Paulinus von Nola und das Apsismosaik der Basilica Nova


Hausarbeit, 2015
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.1 Einleitung
1.2 Quellenlage
1.3 Forschungsstand

2.1 Paulinus von Nola und der Bau der Basilica Nova
2.2 Der Apsis-Titulus

3. Die Rekonstruktion des Apsismosaiks der Basilica Nova

4. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tafelteil

1.1 Einleitung

Die Spätantike ist eine Zeit des Wandels und Überganges. Obschon Rom die politische Krise des 3. Jhs. überstanden hatte, waren zu Beginn des 4. und 5. Jhs. Umbruchsprozesse im Gange, die das Reich noch stärker spalten konnten, als dies selbst bei den Unruhen unter den Soldatenkaisern zuvor der Fall gewesen war. Der Siegeszug des Christentums, das 381 n. Chr. unter Kaiser Theodosius I de facto zur römischen Staatsreligion wurde und selbst doch erst kürzlich den Status einer Religio Licita besessen hatte, ist dabei eine dieser maßgeblichen Entwicklungen der Spätantike1. Die Christen entwarfen neue religiöse Anschauungswelten und kultische Praktiken, die das antike Heidentum und den Mos Maiorum der Ahnen, der einst ein Fundament römischer Meritokratie in republikanischer Zeit gewesen war, grundsätzlich in Frage stellen sollten2. Als Rom 410 schließlich von Alarich geplündert wurde und das weströmische Reich am Abgrund stand, erhoben einige der letzten paganen Zeitgenossen sogar den Vorwurf, die Christen hätten Schuld am Niedergang Roms 3. Natürlich kann eine derart monokausale Argumentation nicht zutreffend sein 4. Die umfassende und spannungsreiche Transformation, der die Gesellschaft des römischen Reiches in jener Zeit unterlag, kann daran jedoch deutlich werden. Auch insbesondere anhand des Werkes und der Lebensgeschichte eines Mannes, Paulinus von Nola5 nämlich, wird dieser gesellschaftliche Wandel sichtbar. Paulinus, der 353 als Spross einer einflussreichen Adelsfamilie geboren worden und dementsprechend traditionell pagan erzogen worden war, fand auch zu jenem neuen Kult östlicher Provenienz; dem Christentum. Er wurde gegen 410 Bischof von Nola und machte sich zum Euergeten der campanischen Stadt, nachdem er sich bereits über Jahrzehnte mit dem dortigen Heiligengrab des Märtyrers Felix verbunden gefühlt hatte. Teil seines Bauprogrammes in Nola war auch die Errichtung einer aufwendigen neuen Basilica6. Paulinus schrieb dazu: „Diese Basilika also, die bereits im Namen Christi, unseres Herrn und Gottes, unserem gemeinsamen Hausherrn und Patron (sc. dem heiligen Felix) geweiht ist und häufig besucht wird – sie kommt zu seinen vier Basiliken noch hinzu -, ist durch die Reliquien von Aposteln und Märtyrern, die in der Apsis unter dem dreigeteilten Altarraum als heilig verehrt werden, nicht allein durch den Respekt gegenüber dem glückseligen Felix ehrwürdig. Die Apsis, die am Fußboden und an den Wänden mit Marmor ausgelegt ist, empfängt ihr Licht von einem Gewölbe, das durch Mosaikarbeit verziert ist.“7 Jenes Apsismosaik der Basilica Nova des Paulinus Nolanus soll insbesondere Thema der vorliegenden Arbeit sein. Hierzu werden dieser Einleitung zunächst einige Bemerkungen zu Quellenlage, respektive Forschungsstand folgen, woraufhin konzis der Bau der Basilica Nova und die Lebensgeschichte Paulinus’ behandelt werden sollen. Der darauffolgende Teil der Arbeit, der den Titulus für das Apsismosaik zum Thema haben wird, soll daraufhin den Weg zum Hauptteil der Arbeit bereiten, worin eine Rekonstruktion des Apsismosaiks unternommen werden soll. Die Ergebnisse der Arbeit werden daraufhin in einem Fazit zusammengefasst.

