Ritter und Prinzessinnen, Burgen und Schlösser, Märchenprinzen und Drachen – das Mittelalter beeindruckt nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern findet auch in der Neuzeit immer wieder Anwendung in Filmen wie Der Herr der Ringe oder Serien wie Game of Thrones. Die Erfahrung zeigt, dass ein Thema eine gewisse Aktualität und Relevanz aufweisen muss, ehe es in die Lehrpläne der Schulen aufgenommen wird. Seit den 1960er-Jahren verschwand die mittelalterliche Literatur aus den deutschen Lehrplänen und spielt aktuell höchstens eine marginale Rolle im Deutschunterricht. Filme und Serien wie die oben aufgeführten erfreuen sich gerade bei Jugendlichen und somit bei Schülerinnen und Schülern besonderer Beliebtheit. Doch wie lässt sich nicht nur das Mittelalter sondern insbesondere die mittelalterliche Literatur in den Schulunterricht zurückbringen?
Am Beispiel des Iwein Hartmanns von Aue sollen Ansätze zusammengestellt werden, mittelalterliche Literatur erneut in den Deutschunterricht zu integrieren. Hierfür wird zunächst die Frage beantwortet, warum insbesondere die Literatur des Mittelalters und nicht unbedingt die jüngerer Epochen vor diesem Hintergrund beleuchtet wird. Außerdem soll der schleswig-holsteinische Lehrplan der Sekundarstufe I für allgemeinbildende Schulen fokussiert werden, um herauszufinden, wo die mittelalterliche Literatur eingebettet werden könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mittelalterliche Literatur im Deutschunterricht
2.1 Die Geschichte mittelalterlicher Literatur im Deutschunterricht
2.2 Gründe für mittelalterliche Literatur im Deutschunterricht
2.3 Das Projekt „mittelneu“ für mittelalterliche Texte im Deutschunterricht
3. Mittelalterliche Literatur im Lehrplan
4. Der Iwein Hartmanns von Aue im Deutschunterricht
4.1 Das Vorlesen der neuhochdeutschen Übersetzung
4.2 Das Lesen der neuhochdeutschen Übersetzung
4.3 Das Lesen des Originaltextes
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Möglichkeiten, wie mittelalterliche Literatur, insbesondere Hartmanns von Aue "Iwein", didaktisch sinnvoll in den Deutschunterricht der schleswig-holsteinischen Sekundarstufe I integriert werden kann, wobei die aktuellen Lehrplanvorgaben und das Potenzial zur Kompetenzförderung im Mittelpunkt stehen.
- Aktualität und Relevanz des Mittelalters in der heutigen Jugendkultur
- Analyse des schleswig-holsteinischen Lehrplans bezüglich mittelalterlicher Literatur
- Didaktische Konzepte für Vorlesen und Lesen (neuhochdeutsch und original)
- Förderung von Sprachreflexion und Methodenkompetenz
- Einsatzmöglichkeiten digitaler Ressourcen wie dem Projekt "mittelneu"
Auszug aus dem Buch
4.3 Das Lesen des Originaltextes
Didaktisch und pädagogisch wertvoll kann unter der Möglichkeit des Lesens des Originaltextes nur sein, einen bestimmten Textausschnitt auszuwählen. Da an dieser Stelle nur die mittelalterliche Literatur im Fokus stehen soll, wird die Möglichkeit des Sprachunterrichts zum Spracherwerb der mittelhochdeutschen Sprache nicht weiter thematisiert.
Intention einer solchen Unterrichtseinheit sollte nicht erstrangig sein, den Schülerinnen und Schülern die mittelhochdeutsche Sprache beizubringen. Vielmehr könnte die Wörterbuch- und Übersetzungsarbeit fokussiert werden. Mithilfe der direkten Übersetzung in der de-Gruyter Ausgabe sollen das Verständnis erleichtert und zentrale Begriffe wie âventiure (V.525) oder minne (V. 1520) gesichert werden, abhängig davon, welcher Textabschnitt gewählt wird. Besonders ergiebig ist hierbei der Prolog, aus dem sich verschiedene Schlüsselwörter heraussuchen lassen:
Swer an rehte güete / wendet sîn gemüete, / dem volget sælde und êre. / des gît gewisse lêre / künec Artûs der guote, / der mit rîters muote / nâch lobe kunde strîten. / er hât bî sînen zîten / gelebet alsô schône / daz er der êren krône / dô truoc und noch sîn name treit. / des habent die wârheit / sîne lantliute: / sî jehent er lebe noch hiute. / er hât den lop erworben, / ist im der lîp erstorben, / sô lebet doch iemer sîn name. / er ist lasterlîcher schame / iemer viel gar erwert, / der noch nâch sînem site wert. / Ein rîter, der gelêret was / unde ez an bouchen las, / swenner sîne stunde / niht baz bewenden kunde, / daz er ouch tihtennes pflac / (daz man gerne hœren mac, / dâ kêrt er sînen vlîz an: / er was genant Hartman / und was ein Ouwære) (V. 1 – 29)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Faszination des Mittelalters bei Jugendlichen und stellt die Frage, wie mittelalterliche Literatur, beispielhaft durch den "Iwein", wieder in den Deutschunterricht integriert werden kann.
