Die vorliegende Arbeit untersucht die Evolution der Maschinen im Roman "Erewhon" von Samuel Butler. In seinem Roman "Erewhon" entwickelt Samuel Butler in drei Kapiteln "The Book of the Machines", mit Bezug auf Charles Darwins Evolutionstheorie aus dem Jahr 1859, die Idee einer Evolution der Maschinen. Diese könnten irgendwann ein eigenes Bewusstsein entwickeln und dem Menschen schließlich überlegen sein. Der Mensch führt in diesem Szenario stellvertretend für die Maschinen den Evolutionskampf und avanciert so zur unterlegenen Rasse. Was im England des späten 19. Jahrhunderts als absurd abgetan und als Satire oder auch mutwillige Verunglimpfung der Thesen Darwins verstanden wurde, soll im Kontext von Trans- und Posthumanismus einer neuen, aktuelleren Betrachtung unterzogen werden. Des Weiteren soll kurz dargestellt werden, welchen Einfluss Charles Darwins "On the Origin of Species by Means of Natural Selection" hatte und welche Rolle Samuel Butler in der damaligen Darwinismus-Diskussion zukommt.
Die Verwirklichung von Unsterblichkeit durch Simulation des Menschen im virtuellen Raum mag man bisher noch als bloße Science Fiction abtun können. Die Grundannahmen des Trans- und Posthumanismus, der Mensch sei ein weiterzuentwickelndes, defizitäres Geschöpf, Leben und Menschsein reine Informationsverarbeitung und die Maschine ein Heilsbringer, scheinen angesichts der aktuellen Forschung, unter anderem auf den Gebieten Robotik, Medizin und Künstliche Intelligenz, allerdings geteilt zu werden.
Dem Trans- und Posthumanismus folgend kann das von Butler beschriebene Bewusstsein, das Maschinen dann eines Tages entwickeln könnten, demnach mit dem Menschen selbst identifiziert werden. Der Mensch selbst wird ebenfalls zur Maschine und zwar in zweifacher Hinsicht. Noch gibt es keine Maschinen mit einem Bewusstsein, das diesen Namen, vom Blickpunkt des Menschen aus, auch wirklich verdient hätte. Die Verschmelzung von Mensch und Maschine ist heute bereits aber Realität und es wird zunehmend daran gearbeitet, diese Entwicklung noch weiter voranzutreiben. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Ausführungen Butlers heute nicht mehr absurd, wie nach der Veröffentlichung von "Erewhon", sondern erwecken eher den Eindruck einer Prophezeiung.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Der Einfluss Charles Darwins' und die Rolle Samuel Butlers'
3) „The Book of the Machines“ und die Evolution der Maschinen
4) Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Samuel Butlers Roman „Erewhon“ und die darin enthaltenen Kapitel „The Book of the Machines“ im Hinblick auf ihre wissenschaftstheoretische Bedeutung sowie ihre Relevanz für zeitgenössische Konzepte des Trans- und Posthumanismus.
- Evolutionstheoretische Ansätze in Samuel Butlers Werk
- Das Szenario der maschinellen Bewusstseinsentwicklung
- Interdependenzen zwischen Mensch und Maschine
- Posthumanistische Utopien und die technologische Zukunft
- Prometheische Scham und die Verdinglichung des Menschen
Auszug aus dem Buch
„The Book of the Machines“ und die Evolution der Maschinen
„Erewhon“ ist der Name eines fiktiven Landes, dass von Higgs, dem Erzähler, der sich auf eine Reise dorthin begibt, beschrieben wird. Higgs besitzt eine Uhr, was ein Kapitalverbrechen darstellt, denn in „Erewhon“ wurden alle Maschinen vor 500 Jahren zerstört. Vor seiner Abreise gelingt es ihm, eine von einem „Erewhonischen“ Professor verfasste, philosophische Abhandlung, die die Zerstörung der Maschinen bewirkt hat, zu lesen. Dieses Dokument wird in den drei Kapiteln „The Book of the Machines“ von Higgs, in Form einer unvollständigen Übersetzung aus dem „Erewhonischen“, vorgestellt. Im Folgenden soll die Argumentationsweise dieses Schriftstücks in Auszügen nachvollzogen werden.
Zuerst wird eine Entstehungsgeschichte des Bewusstseins dargelegt. Die Erde wird zu einer Zeit beschrieben, als diese noch frei von pflanzlichem und tierischem Leben ist: „It was simply a hot round ball with a crust gradually cooling.“ (Butler 1965: 189). Hätte nicht jeder Mensch der die Erde in diesem Stadium hätte betrachten können, behauptet, dass sich in dieser Umgebung niemals Bewusstsein würde entwickeln können (vgl. ebd. f.)? Was wir heute unter Bewusstsein verstehen, war einst ein neues Ding. Warum sollte sich nicht eine neue Form von Bewusstsein entwickeln können, die sich von allen bisher bekannten Formen unterscheidet (vgl. Butler 1965: 190)?
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Relevanz von Butlers Evolutionstheorie der Maschinen im Kontext moderner Trans- und Posthumanismus-Debatten vor.
2) Der Einfluss Charles Darwins' und die Rolle Samuel Butlers': Dieses Kapitel beleuchtet den Paradigmenwechsel durch Darwins Evolutionstheorie und analysiert Butlers teleologische Sichtweise auf wissenschaftliche Fortschritte.
3) „The Book of the Machines“ und die Evolution der Maschinen: Der Hauptteil analysiert die im Roman beschriebene Hypothese einer Bewusstseinsentwicklung bei Maschinen und die daraus resultierende Interdependenz zwischen Mensch und Technik.
4) Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung setzt Butlers ursprüngliche Fiktion in Bezug zu aktuellen Forschungsprojekten wie dem Human Brain Project und posthumanistischen Visionen von Transhumanisten.
Schlüsselwörter
Samuel Butler, Erewhon, Evolutionstheorie, Charles Darwin, Maschinenethik, Transhumanismus, Posthumanismus, Bewusstsein, technologische Evolution, Prometheische Scham, Künstliche Intelligenz, Human Brain Project, Mensch-Maschine-Verschmelzung, Kybernetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die in Samuel Butlers Roman „Erewhon“ enthaltenen theoretischen Überlegungen zur Evolution von Maschinen und setzt diese in Bezug zu heutigen technologischen Entwicklungen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Evolutionstheorie, dem Bewusstsein von Maschinen, der Beziehung zwischen Mensch und Technik sowie den Strömungen des Trans- und Posthumanismus.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Ziel ist es zu zeigen, dass Butlers vermeintlich absurde Visionen aus dem 19. Jahrhundert im Lichte heutiger technologischer Realitäten (wie KI und Robotik) eine überraschende Aktualität besitzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext von Butler mit zeitgenössischen wissenschaftlichen Quellen und philosophischen Konzepten zum Thema Posthumanismus vergleicht.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die historische Einordnung Butlers, die Argumentation innerhalb des „Book of the Machines“ hinsichtlich einer maschinellen Evolution und die gegenseitige Abhängigkeit von Mensch und Maschine.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind: Evolution der Maschinen, Posthumanismus, technologische Singularität, Prometheische Scham und die Verschmelzung von Mensch und Technik.
Inwiefern spielt das Konzept der „Prometheischen Scham“ eine Rolle?
Die Arbeit nutzt Günther Anders' Konzept der Prometheischen Scham, um zu erklären, warum der moderne Mensch seine eigene biologische Existenz zunehmend als defizitär empfindet und die Verschmelzung mit der Technik anstrebt.
Warum wird heute ein Bezug zum „Human Brain Project“ hergestellt?
Das Projekt dient als Beispiel dafür, wie der Versuch, das menschliche Gehirn digital zu simulieren, Butlers alte Fiktion einer „maschinellen Intelligenz“ in den Bereich der realen Forschung rückt.
- Citation du texte
- Marco Tonioni (Auteur), 2015, Die Evolution der Maschinen im Roman "Erewhon" von Samuel Butler, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458048