Welche Anforderungen stellen sich an eine gendersensible Soziale Arbeit am Beispiel der offenen Jugendarbeit? Gendersensible Jugendarbeit


Hausarbeit, 2016
17 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. „Gender“- eine Begriffserklärung
2.1 Genderkonstruktion
2.2 Genderdekonstuktion
2.3 Gender Mainstream
2.4 Doing / Undoing Gender

3. „Gendered Profession“

4. Offene Jugendarbeit

5. Herausforderungen für die Soziale Arbeit
5.1 Methode zur institutionellen Umsetzung

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichni

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit geht als Modulabschlussarbeit aus dem Seminar „Wissenschaft der Sozialen Arbeit“, Modul 2.BASA.2.11.40, unter der Begleitung von Frau Prof.in Dr. phil. XY an der katholischen Hochschule Mainz hervor. Aufgrund des weit reichenden Anwendungsgebiet der Wissenschaft der Sozialen Arbeit, wird der Schwerpunkt dieser Hausarbeit auf dem Thema der gendersensiblen Arbeit sein, welche sich an dem Beispiel der offenen Jugendarbeit lehnt.

„Geschlechtsbezogene Pädagogik umfasst mehr, als [nur] irgendeinen Bezug auf Geschlecht […]“ (Drogand-Strud/Rauw 2013, S.227). Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel dieser Hausarbeit, die Vielfältigkeit und die Herausforderung der Sozialen Arbeit, in Bezug auf eine gendersensible Arbeit am Beispiel der offenen Jugendarbeit näher zu bringen.

Einleitend werde ich mit einem Überblick über die theoretischen Grundlagen von Gender beginnen.

Das anschließende Kapitel beschäftigt sich als kurzen Einblick mit der Thematik der offenen Jugendarbeit. Im letzten Kapitel folgt die Herausforderung für die Soziale Arbeit, wie diese sich einer gendersensiblen Arbeit nähern kann. Hier werden auf innovative Folgen, sowie auf mögliche negative Folgen eingegangen und diese erläutert. Abschließend werde ich eine Methode zur Umsetzung der gendersensiblen Arbeit im konzeptionellen Rahmen einer Institution aufzeigen.

2. „Gender“ – Theoretische Grundlagen

„Der Begriff [Gender] meint das kulturell-gesellschaftlich konstruierte Geschlecht, Geschlechterrollen und -funktionen. Er wurde im Deutschsprachigen beibehalten, weil durch die mit ihm einhergehende Unterscheidungsmöglichkeit von Sex und Gender eine Unterscheidung zwischen dem biologischen Geschlecht und dem sozialen, gesellschaftliche-kulturell hergestelltem Geschlecht getroffen werden konnte“ (Czollek/Perko/Weinbach 2009, S.17).

Wenn Sozialarbeiter_innen* über Geschlechterverhältnisse sprechen, wird immer wieder auf den englischen Begriff „Gender“ zurückgegriffen. Der Grund hierfür ist, dass das deutsche Wort „Geschlecht“ ein Wort für zwei Sachverhalte darstellt. Auseinanderzuhalten sind „[...]das biologische Geschlecht (sex) und das soziale Geschlecht (gender)“ (Rerrich 2010, S.92).

Durch die englische Sprachformulierung gibt es die Möglichkeitdem Wort „Geschlecht“ nicht en, diese beiden Aspekte sprachlich auseinanderzuhalten. Im deutschen ist dies mit möglich.

2.1„Genderkonstruktion“

„Die Konstitution von Gender bedeutet die gesellschaftlich-kulturelle Herstellung bestimmter Rollen, Rollenbilder und Funktionen von Frauen und Männern. Es geht um die Erzeugung bzw. Herstellung von bestimmten Bedeutungen und Klassifikationen der Geschlechter sowie um bestimmte Zuordnungen und Zuweisungen der Geschlechter ‘Mann und Frau’ und um die Bestimmung ihre Verhältnisses“ (Czollek/Perko/Weinbach 2009, S.20f).

Diese Konstruktionen von Geschlecht werden von Wissenschaft, Medien, Literatur, Musik, Film, Kirche, Recht, Gesundheits- und Bildungswesen und vielen weiteren gesellschaftlichen Kontexten untermauert. Bestimmte Rollen werden durch die Sozialisation verinnerlicht. Die genderorientierte Sozialisationstheorie geht davon aus, dass das Erwerben der Geschlechtsidentität und Geschlechterrolle ein sozialer Prozess ist (vgl. ebd.).

