Warum explodieren die Kosten bei Großprojekten? Am Beispiel des Flughafens Berlin Brandenburg "Willy Brandt"


Hausarbeit, 2018
33 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise
1.3 Ziel

2. Das Großprojekt
2.1 Abgrenzung von Großprojekten
2.2 Grundlagen des Projektmanagements
2.2.1 Planung
2.2.2 Umsetzung
2.2.3 Kontrolle

3. Praxisbeispiel am Flughafen Berlin Brandenburg
3.1 Vorgeschichte und Standortwahl des Flughafens
3.2 Zeitlicher Verlauf des Baus
3.3 „Fluchhafen BER“- Fluch oder Segen?
3.3.1 Politischer Einfluss beim Projekt BER
3.3.2 Planungsfehler und Schwierigkeiten beim Bau

4. Szenario-Technik
4.1 Negatives Extremszenario anhand der gegenwärtigen Situation
4.2 Ausblick auf positives Extremszenario

5. Fazit

Anhang

Quellen- und Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Preisexplosion bei Großprojekten

Abbildung 2: Projektphasen

Abbildung 3: Ausblick vom Infotower

Abbildung 5: Innenbauarbeiten

Abbildung 4: Terminal Gebäude

Abbildung 6: Szenario-Technik

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Misserfolg ist die Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen. Hindernisse sind diese furchterregenden Sachen, die du dann siehst, wenn du dein Ziel aus den Augen verlierst.“[1]

Bereits Henry Ford erkannte, dass die Thematik der Projektplanung und dessen Umsetzung von Herausforderungen behaftet ist. Hindernisse können während der Planung aber auch während der Umsetzung auftreten. Der Umgang mit ihnen ist der entscheidende Punkt, welcher das Erfüllen oder Scheitern eines Projekts ausmachen kann. Ist es möglich diese Hindernisse frühzeitig zu erkennen und zu bewältigen?

Diese Schwierigkeiten führen gerade im Bereich des Projektmanagements häufig zum Verfehlen von Rahmenbedingungen oder im schlimmsten Fall sogar zum Scheitern.

1.1 Problemstellung

Ein essentieller Bestandteil der Rahmenbedingungen eines jeden Projekts sind dessen Kosten. Diese müssen stets im Blick behalten werden, um ein festgesetztes Projektbudget nicht zu überschreiten. Viele Faktoren bewirken, dass diese Ausgaben während den einzelnen Phasen eines Projekts rapide ansteigen können. Doch warum ist das so und wo liegen mögliche Ursachen dafür?

In dem gewählten Thema, der explodierenden Kosten von Großprojekten, werden die Autoren sich genau mit dieser Fragestellung auseinandersetzen. Hierbei fiel die Entscheidung auf das Beispiel des Flughafens Berlin Brandenburg. Als ideales Beispiel für ein gescheitertes Großprojekt mit einem immensen Überschreiten des geplanten Budgets, wird der Flughafen „BER“ zur näheren Betrachtung einbezogen. Maßgeblich fiel die Entscheidung auf dieses Thema, da ein persönlicher Bezug zur Materie gegeben ist. Im dritten Semester besuchten die Autoren im Rahmen der Projektwoche den Flughafen BER. Persönliche Eindrücke und Bildmaterial konnten während der Umsetzungsphase dieses Großprojekts gesammelt werden. Die Führung eines ehemaligen Marketingmitarbeiters brachte eine Vielzahl an Wissen und Informationen aus erster Hand mit sich. Er berichtete über die Probleme und die Ursachen für den Misserfolg. Von diesen Erfahrungen möchten die Autoren profitieren und sie in unsere Hausarbeit sachlogisch einbinden.

Um das Thema der explodierenden Kosten bei Großprojekten am Beispiel des Flughafens BER erklären zu können, gilt es die geschönten Aussagen und Daten von den realitätsgetreuen zu trennen. Hierbei wird von der Methodik der Literaturanalyse Gebrauch gemacht, um Aussagen auf den Wahrheitsgehalt prüfen und anschließend miteinander vergleichen zu können.

