Bürokratieabbau in Deutschland. Eine ökonomische Analyse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bürokratieabbau in Deutschland
2.1 Definition Bürokratie
2.2 Bürokratie und die Folgen für den Mittelstand
2.2.1 Bürokratie – Verwaltung und Regulierung
2.2.2 Verbesserungsvorschläge von KMUs
2.3 Estland als Beispiel für E-Government

3. Fazit

Literarturverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis:

1. Befragung der Sage GmbH

2. Belastung nach Unternehmensgröße

3. Bürokratiekostenindex Okt. 2017- Sep.2018

4. Entwicklung des Erfüllungsaufwands im Berichtzeitraum 2017/2018

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Wenn die Bürokratie sich weiter so ausbreitet wie bisher, wird Gott die nächste Sintflut nicht mit Wasser, sondern mit Papier veranstalten.“1

Seit den 80ern vergeht keine Legislaturperiode mehr in Deutschland ohne die Ankündigung, die Bürokratie in Deutschland bekämpfen zu wollen. Gewisse Bemühungen durch die Gründung von Gremien und Beraterstäben, wie dem Normenkontrollrat sind zwar durchaus zu erkennen, aber wenn wir ehrlich sind, sind wir noch weit davon entfernt den Kampf zu gewinnen.2 Diese Arbeit beschäftigt sich mit der aktuellen Situation in Deutschland zum Thema Bürokratieabbau. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird erst der Begriff der Bürokratie definiert und es wird aufgezeigt, ob es eine Einteilung gibt oder besser gesagt, ob es nicht sogar gute und schlechte Bürokratie gibt.

Im nächsten Schritt wird mithilfe von Studien vorgestellt, wo denn genau die Beschwerden der Unternehmen liegen und welche bürokratischen Vorgänge mit dem größten Effizienzverlust und somit auch mit dem größten monetären Verlust verbunden sind. Außerdem wird darauf hingewiesen, welche Unternehmen am meisten von der Bürokratie betroffen sind.

Im nächsten Schritt wird versucht eine Erklärung zu geben, warum der Staat sich so stark einmischt und was der Staat schon versucht hat zu unternehmen.

Abschließend werden die Wünsche der KMUs vorgestellt, welche sich damit befassen wie Bürokratie erträglicher für Unternehmen werden könnte und es wird ein Positivbeispiel aus diesem Bereich vorgestellt, nämlich Estland.

2. Bürokratieabbau in Deutschland

2.1 Definition Bürokratie

Eine Definition geben die Autoren des Gabler Wirtschaftslexikons folgendermaßen an: „legal-rationale Organisationsform, kennzeichnend für jede moderne Verwaltung im öffentlich-staatlichen Bereich sowie in Unternehmen, Betrieben, Verbänden, Parteien, Kirchen, Militärorganisationen etc.“3 Nach dieser Definition ist also die Hauptaufgabe der Bürokratie Prozesse und Handlungsabläufe möglichst genau zu dokumentieren und festzuhalten und dies kann oder soll in möglichst vielen Teilen unserer Gesellschaft passieren. Dadurch werden auch Merkmale einer Bürokratie angegeben:4

- Regeln, welche auf einer Satzung beruhen
- Klare Arbeitsaufteilung nach Kompetenzen
- Genaue Dokumentation
- Aufteilung der Handlungsbefugnisse

Durch diese Merkmale ist auch der eigentliche Vorteil einer Bürokratie zu erkennen, welcher aus der Rationalität und einer gewissen technischen Überlegenheit resultiert. Schöbel geht in seiner Definition auch auf die Probleme einer Bürokratie ein, auf diese wird aber im Laufe dieser Arbeit noch mit Beispielen eingegangen.

Durch die gesellschaftliche Meinung zu Bürokratie könnte man meinen, dass es nur ein negativer Aspekt unserer Regierungsorganisation ist und eigentlich weitegehend abgeschafft werden könnte. Aber gibt es auch positive Beispiele unserer Bürokratie? Ein positives Beispiel ist, dass sich der Staat um die Rente der Bürger kümmert und mit Schreiben von fehlenden Dokumenten daran erinnert nachzuweisen, was in den Jahren von fehlenden Dokumenten war und was diese Bürger in dieser Zeit getrieben haben. Dies passiert im internationalen Vergleich nur in sehr wenigen Ländern und dies stellt immerhin einen positiven Aspekt dar.5 Auch die Wahrnehmung der OECD der deutschen Bürokratie bessert sich. Wie die Welt berichtet lag die Effizienz des deutschen öffentlichen Sektors auf einem sehr guten Platz, da vergleichsweise (mit anderen OECD Staaten) weniger Menschen im öffentlichen Sektor hierzulande arbeiten und dennoch die Zufriedenheit mit den Behörden in Deutschland höhere Werte erreicht, als die unserer europäischen Nachbarn. Dennoch hinken wir, und das ist der Kern der Sache, weit hinterher in Sachen E-Government. Während in Frankreich jeder Zweite schon Dokumente online ausfüllen kann und sich die Wege zu den Behörden sparen kann, kann in Deutschland nicht mal jeder Fünfte Dokumente online bearbeiten. Damit ist Deutschland hinter Ländern, wie Polen und der Türkei gerankt in Sachen digitaler Verwaltung.6

2.2 Bürokratie und die Folgen für den Mittelstand

Die Sage GmbH hat 2015 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Mittelstandsforschung eine Studie durchgeführt über die jetzige Situation, in der sich der Mittelstand in Bezug auf die bürokratischen Hürden befindet. Gerade für die Sage GmbH ist dies eine interessante Studie, da diese Firma ein Anbieter ist für kaufmännische Software für kleine und mittlere Unternehmen ist, da die Software natürlich immer up-to-date und regelkonform sein muss, sind Gesetzesänderungen immer wieder neu zu implementieren.7

2012 beschloss die Bundesregierung einen Bürokratiekostenindex (kurz BKI) ins Leben zu rufen, welcher die Belastung messen soll, die mit der Aufbewahrung, Dokumentation oder Weiterleitung von Daten an die Bundesregierung in Verbindung stehen.8 2015 war dieser Index auf dem Tiefstand, jedoch reagierten die Befragten Unternehmen in der Studie der Sage GmbH anders als jetzt erwartet, denn die Unternehmen empfanden 2015 nicht einen Rückgang der bürokratischen Belastung, sondern sogar einen Anstieg. 69% der Befragten Unternehmen konstatierten, dass die Belastung in 2015 sogar zugenommen hat.9 Aber woher rührt diese deutliche Diskrepanz zwischen der Regierung und seiner Unternehmen? Ganz einfach, er beruht darauf, dass der BKI nur die Kosten errechnet, welche aus der Beschaffung, Bereitstellung oder Aufbewahrung von Daten, also den Informationspflichten, resultieren. Der Bürokratiebegriff kann aber deutlich weiter gefasst werden und somit gibt es einen Erfüllungsaufwand, welcher direkt mit der Ausführung einer Informationspflicht zusammenhängt und somit deutlich Mehraufwand und mehr Kosten verursacht. Beispiele hierfür sind regelmäßige Wartungen, bauliche und regulatorische Maßnahmen und die Einhaltung von Umweltauflagen. Gerade dieser Erfüllungsaufwand wird aber nicht vom BKI erfasst, daher kommt auch diese Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der Unternehmen und der Regierung, welche mit dem Erreichen des 25% Ziels einen Sieg gefeiert hat im Kampf gegen die Bürokratie.10

Die Studie zeigt, dass die Bereiche Steuern, Sozialversicherung/-abgaben, Arbeitsschutz/-Sicherheit, Statistik und Dokumentationspflicht und Arbeits- und Sozialrecht die Unternehmen am meisten belasten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Befragung der Sage GmbH

In der Abbildung 1 sehen sie, dass der Bereich Steuern von den Unternehmen zu 92% als belastend oder sogar sehr belastend empfunden wird. Der Bereich Sozialversicherung/-Abgaben zu 88%, Arbeitsschutz/-Sicherheit zu 78%, Statistik und Dokumentationspflicht zu 73% und das Arbeits- und Sozialrecht zu 70%. Beispiele, was denn genau die Unternehmen in diesen Bereichen belastet, sind auch gegeben.