Dabei ist auch die Herstellung normativer Geschlechterrollen (männlich und weiblich) durch Sprache, Handlungen, Mimik, Gestik, das Auftreten, sich einzukleiden, aber auch die Art und Weise andere Menschen wahrzunehmen und anzusprechen gemeint. Die bedeutet, dass Mädchen und Jungen zur Übernahme unterschiedlicher Verhaltensmuster angehalten werden. Die Sozialisation von Jungen zielt meist auf eine Unterdrückung der Gefühle, den Erwerb von Selbstständigkeit und Durchsetzungsvermögen, wobei bei Mädchen oftmals das entgegengesetzte Verhaltensrepertoire forciert wird (vgl. ebd.).

2.2„Genderdekonstruktion“

Czollek/Perko/Weinbach (2009, S.22) behaupten: „Die Auffassung, dass Gender konstruiert ist, bedeutet, das Geschlecht und die Rolle der Geschlechter variabel und veränderbar ist und damit

auch die Beziehung der Geschlechter, die keiner stereotypen Form aus ‘natürlichen’ Gründen folgt: Männer können dieselben Funktionen und Rollen einnehmen wie Frauen, und umgekehrt, Genderdekonstruktion meint, stereotype Auffassungen von Gender zu verschieben, zu transformieren, mehrere Variablen aufzuzeigen.“

Die Genderdekonstruktion geht davon aus, dass Gender durch soziale und kulturelle beziehungsweise gesellschaftliche Gegebenheiten und Verankerungen hergestellt werden. Das hat zur Folge, dass das biologische Geschlecht (sex) festgelegt ist, Gender als Funktion und Rolle der Geschlechter aber veränderbar ist. Gender ist veränderbar und variabel, und damit auch die Beziehung der Geschlechter (vgl. Czollek/Perko/Weinbach 2009, S.21f.).

Durch das Wissen, wie Gender auf verschiedenen, aber dennoch miteinander verbundenen Ebenen konstruiert und tradiert wird, kann die Soziale Arbeit dem Doing Gender entgegenwirken.

Ein wichtiger Bereich für die Soziale Arbeit ist „die geschlechterbewusste Pädagogik und genderbewusste Jugendarbeit“ (vgl. Bruhns 2004, zit.n. Czollek/Perko/Weinbach 2009, S. 23).

2.3 „Gender Mainstream“

„Gender Mainstreaming bedeutet [...] zu berücksichtigen, dass eine Regelung für die Lebenswirklichkeiten von Frauen und Männern unterschiedliche Auswirkungen haben kann, daher ‘Gender’. Dies gilt für alle Regelungen, nicht nur solche mit einem ausdrücklichen Gleichstellungsziel, daher ‘Mainstreaming’ (https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/gleichstellung-und- teilhabe/strategie--gender-mainstreaming-/80436 [15.10.2016].

Gender meint hier das „soziale Geschlecht“ (siehe Punkt 2). Mainstream heißt frei übersetzt, „in den Hauptstrom bringen“.

Czollek/Perko/Weinbach (2009, S.85) sagen, dass: „Gender Mainstream [...] eine gesetzliche Verankerung und zugleich eine Strategie [ist], sowie eine Methode, die darauf abzielt, Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern aufzuheben und auf die Herstellung das tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern, von Mädchen und Jungen hinzuwirken. Ziel von Gender Mainstream ist Gender Equality […].“ Gender Equality meint hier die gleiche Sichtbarkeit, gleiche Macht und gleiche Partizipation zwischen Frauen und Männer (vgl. Czollek/Perko/Weinbach 2009, S.85). Als Irritationen des Begriffs gelten, dass Gender Mainstream oftmals mit „geschlechtsbezogenem Gleichmachen“ übersetzt wird oder man davon ausgeht, dass man keine geschlechtsbezogenen Angebote mehr anbieten dürfe und dass alle Personen und Institutionen ständig beide Geschlechter bedienen müssten (vgl. Bentheim/May/et al. 2004, S.13). Dies ist jedoch eine falsche Annahme.

Der Begriff des Gender Mainstream meint laut Bentheim/May/et al. (2004, S.13) assoziativ übersetzt:“[...] die Idee, Geschlechterfragen in gesellschaftliche Hauptströmungen zu bringen.“

Das Ziel des Gender Mainstream ist es also, der Geschlechtergerechtigkeit näher zu kommen, mit dem Auftrag, die unterschiedlichen Interessen, sowie die verschiedenen Lebenssituationen von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen so weit wie möglich zu berücksichtigen (vgl. Bentheim/May et al. 2004, S.13f).

Nun möchte ich noch kurz auf die politischen Hintergründe des Gender Mainstream eingehen. 1993 beginnt der gesetzliche Weg des Gender Mainstreaming mit der Rechtsform des EU-Sozialstrukturfond mit dem Ziel der Chancengleichheit für Männer und Frauen (vgl. Czollek/Perko/Weinbach 2009, S.87).

