Innerhalb des Anerkennungsjahrs erlebte ich eine Vielfalt an Beratungsthemen in meiner Praxisstelle. Neben Fragen zur Erziehung, der Klärung schwieriger Familiensituationen und der Behandlung emotionaler Probleme von Kindern nahm die Trennungs- und Scheidungsberatung mit Abstand den größten thematischen Schwerpunkt der Beratungsarbeit ein. Aufgrund der großen Aktualität dieser Thematik möchte ich in meinem Hauptteil des Praxisberichts das Thema „Trennung und Scheidung“ behandeln und hierbei den Fokus auf die Sicht der Kinder legen.
Innerhalb dieses Kapitels werde ich als erstes beleuchten, was es für Kinder bedeuten kann, wenn sich deren Eltern trennen. Als nächstes werde ich die Stadien der kindlichen Trennungsbewältigung aufgreifen und im Anschluss nehme ich Bezug zur Erziehungsberatung – mit welchen Aufgaben sie Kinder bei der Trennung unterstützen kann. Hierzu werde ich unter anderem die in der Praxisstelle angebotene Trennungs- und Scheidungskindergruppe vorstellen und exemplarisch vier Sitzungen anhand der Entwicklung eines teilnehmenden Kindes analysieren. Abschließend werde ich in einem Fazit zusammenfassen, was die Ergebnisse meines Hauptteils für die Arbeit in einer Erziehungsberatungsstelle bedeuten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ziel und Zweck, Auftrag der Erziehungsberatung
3. Trennungskinder im Blick – Auswirkungen von Trennung und Scheidung auf Kinder und die Rolle der Erziehungsberatung
3.1 Die Bedeutung von Trennung und Scheidung für Kinder
3.2 Stadien der Trennungsbewältigung bei Kindern
3.3 Was hilft Kindern, eine Trennung gut zu bewältigen? – Aufgaben der Erziehungsberatung
3.4 Teilnahme an einer Kinderscheidungsgruppe
3.5 Die Scheidungs- und Trennungskindergruppe in der Praxiseinrichtung
3.5.1 Vorstellung von M.
3.5.2 Erleben von M. in der Kindergruppe
3.6 Fazit für die Arbeit in der Erziehungsberatung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Auswirkungen von elterlicher Trennung und Scheidung auf betroffene Kinder zu beleuchten und die unterstützende Rolle der Erziehungsberatung in diesem Kontext darzustellen, wobei ein besonderer Fokus auf die Praxis der Kinderscheidungsgruppen gelegt wird.
- Psychosoziale Auswirkungen von Trennungserfahrungen auf Kinder
- Stadien der kindlichen Trennungsbewältigung
- Methoden und Aufgaben der professionellen Erziehungsberatung
- Konzeption und Durchführung von Scheidungs- und Trennungskindergruppen
- Fallbeispielanalyse zur Entwicklung eines Kindes in der Beratungsgruppe
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Bedeutung von Trennung und Scheidung für Kinder
Die Trennung und Scheidung der Eltern kann für Kinder ein äußerst krisenhaftes Lebensereignis darstellen, das eine Reihe an individuellen, sozialen und materiellen Veränderungen mit sich bringt. Um diese Veränderungen bewältigen zu können, erfordert es von den Kindern und Jugendlichen einen intensiven und mitunter langen Anpassungsprozess (vgl. Dietrich u.a. 2010, S. 19). Die Kinder fühlen sich oft von dem „gehenden Elternteil“ – auch nicht selten von beiden Elternteilen – verlassen, wodurch ihr Sicherheitsgefühl sowie ihr Selbstwerterleben tief erschüttert werden kann. Ohnmacht und das Gefühl, die aktuelle Situation nicht unter Kontrolle zu haben, erzeugen Ängste (vgl. Hötker-Ponath 2008, S. 21). Der Auszug eines Elternteils wird von den Kindern meist als markantester Punkt im Trennungsgeschehen wahrgenommen (vgl. Oberndorfer 2008, S. 33). Die Kinder stehen in dieser Phase vor der Aufgabe, ihre Beziehungen innerhalb der Familie neu zu gestalten und ihre Rolle in der Familie neu zu definieren (vgl. ebd). Aufgrund der meist noch ungeklärten Situation zwischen den Eltern, wird die Trennungsphase von den Kindern meist als unbeständige und strukturlose Zeit wahrgenommen, in der sie mit ihren verletzten Gefühlen und Enttäuschungen kaum umgehen können (vgl. Thöne-Jäpel 1997, S. 143).
