Psychologisches Gutachten zur Eignungsfeststellung für die bevorstehende Berufsausbildung


Forschungsarbeit, 2016

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Anlass der Untersuchung

2. Anamnese / Vorgeschichte

3. Psychologische Fragestellungen

4. Untersuchungsplan und Untersuchungsablauf
4.1 Angewandtes Verfahren AIST-R
4.2 Angewandtes Verfahren BET
4.3 Untersuchungsergebnisse

5. Befund

6. Stellungnahme und Empfehlung

7. Literaturverzeichnis

1. Anlass der Untersuchung

Herr und Frau Sonnenschein* suchten gemeinsam mit ihrem 16-jährigen Sohn Anton* am 05.08.2016 meine Praxis "Glückliches Kind" in Suhl auf. Sie traten mit der Bitte an mich heran, eine Begutachtung von Anton bezüglich seiner bevorstehenden Lehre zum Tischler vorzunehmen. Geplant sei, dass er diese direkt nach seinem Realschulabschluss, welcher nun unmittelbar bevorstehe, in dem Familienunternehmen antrete. Die Tischlerei wäre seit Jahrzehnten in Familienbesitz und der Vater berichtete im Gespräch, dass sein einziger Sohn diese später übernehmen solle. Die Mutter äußerte Bedenken hinsichtlich der Entscheidung, da Anton sich eher eine Lehre in einem Verwaltungsberuf oder im sozialen Bereich vorstellen könnte und sie sich seiner Eignung nicht sicher sei. Aufgrund dieser Bedenken bitten mich die Eltern, berufliche Interessen von Anton zu erfassen und somit eine Empfehlung für oder gegen die Tischlerlehre auszusprechen.

2. Anamnese / Vorgeschichte

Anton Sonnenschein wurde im Jahr 2000 geboren, ist wohnhaft in der XXX-Straße in XXX und hat keine Geschwister. Seine Eltern sind seit 20 Jahren verheiratet und die Familie bewohnt ein Einfamilienhaus in ländlicher Gegend. Die Mutter ist Bürokauffrau bei einem hiesigen Steuerbüro, der Vater ist in Besitz einer Tischlerei, welche von ihm bereits in dritter Generation weitergeführt wird und deren Fortführung zukünftig an den Sohn abgegeben werden soll. Zu beiden Elternteilen bestehe ein gutes Verhältnis. Eventuelle Erkrankungen oder Einschränkungen seinerseits seien nicht bekannt. Schulische Probleme habe es bis zum heutigen Tag nicht gegeben und Anton gehe gerne zur Schule. Seine Schulnoten seien gut und er wird voraussichtlich Ende diesen Jahres die Mittlere Reife erlangen. Ein Gymnasium zu besuchen wird nicht angestrebt, da ein zukünftiges Studium nicht in Frage komme. Zu seinen Hobbys zählen unter anderem das Fußball spielen oder auch andere gemeinsame Aktivitäten im Freundeskreis. Anton habe viele Freunde, mit denen er vor allem an den Wochenenden Zeit verbringt. In der Schule sei er oft Klassensprecher gewesen und habe Freude daran, sich für Anliegen seiner Klassenkameraden und für soziale Projekte zu engagieren.

Im nachfolgenden Einzelgespräch äußerte sich Anton nochmals bezüglich seiner Interessen. Die Tischlerei zu übernehmen könne er sich momentan nicht vorstellen, da er seine berufliche Zukunft nicht im Handwerk sehe und gerne einen Verwaltungsberuf oder etwa einen Beruf als Sozialarbeiter erlernen möchte. Tabakkonsum negierte er, ebenfalls sei er noch nie in Kontakt mit anderen Drogen gekommen. Alkohol würde er bei Familienfeierlichkeiten zu sich nehmen und im Freundeskreis gäbe es hin und wieder ein Bier.

3. Psychologische Fragestellungen

1. Aufgrund der Bedenken über die berufliche Eignung sollte vorab eine Erfassung schulischer beziehungsweise beruflicher Interessen erfolgen, um festzustellen, ob generell Interesse an dem vorgesehenen Ausbildungsberuf des Tischlers besteht oder nicht.
2. Des Weiteren gilt es zu überprüfen, ob die Berufseignung des Tischlers nach Erfassung der Interessen tatsächlich bestätigt werden kann oder ob gegebenenfalls die eigenen Berufziele eher der persönlichen Eignung entsprechen.
3. Alternativ sollte eine Vorhersage zur Berufseignung für verschiedene Ausbildungsberufe angeboten werden, die den nachgewiesenen Interessen entspricht.

4. Untersuchungsplan und Untersuchungsablauf

Aus den Gesprächen und Vorinformationen ergab sich der Eindruck, dass Anton S. seine beruflichen Interessen klar äußern könne und diese seiner vorgesehenen Lehre zum Tischler entgegen stünden. Zur Beantwortung der eingangs genannten Fragestellung sollten der Allgemeine Interessen-Struktur-Test (AIST-R) sowie ein Berufseignungstest (BET) eingesetzt werden. Diese sollten unter anderem Aufschluss darüber geben, ob die Bedenken bezüglich der beruflichen Eignung berechtigt waren und Anton für andere Ausbildungsberufe als geeigneter erschien.

Am 10.08.2016 wurde Anton S. ohne Begleitung um neun Uhr zu einem Termin zur Durchführung der oben genannten Testungen in den Räumlichkeiten der Praxis "Glückliches Kind" empfangen. Die durchzuführenden Testungen fanden in einem gemütlichen Raum in entspannter Atmosphäre statt. Anton wurden durch die Kinder- und Jugendtherapeutin anhand der Manuals die Abläufe der Test sorgfältig und in vollem Umfang erklärt. Er wirkte ausgeruht, entspannt und motiviert. Während der gesamten Erhebung zeigte er sich konzentriert und beendete beide Tests ohne weitere Fragen zu stellen.