1.2 Quellenlage

Von dem Apsismosaik selbst sind nur einige wenige Tesserae erhalten geblieben8. In situ sind nur an der Ostkonche Mosaikreste paulinischer Zeit entdeckt worden9 (Taf 4. Abb. 8; Taf. 6, Abb. 12). Die mangelhafte Überlieferung der physischen Überreste wird jedoch teilweise von einer recht gut tradierten10 Bildbeschreibung, die von Paulinus selbst stammt, aufgewogen. Dieser gedichtete Titulus ist hauptsächlich durch Verwendung in einem Brief des Bischofs von Nola an seinen Freund Sulpicius Severus von 403 n. Chr. erhalten geblieben11.

1.3 Forschungsstand

Die Erforschung der Basilica Nova und ihrer Mosaiken reicht bereits in das 16. Jh. zurück12. Ein noch immer grundlegender Rekonstruktionsversuch des Apsismosaiks wurde 1889 von Wickhoff vorgelegt (Taf. 6, Abb. 13). Danach versuchten sich Rizza 1948 (Taf. 7, Abb. 14) und Bandmann 1952 (Taf. 7, Abb. 15) ebenfalls an einer Rekonstruktion. Ein Aufsatz Engemanns von 1974 unternahm eine gewinnbringende Diskussion der bisherigen Rekonstruktionsvorschläge. Zuletzt haben sich noch die Dissertation von Lehmann 199413, respektive von Arnulf 199714 und ein französischsprachiges Werk von Herbert De La Portbarré-Viard15 aus dem Jahre 2006 mit der Basilica und dem Mosaik ihrer aufwendig verzierten Apsis beschäftigt.

2.1 Paulinus von Nola und der Bau der Basilica Nova

Meropius Pontius Anicius Paulinus, geboren 353 n. Chr. im gallischen Burdigala, war bereits gegen 380 in Campanien als Gouverneur der Region tätig geworden, nachdem er zwischen 376 und 378 in Rom den Suffektkonsulat bekleidet hatte16. Im Jahre 389 empfing Paulinus die Taufe und wandte sich ab 390 immer stärker einem Leben in christlicher Askese zu, wozu er zunächst nach Spanien aufbrach17. Sein Übertritt zum Christentum und die damit verbundene Abkehr von den weltlichen Geschäften des politischen Lebens belasteten die Beziehung zu seinem Lehrmeister Ausonius 18. Er kehrte 394 nach Campanien zurück und lebte fortan in Nola, der Stätte des Heiligen Felix. Nach dem Tod des Ausonius gegen 395 wandte sich Paulinus einem christlichen Freundeskreis19 zu, der auch den Autor der Vita Sancti Martini, Sulpicius Severus20, umfasste. 400 bis 403 baute er die Basilica Nova21 (Taf. 1, Abb. 1-2; Taf. 2, Abb. 3; Taf. 5, Abb. 10-11), weshalb auch das Apsismosaik in diesem Zeitraum entstanden sein muß. Die Apsis des Sakralbaus22 (Taf. 2 Abb. 4; Taf. 3, Abb. 5-6) war neben dem Mosaikschmuck auch mit Marmorinkrustation und Opus Sectile Boden (Taf. 4, Abb. 7) ausgestattet und somit der aufwendigste Teil des Gebäudes23. Der Bischof von Nola starb am 22. Juni 431 und hinterließ der Welt eines der gewaltigsten Pilgerheiligtümer des frühen Christentums24.

