Piraterie in der Antike

Eine Quelleninterpretation


Essay, 2016
7 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

Piraten sind heute zwar keine allzu große Bedrohung mehr für die Seefahrt, allerdings war dies in der Antike anders. Mal davon abgesehen, dass die Schiffe in der Antike noch lange nicht so fortschrittlich waren wie sie es heute sind, galten Piraten als eine der größten Bedrohungen die auf See und für die Küstenstädte auftreten konnten. Vor allem im griechisch-römischen Raum lagen viele Städte am Meer, was ihnen eine großräumige Seefahrt ermöglichte, sie aber auch anfällig für Übergriffe von Piraten machte.

Bei der ausgewählten Quelle, Appian Mithridates 63, 261 – 2631, handelt es sich um einen Ausschnitt aus dem Werk „Rhomaika“ des griechischen Autoren Appian. Dieses Werk wurde in der Mitte des 2. Jahrhunderts verfasst und behandelt die Kriege des Römischen Reiches, geordnet nach ihrer geographischen Lage. Leider sind nur Ausschnitte des Werkes überliefert und der historische Wert dieser Quelle ist ebenfalls umstritten, da Appian, wie viele seiner Zeitgenossen, wahrscheinlich von anderen Autoren abgeschrieben hat. Dies ist daran erkennbar, dass Appian erst um 90 n. Chr. geboren wurde, die Geschehnisse die die Quelle behandelt allerdings um 100 v. Chr. stattfanden. Trotzdem gilt sein Werk als eine der wichtigsten erhaltenden Quellen der römischen Bürgerkriege.

Da das Werk von Appian einen sehr großen Zeitraum umfasst, 6. Jh. v. Chr. bis etwa 115 n. Chr., kann er einen großen Teil der Geschehnisse nicht miterlebt haben. Darum ist anzunehmen, dass er diese aus Erzählungen aufgeschrieben oder die Geschehnisse von anderen Autoren abgeschrieben hat. Auch unterscheidet er sich in einem Punkt besonders von seinen Zeitgenossen, da er nicht versucht eine gesamte Geschichte des Römischen Reichs niederzuschreiben, sondern sich auf die diplomatischen und militärischen Vorgänge beschränkt.2 Trotzdem ist er in seinem Werk dem Römischen Reich sehr positiv gegenüber eingestellt und versucht dessen Größe und Herrlichkeit zu verdeutlichen. Darum ist der ausgesuchte Ausschnitt besonders zu betrachten, da das römische Reich in einem nicht ganz so guten Licht dasteht, wenn es um den Umgang mit den Piraten ging.

Die Piraterie war eine Art Beruf, indem es um das Überleben ging, denn die Piraten überfielen oft Küstenstädte und raubten bevorzugt Nahrung, statt Geld. Die Piraterie war in der Frühzeit auch kein Verbrechen, vielmehr wurden die Piraten mit viel Ehre und Ruhm versehen, daher auch der Name Pirat, der übersetzt „etwas wagen“ bedeutet. Auch wurde der Kampf gegen das Meer, dem die Piraten ausgesetzt waren mit einem religiösen Aspekt gesehen, denn wer das Meer besiegte, besiegte auch den Teufel.

Für meine Interpretation beschäftige ich mich mit der Übersetzung von Otto Veh: Römische Geschichte. Stuttgart 1987 – 1989.

In der Quelle berichtet Appian von Notlage, in der sich die Städte der Provinz Asien befinden. Sie erleben eine Zeit des Unglücks, denn sie werden oft von Piratenbanden überfallen. Dabei handelt es sich nicht um kleine Räuberbanden, sondern um solch große Gruppen, dass sie von gewöhnlichen Flotten kaum zu unterscheiden seien.

„[...] denn gewaltige Mengen von Piraten, eher gewöhnlichen Flotten als Räuberbanden gleichend, überfielen ganz offen das Land.“3

Des Weiteren schreibt Appian, dass diese Piraten ursprünglich von Mithridates gebilligt wurden und sich mit der Zeit so gewaltig vermehrt haben, sodass diese mittlerweile Häfen und sogar Küstenstädte angreifen würden.

