Wie Dating-Apps das menschliche Paarungsverhalten verändern


Hausarbeit, 2017

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Onlinedating und Dating-Apps
2.1. Onlinedating
2.1.1. Anfänge und Entwicklung von Onlinedating
2.1.2. Gründe für die Beliebtheit von Onlinedating
2.2. Onlinedating 2.0: Dating-Apps
2.2.1. Tinder ..8
2.2.2. Andere Beispiele für Dating-Apps

3. Veränderungen im menschlichen Paarungsverhalten
3.1. Partnersuche und Partnerschaft bis Ende des 20. Jahrhunderts
3.2. Partnersuche und Partnerschaft mit Aufkommen von Onlinedating und Dating-Apps

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„We live in an age of customization. Homes, cars, vacations, college degrees, even children – they can all be specialized and designed to suit every need (...). Love and relationships have also become customizable things (...).“1

Blickt man auf die letzten hundert Jahre zurück, stellt man viele gravierende Veränderungen in allen Bereichen des menschlichen Lebens fest. Die Digitalisierung und vor allem das Internet zeigen Möglichkeiten auf, die man sich früher nicht im Traum hätte ausmalen können. Eine dieser bahnbrechenden Veränderungen, die die Digitalisierung hervorgerufen hat, ist die Möglichkeit seinen zukünftigen Partner außerhalb der Realität kennenzulernen. Mithilfe von Onlinedating sind die Menschen heutzutage in der Lage, in den virtuellen Sphären des Internets auf potenzielle Partner zu treffen. Bedenkt man, dass laut einer Studie der Online-Partnervermittlung ElitePartner ungefähr ein Drittel der Deutschen keinen festen Partner hat (siehe Abbildung 1) 2 , der Wunsch nach Beziehungen aber groß ist, weil sie emotionale Sicherheit und Stabilität bieten und damit zum persönlichen Wohlbefinden beitragen3, so liegt auf der Hand, warum Onlinedating sich an wachsender Popularität erfreut.

Eine Erweiterung des Onlinedatings am Computer sind sogenannte Dating-Apps, die speziell für Smartphones entwickelt werden. Dank solcher Apps kann die Partnersuche nun jederzeit und überall betrieben werden. Dabei finden Kennenlernen nicht mehr von Angesicht zu Angesicht statt, sondern auf den kleinen Bildschirmen von Smartphones.

Welche Auswirkungen diese Veränderung auf das menschliche Dating-Verhalten und ebenso auf unsere Partnerschaften hat, gilt es in dieser Hausarbeit näher zu untersuchen. Unter Berücksichtigung der Forschungsfrage „Tinder & Co. - Verändern Dating-Apps das menschliche Paarungsverhalten?“ soll das Paarungsverhalten des letzten Jahrhunderts mit dem heutigen verglichen werden, um so gegebenenfalls entsprechende Veränderungen aufzeigen zu können. Dazu soll zunächst das Onlinedating erläutert werden, um im Anschluss näher auf Dating-Apps und einige Beispiele einzugehen. Darauffolgend wird das menschliche Paarungsverhalten im historischen Kontext betrachtet, um am Ende ein Fazit ziehen zu können.

2. Onlinedating und Dating-Apps

Um mich dem Thema Onlinedating und Dating-Apps zu widmen, ist es erforderlich zunächst den Begriff des Datings kurz zu erläutern. Das Wort „Date“ kommt aus dem Amerikanischen und bezeichnet Treffen zweier Personen, die einander näher kennenlernen wollen. Dabei geht es darum, das gemeinsame Potenzial für eine spätere Liebesbeziehung herauszufinden. Zwar ist das gegenseitige Dating kein Garant für das Entstehen einer Beziehung, zumindest ebnet es aber den Weg dahin.4 Onlinedating und Dating-Apps sollen bei der Suche nach potenziellen Dating-Partnern unterstützend wirken, indem Nutzer einander durch Steckbriefe oder Fotos vorgestellt werden und erster schriftlicher Kontakt ermöglicht wird.