4.1 Angewandtes Verfahren AIST-R

Zuerst durchgeführt wurde der Allgemeine Interessen-Struktur-Test (AIST-R), welcher ein Interesseninventar zur Erfassung schulisch-beruflicher Interessen ab dem 14. Lebensjahr ist. Er findet unter anderem Anwendung in der Berufsorientierung, Personalauslese oder auch in der Schullaufbahnberatung. Der Test besteht aus 60 Items, mit denen folgende sechs Interessendimensionen erfasst werden (Bergmann & Eder, 2005):

R: Praktisch-technische Interessen (Realistic)

I: Intellektuell-forschende Interessen (Investigative)

A: Künstlerisch-sprachliche Interessen (Artistic)

S: Soziale Interessen (Social)

E: Unternehmerische Interessen (Enterprising)

C: Konventionelle Interessen (Conventional)

Die 60 Items repräsentieren überwiegend berufliche beziehungsweise schulische Tätigkeiten, die im Allgemeinen lediglich durch Situations-, Material- und Objektkomponenten spezifiziert sind. Wird der AIST-R instruktionsgemäß bearbeitet, kann bei gegebenem Interesse angenommen werden, dass der Proband sich von einer Tätigkeit ein Bild machen kann, dass er diese als angenehm erlebt und dass er sie als persönlich wertvoll ansieht. Die Erfassung der sechs Persönlichkeitstypen erfolgt anschließend in einem hexagonalen Modell, nach welchem sich die Verwandtschaft dieser umgekehrt proportional zu den räumlichen Distanzen zwischen ihnen verhält: Je geringer der Abstand zwischen zwei Typen ist, desto größer ist deren Ähnlichkeit. Aufgrund dieser Erfassung ist eine subjektive Interessenmessung möglich (Bergmann & Eder, 2005). Die Dauer der Testung beläuft sich auf circa zehn bis 15 Minuten.

4.2 Angewandtes Verfahren BET

Das zweite, angewandte Verfahren ist der Leistungstest BET. Er erfasst anhand von zwölf Einzeltests verschiedene Grundfunktionen persönlicher Begabung und beruflicher Eignung ab dem 14. Lebensjahr, wie beispielsweise praktisch-technisches Verständnis, rechnerische und sprachliche Fähigkeiten. Die zwölf Einzeltests bilden hier eine Kombination aus 8 Papier-Bleistifttests (mit 2 Parallelformen) und 4 Gerätetests (mit Steckbrettern) und können in verschiedenen Kombinationen zusammengestellt werden. Der BET bezieht sich dabei auf Verwaltungsberufe, kaufmännische, technische und gewerbliche Berufe und findet unter anderem Anwendung bei der Eignungsauslese, Berufsberatung sowie auch im Bereich der Rehabilitation. Die Durchführung des BET stellt sich für Probanden als eine Prüfungssituation dar und löst daher vielfach affektive Spannungen aus, die zu einer Beeinträchtigung des Testergebnisses führen könnten. Aufgrund dessen ist es wichtig, dass der Untersuchungsleiter eine situationsangemessene Einstellung beim Probanden erzeugt. Es sollte eine persönliche Vorstellung erfolgen und es ist darauf hinzuweisen, dass bei allen Aufgaben genügend Zeit zur Einübung zur Verfügung steht. Die Dauer der gesamten Untersuchung beläuft sich auf circa zwei Stunden inklusive einer Pause zwischen den Testblöcken. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt altersspezifisch (Schmale & Schmidtke, 1995).

4.3 Untersuchungsergebnisse

Der AIST-R sollte primär Aufschluss darüber geben, ob der praktisch-technische Beruf des Tischlers nach Erfassung der Interessen tatsächlich infrage käme. Falls dies nicht der Fall wäre, wird durch die Testung ersichtlich werden, in welchem Bereich sich die beruflichen Interessen ansiedeln. Während der gesamten Testung, die etwa 15 Minuten in Anspruch nahm, wurde seitens des Probanden konzentriert gearbeitet und keine Fragestellung ausgelassen.

Die Ergebnisse des AIST-R wurden in Roh- und Standardwerten angegeben. Aus den drei höchsten Werten ergab sich der Persönlichkeitstyp ("Person-Typ"). Zusätzlich erfolgte eine grafische Darstellung der Standardwerte in einem Interessenprofil. Es konnten folgende Standardwerte in den sechs Interessendimensionen ermittelt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als "Person-Typ" ergab sich folglich die Buchstabenkombination "SCE", was bedeutet, dass bei diesem Persönlichkeitstyp vordergründig soziales, konventionelles und unternehmerisches Interesse im Fokus steht. Vergleichbar mit einer angestrebten Tischlerlehre hätte diese Interessen in praktisch-technischen, konventionellen und unternehmerischen Bereichen vorausgesetzt. Diese Ergebnisse ließen die Schlussfolgerung zu, dass hier offensichtlich eine Favorisierung im sozialen Bereich vorliegt und das praktisch-technische Interesse nicht nachgewiesen werden konnte.

[...]


* zum Schutz der Klienten erfolgte eine Anonymisierung, die im Gutachten genannten Namen sind frei erfunden

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Psychologisches Gutachten zur Eignungsfeststellung für die bevorstehende Berufsausbildung
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V458195
ISBN (eBook)
9783668875968
ISBN (Buch)
9783668875975
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psychologisches, gutachten, eignungsfeststellung, berufsausbildung
Arbeit zitieren
Sandra Schulz (Autor), 2016, Psychologisches Gutachten zur Eignungsfeststellung für die bevorstehende Berufsausbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458195

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