„[...] hatte sie Mithridates in See gebracht, in der Zeit, da er in Erwartung einer nur vorübergehenden Besitznahme aller Gebiete heimsuchte.“4

Auch hätten die Piraten Samos, Iassos, Klazomenai und Samothrake erobert, „wo sich gerade Sulla aufhielt“ und die Piraten hätten das samothrakische Heiligtum um Besitztümer im Wert von ungefähr 1000 Talente beraubt.

Zum Ende des Ausschnittes bemängelt Appian, dass Sulla statt den Städten in ihrer Notlage zu helfen, mit seinen Truppen zurück nach Italien geht und die Menschen den Piraten überlässt.

Mithridates VI. war von ca. 120 v. Chr. bis 63 v. Chr. der König von Pontos und einer größten Gegner des Römischen Reichs zu dieser Zeit.

„Mithridates VI. Eupator, king of Pontos (120 – 63 BC), was one of Rome’s most inplacable and successful enemies.“5

Durch seine Eroberungszüge in Kleinasien und deren Ausbeutung entstanden drei große Kriege, in welchen er unteranderem Piraten billigt, die den Seeverkehr zwischen den Städten unterbanden und dadurch eine Hungersnot bei der Bevölkerung verursachten.

„[...] erfüllte das Meer von Kilikien bis zu den Säulen des Herakles mit Piraten, die jeden Handel und Seeverkehr zwischen den Städten unterbanden und auf lange Zeit eine schwere Hungersnot verursachten.“6

In dem ausgesuchten Ausschnitt der Quelle, gibt Appian nicht nur sachlich die Lage Notlage der Provinz Asien wieder, er schreibt auch, dass die Menschen in ihrer Notlage alleine gelassen wurden. Außerdem wird nicht darüber berichtet, dass gegen die Piraten aktiv etwas unternommen wurde. Ferner schreibt Appian sogar, dass Sulla die Menschen absichtlich den Piraten überlässt und mit seinen Truppen nach Griechenland übersetzt. Allerdings erwähnt Appian auch, dass es ebenfalls möglich wäre, dass Sulla wegen der Unruhen im Römischen Reich mit seinen Truppen zurück nach Rom geht.7 An dieser Stelle lässt sich auch erahnen, dass das Römische Reich zu dieser Zeit wohl einige andere wichtigere Probleme hatte, die es zu beseitigen galt und die Piraten oder das Wohl der Einwohner nicht die höchste Priorität hatten, sondern die Sicherung der Macht in Rom.

Wenn man die Quelle mit den Ausschnitten App. Mi. 119 und App. Mi. 78 vergleicht, fällt einem außerdem auf, dass die Piraten nicht irgendwelche Wilden waren, die unkontrolliert jedes Schiff und jede Küstenstadt überfielen, sondern sie vielmehr von Mithridates bewusst gebilligt wurden. In App. Mi. 78. wird sogar davon berichtet, dass nachdem dieser eine große Anzahl an Schiffen und Menschen verloren hatte, er sich an Bord eines Piratenschiffs begibt und sich von diesen nach Sinope bringen lässt. Dies zeigt, dass Mithridates ein Bündnis mit den Piraten gehabt oder sie für ihre Dienste gut belohnt haben muss.

Piraterie war in der Antike klar definiert. Griff ein Staat einen anderen an, so handelte es sich um eine kriegerische Handlung. Griffen allerdings Privatleute andere Privatleute an, so galt dies als Piraterie. Dies lag auch oftmals daran, dass den Piraten keine Zugehörigkeit nachwiesen werden und man daher niemand anderen für die Übergriffe verantwortlich machen konnte.