2.2 Der Apsis-Titulus

Obschon Paulinus zwar grundsätzlich bestrebt war, die Tätigkeiten seines weltlichen Lebens hinter sich zu lassen, verfolgte er die Dichtkunst auch noch während seiner asketischen Lebensphase. Er vermochte es, Inspiration und Zweck seiner Poesie christlich umzudeuten; nicht die Musen und Apollon, sondern Christus sollte ihn nun zu schönen Worten in trefflichen Metren bringen25. Zudem war die dichterische Tätigkeit des späteren Paulinus ganz im Dienste des Glaubens zu verorten, da er Gott in dieser Form loben wollte. In diesem Kontext entsteht seine Titulus-Dichtung, die ausführlich in den Briefen an Sulpicius Severus thematisiert wird. Paulinus schreibt dem Freunde nämlich, welche Tituli er für die Verwendung in seinen Kirchenbauten ersonnen hat. Diese sprechen den Betrachter direkt oder indirekt an, um einerseits zu erklären und Interpretationshinweise zu liefern und andererseits von der Herrlichkeit Gottes zu berichten. Ein solcher Titulus ist auch für das Mosaik der Apsis der Basilica Nova gedichtet worden und dieser, in Epistula 32 überlieferte, Titulus lautet in Gänze: „In vollem Geheimnis strahlt die Dreifaltigkeit: Christus steht als Lamm, die Stimme des Vaters ertönt laut vom Himmel, und in Gestalt einer Taube strömt der Heilige Geist herab. Das Kreuz umgibt ein Kranz mit leuchtendem Kreise, ihn wiederum umkränzen die Apostel, die durch eine Schar Tauben dargestellt werden. Die erhabene Einheit der Dreifaltigkeit (trinitatis) vereinigt sich in Christus, der wiederum durch eine Dreiheit (trinitate) ausgezeichnet ist: Als Gott offenbart ihn die Stimme des Vaters und der Geist; als heilige Opfergabe bezeugen ihn Kreuz und Lamm; Herrschaft und Triumph zeigen Purpur und Palme an. Selbst der Fels der Kirche, steht er auf einem Fels, aus dem vier rauschende Quellen entspringen: die Evangelisten, die lebendigen Ströme Christi.“ 26

[...]


1 Vgl. Demandt 2007, 158f.

2 Im Urteil der Nachwelt ist das Christentum mit seinen asketischen Konzepten und der ausgeprägten Jenseitssehnsucht deshalb als ein Motor des Niederganges dargestellt worden. Vgl. Alföldy 2011, 317: „Die Rolle des Christentums beim Zerfall der römischen Ordnungsmacht ergab sich (...) daraus, dass es auch von den Germanen übernommen und getragen wurde. Früher, durch die ganze Geschichte Roms, war das Bezugssystem der römischen Gesellschaft der mos maiorum, der zwischen Römern und Nichtrömern eine unüberwindbare Grenze zog. Den christlichen Römer verband aber mit dem christlichen Barbaren seine Religion und Ethik: Er war, wie Orosius sagte, inter Romanos Romanus, inter Christianos Christianus, inter homines homo (Hist adv. Pag. 5,2,6), und die christlichen Barbaren waren für ihn nicht mehr hostes, sondern fratres (ebd. 7, 32,9). Aus dieser Optik erschien für Orosius selbst die Einnahme Roms durch Alarich im Jahre 410 als nicht einmal wirklich schlimm, schließlich seien die Westgoten ebenfalls Christen gewesen, und für Salvianus verkörperten die Germanen die christlichen Tugenden überhaupt entschieden besser als die Römer.“.