2.1. Onlinedating

Das Internet als Medium zur Partnersuche gewinnt immer mehr an Bedeutung. So hat eine Singlestudie von ElitePartner aus dem Jahr 2011 ergeben, dass bereits jeder dritte Single das Internet zu Partnersuche nutzt und weitere 20 Prozent der Singles dem Onlinedating gegenüber aufgeschlossen sind (siehe Abbildung 2). 5 Gerade in Deutschland ist die Erfolgsquote von Onlinedating sehr hoch. Ungefähr 30 Prozent aller Beziehungen sind hier über das Internet entstanden (siehe Abbildung 3).6

Die größten Online-Partnervermittlungen in Deutschland sind Parship.de mit circa 5,2 Millionen deutschen Nutzern, ElitePartner.de mit 3,8 Millionen Mitgliedern und eDarling.de mit ungefähr 2,8 Millionen Registrierungen bundesweit.7 Die Funktionsweise der Online- Partnervermittlungen läuft immer nach einem ähnlichen Schema ab. Ein registriertes Mitglied kann sich bei Partnervermittlungen ein Profil anlegen, das mit individuellen Such- und Ausschlusskriterien versehen wird. Das System gleicht daraufhin das erstellte Profil mit allen anderen vorhandenen Profilen ab und stellt dann eine Vorschlagsliste mit mehreren hunderten potenziellen Partnern zur Verfügung.8 Die Kontaktaufnahme wird letztlich dem registrierten Mitglied überlassen.

Das Verfahren des Onlinedatings erfolgt weitestgehend anonym. Zwar stehen registrierten Singles durch die angelegten Profile meist einige Informationen übereinander zur Verfügung. Auch Fotos können oft einen ersten, optischen Eindruck des Online- Kontakts geben. Jedoch braucht jedes Mitglied nur so viel über sich preiszugeben, wie es möchte, wodurch immer eine gewisse Anonymität gewahrt bleibt.9

2.1.1. Anfänge und Entwicklung von Onlinedating

Das Prinzip der Partnervermittlung entstand nicht erst mit dem Internet. Bereits im 17. Jahrhundert gab es erste Partnervermittlungen, die damals noch Eheanbahnungsinstitute genannt wurden. Das erste wurde am 29. September 1650 in London gegründet. Dieses Institut trug den Namen „Office of Addresses and Encounters“ und arrangierte Treffen zwischen Heiratswilligen. 10 Auch Kontaktanzeigen in Zeitungen waren seither eine beliebte Methode zur Partnersuche. Die allererste Kontaktanzeige wurde demnach am 19. Juli 1695 in der britischen Zeitung „Collection for the Improvement of Husbandry and Trade“ veröffentlicht. Zum damaligen Zeitpunkt stand allerdings noch nicht die Liebe im Vordergrund der Partnersuche, sondern vor allem wirtschaftliche Interessen. Im Jahr 1870 erschien dann die erste englische Heiratszeitung, die sich ausschließlich darauf beschränkte, Heiratsinserate zu veröffentlichen. Auch in Deutschland entdeckten Heiratswillige das Medium Zeitung für sich und begannen ab 1738 Kontaktanzeigen aufzugeben.11

Während das Inserieren von Kontaktannoncen früher noch von vielen skeptisch beäugt und wie ein letzter, verzweifelter Versuch der Partnersuche empfunden wurde, hat sich die Einstellung dazu heute weitestgehend geändert und wird weit weniger negativ aufgefasst.

Die Autorin Michaela Bruschewksi stellt dazu fest:

„Die Tatsache, seinen Partner über eine Kontaktanzeige kennengelernt zu haben, die früher vielleicht aus Scham verschwiegen wurde, ist heute gesellschaftlich absolut anerkannt.“12

Dass Kontaktanzeigen anfingen, gesellschaftlich anerkannt zu sein, gab vielen Internetunternehmen vermutlich den Anstoß, das Prinzip der Partnervermittlung aufzugreifen. 1994 wurden die ersten Singlebörsen im Internet gegründet, zunächst als virtuelle Ergänzung zu Printanzeigen.13 Doch heute sind sie nochmal weitaus erfolgreicher als die gedruckten Kontaktanzeigen. Gerade weil viele Menschen berufsbedingt immer weniger Zeit finden, im „Offline-Leben“ auf Partnersuche zu gehen, nehmen sie die Internetangebote dankend an.14

2.1.2. Gründe für die Beliebtheit von Onlinedating

Menschen, die auf Partnersuche sind, sehen im Onlinedating viele Vorteile gegenüber dem Kennenlernen im realen Leben. Zuallererst ist die Hemmschwelle deutlich niedriger, im anonymen Internet miteinander in Kontakt zu treten als an öffentlichen Schauplätzen.15 Man weiß, dass alle registrierten Mitglieder in Online-Partnervermittlungen ebenfalls auf Partnersuche sind, weshalb die Angst vor Zurückweisung geringer als im realen Leben ist. Zudem wird der Zeitaufwand der Partnersuche durch Onlinedating deutlich minimiert, da man nicht einmal mehr vor die Tür gehen muss, um potenzielle Partner kennenzulernen. Gerade für berufstätige Singles ist dies ein entscheidender Vorteil.

