Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Romance Studies - Portuguese Studies

Formen artistischer Oralität in Jose Saramagos "Memorial do Convento"

Title: Formen artistischer Oralität in Jose Saramagos "Memorial do Convento"

Term Paper (Advanced seminar) , 1999 , 15 Pages , Grade: 2

Autor:in: Elke Timme (Author)

Romance Studies - Portuguese Studies
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In einem Interview sagte José Saramago, daß er letztendlich das niederschreibe, was er als innere Stimme höre. Er sieht den Leser als Zuhörer einer polyphonen Rede, der während der Lektüre das Gelesene re-oralisiert und somit den tieferen Sinn dieser Rede, zusammen mit Rhythmus, Klang, in Sprechpausen Verschwiegenem und mitgedachter Gestik erschließt. Dabei sollen fehlende Interpunktion und Undifferenzierung der Erzähler- und Figurenreden dem Leser die mündliche Rezeption erleichtern.

Nach dem Versuch einer Begriffsbestimmung von „Oralität“ wird in dieser Arbeit an Beispielen dargelegt, welche Schreibtechniken Saramago im 1982 erschienenen Roman MEMORIAL DO CONVENTO einsetzt, um mündliches Erzählen zu fingieren. Einer näheren Bestimmung der Kennzeichen mündlicher Literatur folgt abschließend eine Charakterisierung der für Saramago typischen „oralidade escrita“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG

II. ZUM BEGRIFF ORALITÄT

III. STILMITTEL IM MEMORIAL DO CONVENTO

1. Barocke Formen

2. Elemente der iberischen Erzähltradition

3. mündliche Strukturen

IV. SCHLUßBETRACHTUNG

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die spezifischen Schreibtechniken, mit denen José Saramago in seinem Roman "Memorial do Convento" die Simulation mündlichen Erzählens, die sogenannte "oralidade escrita", erzeugt. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie der Autor durch die bewusste Fingierung von Mündlichkeit im Medium der Schrift eine stärkere Identifikation des Lesers mit der erzählten Welt ermöglicht.

  • Untersuchung des Begriffs der Oralität und deren Simulation in der Literatur
  • Analyse barocker Stilelemente und deren rhetorische Funktion
  • Einfluss der iberischen Erzähltradition und ihrer volkstümlichen Strukturen
  • Untersuchung der Erzählstimme und ihrer polyphonen Charakteristik

Auszug aus dem Buch

III. Stilmittel im MEMORIAL DO CONVENTO

Während der Titel eher auf eine Chronik deutet, verweist der Paratext auf dem Buchdeckel, der die Erzählstränge nennt, auf die Gattung des Märchens: Era uma vez um rei que fez promessa de levantar um convento em Mafra. Era uma vez a gente que construiu esse convento. Era um vez um soldado maneta e uma mulher que tinha poderes. Era uma vez um padre que queria voar e morreu doido. Era uma vez.

Neben dem Rahmengeschehen des nur unter Einsatz brutaler Gewalt gelingenden Klosterbaus (werden doch Zehntausende von Arbeitern zusammengetrieben, die unter Aufbietung aller Kräfte das riesige Bauwerk errichten) und den einzelnen Erzählungen um das Liebespaar Blimunda und Baltasar sowie der Geschichte über den Versuch der historischen Person Padre Bartolomeu, eine Flugmaschine zu bauen, entwirft Saramago eine Vielzahl szenischer Episoden: Zeittypische Auto-da-fés werden geschildert, eine Tourada auf dem Terreiro do Paço; Prozessionen stehen neben Szenen aus dem Klosterleben und der Verfolgung durch die Inquisition.

Der auktoriale Erzähler beginnt als Chronist: Eine Stimme erzählt, inpersonell, zeitlos, in der Art eines „voice off“. Er kontrolliert die Erzählung, weiß, was danach geschehen ist: „diríamos hoje“ (p.150), stellt sich allerdings manchmal unwissend im Hinblick auf die Geschehnisse. Er tritt aus dem Handlungsgeschehen heraus und führt seine Gedanken in zahlreichen Abschweifungen bis in Gegenwart und Zukunft. Manchmal spricht der Erzähler aus der Perspektive einzelner Gestalten, wobei allerdings oftmals nicht zu erkennen ist, wer spricht; ob ein Kommentar zu Ereignissen oder Personen von ihm stammt oder aus dem Blickwinkel der am Geschehen Beteiligten geschrieben wurde. Dieser Stimmenimitator ändert ständig seine Identität; der Leser wird zum Zuhörer einer polyphonen Rede.