3 Vgl. zur Plünderung Roms und den besagten Vorwürfen Demandt 2007, 440f und 593-595.

4 Diese Argumentation übersieht zudem, daß die Stadt Konstantinopel und das oströmische Reich noch über viele weitere Jahrhunderte unter christlichen Herrschern prosperieren konnten. Die Selbstbezeichnung der Bevölkerung als Ῥωμαῖοι, d.h. „Römer“, überdauerte ebenfalls. So schrieb Nikephoros Gregoras noch im 14. Jh. eine „Römische Geschichte“ über die zeitgenössischen Ereignisse in Konstantinopel. Der Autor vereinte dabei christliche und pagane Bildung in sich; er konnte souverän Platon und Homer, wie auch biblische Stellen zitieren. So steht beispielsweise bei Nikephoros Gregoras 8,4: „Inzwischen fiel die Nacht ein, denn die Sonne war untergegangen, und Dunkelheit verbreitete sich über alle Wege (...) So gingen wir dann durch dickste Finsternis, so wie man es von jenen Menschen erzählt, die durch Tainaron in den Hades oder zum unterirdischen Orakel von Trophonion herabstiegen (...)“, was als Anlehnung an Hom. Od. 2, 388: „Sonne versank und Schatten verhüllten sämtliche Straßen.“ erkennbar ist. Dieses Beispiel beweist die Existenz von Kontinuitäten zwischen Spätantike und Mittelalter.

5 Zu Leben und Werk von Paulinus vgl. Trout 1999, passim.

6 Von Paulinus selbst einfach als Basilica Nova, also neue Basilica, bezeichnet. Vgl. Paul. Nol. Ep. 32, 289: „Itaque in ipsis basilicae novae ingressibus hi versiculi sunt“.

7 Paul.Nol.Ep.32,286f.

8 Der Großteil des Mosaiks ist durch eine Naturkatastrophe im 6. Jh. zerstört worden, als im Zuge eines Vesuvausbruchs Überschwemmungen auf die Apsis der Basilica eingewirkt haben. Die erhaltenen Tesserae des Mosaiks blieben zudem bis in die jüngste Vergangenheit hinein unentdeckt. Vgl. zur Katastrophe Lehmann 2004, 55f und zur Wiederentdeckung der Tesserae Lehmann 2004, 107.

9 Vgl. Lehmann 2004, 107.

10 Das Corpus der Briefe Paulinus’ ist bereits 1894 in einer heute noch maßgeblichen kritischen Edition von G. de Hartel herausgegeben worden. Vgl. Trout 1999, 271.

11 Wobei auch noch weitere Textzeugen im Folgenden zu nennen sein werden. Zur Datierung des Briefes vgl. Lehmann 1992, 255.

12 Vgl. zur Forschungsgeschichte ausführlich Lehmann 2004, 15-29.

13 Lehmanns Dissertation von 1994 ist 2004 als Band 19 der Reihe Spätantike – Frühes Christentum – Byzanz erschienen.

14 Vgl.Arnulf1997,55-60.

15 Vgl. Herbert De La Portbarré-Viard 2006, passim. Aufgrund der Abwesenheit ausreichender Französischkenntnisse war es dem Verfasser jedoch nicht möglich dieses Werk in nennenswertem Umfang zu nutzen.

16 Hierbei sorgte er u. A. für den Ausbau der Infrastruktur. Freilich kam dies seinem späteren Bau des Pilgerheiligtums sehr entgegen. Vgl. hierzu Trout 1999, 48 und zur Biographie des Paulinus die Übersicht bei Trout 1999, 289-292.

17 Bereits in seiner Jugend hatte Paulinus das Grab des Heiligen Felix besucht, dem er sich zeitlebens stark verbunden fühlen sollte. Ihm zu Ehren vollzog er die Depositio Barbae. Diese rituelle Opferung des Bartes, ein Ritual aus dem paganen Kult, für einen christlichen Heiligen macht die transformative Natur des 4. und 5. Jhs. ebenfalls deutlich. Vgl. Trout 1999, 47.

18 Vgl. Trout 1999, 71. Ausonius verglich Paulinus mit dem mythischen Bellerophontes, der nach Hom. Il. 6, 200-205 sein Leben als gefallener und wahnsinnig umherwandernder Held beendet hatte. Ausonius glaubte in der asketischen Lebensumkehr des ehemaligen Schülers eine Analogie hierzu erkannt zu haben.

19 Das christliche Netzwerk von Paulinus umfasste dabei nicht nur Gestalten aus der gallischen Heimat des ehemaligen Suffektkonsuls, sondern auch aus weiteren großen Teilen des spätrömischen Reiches. Vgl. Trout 1999, 198-209. Auch mit dem illustren Kirchenvater Ambrosius von Mailand stand Paulinus schließlich in Kontakt. Vgl. Trout 1999, 49.

20 Die Freundschaft mit dem Autor dieser Heiligengeschichte über Martin von Tours ist hierbei ganz kennzeichnend für den persönlichen Wandel des Paulinus von einer paganen hin zu einer christlichen Identität. Auch die Vita Martini ihrerseits greift auf Vorbilder paganer Literatur zurück; sie nutzt diese Form jedoch um die neue Ethik und Religiosität des Christentums zu verbreiten. Sulpicius Severus stellt sein eigenes Schreiben nämlich explizit in den Dienst des christlichen Gottes und verschmähte die bisherige Ideologie der älteren Generationen. Hierbei ist insbesondere der Vergleich der Anfangspassage seiner Heiligenvita mit dem Anfang von Sallusts deutlich älterem Geschichtswerk, aus spätrepublikanischer Zeit, über die Verschwörung des Catilina erhellend. Vgl. Sulp. Sev. 1: „Manche, die ganz in Wissenschaft und eitlem Weltruhm aufgingen, vermeinten dadurch, daß sie das Leben berühmter Männer mit ihrer Feder verherrlichten, unvergängliches Andenken für ihren Namen zu erringen. Dieses Bestreben brachte ihnen aber die erwarteten Lorbeeren nicht dauernd, sondern nur für kurze Zeit. (...) Was nützte ihnen denn auch der Ruhm, den sie mit ihren Schriften ernteten, da er ja mit der Welt vergehen wird? Was hat die Nachwelt davon, wenn sie von den Kämpfen Hektors und den philosophischen Disputationen des Sokrates liest? Ist es doch nicht bloß Torheit, sie nachzuahmen, sondern schon ein Zeichen von Unverstand, ihre entschiedene Bekämpfung zu unterlassen. Sie messen ja das menschliche Leben nur mit dem Maßstab der Gegenwart, setzen ihre Hoffnung auf Trugbilder und stürzen ihre Seele ins Grab. Sie vermeinten sich bloß im Andenken der Menschen verewigen zu müssen, und doch ist es Aufgabe des Menschen, eher ewiges Leben als ewiges Andenken zu erstreben, nicht durch Schriftstellern oder durch Heldenkämpfe oder
Philosophenunterredungen, sondern durch ein frommes, heiliges, gottgefälliges Leben. Dieser menschliche Irrtum hat, einmal zu Papier gekommen, mächtig um sich gegriffen, und jetzt gibt es gar viele leidenschaftliche Anhänger der eitlen Philosophie oder dieses törichten Heldentums. Darum glaube ich ein lohnendes Werk in Angriff zu nehmen, wenn ich das Leben des gar heiligen Mannes beschreibe, das andern bald zum Vorbild dienen soll.“ und vgl. Sall. Cat. 1: „Jeder Mensch, der sich vor den übrigen Geschöpfen auszeichnen möchte, muß sich mit aller Kraft darum bemühen, nicht unbeachtet durchs Leben zu gehen wie das Vieh, das seiner Natur nach den Kopf zur Erde senkt und nur für den Bauch sorgt. Unser ganzes Wesen beruht ja doch auf Geist und Körper: der Geist ist das Herrschende, der Körper mehr das Dienende in uns; den einen haben wir mit den Göttern, den anderen mit den Tieren gemein. Darum scheint es mir richtiger, wenn wir mit geistigen Mitteln Anerkennung suchen statt mit bloßen Körperkräften, und wenn wir dem Andenken an uns eine möglichst lange Dauer schaffen — das Leben selbst ist ja so kurz, das wir genießen! Der Ruhm, den uns Reichtum und Schönheit bringen, ist flüchtig und vergänglich, geistiger Wert aber ein herrlicher und ewiger Besitz. (...)“.

21 Zur Rekonstruktion der Basilica anhand der archäologischen und literarischen Quellen vgl. Lehmann 2004,241-251.

22 An dieser Stelle sei auf die ungewöhnliche Ausrichtung der Apsis hingewiesen. Anders als die gängige Ausrichtung nach Osten, ist die Apsis der Basilica Nova nach Norden hin ausgerichtet. Vgl. Lehmann 2004, 175-177, der jedoch von einem Irrtum der Forschungsmeinung ausgeht und sich dafür ausspricht, daß die Ostung niemals stark gegenüber der Nordung favorisiert worden sei. Ursächlich für die hier vorliegende Nordung ist offenbar die Ausrichtung auf das Grab des heiligen Felix; es bestand eine Sichtachse von der Apsis auf das Felixgrab. Vgl. Lehmann 2004, 242. Zur Form der Apsis selbst ist zu sagen, daß diese wohl zu Unrecht als Trikonchos bezeichnet worden ist, wie Lehmann 2004, 95f gezeigt hat und eher, gemäß der Wortwahl der paulinischen Beschreibung, als Apsis Trichora gelten soll.

23 Das Opus Sectile Paviment, das ganz im besten Stil der Zeit gehalten ist, bezeugt zudem Paulinus’ Kenntnis der zeitgenössischen Architektur in Rom und Konstantinopel. Der ehemalige Suffektkonsul unternahm auch von Nola aus weiterhin Reisen in die urbanen Zentren seiner Zeit und nahm dabei zahlreiche Einflüsse auf. Vgl. Lehmann 2004, 101-106. Andere Stellen der Basilica verfügten nur über Marmorimitation, was als Beweis der herausgehobenen Stellung der Apsis im Kirchenbau gelten kann.

24 Paulinus wählte für sich und seine Frau Therasia eine Bestattung „ad sanctum“, in Form eines Doppelgrabes in der direkten Nachbarschaft zu seinem Lieblingsheiligen. Er wollte auch im Tode, wie zuvor im Leben, dem heiligen Felix nahe bleiben. Vgl. Lehmann 2004, 147.

25 Vgl. Trout 1999, 79f.

26 Übersetzung nach Engemann 1974, 21f. Im lat. Original heißt es: „Pleno coruscat trinitas mysterio: stat Christus agno, vox patris caelo tonat et per columbam spiritus sanctus fluit. Crucem corona lucido cingit globo, cui corona sunt corona apostoli, quorum figura est in columbarum choro. Pia trinitatis unitas Christo coit habente et ipsa trinitate insignia: Deum revelat vox paterna et spiritus, sanctam fatentur crux et agnus victimam, regnum et triumphum purpura et palma indicant. Petram superstat ipse petra ecclesiae, de qua sonori quattuor fontes meant, Evangelistae viva Christi flumina.“ Weitere Übersetzungen bieten an manchen Stellen Lösungen an, die eine etwas andere Mosaikkomposition ergeben würden. An den relevanten Stellen muß daher noch detailliert auf abweichende Wortbedeutungen, welche die Rekonstruktion des Mosaiks beeinflussen würden, eingegangen werden

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Paulinus von Nola und das Apsismosaik der Basilica Nova
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V458991
ISBN (eBook)
9783668910072
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Tafelteil wurde für diese Publikation entfernt.
Schlagworte
paulinus, nola, apsismosaik, basilica, nova
Arbeit zitieren
Kevin Grossart (Autor), 2015, Paulinus von Nola und das Apsismosaik der Basilica Nova, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/458991

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