Die Kinder wollen ihren Eltern die Konfrontation mit ihren Ängsten und Nöten ersparen, um sie in dieser Schwierigen Zeit nicht noch mehr zu belasten. Daher sind auffällige Reaktionen der Kinder in der Regel „gesünder“ als unauffällige. Dies ist für die Trennungseltern oft schwer zu ertragen, da sie in der Regel selbst sehr belastet sind und den Blick für die Sorgen und Nöte ihrer Kinder verlieren, besonders wenn sich die Jüngsten zurückziehen. Deshalb ist es wichtig, die Eltern darüber aufzuklären, dass die Kinder mit verändertem auffälligem Verhalten angemessen auf die neue Lebenssituation reagieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Beratungsbegriff, grenzt formelle von informeller Beratung ab und skizziert die hohe Relevanz der Trennungs- und Scheidungsberatung im Kontext des Anerkennungsjahres.
2. Ziel und Zweck, Auftrag der Erziehungsberatung: Dieses Kapitel erläutert den gesetzlichen Auftrag der Erziehungsberatung als niedrigschwellige Leistung der Jugendhilfe und stellt die vier Grundprinzipien Freiwilligkeit, direkter Zugang, Verschwiegenheit und Kostenfreiheit vor.
3. Trennungskinder im Blick – Auswirkungen von Trennung und Scheidung auf Kinder und die Rolle der Erziehungsberatung: Der Hauptteil analysiert die psychischen Belastungen für Kinder, beschreibt Bewältigungsstadien und Coping-Strategien und veranschaulicht anhand eines Fallbeispiels die praktische Arbeit in einer Kinderscheidungsgruppe.
Schlüsselwörter
Erziehungsberatung, Trennung, Scheidung, Trennungskinder, Kindeswohl, Bewältigungsstadien, Coping-Strategien, Kinderscheidungsgruppe, Familientherapie, Praxisbericht, Sozialpädagogik, Elternkonflikt, psychische Belastung, Resilienz, Beratungspraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Kindern, deren Eltern sich trennen oder scheiden lassen, und untersucht, wie die Erziehungsberatung diese Kinder durch gezielte Gruppenangebote unterstützen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die emotionalen Auswirkungen auf Kinder, kindliche Bewältigungsmechanismen sowie die professionelle Gestaltung von Beratungsangeboten in einer Praxiseinrichtung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die kindliche Perspektive bei Trennungen aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, wie Erziehungsberatungsstellen den Kindern durch geschützte Gruppenräume und gezielte Begleitung bei der Verarbeitung helfen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse zum kindlichen Erleben von Trennung und eine praxisorientierte Einzelfallanalyse eines zehnjährigen Jungen innerhalb einer Kinderscheidungsgruppe.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Bedeutung von Trennungserfahrungen, die Stadien der kindlichen Trennungsbewältigung, die verschiedenen Coping-Strategien der Kinder sowie den konkreten Ablauf und die pädagogische Reflexion einer Kinderscheidungsgruppe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Trennungsberatung, Kindeswohl, Coping-Strategien, kindliche Trennungsbewältigung und professionelle Erziehungsberatung charakterisiert.
Warum spielt die Handpuppe "Sumo" eine Rolle in der Gruppe?
Die Handpuppe Sumo dient als Identifikations- und Projektionsfläche, die es den Kindern erleichtert, über ihre belastenden Erlebnisse zu sprechen, indem sie diese auf die Figur projizieren.
Welche Bedeutung kommt dem Fallbeispiel "M." zu?
M. verdeutlicht exemplarisch, wie Kinder durch Trennungserfahrungen in Rollenkonflikte geraten, wie sie ihre Belastungen verarbeiten und welche Bedeutung das Gruppenangebot für ihre emotionale Stabilisierung hat.
Was passiert, wenn ein Kind in der Gruppe von Gewalt zu Hause erzählt?
Die Berater thematisieren solche Äußerungen reflektiert im Team, achten auf den Schutz der anderen Gruppenmitglieder und suchen gegebenenfalls das Gespräch mit den Eltern oder anderen Bezugspersonen, ohne das Kind selbst zu überfordern oder zu instrumentalisieren.
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- Lisa Straub (Author), 2018, Scheidungskinder im Blick. Die Aufgabe der Erziehungsberatung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458979