1.2 Vorgehensweise

Zunächst werden dem Leser genauere Informationen zur Definition der Großprojekte und derer Abgrenzung vermitteln. Anschließend erläutern die Autoren die Grundlagen zur erfolgreichen Durchführung eines solchen Großprojekts. Hierbei werden die einzelnen Projektphasen differenziert betrachtet. Dieses vermittelte theoretische Wissen wird anschließend für das Verständnis der Zusammenhänge, des Praxisbeispiels Flughafen BER, benötigt. Dort wird zunächst Bezug auf die Vorgeschichte und den zeitlichen Verlauf des Baus gelegt. Dann werden Einflussfaktoren, genauer der politische Einfluss und die Planungsfehler sowie die allgemeinen Schwierigkeiten, für den negativen Verlauf des Flughafenbaus betrachtet. Im Gliederungspunkt vier wird mit Hilfe des strategischen Analyseinstruments der SzenarioTechnik, das Trendszenario beschreiben. Davon ausgehend, folgt dann eine Betrachtung von möglichen positiven und negativen Extremszenarien des Großprojekts Flughafen Berlin Brandenburg. Mit dem Zusammenfassen unserer Erkenntnisse beendet der letzte Gliederungspunkt des Fazits unsere schriftliche Ausarbeitung.

1.3 Ziel

Im Zuge dieser Hausarbeit soll dem Leser ein Einblick in die Materie der Großprojekte gewährt werden. Neben der grundsätzlichen Wissensvermittlung im Bereich der begrifflichen Einordnung/Abgrenzung und der Grundlagenaneignung, wird die Thematik der Kosten stets eingebunden. Hierbei wird am Praxisbeispiel des Flughafens Berlin Brandenburg ein realitätsnaher Bezug hergestellt. Weiterhin werden verschiedene Einflüsse zur Betrachtung herangezogen, die einen Projektausgang maßgeblich beeinflussen können. Mit Hilfe eines Analyseinstruments wird zudem eine genauere Betrachtung des Praxisbeispiels ermöglicht. Als Intention der Hausarbeit möchten die Autoren, dass eine Basis für den Leser geschaffen wird, um sich eine eigene Meinung zum Thema explodierender Kosten bei Großprojekten bilden zu können. Im besten Fall resultiert zudem ein eigenes Meinungsbild zum weiterhin aktuellen Thema des Flughafens BER, bei welchem ein Projektabschluss noch in unbestimmbarer Zukunft liegt.

2. Das Großprojekt

Gerade in der heutigen Zeit scheitern mehr Großprojekte denn je. Folgt man einer angesprochenen Studie im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, so ist dieses Scheitern nahezu zur Regel geworden. Hannah Decker spricht in der aktualisierten Version vom 29.09.2015, über eine Studie von Wissenschaftlern der Oxford und Harvard Universitäten, die ein solches Scheitern untersuchten. In der Studie wurden mehr als 2000 Großprojekte aus 104 Ländern und 6 Kontinenten von den Wissenschaftlern Prof. Dr. Bent Flyvbjerg und Prof. Cass Robert Sunstein betrachtet. Als Resultat verliefen über drei Viertel der Projekte nicht nach Plan. Als Ursache trat die systematische Unterschätzung der Kosten mit einer gleichzeitigen Überschätzung des wirtschaftlichen Nutzens hervor.[2]

So liefert folgende Abbildung 1, einige weltweite Beispiele für Preisexplosionen bei Großprojekten und die systematische Unterschätzung der Kosten:

Abbildung 1: Preisexplosion bei Großprojekten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: statista.com

In der Grafik sind verschiedene Länder mit bekannten Großprojekten abgebildet. Dargestellt ist die Kostensteigerung in Prozent, des jeweiligen Großprojekts zu dem geplanten Budget. Dahinter befinden sich die entstandenen Gesamtkosten bei Projektabschluss. Alle Summen wurden inflationsbereinigt in US-Dollar zum Vergleich angegeben.

Traut man den Ergebnissen der Studie im Zusammenspiel mit der angeführten Statistik, so wird reichlich Anlass geboten, die Thematik und deren Ursachen näher zu untersuchen.

2.1 Abgrenzung von Großprojekten

Um eine begriffliche Abgrenzung vornehmen zu können, sollte zunächst der Begriff des Großprojekts näher untersucht werden.

