Das Adjektiv. Eine Betrachtung des Grammatikunterrichts mit Analyse der Wortartenvermittlung

Vergleich didaktischer Konzepte in Deutschlehrwerken


Hausarbeit, 2018

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Grammatikunterricht in der Schule
2.1 Traditioneller Grammatikunterricht
2.2 Alternativen zum traditionellen Grammatikunterricht
2.2.1 Der situative Grammatikunterricht nach Boettcher und Sitta
2.2.2 Die Grammatik-Werkstatt nach Wolfgang Menzel

3. Wortartenklassifikation im Grammatikunterricht

4. Das Adjektiv in der Fachdidaktik
4.1 Das Adjektiv in Wortstark 3
4.2 Das Adjektiv in Der andere Grammatikunterricht
4.3 Das Adjektiv in der G rammatik-Werkstatt

5. Schluss

Quellen

1. Einleitung

Wie in jedem wissenschaftlichen Fachgebiet gibt es verschiedenen Herangehensweisen an einzelne Probleme und Aufgabenstellungen. Nicht anders ist dies im Bereich der Grammatik und ihrer didaktischen Lehre, dem Grammatikunterricht. Ein Teilgebiet des Fachs Deutsch, der oft nicht nur SchülerInnen sondern auch Lehrern Unbehagen bereitet. Konzepte des Grammatikunterrichts in Schulen entfernen sich immer mehr von dem normativen traditionellen Grammatikunterricht und versuchen, situative und praxisnahe Lehrmethoden und Aufgaben umzusetzen. Im Folgenden werden die alternative Modelle der Grammatikdidaktik vorgestellt, besondere Konzentration liegt auf der Grammatikwerkstatt von Wolfgang Menzel, daraufhin wird anhand der Wortart Adjektiv eine Analyse eines herkömmlichen Deutschlehrwerks (Wortstark 3) durchgeführt, um schließlich herauszufinden, wie diese Konzepte in praxisorientierten Aufgaben nach Menzels Konzept aussehen könnten, welche Schwierigkeiten auftreten und worin die Unterschiede der didaktischen Modelle liegen.

2. Grammatikunterricht in der Schule

2.1 Traditioneller Grammatikunterricht

In „Sprachbetrachtung und Grammatikunterricht“ (Schöningh: 2007) unterscheidet Ursula Bredel unter anderem zwischen dem traditionellen und dem funktionalen Grammatikunterricht, wobei der erstgenannte sich am Lateinischen orientiert und weder transparent vermittelt noch den SchülerInnen leicht zugänglich gemacht werden kann. In diesem präskriptiven Grammatikunterricht, in dem „Sprachnormierung“ vorherrscht, haben Sprachwandel und grammatische Zweifelsfälle keinen Platz und es wird vorrangig nach richtig und falsch bewertet (vgl. Bredel 2007: 227). Der traditionelle Grammatikunterricht wird in vielerlei Hinsicht kritisiert.

Die deduktive „Vermittlung eines (vorab festgelegten) Wissens über den Bau der Sprache“ (Bredel 2007: 228) lässt SchülerInnen wenig Raum für die Betrachtung ihrer eigenen Sprache und schafft stattdessen Distanz und Unzugänglichkeit. Das „deklarative Wissen“, als Bestandsteil oder Folge des deduktives Lernens hat oft keinen nachhaltigen Bestand und kann somit auch gar nicht das Interesse der SchülerInnen gewinnen. Das „terminologische Lernen hat für produktive und rezeptive Sprachverarbeitungsprozesse […] keine Bedeutung“ (Hochstadt, C. Et al.: 232). Begriffe werden auswendig gelernt aber nicht verstanden und so auch leicht wieder vergessen. Erschreckend ist dabei nicht bloß, dass es Menschen gibt, die keinen Zugang zur Grammatik finden, sondern, dass selbst Deutschstudenten, die sich auf das Fach und die Wissenschaft selbst spezialisieren, oft auch Probleme mit den gängigsten Terminologien und Definitionen der deutschen Grammatik mitbringen (vgl. ebd.).

2.2 Alternativen zum traditionellen Grammatikunterricht

2.2.1 Der situative Grammatikunterricht nach Boettcher und Sitta

Horst Sitta und Wolfgang Boettcher entwickelten mit Der andere Grammatikunterricht 1981 einen fundamentalen Beitrag zur Veränderung des klassischen Grammatikunterrichts für die Sekundarstufe I. Der situative Grammatikunterricht soll es - wie der Name schon verrät - den Lehrkräften ermöglichen, einen schüler- und situationsfixierten Grammatikunterricht zu gestalten. Grammatikunterricht ist mittlerweile nicht mehr nur für SchülerInnen eine Verunsicherung, sonder auch auch für die Lehrer. Woran liegt das? Die seit den sechziger Jahren stets elaborierte Wissenschaft der Linguistik, die „Bezugswissenschaft für den Grammatikunterricht“ (Boettcher / Sitta 1981: 14) wurde mehr und mehr systematisiert und formalisiert, die Wissenschaft sollte in die Lehrbücher übertragen werden, was aber durch zeitliche, prozessbedingte Verschiebung dazu führte, dass dieser „neu konzipierte 'verwissenschaftliche' Grammatikunterricht“ nicht auf das ebenso moderne Konzept eines Unterrichts mit „Berücksichtigung der Schülerinteressen“ (Boettcher / Sitta 1981: 16) abgestimmt war. Das Ziel von Boettcher und Sitta ist nun zu verdeutlichen, nicht nur dass, sondern wie es funktioniert, „Grammatikunterricht so zu konzipieren und zu realisieren, dass er integrierbar ist in einen insgesamt situations- bzw. projektorientierten Deutschunterricht“ (ebd.).

