Die Rolle des tertiären Bildungssektors für die intergenerationelle Mobilität im internationalen Vergleich


Bachelorarbeit, 2018
67 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Intergenerationelle Mobilität - eine Definition

3. Messung Intergenerationeller Mobilität und Messkonzepte
3.1 Intergenerationelle Einkommensmobilität
3.2 Intergenerationelle Bildungsmobilität
3.3 Sozio-ökonomische Mobilität

4. Intergenerationelle Mobilität im internationalen Vergleich
4.1 Intergenerationelle Einkommensmobilität im internationalen Vergleich
4.2 Intergenerationelle Bildungsmobilität im internationalen Vergleich
4.3 Zusammenhang der Einkommens- und Bildungsmobilität
4.4 Rolle des tertiären Bildungssektors

5. Finanzielle Beschränkungen
5.1 Belley und Lochner (2007)
5.2 Frenette (2007)
5.3 Chowdry et al. (2012)
5.4 Vandenberghe (2007)
5.5 Zusammenfassung des Literaturüberblicks

6. Charakteristika der Hochschulsysteme
6.1 Ausmaß der Kostenteilung - Studiengebühren
6.2 Studienkredite und Studienzuschüsse
6.3 Analyse der charakteristischen Unterschiede im internationalen Vergleich

7. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1) Intergenerationelle Einkommensmobilität im internationalen Vergleich 15

Abbildung 2) Internationaler Vergleich intergenerationeller Bildungsmobilität 16

Abbildung 3) Europäischer Vergleich intergenerationeller Bildungsmobilität 17

Abbildung 4) Nationale Bildungskorrelation und Einkommenselastizität im Vergleich 20

Abbildung 5) College Teilnahme nach AFQT Quartil und Familieneinkommen 23

Abbildung 6) Internationaler Vergleich der tertiären Bildungssysteme 38

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1) Schätzungen intergenerationeller Einkommenselastizität 14

Tabelle 2) Regressionsergebnisse aus Belley und Lochner (2007) 25

Tabelle 3) Regressionsmodell aus Frenette (2007) 29

Tabelle 4) Regressionsmodell aus Chowdry et al. (2012) 31

Tabelle 5) Regressionsmodell aus Vandenberghe (2007) 34

1. Einleitung

Art. 2 Abs. 1 des Grundgesetzes garantiert im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland die freie Entfaltung der Persönlichkeit für jedermann. Artikel 3 Absatz 3 des deutschen Grundgesetzes sowie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz sollen zudem garantieren, dass sowohl im öffentlichen als auch privaten Bereich alle Menschen, unabhängig von sozialem Stand, Herkunft oder Religion gleiche Behandlung erfahren. Aus diesen genannten Gesetzen leitet sich in Deutschland die Forderung nach universeller Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit ab. Jeder Person steht das Recht auf einen gleichen Zugang zu Lebenschancen zu. Alle Individuen sollen daher gleiche berufliche, rechtliche und soziale Möglichkeiten erhalten. Dem Staat fällt in diesem Sinne die Aufgabe zu, durch sein politisches Handeln diese Chancengerechtigkeit zu garantieren und dementsprechend Strukturen zu schaffen, die eine möglichst vollständige Chancengleichheit zwischen Personen unterschiedlichster sozioökonomischer Herkunft ermöglicht.

Intergenerationelle Mobilität kann hierbei als Indikator für diese Chancengerechtigkeit einer Nation dienen, da sie eine Aussage darüber ermöglicht, inwieweit die Lebenserfolge von Individuen, zum Beispiel ihr Bildungsstatus oder ihr verdientes Einkommen, von dem erreichten Status ihrer Eltern abhängen. Werden die Erfolge der Kindergenerationen in geringerem Ausmaß durch die der Elterngeneration determiniert, so kann eine Generation als chancengerechter gelten und weist somit eine höhere beziehungsweise stärkere intergenerationelle Mobilität aus.

Die Relevanz der Thematik zeigt sich insbesondere durch den Fakt, dass neben der Bundesrepublik Deutschland fast alle Nationen der Erde in ihren politischen Maßnahmen das Ziel einer möglichst chancengerechten und fairen Gesellschaft verfolgen. Insbesondere in westlichen Demokratien fordert die Bevölkerung intergenerationelle Mobilität als Signal einer chancengleichen Gesellschaft. Jede Person mit genug Fleiß und Ehrgeiz muss die Möglichkeit haben, zu sozialem Aufstieg zu gelangen und seinen eigenen ökonomischen Status unabhängig von seinem Elternhaus mitbestimmen und vor allem verbessern zu können. Dabei lassen sich verschiedenste problematische und gefährliche gesellschaftliche Entwicklungen der Neuzeit auch auf die Wahrnehmung der Bevölkerung zurückführen, dass eine solche Chancengerechtigkeit nicht mehr in ausreichendem Maße gegeben zu sein scheint.

Insbesondere Bildung spielt für die Gewährleistung dieser Chancengerechtigkeit in allen westlichen Nationen die zentrale Rolle. Die rechtliche Absicherung und der universelle Zugang soll allen Gesellschaftsschichten gleiche Ausgangschancen zur freien persönlichen und beruflichen Entwicklung garantieren. Insbesondere der tertiäre Bildungssektor determiniert hierbei in großem Umfang die sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen der Individuen während ihres zukünftigen Lebensweges.

Da sich sowohl intergenerationelle Mobilität als auch die tertiären Bildungssektoren international sehr stark unterscheiden, untersucht diese Arbeit die Rolle des tertiären Bildungssektors für die intergenerationelle Mobilität und analysiert in einem internationalen Vergleich, inwiefern sich die Eigenschaften des tertiären Bildungssektors auf die intergenerationelle Mobilität auswirken.

Hierzu wird im ersten Abschnitt der Arbeit ein auf Elastizitäts- und Korrelationsschätzungen basierender internationaler Vergleich intergenerationeller Einkommens- und Bildungsmobilität vorgestellt. Im Ergebnis zeigt sich, dass Nationen mit starken Einkommensmobilitätsraten ebenfalls starke Bildungsmobilitätsraten ausweisen, was ebenso für den umgekehrten Fall gilt. Der eindeutige Zusammenhang der beiden Variablen ist letztlich durch die naheliegende Beziehung von Bildung und Einkommen zu erklären, wobei insbesondere die monetären Renditen des tertiären Bildungssektors für diese Abhängigkeit verantwortlich sind.

Damit der tertiäre Bildungssektor intergenerationelle Mobilität positiv beeinflussen kann, sollte jedem fähigen und willigem Individuum die Hochschulteilnahme ermöglicht werden. Der 2. Abschnitt dieser Arbeit untersucht daher, ob gegebenenfalls finanzielle Faktoren die Hochschulteilnahme beeinflussen und auf welche Ursachen die signifikant niedrigeren Teilnahmequoten sozioökonomisch schwächerer Gruppen zurückzuführen sind. Die Ergebnisse zeigen, dass hauptsächlich die knappen finanziellen und sonstigen familiären Ressourcen während der gesamten Kindheit, welche die Entwicklung kognitiver als auch nicht-kognitiver Fähigkeiten der Individuen hemmen, die unterschiedlichen Teilnahmequoten erklären. In geringem Ausmaß von bis zu 20% kann jedoch auch der finanzielle Status der Individuen unmittelbar vor der Teilnahmeentscheidung die Partizipation am tertiären Bildungssektor beeinflussen. Da insbesondere Individuen niedriger Einkommensgruppen unter finanziellen Beschränkungen leiden, ergibt sich hieraus ein klarer negativer Einfluss auf die intergenerationellen Mobilitätsraten, da Individuen nur von dem höheren Bildungsabschluss und dem damit einhergehenden höheren Einkommen profitieren können, solange ihre Eltern über ausreichende finanzielle Ressourcen verfügen um die Kosten des tertiären Bildungsweges bewältigen zu können.

Inwiefern es gelingt, dass Individuen nicht durch sogenannte kurzfristige finanzielle Beschränkungen an der Hochschulteilnahme gehindert werden und somit alle befähigten Individuen die gleiche Möglichkeit erhalten, am Hochschulsystem teilzunehmen, liegt nicht zuletzt an den charakterlichen Eigenschaften der tertiären Bildungssysteme. Diese Analyse erfolgt auf Basis eines internationalen Vergleichs im 3. Abschnitt dieser Arbeit. Die nationalen tertiären Bildungssysteme weisen hier ebenfalls klare Unterschiede auf. Zum einen verfolgen die Nationen unterschiedliche Ansätze der tertiären Bildungsfinanzierung. Zum anderen stellen sie den Studierenden in unterschiedlichem Ausmaß Unterstützungsleistungen und finanzielle Hilfen zur Bewältigung der mit dem Studium einhergehenden Kosten zur Verfügung. Die durchgeführte Literaturanalyse zeigt im Ergebnis, dass ein tertiäres Bildungssystem, welches vollständig öffentlich finanziert ist und zudem allen Studierenden finanzielle Unterstützungsleistungen zu Verfügung stellt, als am förderlichsten für die intergenerationelle Mobilität gelten muss. Der internationale Vergleich zeigt dabei, dass Staaten wie die skandinavischen Nationen, welche sich durch besonders hohe intergenerationelle Mobilitätsraten auszeichnen, einen solch förderlichen Systemansatz verfolgen. Auf der anderen Seite verfolgen Nationen mit niedrigen Mobilitätsraten wie zum Beispiel Brasilien und Süd-Afrika einen Systemansatz, der als am wenigsten förderlich für die intergenerationelle Mobilität gelten kann. Diese Nationen finanzieren hierbei ihren tertiären Bildungssektor zum Teil durch private Studiengebühren und ermöglichen nur einer Minderheit der Studierenden den Zugang zu finanziellen Unterstützungsleistungen, wobei der Großteil der Studenten auf die Finanzierung durch die Familie angewiesen ist. Die verwendeten Systemansätze erklären zwar keineswegs alleine die im ersten Abschnitt der Arbeit nachgewiesenen starken oder schwachen intergenerationellen Mobilitätsraten der Nationen, dennoch wirken sie sich in unterschiedlichem Ausmaß positiv oder negativ auf die intergenerationellen Mobilitätsraten aus und können daher als mitverantwortlich für die nationalen Unterschiede gemacht werden.

Insgesamt sollte der Einfluss des tertiären Bildungssektors auf die intergenerationelle Mobilität unabhängig von dem verwendeten Systemansatz quantitativ als eher gering eingeschätzt werden. Die Ergebnisse der Arbeit zeigen sich hierbei konsistent mit der gängigen Forschungsmeinung und unterstreichen die Effektivität und Relevanz von gesellschafts- und bildungspolitischen Maßnahmen, welche schon in deutlich früheren Entwicklungsphasen der Individuen greifen. Um die monetären Vorteile des tertiären Bildungsabschlusses genießen zu können, müssen Individuen zunächst die Fähigkeit und Qualifikation besitzen, ein solches absolvieren zu können. Der tertiäre Bildungssektor kann somit intergenerationelle Mobilität qualitativ am ehesten fördern, indem er Strukturen bereitstellt, die allen fähigen Individuen, unabhängig von ihrer sozioökonomischen Herkunft den Zugang und die Teilnahme am tertiären Bildungssystem ermöglicht.

2. Intergenerationelle Mobilität - eine Definition

Im Sinne der intergenerationellen Mobilität sind mit dem Begriff der „Mobilität“ die Bewegungen von Personen (Individuen, Familien, oder Gruppen) zwischen sozialen Positionen, Klassifizierungen oder Kategorien gemeint. Intergenerationell lässt sich allgemein als eine einseitige oder auch wechselseitige Beziehung zwischen Angehörigen unterschiedlicher Generationen. Der Begriff Intergenerationelle Mobilität in dieser Arbeit beschäftigt sich konform zu weitreichender Literatur mit einem Wechsel der Schicht- bzw. Klassenzugehörigkeit im sozioökonomischen Sinne zwischen der Eltern- und Kindergeneration (Berger, 2013). Hierbei handelt es sich immer um vertikale Mobilität, das heißt, dem Auf- oder Absteigen zwischen sozialen Lagen, Klassen, Schichten oder ökonomischen und beruflichen Positionen. Es findet dabei immer eine Bewertung der mit diesen Positionen und Schichten einhergehenden Ausstattung von Ressourcen statt, sodass die Verhältnisse und Zustände von Individuen als „besser“ oder „schlechter“ beziehungsweise „rangniedriger“ oder „ranghöher“ klassifiziert werden (Berger, 2013). Weitere, mit der Intergenerationellen Mobilität bedeutungsgleichen Begriffe welche, ebenfalls in der Literatur Verwendung finden, sind die Intergenerationelle soziale Mobilität, Generationenmobilität oder ebenfalls nur soziale Mobilität.

Eine sehr analytische Definition für den statistischen Gebrauch liefert die OECD in ihrem jährlich erscheinenden Bericht „Society at a Glance“. Hierbei definiert sich intergenerationelle Mobilität als Ausmaß, wie weit sich gewisse Schlüsselmerkmale und Qualifikationen von Kindern gegenüber denen ihrer Eltern unterscheiden und inwieweit messbare Entwicklungsresultate während dem Lebenszyklus voneinander abweichen. (OECD, 2007). Die auch in dieser Arbeit im Vordergrund stehende ökonomische Literatur befasst sich dabei mit der Frage, inwiefern und inwieweit der ökonomische Status von Kindern vom Status ihrer Eltern abhängt. In der Regel wird hierbei der Zusammenhang zwischen der relativen Einkommensklasse des Vaters und der des Sohnes untersucht, da insbesondere im historischen Kontext das männliche Geschlecht in der Regel für den Hauptteil oder zumindest Großteil des Haushaltseinkommens verantwortlich ist. Da Bildungsqualifikationen zu einem substanziellen Anteil das Lebenszykluseinkommen eines Individuums bestimmen, ist durch den derzeitigen Forschungsstand ein enger Zusammenhang zwischen dem ökonomischen Status eines Individuums und seinem Bildungsstand ebenfalls nicht von der Hand zu weisen (siehe Table A6.1 in OECD (2017)). Dieser Fakt hat dazu geführt, dass die ökonomische Literatur sich in weiten Teilen ebenfalls mit der intergenerationellen Bildungsmobilität beschäftigt und hierbei untersucht, inwieweit der Bildungsstatus der Eltern den Bildungsstatus ihrer Kinder beeinflusst.

Die soziologische Literatur dagegen fokussiert ihre Forschung hauptsächlich auf intergenerationelle Bewegungen zwischen Berufskategorien oder auch Berufsklassen, welche nach ihrem sozialen Prestige, dem verdienten Durchschnittseinkommen, notwendigen Bildungsqualifikationen und weiteren soziologischen Merkmalen geordnet werden (Berger, 2013).

Eine klare Trennung der soziologischen und ökonomischen Herangehensweise ist selbstverständlich nicht möglich und soll in dieser Arbeit auch nicht der Anspruch sein. Da sich der soziologische Ansatz jedoch gewissermaßen auf ökonomische Messungsansätze stützt, und ich mich der Thematik aus ökonomischer Perspektive nähern möchte, werde ich mich hauptsächlich auf den Ansatz der ökonomischen Literatur konzentrieren. Die Untersuchung intergenerationeller Einkommensmobilität und intergenerationeller Bildungsmobilität wird daher im Vordergrund stehen.

3. Messung Intergenerationeller Mobilität und Messkonzepte

Aussagen bezüglich intergenerationeller Mobilität lassen sich auf Basis der Einkommensmobilität, Bildungsmobilität und sozioökonomischen Mobilität treffen. Die drei unterschiedlichen Herangehensweisen, intergenerationelle Mobilität zu messen und zu quantifizieren, sollen im Folgenden kurz vorgestellt, sowie Problematiken und Vorteile erläutert werden. Ich halte mich hierbei an die in Blanden (2013) vorgestellten Erklärungen.

3.1 Intergenerationelle Einkommensmobilität

Nähert man sich dem Thema intergenerationeller Mobilität vom ökonomischen Standpunkt aus, so kommt dem Zusammenhang zwischen dem Einkommen der Eltern und dem ihrer Kinder eine herausragende Rolle zu. Aus volkswirtschaftlicher Sicht gilt, dass Individuen ihre Wohlfahrt am besten durch die freie Entscheidung über Ressourcen und den Einsatz dieser maximieren können. Die Hypothese permanenter Einkommen von Milton Friedmann besagt zudem, dass private Haushalte ihre Konsumentscheidungen an ihrem erwarteten permanenten Einkommen, dem durchschnittliche Lebenszeiteinkommen ausrichten (Friedman, 1957). Da die in der Volkswirtschaftslehre im Vordergrund stehende ökonomische Wohlfahrt des Individuums somit ganz zentral mit dem ihm zur Verfügung stehenden permanenten Einkommen zusammenhängt, ist die Untersuchung intergenerationeller Einkommensmobilität für Ökonomen von besonderer Bedeutung.

Eine mögliche Quantifizierung zur Schätzung intergenerationeller Einkommensmobilität aus Blanden (2013) ist in (1) dargestellt, wobei ich permanente Variablen mit einem * kennzeichne und logarithmierte Variablen in Kleinbuchstaben ausdrücke.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Ausdruck gibt die Elastizität des permanenten Einkommens der Kinder in Abhängigkeit des permanenten Einkommens der Eltern an und kann somit als Einkommenspersistenz interpretiert werden. Er beschreibt, um wie viel % sich das permanente Einkommen der Kinder verändert, wenn sich das ihrer Eltern um 1% erhöht. Die intergenerationelle Mobilität ist somit umso größer/stärker, je geringer die geschätzte Einkommenselastizität ist.

Da eine Datenerhebung zu allgemeinem Einkommen häufig äußerst kompliziert ist, verwendet man in der Literatur häufig Elastizitätsberechnungen von Lohneinkünften, welche deutlich besser dokumentiert sind. Ebenfalls beschränkt sich ein Großteil der Literatur auf Berechnungen zwischen Vätern und Söhnen, was hauptsächlich dem historischen Hintergrund des alleinverdienenden Mannes geschuldet ist. Häufig fallen somit Nicht-Arbeitseinkommen sowie die Rolle des weiblichen Geschlechts, sowohl als Mutter als auch als Tochter vollkommen aus den Datenerhebungen heraus. Des Weiteren existieren wenige bis gar keine permanenten oder auch langfristig ausgelegten Datenerhebungen bezüglich des Einkommens über zwei Generationen hinweg, sodass man auf kurzjährige Messungen des Einkommens zurückgreifen muss. Mithilfe dieser versucht man das permanente Lebenseinkommen der Beobachteten durch die Mittelung der Lohneinkünfte über mehrere Perioden zu approximieren (Blanden, 2013).

In der Regel weisen Individuen mit höherem permanenten Lebenseinkommen deutlich steilere Alters-Einkommens-Profile aufgrund ihrer akademischen und beruflichen Laufbahn auf, sodass die permanenten Lebenseinkommen der Individuen in der Regel zwischen geringerem Einkommen im frühen Lebenszyklus sowie höherem Einkommen in späteren Lebensphasen liegen. Hierbei konnte Mazumder (2005) zeigen, dass selbst eine Mittelung der Lohneinkünfte über fünf Jahre nicht ausreichend sein kann um eine repräsentative Approximation des permanenten Lebenseinkommens zu gewährleisten. Die durch die zeitliche Nähe verursachten möglichen Verzerrungen der Approximation haben weiterführend verfälschte Elastizitätsschätzungen zur Folge. Auch Haidar & Solon (2006) zeigen, dass das Alter der beobachteten Väter und Söhne, und damit sowohl abhängige als auch erklärende Variable, die Elastizitätsschätzung je nach Kombination nach unten oder oben verzerren können. Die Daten von jüngeren Söhnen und älteren Vätern, wie sie zu Berechnung intergenerationeller Mobilität häufig verwendet werden, führt laut ihnen zu Verzerrungen nach unten in der Berechnung und somit zu substanziellen Unterschätzung der Elastizitäten.

Um die Fehleranfälligkeit zu verringern, sollten die Einkommensmessungen der Väter und Söhne in einem Alter von circa 30 bis 40 Jahren stattfinden, da hierbei Schätzungen über das permanente Lebenseinkommen am wenigsten von Lebenszyklusabweichungen beeinflusst werden (Böhlmark & Lindquist (2006) und Brenner (2010)).

Eine andere Strategie, solche Fehleranfälligkeiten zu umgehen, ist die Verwendung sogenannter Instrumentvariablen (IV). Solche Instrumentvariablen korrelieren im besten Fall möglichst stark mit dem Einkommen des Vaters, sind jedoch unkorreliert mit den eben erläuterten Messfehlern und stehen zudem auch nicht in direkter Korrelation zum ökonomischen Status des Kindes. Letztlich ist dieser Ansatz insofern problematisch, als das jede Variable, welche mit dem Einkommen des Vaters korreliert, in der Regel auch einen direkten Einfluss auf das Einkommen des Sohnes haben kann und eine Schätzung intergenerationeller Einkommenselastizität somit nach oben verfälscht wird. Besonders breite Anwendung findet die Methodik des two-sample IV (TSIV). Diese Methode lässt sich anwenden, wenn nur Informationen über die Einkommensmessungen der Söhne, sowie Charakteristika der Väter bekannt sind wie Bildungsstand und Berufstätigkeit. Durch Informationen der jeweiligen Periode, welcher Zusammenhang zwischen den Charakteristika und dem Einkommen besteht, lässt sich dann das Einkommen und weiter das Lebenseinkommen der Väter schätzen. Im nächsten Schritt werden die Einkommensmessungen der Söhne auf diese Vorhersagen regressiert (Blanden (2013)). Die Genauigkeit der Methode hängt hierbei zum einen von der Präzision der Einkommensschätzung der Väter ab, zum anderen kann aber auch der direkte Einfluss der väterlichen Charakteristika auf das Lebenseinkommen der Kinder die Elastizitätsschätzung verfälschen (Nicoletti & Ermisch (2007)).