Bei erstmaliger Betrachtung des Begriffs, lässt sich erkennen, dass es sich um ein zusammengesetztes Substantiv handelt. Diese Wortkonstruktion lässt sich in die Wörter „groß“, als beschreibendes Adjektiv und „Projekt“ als Nomen unterteilen. Hierbei gibt das Adjektiv bereits eine erste Implikation über einen gravierenden Unterschied zu einem “normalen“ Projekt, nämlich der Dimension von zu Grunde liegenden Rahmenbedingungen. Zunächst soll eine Definition des Begriffs Projekt, die Grundlage für eine Differenzierung schaffen. Im Allgemeinen ist der Projektbegriff nicht eindeutig festgelegt und bietet Spielraum für eine subjektive Interpretation. Als Grundlage wird die Definition eines deutschen Mitglieds der International Project Management Association (kurz IPMA) aus Basis der DIN verwendet:

„Ein Projekt ist ein Vorhaben, das im Wesentlichen durch die Einmaligkeit der Bedingungen in seiner Gesamtheit gekennzeichnet ist, z.B. Zielvorgabe, zeitliche, finanzielle, personelle und andere Begrenzungen, Abgrenzung gegenüber anderen Vorhaben und projektspezifische Organisation. (DIN 69 901)“[3]

Die angesprochenen Rahmenbedingungen von Projekten gelten auch für Großprojekte, jedoch in einem anderen Ausmaß. Die bereits erwähnte Dimension ist gemeint. So kommt es, dass Großprojekte nicht selten auch in mehreren Kriterien “normale“ Projekte übertreffen.[4] Oftmals erhöht sich als Konsequenz eines Großprojekts die gesamte Komplexität des Vorhabens. Die Anzahl an Vorgängen bewegt sich ca. zwischen 500 und 100.00 Vorgängen.

Nicht selten ist es der Fall, dass mindestens zwei Unternehmen an deren Planung und Umsetzung beteiligt sind. Gleichzeitig ist ein typisches Indiz, das Gründen einer Projekt-Gesellschaft.[5] Die Öffentlichkeit schenkt solch großen Vorhaben oft mehr Aufmerksamkeit. So kommt es, dass auch die politische Dimension an Bedeutung gewinnt und der Druck einer Zielverfehlung oder gar eines Scheiterns gravierend ansteigt. Den Aspekt eines Großprojekts als Politikum wird im Zuge des Praxisbeispiels genauer beleuchtet. Die öffentliche Präsenz sowie die Bedeutung und Größe eines Großprojekts, können existenziell für eine Organisation sein. Resultierende negative Folgen können im schlimmsten Fall, die gesamte Existenz und Zukunft der/des Unternehmen(s) bedrohen.[6]

2.2 Grundlagen des Projektmanagements

Während dem Vorgang der Planung und Umsetzung eines Großprojekts, kann auf Vorgehensweisen und Wissen von Projekten kleinerer Größenordnung, zurückgegriffen werden. Es lässt sich bis auf das Ausmaß der Dimension eine Analogie herstellen. Um der enormen Komplexität des Großprojekts zu begegnen, wird es üblicherweise in einzelne Phasen zerlegt. Eine Aufteilung in einzelne Projektphasen kann wie folgt aussehen:

Abbildung 2: Projektphasen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Projektmanagementhandbuch.de

Aus der Grafik lässt sich das parallele Phasenmodell erkennen, welches eine Möglichkeit der Projektstrukturierung bei einem Großprojekt aufzeigt. Es eignet sich besonders gut für komplexere Projekte, die über einen längeren Zeitraum laufen. Durch ein zeitliches Überschneiden während der einzelnen Projektphasen kann Zeit eingespart werden und ein enger Zeitplan eingehalten werden.[7]

2.2.1 Planung

In diesem Gliederungspunkt werden theoretische Ansätze zur praktischen Umsetzung, in Bezug auf die Planung eines Großprojekts, dargestellt. Hierbei wird von einem Bauvorhaben ausgegangen.