„Having an online affair is like going to a party whenever you want to, without having to leave your home.“16

Genauso schätzen Nutzer von Onlinedating die Möglichkeit der Kontrolle. Zum einen haben sie die Kontrollfreiheit über ihre eigene Selbstpräsentation. Man kann selber bestimmen, welche Informationen man preisgibt und welche Fotos man seinem virtuellen Gegenüber von sich präsentiert.17 Gegebenenfalls kann man Fotos sogar bearbeiten, um noch attraktiver auf potenzielle Partner zu wirken.

[...]


1 Slater, Dan (2013): Love in the Time of Algorithms. Current. New York. S. 115

2 Vgl. ElitePartner.de (2016): ElitePartner-Studie 2016. So liebt Deutschland. Neue Erkenntnisse zu Beziehungen, Partnersuche und Sexualität. Entwicklung von Singlezahlen und Singlezufriedenheit. Unter: http://www.mynewsdesk.com/de/elitepartner/documents/elitepartner- studie-2016-so-liebt-deutschland-55832 (Stand: 07.11.2016) S. 22

3 Vgl. Calmbach, Marc; Borgstedt, Silke; Borchard, Inga; Thomas, Peter Martin; Flaig, Berthold Bodo (2016): Wie ticken Jugendliche 2016? Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland. SINUS-Jugendstudie u18. SINUS Markt- und Sozialforschung. Berlin. S. 304

4 Vgl. Dombrowski, Julia (2011): Die Suche nach der Liebe im Netz. Eine Ethnographie des Online-Datings. Transcript Verlag. Bielefeld. S. 70

5 Vgl. Elitepartner-Singlestudie (Juni 2011): Die größte Singlestudie im deutschsprachigen Raum. 11.640 befragte Singles, 7.671 befragte Liierte. Unter: http://www.mynewsdesk.com/de/elitepartner/documents/elitepartner-studie-juni-2011-52646 (Stand: 07.11.2016)

6 Vgl. Dutton, William H.; Hogan, Bernie; Li, Nai. Me, My Spouse and the Internet (14.02.2011): A Global Shift in the Social Relationships of Networked Individuals: Meeting and Dating Online Comes of Age. Oxford Internet Institute. Unter: http://blogs.oii.ox.ac.uk/couples/wp-content/uploads/2010/09/Me- MySpouse_GlobalReport_HoganLiDutton.pdf (Stand: 08.08.2015) S. 2

7 Vgl. Singlebörsen-Vergleich (Oktober 2016): Online Partnervermittlungen 2016. Unter: http://www.singleboersen-vergleich.de/partnervermittlungen.htm (Stand: 11.11.2016)

8 Vgl. Fischbach, Lisa; Hegmann, Eric (2008): Liebe aus dem Netz. Onlinedating mit 50+. mvg Verlag. München. S. 70

9 Vgl. Dombrowski, Julia (2011): Die Suche nach der Liebe im Netz. S. 242

10 Vgl. WDR (29.09.2005): 29. September 2005 - Vor 355 Jahren: Erstes Heiratsinstitut in London. Adressen und Begegnungen. Unter: http://www1.wdr.de/themen/archiv/stichtag/stichtag922.html (Stand: 11.11.2016)

11 Vgl. Riemann, Viola (1999): Kontaktanzeigen im Wandel der Zeit. Eine Inhaltsanalyse. Westdeutscher Verlag. Wiesbaden. S. 39 ff.

12 Bruschewski, Michaela (2007): Partnervermittlung im Internet. Soziale und ökonomische Bedeutung von Online-Dating. VDM Verlag Dr. Müller. Saarbrücken. S. 100

13 Vgl. Ebd. S. 15

14 Vgl. Ebd. S. 99

15 Vgl. Hofele, Sibylle (2005): Liebe auf den „ersten Klick“. Partnerfindung im Internet am Beispiel der Singlebörsen www.ilove.de und www.neu.de. Tectum Verlag. Marburg. S. 48

16 Ben-Ze’ev, Aaron (2004): Love Online. Emotions on the Internet. Cambridge University Press. Cambridge. S. 47

17 Vgl. Ward, Janelle (2016): Swiping, Matching, Chatting: Self-Presentation and Self-Disclosure on Mobile Dating Apps. HUMAN IT. Volume 13. No 2. Unter: https://humanit.hb.se/article/viewFile/516/579. (Stand: 06.11.2016)

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Wie Dating-Apps das menschliche Paarungsverhalten verändern
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V458636
ISBN (eBook)
9783668894907
ISBN (Buch)
9783668894914
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tinder, Paarungsverhalten, Dating, Onlinedating, Dating Apps, Dating Soziale Medien, Partnersuche online, Partnersuche Apps
Arbeit zitieren
Jenny Jacobs (Autor:in), 2017, Wie Dating-Apps das menschliche Paarungsverhalten verändern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458636

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