Ziel der vorliegenden Arbeit ist zu beleuchten, welche Voraussetzungen grundlegend dafür waren, dass Frauen in der Weimarer Republik, wie nie zuvor in der Deutschen Geschichte, an der politischen Meinungsbildung und ideologischen Ausrichtung der Gesellschaft mitwirken konnten. Zudem richtet sich der Fokus unserer Betrachtung auf die Gruppe von intellektuellen und politisch aktiven Frauen in der Weimarer Republik, die sich bewusst für die politischen Grundsätze des Nationalsozialismus engagieren.
Die Leitfragen hierbei sind: Welche gesetzlichen Beschlüsse und gesellschaftlichen Prozesse begünstigten die Einflussnahme deutscher Frauen? Welche Mittel der politischen Agitation standen Frauen in der Weimarer Republik zur Verfügung? Durch welche Medien und Organisationen unterstützen intellektuelle Frauen aktiv die Ideologie des Nationalsozialismus?
Die Zeit der Weimarer Republik war eine Zeit des Umbruchs und der Veränderung, in der alte und neue Werte radikal aufeinander prallten, insbesondere auch was die Stellung Frau anging. Zum einen wurde dies durch die rasche wirtschaftliche Entwicklung der Zeit bedingte, sowie den erheblichen Wandel in der gesamtpolitischen Situation. Zum anderen wurzelte das Phänomen des neuen Frauenbilds in der Vorstellung von der Gleichheit, Mündigkeit und Selbständigkeit aller Menschen, die in immer breiten Kreisen des Bürgertums zur Debatte stand.
Die neuen Rechte und Ambitionen der deutschen Frau kollidierten in der Weimarer Republik immer wieder mit traditionsverhafteten Denkmuster und geschlechtshierarchischen Vorurteilen. So gewährten die Revolution und die neue Verfassung zwar die ersehnte politische Mündigkeit und den akademischen Aufstieg für Frauen, doch bestand die Vorstellung einer „klassischen Rollenverteilung“ nach wie vor, und der Gedanke an eine weibliche Intervention in die bis dato Männern vorbehaltenes Terrain, wurde vielerseits als Unschicklichkeit, Ärgernis oder gar Abnormität erachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Quellen- und Literaturbericht
1.3 Methode und Aufbau der Arbeit
2. Voraussetzungen für die ideologische Einflussnahme durch Frauen
2.1 Frauenwahlrecht und Möglichkeit zur politischen Partizipation
2.2 Legalisierte Frauenvereine als Rahmen politischer Interessenvertretung
2.3 Zugangsberechtigung für Frauen zur universitären Bildung und Karriere
3. Unterstützung des Nationalsozialismus durch intellektuelle Aktivistinnen
3.1 Zusammenschlüsse rechter Studentinnen und Akademikerinnen
3.2 Publizistinnen als Medium nationalsozialistischen Gedankenguts
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, unter welchen gesellschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen Frauen in der Weimarer Republik an der politischen Meinungsbildung mitwirken konnten, und analysiert, wie intellektuelle und politisch aktive Frauen den Nationalsozialismus durch ihre Organisationen und publizistische Tätigkeit gezielt unterstützten.
- Entwicklung des Frauenwahlrechts und politische Partizipation
- Bedeutung von Frauenvereinen als Interessenvertretung
- Zugang zur universitären Bildung und akademische Karrierewege
- Rolle von Studentinnen und Akademikerinnen im rechten politischen Spektrum
- Publizistik als Medium für nationalsozialistisches Gedankengut
Auszug aus dem Buch
3.1 Zusammenschlüsse rechter Studentinnen und Akademikerinnen
Die Idee des „Dritten Reiches“, fand unter politisch engagierten Frauen im rechts-konservativen, völkischen und deutsch-nationalen Lager bereits zu Zeiten der Weimarer Republik Anhängerinnen. So verwendete der Autor Moeller van den Bruck den Terminus bereits 1923 in seinem unter anderem von Frauen viel gelesenen Werk Das Dritte Reich. Der Begriff „Drittes Reich“ wurde in der Ideenwelt der sogenannten „Konservativen Revolution“, als das utopisches Ideal eines deutsch-völkischen Zukunftsstaats formuliert. Von der politischen Ausgestaltung des zukünftigen Dritten Reichs erhofften sich rechts eingestellte Studentinnen und Akademikerinnen, vor allem auch die Lösung der damals hitzig diskutierten „Frauenfrage“.