Zusammenfassung der Kapitel

I. EINLEITUNG: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Techniken der fingierten Mündlichkeit in Saramagos Werk zu analysieren und den Begriff der "oralidade escrita" einzuführen.

II. ZUM BEGRIFF ORALITÄT: Dieses Kapitel differenziert zwischen echter gesprochener Sprache und deren Simulation in der Schrift und stellt fest, dass Literatur lediglich eine solche Simulation leisten kann.

III. STILMITTEL IM MEMORIAL DO CONVENTO: Der Hauptteil untersucht die konkreten sprachlichen und narrativen Mittel, wie barocke Formen, Elemente der iberischen Erzähltradition und den Verzicht auf konventionelle Interpunktion, um Mündlichkeit zu fingieren.

IV. SCHLUßBETRACHTUNG: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass die Fingierung von Mündlichkeit ein Mittel ist, um das schriftliche Erzählen lebendiger zu gestalten und die Identifikation des Lesers zu fördern.

Schlüsselwörter

José Saramago, Memorial do Convento, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Oralität, oralidade escrita, fingiertes Erzählen, barocke Stilmittel, iberische Erzähltradition, Erzählstruktur, polyphone Rede, Simulation, Sprachanalyse, Literaturwissenschaft, Portugal.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie der Autor José Saramago in seinem Roman "Memorial do Convento" durch gezielte Schreibtechniken den Eindruck von mündlichem Erzählen im geschriebenen Text erweckt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Untersuchung von Sprachstilen, der Einfluss der iberischen Erzähltradition auf das moderne Erzählen sowie die theoretische Auseinandersetzung mit Mündlichkeit und Schriftlichkeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die spezifischen Techniken der "oralidade escrita" (geschriebene Mündlichkeit) bei Saramago zu identifizieren und zu erläutern, wie diese das Leseerlebnis und die Identifikationsmöglichkeiten des Lesers beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Textstellen und kombiniert diese mit sprachtheoretischen Modellen zur Unterscheidung von Sprache der Nähe und Sprache der Distanz.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse barocker Sprachelemente, die Verwendung von Sprichwörtern und Volksweisheiten der iberischen Tradition sowie die Untersuchung syntaktischer und erzähltechnischer Strukturen, die mündliche Diskursformen imitieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Oralität, "oralidade escrita", Simulation, fingiertes Erzählen, barocke Formen und polyphone Erzählweise charakterisiert.

Wie unterscheidet sich Saramagos Erzähler von einem klassischen chronistischen Erzähler?

Obwohl er wie ein Chronist beginnt, nimmt er durch seine ständige Identitätsänderung und den ständigen Wechsel der Perspektive die Rolle eines "Stimmenimitators" ein, der den Leser zum Zuhörer polyphoner Reden macht.

Warum verwendet Saramago keine reale gesprochene Sprache in den Dialogen?

Da Literatur ein Medium der Schrift ist, ist eine exakte Kopie gesprochener Sprache unmöglich; Saramago nutzt stattdessen eine "poetisch überhöhte" Sprache, um das Mündliche durch Kunstgriffe zu simulieren.

Welche Rolle spielt die iberische Erzähltradition für den Roman?

Sie dient als Fundament für Sprichwörter, Aphorismen und prophetische Schreibweisen, die dem Text durch die Anbindung an volkstümliches Wissen einen Anschein von Authentizität und "Volkswahrheiten" verleihen.

Excerpt out of 15 pages  - scroll top

Details

Title
Formen artistischer Oralität in Jose Saramagos "Memorial do Convento"
College
University of Cologne  (Portugiesich-Brasilianisches Institut)
Course
Mündlichkeit und Schriftlichkeit in den portugiesischsprachigen Kulturen
Grade
2
Author
Elke Timme (Author)
Publication Year
1999
Pages
15
Catalog Number
V45884
ISBN (eBook)
9783638432115
ISBN (Book)
9783638763776
Language
German
Tags
Formen Oralität Jose Saramagos Memorial Convento Mündlichkeit Schriftlichkeit Kulturen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elke Timme (Author), 1999, Formen artistischer Oralität in Jose Saramagos "Memorial do Convento", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45884
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  15  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint