Situationswahrnehmung nicht mehr vorhanden sind. Eine Technikschulung wie beschrieben sollte deshalb vermieden werden, denn neben dem beschriebenen Transferproblem von der Übungsform in die differente Situation im Fußballspiel kann die eintönige und wenig dramatische Aufgabe zu einem Motivationsproblem bei den Lernenden führen. Außerdem stellt sich auch ein pädagogisches Problem, da das Spielganze schwer einsehbar ist und keine individuelle Deutung des Spiel unterstützt wird (vgl. Schmidt, 2004, S.16). Es lässt sich also nun nach diesen, aufgrund unseres Gruppenhintergrundes besonders umfangreichen, Ausführungen festhalten, dass es nötig ist, zentrale Probleme des Fußballspiels zu elementarisieren, wobei unbedingt der Sinnrahmen des Fußballspiels erhalten bleiben muss, um Anfängern das Erschließen der Kernidee zu ermöglichen. Wie dies konkret aussehen kann, werden wir im zweiten Abschnitt dieses Kapitels erörtern. Ein weiterer Grundsatz, welcher gewisse Übereinstimmungen mit dem beschriebenen aufweist, aber noch über diesen hinausgeht, ist der einer Berücksichtigung des „Taktik-Spielkonzepts“ bei der Vermittlung von Sportspielen. Dieses folgt dem Motto „Spielen vor Üben“ und stellt somit einen Gegenpol zum klassischen „spielgemäßen Konzept“ und einem technikorientierten Vorgehen da. Denn durch Berücksichtigung des Grundsatzes, dass ein Sportspiel und somit auch Fußball auf jedem Fertigkeitsniveau gespielt werden kann entfällt das verbreitete Argument, man müsse zuerst einen gewissen Grad an technischen Fertigkeiten durch Technikübungen erlangen, um dann mit dieser Grundlage spielen zu können. Aber wie bereits erläutert ist dies nicht zu raten, da dabei mehrere Probleme auftreten. Auch wir können aus eigener Erfahrung bestätigen, dass bei angemessenen Arrangements auch Anfänger schon ein Sportspiel spielen können, was ihnen auch ihn der Regel mehr Freude bereitet, als zuvor trockene Technikübungen zu absolvieren, welche dann noch nicht einmal mit der benötigten Technik in den Spielsituationen übereinstimmt. Deshalb ist es eine vernünftige Idee, auch Anfänger direkt in „spielechte“ Spielformen einzubeziehen, das heißt in solche Spielformen, in denen die Spielidee des Zielspiels erhalten bleibt. Dabei gilt es den zweiten Grundsatz dieses Konzepts zu beachten, welcher besagt, dass vor dem „Wie“ immer zuerst das „Was“ zu lernen ist. In der „spielechten“ Spielform, welche eine zu erlernende Taktik(das „Was“) repräsentiert, sollen demnach keine Vorgaben über das „Wie“ der Ausführung gemacht werden. Stattdessen sollen die Lernenden das Spielen erleben sowie Erfahrungen sammeln, welche es ihnen mithilfe anschließender Reflexion ermöglichen, sich darüber klar zu werden, was sie im Spiel tun. Das ist gleichbedeutend mit dem Entwickeln eines taktischen Verständnisses des Spiels und somit mit einem erschließen des Gegenstandes. Erst nach diesem Schritt sieht das KreisSpiralModell des Taktik-Spielkonzepts ein Üben der Fertigkeiten vor, falls dies notwendig ist. Aber auch hierbei sollte dann darauf geachtet werde, dass dabei der Sinnrahmen erhalten bleibt. Danach geht man dann wieder zu dem Ausgangspunkt der „spielechten“ Spielform über, welche nun womöglich erweitert werden kann, und spielt nun durch die erworbenen Erkenntnisse auf einem höheren Niveau (vgl. Wurzel, 2008, S.343ff.). Die Prinzipien des Taktik-Spielkonzepts berücksichtigen auch einen wichtigen Grundsatz, den wir uns im Seminar erarbeitet haben. Denn dieser besagt, dass Bewegungslernen als aktives Erschließen von Inhalten im Rahmen problemlösender Handlungsprozesse erfolgt. Und ein aktives Erschließen des Gegenstandes samt seiner Bewegungen findet im Kreis-Spiral-Modell statt. Außerdem müssen die Lernenden das Problem lösen, herauszufinden, was sie tun müssen. Wir glauben, dass bei der Thematisierung des „Was“ zugleich auch immer das „Warum“ reflektiert werden sollte, da so dass „Was“ besser eingeordnet werden kann, damit ein umfassenderes Verständnis entsteht und nicht zuletzt auch die Motivation der Lernenden gestärkt werden kann, weil es doch deutlich motivierender sein sollte, nicht lediglich zu wissen, was man tun muss, sondern zusätzlich auch verstehen, warum genau das denn so ist. Und eine gewisse Motivation gepaart mit Interesse ist eine Grundvoraussetzung, um überhaupt etwas vermitteln zu können. Ist davon nicht wenigstens etwas gegeben, wird auch eine einwandfreie Vermittlung im Sand verlaufen, da es letztendlich nur der Lernende selbst sein kann, welcher durch sein aktives Handeln die nötigen Erfahrungen sammelt, was man ihm nicht abnehmen kann. Falls es beim Vermitteln im Sinne des Kreis-Spiral-Modells zum dritten Punkt, dem Üben der Fertigkeiten kommt, sollte neben dem Beibehalten des Sinnrahmens der wichtige Grundsatz berücksichtigt werden, dass es keine Idealformen von Fertigkeiten gibt, die es dann zu üben gilt, sondern dass Bewegungen selbst von Könnern nie mehrmals genau gleich ausgeführt werden können, aber es Könnern gelingt, ihre Bewegungen so zu organisieren, dass sie bei variablen Ausführungen zu stabilen Effekten führen. Demnach sollte auf idealisierte Formvorgaben zugunsten von individuellen Lösungen, welche sich an Problemen bzw. Effekten orientieren und dabei funktionale Strukturen berücksichtigen, verzichtet werden. Nachdem wir uns nun vor Augen geführt haben, welche allgemeine Grundsätze bei der Vermittlung von sportlichen Inhalten sowie von Sportspielen und folglich auch beim Fußball beachtet werden sollten, wollen wir jetzt überlegen, welche Grundsätze sich speziell für das Vermitteln des Fußballspiels aus dessen Besonderheiten heraus ergeben. Eine Eigenheit des Fußballs, welche Folgen für seine Vermittlung nach sich zieht, liegt in seiner gesellschaftlichen Position. So ist Fußball in Europa die beliebteste Sportart, welche von einem großen Bevölkerungsteil aktiv betrieben oder passiv verfolgt wird. Letzteres ist durch die große Medienpräsenz des Fußballs besonders einfach. Für das Vermitteln von Fußball ergibt sich daraus eine typische Gruppenkonstellation der Lernenden, über die man sich im Klaren sein sollte. So gibt es durch die Beliebtheit des Fußballs vermutlich fast in jeder Schulklasse einige Vereinsspieler, die schon längere Zeit im Verein spielen und dadurch schon bedeutende Vorerfahrungen und Fertigkeiten mitbringen. Oft sind es insbesondere Jungen, aber auch Mädchen können dabei sein. Dann gibt es meist einige Schüler/innen, welche zwar nicht im Verein spielen, aber privat gerne Fußball spielen und den Fußball auch in den Medien verfolgen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch eine Gruppe, welche sich nicht für Fußball interessiert und entsprechend auch nur wenige Vorerfahrungen besitzt. Durch diese beschriebene Konstellation ist der Fußball ein Sportart, in welcher die Heterogenität besonders ausgeprägt ist, da es in allen anderen Sportarten kaum so viele Vereinsspieler gibt, welche sich bezogen auf ihre sportartspezifischen Fähigkeiten in der Regel deutlich von dem Rest der Klasse abheben. Neben der Heterogenität auf der Ebene der Leistungsfähigkeit lässt sich häufig eine parallele

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Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Fußball im Sportunterricht. Eine Analyse unterschiedlicher Vermittlungskonzepte
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Sportwissenschaft und Motologie)
Autor
Jahr
2017
Seiten
30
Katalognummer
V457992
ISBN (eBook)
9783668906211
ISBN (Buch)
9783668906228
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fußball, sportunterricht, eine, analyse, vermittlungskonzepte
Arbeit zitieren
Sang Can Güclü (Autor), 2017, Fußball im Sportunterricht. Eine Analyse unterschiedlicher Vermittlungskonzepte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/457992

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