Alternativ zur Elastizitätsschätzung kann auch die Korrelationsberechnung (2) zwischen dem Einkommen der Eltern/ Väter und dem der Kinder/ Söhne als Messmethode intergenerationeller Mobilität genutzt werden, wobei diese hierbei durch berechnet wird (Blanden (2013)).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da bei der Berechnung des Korrelationskoeffizienten Änderungen der Einkommensvarianz zwischen den zwei Perioden mitberücksichtigt werden, verfälschen mögliche Änderungen der Verteilungsungleichheit zwischen den Generationen das Ergebnis somit nicht (Björklund & Jäntti (2009)). Trotz dieses klaren Vorteils und der verbesserten Aussagekraft sind Berechnungen zur Einkommenskorrelation aufgrund unzureichender Datenlage bezüglich der Einkommensverteilung in den Generationen der Väter und der Söhne in vielen Studien nicht vorhanden (Blanden (2013))

3.2 Intergenerationelle Bildungsmobilität

Die Untersuchung von intergenerationeller Bildungsmobilität und ihr Zusammenhang mit der intergenerationellen Einkommensmobilität fußt auf den Ausgangspunkt der Humankapitaltheorie. Laut dieser führt höhere Bildung zu erhöhter Produktivität am Arbeitsmarkt und somit auch zu höheren Löhnen (Schultz (1961)). Der durch verschiedenste Daten gestützte Fakt lässt Ökonomen den Umstand, inwiefern der Bildungsstand von Kindern von dem ihrer Eltern abhängen, ebenfalls genauer untersuchen. Hierbei konnte schon Solon (1999) einen Zusammenhang zwischen Eltern-Kind-Korrelationen bezüglich erhaltener Bildungsjahre und der Eltern-Kind-Korrelation bezüglich des permanenten Einkommens bestätigen. Die Messung der Bildungsmobilität ist somit eine weitere Alternative um Aussagen über intergenerationelle Mobilität treffen zu können (Blanden (2013)).

Komplementär zum Ansatz zur Messung intergenerationeller Einkommensmobilität lassen sich nach Blanden (2013) ebenfalls die Elastizität (3) und die Korrelation (4) zwischen erhaltenen Bildungsjahren der Eltern und erhaltenen Bildungsjahren ihrer Kinder berechnen wobei sich die Erklärung komplementär zu der in Abschnitt 3.1 beschriebenen Berechnungen der Einkommenselastizität und Einkommenskorrelation verhält.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Vorteil der Messung intergenerationeller Mobilität durch die Bildungsmobilität ist eine deutlich vorteilhaftere Datenlage, da der Bildungsstatus in fast jeder Haushalts- und Arbeitsmarktstudie erfasst wird. Dies macht es möglich, die Bildungsmobilität vieler unterschiedlicher Länder anhand zahlreicher Stichproben zu erforschen. Auch handelt es sich bei den erhaltenen Bildungsjahren in der Regel ab dem Erwachsenenleben um einen abgeschlossenen Vorgang, was eine deutlich präzisere Schätzung ermöglicht. Die volatilen und altersabhängigen Unterschiede im Lebenszyklus, welche die Berechnungen intergenerationeller Einkommenspersistenz erschweren, existieren hier kaum. Dem Vorteil der einfachen Datenerfassung steht jedoch auch die Ungenauigkeit bei der Erfassung des Bildungsstatus der Eltern gegenüber. In einigen Ländern besitzen gerade die älteren Generationen überhaupt keine formale Bildung, wodurch einem signifikanten Anteil der gleiche formale Bildungsstatus zugewiesen wird. Hierdurch verfälscht sich die Elastizitäts- und Korrelationsberechnung, was letztlich die Aussagekraft intergenerationeller Bildungsmobilität limitieren kann. Auch die allgemeine Annahme, dass das Absolvieren eines weiteren Bildungsjahres über Nationen und Generationen hinweg die gleiche Bedeutung und Aussagekraft besitzt, verzerrt das Ergebnis und schränkt eine internationale Vergleichbarkeit weiter ein, wobei Chevalier et al. (2009) zeigen, dass dieses Problem durch die Nutzung der Internationalen Standardklassifikation im Bildungswesen (ISCED) umgangen werden kann.

Wie auch bei der Messmethodik der intergenerationellen Einkommenselastizität wird der Einfluss der erhaltenen Bildungsjahre auf die nächste Generation als linear und monoton angesehen. Hertz (2001) merkt hierbei an, dass in Ländern wie Süd-Afrika Bevölkerungsgruppen mit überhaupt keiner Bildung höhere Durchschnittseinkommen aufweisen als Bevölkerungsgruppen mit zumindest einigen absolvierten Bildungsjahren. Dies schwächt die Korrelation zwischen Bildung und Einkommen definitiv, die Aussagekraft der Bildungsmobilität unter anderem ihre Implikationen für die Einkommensmobilität werden dadurch aber mitnichten vollständig eliminiert.

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden wir den Einfluss von Bildung, insbesondere der tertiären Bildung, auf das Lebenszykluseinkommen genauer betrachten und den Zusammenhang zwischen Einkommens- und Bildungsmobilität analysieren.

3.3 Sozio-ökonomische Mobilität

Zwar stützen sich die Ansätze der soziologischen Forschung zur sozioökonomischen Mobilität zum Teil auf die eben besprochenen Mobilitätswerte des Einkommens und der Bildung, jedoch reicht die Untersuchung zwischen dem Zusammenhang der Berufstätigkeit oder sozialen Klasse des Vaters und der des Sohnes historisch viel weiter zurück. Die in der Regel sehr einfach zu erfassenden Daten von Beruf und sozialer Klasse haben zudem den Vorteil nicht so großen Schwankungen wie denen des Einkommens zu unterliegen, da sich die Berufstätigkeit und Klassenzugehörigkeit über den Lebenszyklus deutlich seltener ändern.