Einige Herrscher setzten die Piraten auch als politisches Druckmittel ein, wie wir weiter oben am Beispiel von Mithridates gesehen haben, denn sie konnten den Handel über die Seewege unterbinden. Mal davon abgesehen das der Seehandel ohnehin schon viele Risiken hatte, gab es oft auch keine Möglichkeit Fernhandel über den Landweg zu betreiben, da dieser viel langsamer und teurer war und es oft an Straßen fehlte die die Händler benutzen konnten. Zudem war der Mittelmeerraum sehr bergig und zerklüftet, was die Transporte über die Landwege noch zusätzlich erschwerte.

In Rom selber galt der Seehandel als verpönt. Die Römer sahen sich selber als Landwirte nicht als Seefahrer. Zwar konnte man mit der Landwirtschaft nicht reich werden, aber er bot eine stabile Rendite und war wichtig für die Versorgung der Soldaten und der Bevölkerung. Teilweise war es den Senatoren sogar verboten Seehandel zu betreiben.8 Dieser wurde dann meist über eine 3. Person betrieben, da der Seehandel für sie besonders lukrativ erschien.

Trotzdem waren die Römer auf den Seehandel angewiesen und daher auch daran interessiert, dass die Handelswege und Küstenstädte vor Piraten geschützt waren. Diesen Punkt greift Raimund Schulz auch in seinem Buch auf, indem er darauf hinweist, dass 227 und 225 v. Chr. „zwei Legionen nach Tarent und Sizilien zum Schutz der Meerenge verlegt“9 wurden.

Zu der Zeit von Mithridates wurden viele Menschen durch die römischen Tributforderungen und die erzwungene Abrüstung regelrecht in die Piraterie getrieben. Die Piraten versuchten sich gegen die Ausbeutung zur Wehr zu setzen und wurden dabei von Privatleuten, Händlern und sogar Königen unterstützt.

Die Piraten wurden eingesetzt um den Seehandel zu blockieren und somit die Preise für bestimmte Waren (z.B. Getreide) in die Höhe zu treiben, aber auch um die Zollabgaben für den Handel zu umgehen.

„Selbst die lokalen Händler erkannten in den Seeräubern Partner gegen die Zollpächter, die mit hohen Hafenzöllen den provinzialen Handel drangsalierten und den lukrativen Sklavenhandel an sich rissen.“10

Diese Stelle zeigt noch einmal deutlich, dass sich die Piraterie nicht nur auf die Seeräuberei beschränkte, sondern sich über die Jahre zu einem sehr rentablen Geschäft für die Beteiligten auswirkte.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Quelle verdeutlicht, dass die Piraten eine große Bedrohung in der Antike waren, nicht nur für die Seefahrt, sondern auch für die Küstenstädte. Auch wurden sie als politisches oder wirtschaftliches Mittel eingesetzt, wie man am Beispiel von Mithridates gesehen hat. Dieser billigte die Piraten nicht nur um Asien mit Unglück zu überziehen, sondern bediente sich derer ebenfalls, als sein Schiff nicht mehr seetauglich war.

[...]


1 Übersetzt von Veh, Otto: Römische Geschichte. Stuttgart 1987 – 1989.

2 Vgl. Moschek, Wolfgang: Der Römische Limes: Eine Kultur- und Mentalitätsgeschichte. Erfurt 2009. Seite 74

3 App. Mi., 63, 262

4 App. Mi., 63, 262

5 De Souza, Philip: Piracy in the Graeco-Roman World. Cambridge 1999. Seite 116

6 App. Mi. 119, 586

7 App. Mi. 63, 263

8 Vgl. Schulz, Raimund: Die Antike und das Meer. Darmstadt 2005. Seite 168

9 Schulz, Raimund: Die Antike und das Meer. Darmstadt 2005. Seite 169

10 Schulz, Raimund: Die Antike und das Meer. Darmstadt 2005. Seite 176

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Piraterie in der Antike
Untertitel
Eine Quelleninterpretation
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Piraterie in der Antike
Note
2,3
Jahr
2016
Seiten
7
Katalognummer
V458943
ISBN (eBook)
9783668903616
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Piraterie, Antike, Quelleninterpretation, Essay, Piraten, Pirat, Proseminar, Seefahrt
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Piraterie in der Antike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458943

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