Der Begriff des Gender Mainstream bezeichnet dies als einen Prozess und die damit auch als die Vorgehensweise, die Geschlechterperspektive in das gesamte Spektrum politischer Entscheidungsprozesse aufzunehmen (vgl. Czollek/Perko/Weinbach 2009, S.86; Bentheim/May/et al. 2004, S.14). Dies bedeutet, dass die Entwicklung, die Organisation und die Evaluierung von politischen Entscheidungsprozessen und Maßnahmen so zu betreiben sind, dass auf allen Ebenen des Politikbereiches die Ausgangsbedingungen und Auswirkungen auf die Geschlechter berücksichtigt werden, um auf das Ziel der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern hinwirken zu können (vgl. Czollek/Perko/Weinbach 2009, S.86).

Negativ wirkt sich aus, dass Gender Mainstream darüber hinaus genutzt wird, um als Kürzungsargument angeführt zu werden. Unter anderem wird davon berichtet, dass vorherige mädchenbezogene oder jungenbezogene Arbeit in „[...] Gender Mainstreaming-Töpfe[...]“ (Bentheim/May/et al. 2004, S.13f.) umgeschichtet werden und so weniger finanziert und angeboten werden (vgl. ebd., S.13f).

2.4 „Doing / Undoing Gender“

Der Erwerb bestimmter genderorientierter Rollen wird durch das, was in Theorien mit Doing Gender bezeichnet wird verstärkt.

Czollek/Perko/Weinbach (2009, S.24) verstehen unter Doing Gender: „[...] die permanenten Interaktionen der Ein- und Anpassung von Menschen in zweigeschlechtliche, heteronormative durch Auf- und Abwertung strukturierte, hierarchische Verhältnisse in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Familie, [oder] im politischen Raum.“

„Undoing Gender [hingegen] bezeichnet eine Praxis, die Zuschreibung stereotyper Geschlechterrollen zu erkennen, zu problematisieren und schließlich zu dekonstruieren“ (ebd.).

Sozialarbeiter_innen sollten hier ihr Handeln beobachten, reflektieren und sich im Team austauschen, wie sie durch ihre Tätigkeiten und Reflexionen, die Praxis des „Undoing Gender“ näherbringen können.

3. „Gendered Profession“

Der englische Begriff „Profession“ meint, im Gegensatz zu dem deutschen Begriff der Profession, die Berufssoziologie, die Berufe ganz allgemein charakterisiert, also ein Bündel von Fertigkeiten und Fähigkeiten, die zum Zweck des Erwerbs ausgeübt werden (vgl. Rerrich, 2010, S.92).

Wenn in dieser Ausarbeitung von Gendered Profession gesprochen wird, geht es mir darum, dass Soziale Arbeit als ein sozial geprägter und historisch gewachsener Beruf gekennzeichnet ist. Wichtig ist, dass der Begriff „Gender“ in Institutionen zur Sprache kommt um ihn so im Diskurs des Teams in die Institution einzugliedern. Gender sollte zudem in Konzeptionen verankert werden..

Simone de Beauvoir (1951) behauptet: „On ne naít pas femme, on le devient“ (zit. n. Schwarzer 2007, S.161). Frei übersetzt heißt dies, man wird nicht als Frau geboren, man wird es. Durch die Sozialpolitik einer Gesellschaft, religiöse Traditionen, durch geschlechtsspezifische Sozialisation und viele weitere Faktoren. Diese Konstruktionen sind von Gesellschaft zu Gesellschaft und zwischen Frauen und Männer durchaus verschieden, sodass „Frausein“ oder „Mannsein“ nicht einfach eine biologische Tatsache ist, sondern ein ständig fortlaufender Prozess ist (vgl. Rerrich, 2010, S.93f.). Je nach historischen Zeitpunkten und den Gegebenheiten kann von universalistischen Geschlecht, also einer bestimmten Teilgruppe werden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben, oder partikularistischem Geschlecht, also Frauen / Männer werden bestimmte Eigenschaften zugeschrieben, die Rede sein (ebd.).

[...]


* Der Unterstrich zwischen der maskulinen Form und der femininen Endung eines Wortes, soll zur sprachlichen Gleichbehandlung aller sozialen Geschlechter dienen (gender_gap).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Welche Anforderungen stellen sich an eine gendersensible Soziale Arbeit am Beispiel der offenen Jugendarbeit? Gendersensible Jugendarbeit
Hochschule
Katholische Fachhochschule Mainz  (Katholische Hochschule Mainz)
Note
1,7
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V458231
ISBN (eBook)
9783668900882
ISBN (Buch)
9783668900899
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gender, Jugendarbeit, Gendersensibel, Gendergerechte Jugendarbeit, Soziale Arbeit, Jugendhilfe
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Welche Anforderungen stellen sich an eine gendersensible Soziale Arbeit am Beispiel der offenen Jugendarbeit? Gendersensible Jugendarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458231

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