Deutschland ist seit dem Ende des zweiten Weltkriegs christlich dominiert. Bei der Staatsgründung 1949 war die Bevölkerung mit 95,6 Prozent überwiegend christlich geprägt. Heute, knapp 70 Jahre später, hat fast jeder fünfte deutsche Mitbürger einen Migrationshintergrund, wodurch auch andere Religionen und Kulturen eine Rolle in der deutschen Gesellschaft spielen.
Laut des Bundesamts für politische Bildung gehören noch „60 Prozent der Deutschen einer der beiden großen Kirchen an [gemeint sind die evangelische und katholische Kirche]. Die Quote wird aber in den nächsten 20 Jahren auf 50 Prozent gesunken sein.“ Diese Entwicklung lässt die Frage aufkommen, inwiefern der konfessionelle Religionsunterricht noch zeitgemäß für ein Deutschland ist, in dem religiöse Pluralität und Säkularisierung auf dem Vormarsch sind. Sollte man nicht angemessen darauf reagieren?
Um der Beantwortung dieser Problemstellung näher zu kommen, habe ich mich in Europa umgeschaut, um zu sehen, wie andere Länder mit der Vielfalt an Religionen in der Gesellschaft umgehen und wie sie ihren Religionsunterricht gestalten, denn Deutschland ist eines von vielen Ländern in Europa, das auf Grund von Zuwanderung und Säkularisierung eine gesellschaftliche Wende durchmacht bzw. durchgemacht hat. Besonders auffällig ist bei dieser Betrachtung Großbritannien, denn dort setzt man schon seit Jahrzehnten auf einen interreligiösen Ansatz.
Im Folgenden werde ich sowohl den englischen interreligiösen Unterricht als auch den deutschen konfessionellen Religionsunterricht vorstellen. Dabei werde ich kurz deren Entwicklung beschreiben, warum sich die jeweiligen Modelle in dem jeweiligen Land etabliert haben und am Ende in einer Art zusammenfassender Vergleich resümieren, wo denn nun die Vorteile des interreligiösen Ansatzes gegenüber des konfessionellen liegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der interreligiöse RU in England
2.1 England auf dem Weg zur religiösen Pluralität
2.2. Grundzüge des Religionsunterrichts in England
3. Deutschland auf dem Weg zu religiöser Pluralität
4. Zusammenfassender Vergleich
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit der interreligiöse Ansatz gegenüber dem konfessionellen Religionsunterricht in Deutschland im Hinblick auf die Anforderungen einer durch Zuwanderung und Säkularisierung geprägten, religiös pluralen Gesellschaft vorteilhaft ist.
- Vergleich der historischen Entwicklung des Religionsunterrichts in England und Deutschland
- Analyse der Auswirkungen gesellschaftlicher Pluralisierung auf schulische Bildungskonzepte
- Gegenüberstellung des interreligiösen Modells mit dem konfessionell gebundenen Religionsunterricht
- Herausarbeitung der jeweiligen Stärken und Schwächen bezüglich der Integration von Diversität
- Reflexion über notwendige Anpassungen des Religionsunterrichts in der modernen Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
2.2. Grundzüge des Religionsunterrichts in England
Auf Grund der Pluralität in der Glaubenslandschaft englischer Schulen steht nicht mehr die Theologie als solche im Vordergrund des Religionsunterrichts, sondern eher der objektbezogene, religionswissenschaftliche Teil von Religionen. Alle größeren Religionsgemeinschaften sollten gleichermaßen im Unterricht behandelt werden, kein Schüler sollte das Gefühl haben einer fremden Religion anzugehören. Was als zweiter wichtiger Punkt im englischen Religionsunterricht gilt ist die individuelle Suche jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers nach Antworten auf in ihrem Leben wichtige Fragen.
Die Bibel als Unterrichtsquelle wurde von Schulbüchern abgelöst, die sich auf die Lebenswelten der Schülerinnen und Schüler einstellten. Ziel ist es dabei die religiösen Ansichten und kulturellen Ideologien auf gemeinsame Werte hin zu untersuchen und diese als Basis für eine funktionierende Gesellschaft herauszukristallisieren. Und so wird der sog. multifaith Religionsunterricht auch heute noch vor allem als „potentiell geeigneter Raum für den Dialog zwischen Schülern unterschiedlicher religiöser Herkunft und säkularer Prägung“ verstanden.