Die zu Beginn eines Projekts getroffenen Planungsentscheidungen haben Einfluss auf die Gesamtsumme der Kosten. Oftmals werden erhebliche Kosten verursacht, da anfängliche Fehler in der Planung behoben oder Änderungen vorgenommen werden müssen. Um diese

Mehrkosten zu vermeiden müssen Bestandteile wie Grundlagenermittlung, Entwurfs- und

Genehmigungsplanung sorgfältig aufbereitet werden.[8]

Bevor die eigentliche Planung eines Großprojekts initiiert werden kann, muss der Auftragsgeber eine Grundlagenermittlung durchführen. Eine tatsächliche Notwendigkeit, ein wirtschaftlicher Nutzen sowie Besonderheiten des Vorhabens sollen dabei als Resultat bestimmt werden. Hierfür kann ein externer Sachverständiger beauftragt werden.9 Im Rahmen der Grundlagenermittlung sind transparente Kosten die Basis für die Bestimmung der Wirtschaftlichkeit während der einzelnen Phasen des Projekts. Diese ermöglichen einen Überblick über geplante Ausgaben und bei zu hohen Kosten, können Alternativprüfungen oder ein Projektabbruch frühzeitig in Betrachtung gezogen werden. Ein Bericht zum Ende jeder einzelnen Phase bedeutet höhere Kosten während der frühzeitigen Projektplanung, liefert aber gleichzeitig eine transparente Kostenübersicht. Somit könnten risikobedingte Ausgaben gesenkt werden und ein Erreichen des Projektziels ist wahrscheinlicher.[9]

Während des Planungsprozesses sind viele Fachplaner und Architekten dafür zuständig, dass ihre delegierten Planungsbestandteile in einem gewissen zeitlichen Rahmen vorhanden sind. Im Zuge einer detaillierten Planung sollte eine genau aufeinander abgestimmte Aufgabenverteilung auf diese Leistungsträger vorgenommen werden, sodass jedes Planungsergebnis mit dessen Risiken und Kosten bestimmt wird. In der heutigen Zeit machen es verschiedene technische Systeme möglich, eine solche Abstimmung der einzelnen Planungsbestandteile aufeinander, vorzunehmen. Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte Building Information Modelling (BIM). Mit dieser Software können alle beteiligten Planer eines Projekts auf das gleiche virtuelle Modell zugreifen und darin arbeiten.11

Auf Basis der bereits bestimmten Risiken, kann im Teilbereich der Vorentwurfsplanung eine Kostenberechnung stattfinden. Diesbezüglich werden zunächst Abweichungen vom vorgesehenen Plan nach ihrer Häufigkeit bemessen und anschließend die Kosten in Abhängigkeit von der zu ergreifenden Maßnahme dargestellt. Abweichungen und Maßnahmen zur Plankorrektur beeinflussen den Zeitplan eines solchen Projekts und sollten in diesen einbezogen werden, um die Einhaltung von Terminen und Fristen planbar zu machen. Ein frühes Zusammenkommen vom Auftraggeber, Entwurfsplaner, Fachplaner sowie Bauausführenden ist empfehlenswert, um eine gemeinsame Umsetzung zu besprechen. Hierbei sollte der Fokus auf einer möglichst kostengünstigen und gleichzeitig qualitativ hochwertigen Ausführung liegen. Hierbei sollte der Auftraggeber berücksichtigen, dass Bauunternehmen eine eigene Gewinnmaximierung verfolgen und somit sollte er Angebote vergleichen und genau bewerten.[10]

[...]


[1] Henry Ford I (1863-1947)

[2] Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung (2015)

[3] Pfetzing K. und Rhode A. (2009), S. 20

[4] Vgl. openpm (2013)

[5] Vgl. projektmagazin (2004)

[6] Vgl. openpm (2013)

[7] Vgl. Projektmanagementhandbuch

[8] Vgl. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) (2013) 9 Vgl. ders.

[9] Vgl. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) (2013) 11 Vgl. ders.

[10] Vgl. ders.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Warum explodieren die Kosten bei Großprojekten? Am Beispiel des Flughafens Berlin Brandenburg "Willy Brandt"
Hochschule
Hochschule Harz - Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH)
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
33
Katalognummer
V458865
ISBN (eBook)
9783668878259
ISBN (Buch)
9783668878266
Sprache
Deutsch
Schlagworte
warum, kosten, großprojekten, beispiel, flughafens, berlin, brandenburg, willy, brandt, BER
Arbeit zitieren
Felix Schäfer (Autor), 2018, Warum explodieren die Kosten bei Großprojekten? Am Beispiel des Flughafens Berlin Brandenburg "Willy Brandt", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458865

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