In den 1920ern entstanden, gemeinsam mit der NSDAP und der SA, vielerorts rechte Frauengruppen, die zunächst noch mehre oder weniger lose organsiert waren. Neben Ehefrauen, Schwestern und Töchter der SA-Mitglieder, die sich aufgrund ihres familiären Umfelds verpflichtet dem rechten Lager verpflichtet sahen, gehörten zu besagten Gruppen auch eine Reihe von Studentinnen, Akademikerinnen und weiblichen Intellektuellen, die aus freien Stücken mit den zugrundeliegenden ideologischen Grundsätzen sympathisierten. Sie bildeten Arbeitsgemeinschaften, Schulungs- und Werbeveranstaltungen, und waren in hohem Maße publizistisch Tätig, um das Gedankengut ihrer Bewegung zu verbreiten.
Bereits unter den Schülerinnen der Weimarer Republik gab es einige junge Frauen, die sich ab 1927 freiwillig dem Nationalsozialistischen Schülerbund (NSS) anschlossen haben, der dann später zwischen 1932 und 1933 in die Hitlerjugend überführt wurde. Studentinnen mit nationalsozialistischer Gesinnung schlossen sich während der Weimarer Republik dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) an. Daneben gab es auch den völkisch ausgerichteten „Bund Deutscher Studentinnen“, der 1927 von der Studentin Lydia Gottschewski, zum Zwecke nationalsozialistischer Schulungen, gegründet wurde. Des Weiteren zu erwähnen ist der Ring Nationaler Studentinnen, die sich im Sommersemerster 1929 an der Universität Berlin dem NSDStB anschlossen, nachdem sie bei den AStA Wahlen drei Sitze gewonnen haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den historischen Kontext des Umbruchs in der Weimarer Republik dar und definiert die Forschungsfragen bezüglich des Einflusses von Frauen auf die politische Ideologie.
2. Voraussetzungen für die ideologische Einflussnahme durch Frauen: Dieses Kapitel analysiert die rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, wie das Frauenwahlrecht und das Vereinsrecht, die Frauen eine aktive politische Partizipation erst ermöglichten.
3. Unterstützung des Nationalsozialismus durch intellektuelle Aktivistinnen: Das Kapitel untersucht, wie sich gebildete Frauen und Studentinnen in rechten Organisationen vernetzten und als Publizistinnen aktiv zur Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie beitrugen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie die neu errungenen Freiheiten der Frauen paradoxerweise von intellektuellen Akteurinnen genutzt wurden, um den Aufstieg des Nationalsozialismus zu unterstützen.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Frauenwahlrecht, Akademikerinnen, Studentenbund, Publizistik, Konservative Revolution, Frauenbewegung, Politische Partizipation, Interessenverbände, Deutschnationale Volkspartei, Studentinnen, Ideologie, Frauenvereine, Emanzipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle intellektueller Frauen im rechts-konservativen und völkischen Spektrum der Weimarer Republik und deren Beitrag zur Verbreitung nationalsozialistischer Ideologien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die rechtliche Gleichstellung der Frau, die politische Partizipation in Frauenvereinen, der akademische Aufstieg von Frauen sowie deren aktives Engagement für den Nationalsozialismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Faktoren zu beleuchten, die es Frauen ermöglichten, politisch einflussreich zu werden, und aufzuzeigen, wie insbesondere intellektuelle Frauen den Nationalsozialismus ideologisch stützten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine historische Analyse unter Auswertung zeitgenössischer Quellen, Plakate aus dem Bundesarchiv sowie wissenschaftliche Fachliteratur zur Frauen- und Nationalsozialismusgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zunächst die rechtlichen Voraussetzungen der Partizipation und untersucht im zweiten Abschnitt die Vernetzung rechter Studentinnen und die publizistische Arbeit einflussreicher Frauen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Frauenwahlrecht, politische Partizipation, Nationalsozialismus, intellektuelle Aktivistinnen und Konservative Revolution.
Welchen Einfluss hatten Frauenvereine auf die Politik der Zeit?
Sie dienten als zentraler Rahmen für die Interessenvertretung und ermöglichten Frauen, sich trotz gesellschaftlicher Widerstände politisch zu organisieren und zu positionieren.
Warum spielt die Rolle der Publizistinnen eine so große Rolle für die Untersuchung?
Publizistinnen fungierten als Multiplikatorinnen, die durch ihre Schriften und Zeitschriften halfen, radikales Gedankengut in breiteren Schichten salonfähig und plausibel zu machen.
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- Lucius Müller (Autor), 2013, Der Einfluss intellektueller Frauen in der Weimarer Republik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458092