2. Mittelalterliche Literatur im Deutschunterricht: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung des mittelalterlichen Literaturunterrichts und führt pädagogische Gründe an, warum eine Beschäftigung mit dieser Epoche trotz moderner Medien sinnvoll ist.
3. Mittelalterliche Literatur im Lehrplan: Hier wird der schleswig-holsteinische Lehrplan analysiert, um herauszufinden, an welchen Stellen und mit welchen Begründungen mittelalterliche Literatur in den Unterricht eingebettet werden kann.
4. Der Iwein Hartmanns von Aue im Deutschunterricht: Der Autor zeigt konkrete didaktische Wege für den Unterricht auf, unterteilt in das Vorlesen, das Lesen der neuhochdeutschen Übersetzung sowie das punktuelle Lesen des Originaltextes.
5. Resümee: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Integration mittelalterlicher Literatur möglich und gewinnbringend ist, weist jedoch darauf hin, dass dies aufgrund fehlender expliziter Vorgaben eine bewusste Entscheidung der Lehrkräfte erfordert.
Schlüsselwörter
Mittelalterliche Literatur, Iwein, Hartmann von Aue, Deutschunterricht, Sekundarstufe I, Literaturdidaktik, Schleswig-Holstein, Lehrplan, Sprachwandel, Kompetenzorientierung, Mittelneu, Artusroman, Leseförderung, Mittelalterbild, Methodenkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie mittelalterliche Literatur in den Deutschunterricht der schleswig-holsteinischen Sekundarstufe I zurückgebracht werden kann.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die Arbeit fokussiert auf die Relevanz des Mittelalters für Jugendliche, die aktuelle Lehrplanlage und die praktische Umsetzung im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Ansätze für Lehrkräfte zu entwickeln, mittelalterliche Texte kompetenzorientiert und motivierend in den Unterricht zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse fachdidaktischer Literatur und die Prüfung schulischer Lehrpläne des Landes Schleswig-Holstein.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden methodische Vorschläge für den Umgang mit dem "Iwein" erarbeitet, gestaffelt nach Vorlesen, Übersetzungslektüre und Arbeit am Original.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind mittelalterliche Literatur, Kompetenzorientierung, Sprachwandel, Deutschunterricht und Hartmann von Aue.
Warum wird das Projekt "mittelneu" in der Arbeit erwähnt?
Das Portal dient als praxisnahes Beispiel, wie erprobte Unterrichtseinheiten und Materialien Lehrer bei der Einbindung mittelalterlicher Texte unterstützen können.
Welche Rolle spielt der "Iwein" in den didaktischen Überlegungen?
Der "Iwein" fungiert als konkretes Konkretionsbeispiel, an dem verschiedene Methoden der Textarbeit, vom Vorlesen bis zur formalen Analyse, verdeutlicht werden.
Ist der Einbezug mittelalterlicher Literatur durch den Lehrplan vorgeschrieben?
Nein, der Lehrplan bietet zwar Möglichkeiten, aber die konkrete Auswahl der Texte liegt weitgehend im Ermessen der Lehrkräfte oder schuleigener Curricula.
Was schlussfolgert der Autor bezüglich der Integration mittelalterlicher Literatur?
Die Integration ist möglich, wird aber ohne explizite vorgesehene Einheiten im Lehrplan vermutlich eine marginale Erscheinung bleiben.
- Citation du texte
- Bachelor of Arts Kevin Ruser (Auteur), 2016, Mittelalterliche Literatur im Schulunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458949