Im Bereich Steuern ist es die Besteuerung des innergesellschaftlichen Handels und die jeweiligen Zollregelungen beim Import und Export. Die größten Kostentreiber in diesem Bereich sind der Einkauf von externen Beratern, wie Steuerberatern.11

Der Sozialversicherung/-abgaben Bereich ist besonders belastend, wenn zum Beispiel versucht wird Nicht-EU-Bürger einzustellen, denn dann kommen Prozesse wie die Dokumentüberprüfung ins Spiel und es kommt oft vor, dass beispielsweise Abschlüsse und Zeugnisse nicht anerkannt werden können. Hier ist der Zeitaufwand auch der größte Kostenfaktor.12

Studenten können sicher nicht nur ein Lied über den Beriech Arbeitsrecht und- Schutz singen, da gerade dieser Teil unserer Gesellschaft oft mit dem Mindestlohn in Berührung kommt, sei es durch Nebenjobs oder andere Tätigkeiten. In diesem Bereich ist der größte Kostentreiber die aufwändige Dokumentationspflicht.13

Es ist noch festzustellen ob die Größe eines Unternehmens die Bürokratiebelastung beeinflusst. Auch dafür hat die Sage Studie eine Antwort parat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Belastung nach Unternehmensgröße

In Abbildung 2 ist erst einmal zu erkennen, dass der gesamte Mittelstand die Bürokratiebelastung als zu hoch empfindet. Die Abbildung deutet darauf hin, dass Unternehmen mit 1-9 Mitarbeiter wahrscheinlich in diesen Bereichen nicht die nötigen Ressourcen aufweisen können, um überhaupt belastet werden zu können. Es lässt sich feststellen, dass Unternehmen mit 50-249 in jedem dieser Bereiche am meisten betroffen sind und die Bürokratiebelastung generell als hoch einstufen. Sie sind somit die großen Verlierer der Bürokratie.14

Ein weiterer wichtiger Punkt, welcher in der Studie aufgegriffen wird, ist, dass Bürokratie auch zu Projektabbruch oder gar, dass Projekte für kleine und mittlere Unternehmen nicht mehr rentabel erscheinen, weil die dazugehörige Bürokratiebelastung einfach zu hoch wäre. Ein Drittel aller befragten Unternehmen sagte aus, dass sie schon mal ein Projekt abbrechen mussten, weil es zu „unüberwindbaren“ bürokratischen Belastungen gekommen ist.15

[...]


1 Zitat nach Parkinson (2013), S.24.

2 Vgl. Jann/Wegrich (2010), S.180.

3 Schöbel (o.A.).

4 Vgl. Schöbel (o.A.).

5 Vgl. Kaiser (2017).

6 Vgl.

7 Vgl. Welter/Dewald (2015), S.30.

8 Vgl. Statistisches Bundesamt.

9 Vgl. Welter/Dewald (2015), S.4.

10 Vgl. ebenda, S.7.

11 Vgl. Brossardt (2016), S.3f.

12 Vgl. ebenda.

13 Vgl. Brossardt (2016), S.3f.

14 Vgl. Welter/Dewald (2015), S.9.

15 Vgl. Welter/Dewald (2015), S.14.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Bürokratieabbau in Deutschland. Eine ökonomische Analyse
Hochschule
Hochschule Bochum
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
19
Katalognummer
V458644
ISBN (eBook)
9783668881723
ISBN (Buch)
9783668881730
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bürokratieabbau, deutschland, eine, analyse
Arbeit zitieren
David Akinin (Autor), 2019, Bürokratieabbau in Deutschland. Eine ökonomische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458644

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