Das besondere an der englischen Form von Religionsunterricht ist dabei, dass der objektbezogene und subjektbezogene Teil des Unterrichts nicht ineinander verwoben sind, sondern nebeneinander her laufen. Begründet wird die Parallelisierung dieser zwei didaktischen Konzepte damit, dass sie zwei verschiedene Ziele vertreten und man vermeiden will die Schülerinnen und Schüler durch religiöse Texte oder ähnliches in ihrer Suche nach persönlichen Antworten und Glaubenswegen zu beeinflussen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Situation religiöser Pluralität in Deutschland und führt in die Fragestellung ein, ob das traditionelle konfessionelle Modell noch zeitgemäß ist.
2. Der interreligiöse RU in England: Dieses Kapitel beschreibt die historische Öffnung Englands hin zu einer pluralistischen Gesellschaft und die daraus resultierende Transformation des Religionsunterrichts.
2.1 England auf dem Weg zur religiösen Pluralität: Hier wird der Prozess der Diversifizierung der englischen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg und dessen Einfluss auf die religiöse Landschaft nachgezeichnet.
2.2. Grundzüge des Religionsunterrichts in England: Dieses Kapitel erläutert die didaktischen Prinzipien des englischen Modells, das auf einen objektbezogenen und einen subjektorientierten Bereich setzt.
3. Deutschland auf dem Weg zu religiöser Pluralität: Die Entwicklung Deutschlands von einem christlich geprägten Land hin zu einer pluralen Gesellschaft wird in diesem Kapitel unter Berücksichtigung der Zuwanderungsgeschichte thematisiert.
4. Zusammenfassender Vergleich: Hier werden die Gemeinsamkeiten und Differenzen der beiden Schulsysteme gegenübergestellt, insbesondere im Hinblick auf die Gruppenbildung im Unterricht.
5. Fazit: Das Fazit bewertet die Eignung der jeweiligen Modelle und plädiert für eine Weiterentwicklung, die sowohl Wissensvermittlung als auch diskursiven Austausch integriert.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, interreligiöser Ansatz, konfessionelles Unterrichtsmodell, religiöse Pluralität, England, Deutschland, Säkularisierung, Zuwanderung, Religionspädagogik, multifaith, Religionsdidaktik, gesellschaftliche Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht die Ansätze des Religionsunterrichts in England und Deutschland vor dem Hintergrund einer zunehmend pluralistischen und säkularen Gesellschaft.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die historische Zuwanderungsentwicklung, die religiöse Vielfalt in der Schülerschaft sowie die strukturelle Organisation und didaktische Ausrichtung des Religionsunterrichts.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Es wird untersucht, ob der englische interreligiöse Ansatz dem deutschen konfessionellen Modell hinsichtlich der Förderung von Toleranz und der Repräsentation religiöser Pluralität überlegen ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der existierende pädagogische Modelle und Literatur vergleichend gegenübergestellt und bewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Beschreibung der englischen "Religious Education", der deutschen konfessionellen Situation sowie einem direkten Vergleich der didaktischen Konzepte.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Religionsunterricht, religiöse Pluralität, interreligiöses Lernen, Säkularisierung und didaktische Transformation.
Warum wird im deutschen Modell kritisch auf die Lerngruppentrennung geblickt?
Die Trennung in konfessionelle Kleingruppen wird als problematisch wahrgenommen, da sie die Schülerschaft fragmentiert, anstatt das gemeinsame Leben in einer pluralen Gesellschaft im Unterricht abzubilden.
Welches Fazit zieht die Autorin in Bezug auf das englische Modell?
Das englische Modell wird für seine Integrationskraft gelobt, jedoch wird kritisiert, dass es manchmal zu neutral agiert und den diskussionsorientierten Aspekt, der für ein tiefes Verständnis notwendig ist, zu wenig betont.
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- Anonym (Autor), 2018, Religiöse Pluralität im Unterricht. Ein Vergleich der Entwicklung von Religionsunterricht zwischen Deutschland und England, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458695