Ein in der Soziologie verwendeter Ansatz zur Messung intergenerationeller Mobilitätsraten ist hierbei das Erstellen eines sozio-ökonomischen Indexes, in dem Berufsgruppen in Abhängigkeit des erforderten Bildungsstands, des durchschnittlich verdienten Lohneinkommens und des durch die Gesellschaft erfahrenen Prestiges geordnet werden. Anschließend wird über die Generationen hinweg mithilfe dieses Indexes und den Informationen über die Berufstätigkeit die Korrelation zwischen dem ausgeübten Beruf des Vaters und dem des Sohnes untersucht. Durch das Vergleichen dieser Korrelationen in unterschiedlichen Ländern können daraufhin Aussagen über die Mobilität getroffen werden. Einen internationalen Vergleich über 43 Nationen findet sich hierbei mit entsprechender Berechnung in Ganzeboom und Treiman (2007a und b).

In einem anderen Ansatz, der EGP Klassifikation (Erikson, Goldthorpe und Portocarero) basierend auf Erikson et al. (1979), ordnet man Berufsgruppen nach den in ihnen erfahrenen Arbeitsbedingungen. Arbeitskräfte des primären und landwirtschaftlichen Sektors erleben nach diesem Ansatz die schlechtesten, Fachkräfte, Abteilungsleiter und höher gebildete Arbeitskräfte die besten Arbeitsbedingungen (Blanden (2013). Mithilfe von Kontingenztabellen werden die Bewegungen zwischen den sozialen Klassen über die Generationen untersucht und es kann mit dem Quotenverhältnis (Odds Ratio) eine Aussage über die Stärke des Zusammenhangs, also der Persistenz der Klassenzugehörigkeit, getroffen werden.

Da auch in sozio-ökonomische Mobilitätsmessungen ebenfalls Einkommensmessungen und Bildungsstanderhebungen einfließen, teilen diese selbstverständlich die Messfehler der Einkommens- und Bildungsmobilität. Auch konnten in dem internationalen Vergleich von Ganzeboom und Treiman (2007a und b) keine fundamentalen Unterschiede zwischen den Nationen erklärt werden, da die Ergebnisse zu stark vom Jahrgang und dem Qualifikationslevel der Kohorte abhingen. Letztlich werden auch strukturelle Änderungen nicht erfasst. So lässt sich eine massive strukturelle berufliche und soziale Verschiebung innerhalb der Gesellschaft schnell als erhöhte Mobilitätsrate fehlinterpretieren und Berufstätigkeiten, welche über die Generation hinweg möglicherweise an sozialem Status und Prestige eingebüßt oder gewonnen haben, implizieren bei gleichbleibender Ausübung dieser von Vater und Sohn keine Veränderung des sozialen Status. Nähere Erläuterungen bezüglich sozio-ökonomischen Messmethoden finden sich in Blanden (2013) und Erikson et al. (1979). Eine weiter Ländervergleichsstudie liefert Breen (2004). Wie schon anfänglich erwähnt, wurde in dieser Arbeit der Fokus auf die Einkommens- und Bildungsmobilität gelegt. Eine Erläuterung der sozio-ökonomischen Messung intergenerationeller Mobilität ist insbesondere im Gesamtkontext dieser Arbeit und als Hintergrundinformation für die Thematik äußerst dienlich, jedoch wird sie neben intergenerationeller Einkommens- und Bildungsmobilität im Folgenden nur noch eine hintergründige Rolle einnehmen und daher nicht ausführlicher behandelt.

4. Intergenerationelle Mobilität im internationalen Vergleich

Im Folgenden Abschnitt stelle ich einen internationalen Überblick intergenerationelle Einkommens- und Bildungsmobilität vor. Der internationale Einkommensvergleich bedient sich hierbei hauptsächlich den in Blanden (2013/2015) zusammengetragenen Einkommensmobilitätsstudien, welche sich zum großen Teil mit den in Björklund & Jäntti (2011) verwendeten Studien decken. Für den Vergleich internationaler Bildungsmobilität betrachten wir die Ergebnisse von Hertz et al. (2007) sowie Schneebaum et al. (2015).

4.1 Intergenerationelle Einkommensmobilität im internationalen Vergleich

In Tabelle 1 sind die in Blanden (2013) präferierten Studien zur Schätzung intergenerationeller Einkommenselastizität aufgelistet. Für eine optimale Vergleichbarkeit der Nationen verwendet Blanden (2013) hierbei Kohorten, welche in den 1960er und 1970er Jahren geboren wurden mit Altersgruppen, welche möglichst dem Optimum von 30 bis 40 Jahren entsprechen. Wie in Abschnitt 3.1 besprochen, haben die verschiedenen Messmethoden unterschiedliche Fehleranfälligkeiten. Corak (2006) zeigt mithilfe von US Daten und den Ergebnissen aus Solon (1992) und Björkl und Jäntti (1997), dass OLS-Schätzungen um einen Faktor von 0,75 kleiner sind, als auf Instrumentvariablen basierende Messansätze. Dieser nur für die USA gestützte Fakt wird in Blanden 2013 als universell geltend angenommen, sodass sowohl IV- und TSIV-Ansätze mit 0,75 skaliert werden, um die Vergleichbarkeit der Studien zu gewährleisten.

Für Großbritannien wurde der in Dearden et al. (1997) genutzte IV-Ansatz skaliert (0.58 zu 0.44) und mit der in Nicoletti und Ermisch (2007) geschätzten Elastizität (0.29) gemittelt (siehe Tabelle 1). Ebenso kommt der Elastizitätswert Finnlands durch das Mitteln der errechneten Werte aus Pekkarinen et al. (2006) und Österbacka (2001) zustande, wobei dies konform zur Anwendung in Björklund und Jäntti (2009) geschehen ist.

Björklund und Jäntti (2011) verwenden anders als Blanden für die USA Ergebnisse aus Mazumder (2005), welcher bei einem Mitteln der Einkommenswerte des Vaters über 7 Jahre auf einen Elastizitätswert von 0.458 kommt. Des Weiteren wird bei Björklund und Jäntti (2011) die Elastizitätsschätzung Kanadas, entnommen aus Corak und Heisz (1999) mit dem Faktor 1,2 multipliziert, um dem verhältnismäßig jungen Alter der Söhne in den kanadischen Daten gerecht zu werden. Es gilt somit das junge Alter der in Blanden (2013) angeführten Studien zur USA (alter 25–34), Großbritannien (alter 33) und Kanada (alter 29-32) ebenfalls bei der Interpretation zu beachten, da eine Elastizitätsschätzung bei Messungen im höheren Alter vermutlich stärker ausgefallen wäre.

Abbildung 1 visualisiert diese in Blanden (2013) dargestellten Schätzungen aus Tabelle 1 und erweitert sie um die zusätzlichen Nationen aus Blanden (2015). Hierbei werden die Elastizitätsmessungen von 16 unterschiedlichen Nationen verglichen. Da die abgebildeten Elastizitätsschätzungen zum Teil mit signifikanter Unsicherheit behaftet sind, wurden ebenfalls die 95% Konfidenzintervalle dargestellt. Die Aussagekraft über eine konkrete Rangfolge der Nationen muss somit als streng limitiert angesehen werden. Darüber hinaus sollten der Einfluss der Einkommensunterschiede über den Lebenszyklus beachtet werden, wodurch die Schätzungen in den USA, Großbritannien und Kanada gegebenenfalls nach unten verzerrt sind.

Tabelle 1) Schätzungen intergenerationeller Einkommenselastizität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bemerkung: Die Schätzung basierend auf IV-Regressionen sind mit dem Faktor 0.75 skaliert um einen angemessenen Vergleich mit den OLS-Regressionen zu ermöglichen. Die in Klammern dargestellten Werte geben die Standardabweichung der Elastizitätsschätzungen an.

Quelle: Table 2. Preferred Estimates of Income Mobility (Blanden, 2013)

Abbildung 1) Intergenerationelle Einkommensmobilität im internationalen Vergleich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bemerkung: Die abgebildeten Linien geben die 95% - Intervalle der Elastizitätsschätzungen an, berechnet mithilfe der in den Daten vorhandenen Standardabweichung. Die Daten wurden für vorhandene Länder aus Tabelle 1 entnommen. Für nicht vorhandene Länder wurden sie aus Blanden 2015 übernommen.

Quelle: Table 1, Blanden (2013) und Blanden (2015)

Mit den in Abbildung 1 dargestellten Ergebnissen und einem weiteren Überblick an Nationalen Elastizitätsschätzungen zusammengefasst in Corak (2006) und Grawe (2004) ist es trotz der zum Teil hohen statistischen Fehleranfälligkeit möglich, grobe Aussagen über die Rangordnung der Nationen zu treffen. Von den in dieser Arbeit besonders relevanten westlichen Nationen weisen die skandinavischen Länder Dänemark und Finnland in der Regel die höchsten Mobilitätsraten aus, gefolgt von der Gruppe Norwegen, Canada, Schweden, Australien. Mittlere Mobilitätsraten weisen Länder wie Deutschland und Japan, mit geringem Abstand nach unten ebenfalls Spanien und Frankreich aus. Die niedrigsten Mobilitätsraten werden in fast allen Studien in den Ländern Italien, Großbritannien, Amerika und Brasilien geschätzt. Diese Einschätzung deckt sich nicht vollständig mit der in Figur 1 dargestellten Reihenfolge, zudem finden einige Nationen ebenfalls keine Erwähnung. Letztlich stellt sie eine persönliche Einschätzung auf Basis des Überblicks der oben genannten Forschungsliteratur dar. Statistisch wäre ein Mitteln von allen vorhandenen Studien aufgrund schon genannten unterschiedlichen Messansätzen und Jahrgänge der Kohorten nicht sinnvoll und hätte sehr begrenzte Aussagekraft. Die hier dargelegte Reihenfolge kann also im Einklang mit der sie unterstützenden Literatur als wahrscheinlich, keinesfalls jedoch als sicher angesehen werden. (Siehe Anhang 1 für die in Blanden (2013) aufgeführten Studien sowie Corak (2006) und Grawe (2004) für einen weiteren Überblick an Studien).

Wie in Abschnitt 3.2 diskutiert hat der Korrelationskoeffizient als Maß intergenerationeller Mobilitätsraten den Vorteil, dass dieser anders als die Elastizitätsschätzung nicht durch mögliche strukturelle Einflüsse, welche auf die Generationen wirken, verfälscht werden kann. Die derzeitige Datenlage lässt im Gegensatz zu unserem Vergleich intergenerationeller Einkommensmobilität einen internationalen Vergleich intergenerationeller Bildungsmobilität auf Basis des Korrelationskoeffizienten zu, weshalb ich diesen in den folgenden vorgestellten Arbeiten präferiere.

4.2 Intergenerationelle Bildungsmobilität im internationalen Vergleich

Einen besonders umfangreichen internationalen Überblick über intergenerationelle Bildungsmobilität liefert Hertz et al. (2007). Die verwendeten Daten stammen aus Umfragen unterschiedlichen nationalen und internationalen Institutionen wie der Weltbank oder der EU und wurden zwischen 1985 und 2004 durchgeführt. Das Alterskriterium der Befragten wurde auf 20-69 Jahre begrenzt. Hertz et al. (2007) berechnet zur Beschreibung intergenerationeller Bildungsmobilität mithilfe der beobachteten Schuljahre der Eltern (Mittelwert von Vater und Mutter) und der beobachteten Schuljahre ihrer Kinder sowohl die Elastizität zwischen den Bildungsjahren der Kinder und denen ihrer Eltern, als auch die Korrelation der beiden Variablen. Die beobachteten Schuljahre definieren sich hierbei als die für den höchsten beobachteten Abschluss in der Regel benötigten Bildungsjahre. Die von Hertz et al. (2007) gewonnen Ergebnisse der Länder sind im Anhang 2 dargestellt. Abbildung 2 visualisiert dabei die berechneten durchschnittlichen Korrelationswerte der in Hertz et al. (2007) berechneten zehn 5-Jahres Kohorten (siehe Anhang 2) für ausgewählte Nationen und zeigt hierzu ebenfalls die 95%-Konfidenzintervalle dieser auf. In einem Vergleich zeigt Blanden (2013), dass die von Hertz et al. (2007) erfassten Ergebnisse mit denen aus Chevalier et al. (2009) in gewissem Ausmaß konsistent sind (Korrelation zwischen den beiden Ergebnissen von 0.49), was ihre Aussagekraft weiter unterstützt.

Abbildung 2) Internationaler Vergleich intergenerationeller Bildungsmobilität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bemerkung: Die abgebildeten Linien geben die 95% - Intervalle der Korrelationsberechnungen für das Mittel der 9/10 5-Jahres-Kohorten ausgewählter Nationen aus Hertz et al. (2007 an und wurden mithilfe der in den Daten vorhandenen Standardabweichungen berechnet. Die Daten sind im Anhang Tabelle 2 dargestellt.

Quelle: Hertz et al. (2007) – Table 3/5/6/7 - Average of 9 or 10 5-Year Cohorts Correlations

Da Hertz et al. (2007) insbesondere keine Einschätzung einiger europäischer Nationen liefert, werden für einen differenzierten Überblick ebenfalls die Ergebnisse von Schneebaum et al. (2015) vorgestellt. Mithilfe von Daten aus dem European Social Survey 2010 (ESS) vergleicht Schneebaum et al. (2015) die Korrelation zwischen den Bildungsjahren der Eltern und denen ihrer Kinder in 20 europäischen Nationen. Ähnlich wie in Hertz et al. (2007) wird die Stichprobe auf Befragte zwischen 25 und 65 Jahren beschränkt. Wenngleich Schneebaum et al. (2015) ebenfalls die spezifischen Auswirkungen der Bildungsjahre von Vater und Mutter auf Söhne und Töchter untersucht, betrachten wir zur besseren Vergleichbarkeit der Ergebnisse den zu Hertz et al. (2007) konformen Ansatz, die Beziehung zwischen den Bildungsjahren der Elternteile als Mittel der jeweilig erfahrenen Bildungsjahre und den Bildungsjahren ihrer Kinder zu untersuchen. Abbildung 3 visualisiert die in Schneebaum et al. (2015) gewonnen Ergebnisse für den Großteil untersuchter europäischer Nationen. Anhang 3 liefert die dazugehörigen Daten.

Abbildung 3) Europäischer Vergleich intergenerationeller Bildungsmobilität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bemerkung: Die abgebildeten Linien geben die 95% - Intervalle der Korrelationsberechnungen All parents- All descendants ausgewählter Nationen aus Table 2 Schneebaum et al. (2015) an. Sie wurden mithilfe der in den Daten vorhandenen Standardabweichung berechnet.

Quelle: Schneebaum et al. (2015) – Table 2 – Correlation: All parents - All descendants

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Ende der Leseprobe aus 67 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des tertiären Bildungssektors für die intergenerationelle Mobilität im internationalen Vergleich
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1.0
Autor
Jahr
2018
Seiten
67
Katalognummer
V458967
ISBN (eBook)
9783668901216
ISBN (Buch)
9783668901223
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale mobilität, intergenerationelle mobilität, tertiärer Bildungssektor, Hochschulsysteme, chancengerechtigkeit, chancengleichheit, Einkommensmobilität, Bildungsmobilität, Hochschulsektor, internationaler Vergleich intergenerationeller Mobilität, generationenmobilität, Intergenerationelle Mobilität im internationalen Vergleich, Studienteilnahme, Kostenteilung Studienkosten, Charakteristika der Hochschulsysteme, Einkommenseffekte auf Studienteilnahme, internationaler Vergleich, Rolle des tertiären Bildungssektors für die intergenerationelle Mobilität, Rolle des Hochschulsektors für die intergenerationelle Mobilität, globaler Vergleich sozialer Mobilität, Rolle des Hochschulsektors für die intergenerationelle Mobilität im internationalen Vergleich, Rolle des tertiären Bildungssektors für die intergenerationelle Mobilität im internationalen Vergleich
Arbeit zitieren
Lennard Lang (Autor), 2018, Die Rolle des tertiären Bildungssektors für die intergenerationelle Mobilität im internationalen Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458967

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