2.2.2 Die Grammatik-Werkstatt nach Menzel

Ähnlich wie bei Boettcher und Sitta ist die Grammatik-Werstatt (3. Auflage 2008) von Wolfgang Menzel keine Schulgrammatik im klassischen Sinne, sondern vielmehr eine Einführung in moderne didaktische Verfahren, derer die Lehrkräfte sich nach Belieben bedienen können, welche sie teilweise in ihren Unterricht übernehmen oder auch gänzlich verwenden können und die ihnen ermöglichen sollen, grammatische Systeme gemeinsam mit den SchülerInnen zu ergründen, erproben und so auf einem aktiven und spielerischen Weg zu lehren. Hierbei legt er der Zielgruppe nahe, neue Wege zu gehen und gemeinsam mit den SchülerInnen neue Erfahrungen zu machen, besser gesagt: „durschauen, erkennnen und wissen wollen, statt nur Antworten geben und belehrend korrigieren.“ (Menzel 2008: 6). Menzel erläutert in der Grammatik-Werkstatt einige methodische Begriffe, die für diese Arbeit ausschlaggebend sind, da sie es ermöglichen, Grammatiklehrwerke nach verschiedenen Kriterien und Kategorien zu untersuchen:

- formale Grammatik und funktionale Grammatik:

- „Unter einer formalen Grammatik versteht man die formbezogene Sprachanalyse. Der Unterricht […] vermittelt die grammatischen Kategorien […] ohne sie für die sprachliche Anwendung nutzbar zu machen“ (Menzel 2008: 8).
- „Unter einer funktionalen Grammatik [wird verstanden], dass […] semantische, textuelle und / oder kommunikative Kategorien zu den grammatischen in Beziehung [gesetzt werden].“ (Ebd.)

- systematisch und situationsorientiert:
- „Der systematische Grammatikunterricht hat stets Teilsysteme der Grammatik im Blick; er vermittelt sie (zumeist deduktiv) oder lässt sie ermitteln (induktiv).“ (Ebd.)
- „Der situationsorientierte Grammatikunterricht vermittelt grammatische Einzelkategorien in situativen Zusammenhängen.“ (Ebd.)

Gemeinsam mit dem Begriffspaar deduktiv und induktiv „treten diese Konzepte zumeist in Kombinationen auf. Menzel liefert hier einen Katalog, mit dem man quasi jede Aufgabe in Sprach- und Grammatiklehrwerken untersuchen und vergleichen kann, darüber hinaus hat er eine feste Vorstellen davon, wie ein Schulgrammatik aufgebaut sein muss (Menzel 2008: 9):

1. Sie muss den Lernenden Einsichten in den Bau der Sprache vermitteln, also die Ordnung der sprachlichen Vielfalt zu Kategorien sichtbar machen (sie muss systematisch sein).
2. Sie kann dies nur, wenn sie die Methoden zur Verfügung stellt und erfahrbar macht, mit denen man zu Kategorien gelangt (sie muss i nduktiv vorgehen).
3. Sie muss einsichtig machen, welche Rolle die zu ermittelnden Kategorien in der Sprache selbst spielen; welche semantischen, textuellen und kommunikativen Funktionen sie haben können – wenn sie denn welche haben (sie muss f unktional sein).
4. Sie kann dies nicht anders als im ständigen Wechselspiel von Arbeit an Strukturen und an Inhalten oder Sprachsituationen […] (sie muss in diesem Sinne integrativ verfahren).

Im Grunde geht es Menzel darum, dass ein System gelehrt wird auf eine induktive Weise. Das heißt, dass - anders als die bekannte und oft im Grammatikunterricht verwendete deduktive Methode - die SchülerInnen sich die Antworten selbst erschließen bzw. den Lösungsweg nicht vorgegeben bekommen, sondern ihn selbst gehen müssen. Des Weiteren, dass die Grammatik in Beziehung gesetzt wird zu anderen Thematiken im Fach Deutsch, sodass die SchülerInnen sie begreifen und ihre Funktion und Bedeutsamkeit verstehen und schließlich muss sie wiederholt, geübt und anhand von echten Sprachbeispielen in das Sprachverständnis der SchülerInnen gepflanzt werden, damit sie zu etwas wird, was Substanz hat und womit nicht nur im Grammatikunterricht, sondern auch in der generellen Arbeit mit Texten ohne Schwierigkeiten und einem allgemeinen Verständnis von Sprache gearbeitet werden kann.

3. Wortartenklassifikation im Grammatikunterricht

Wortarten und ihr Verständnis sind komplex und lassen sich auf verschiedene Arten vermitteln: semantisch, morphologisch und syntaktisch. Die Meinungen darüber, welche Art der Vermittlung in Schulbüchern am gängigsten ist, sind gespalten: einige behaupten, es gäbe „Mischkategorien“ (Ossner 2012: 165), also das undifferenzierte Durcheinanderwürfeln von semantischen, morphologischen und syntaktischen Ansätzen, was zu „didaktischen Problemen“ (ebd.) führt. Diese Probleme rühren daher, dass gerade semantische Erklärungen oft falsch sind und die SchülerInnen verwirren: Merksätze wie „alles, was man tut, ist ein Verb“ sind rein semantisch und tritt nun die substantivierte Form „das Lachen“ auf, wird diese eventuell als Verb fehlgedeutet.. Andere meinen, Wortarten werden im Unterricht vorrangig mithilfe semantischer Kriterien gelehrt, da auch von Verfassern der Lehrwerke „unter Funktion primär die semantische Leistung […] verstanden wird“ (Bräuer 2015: 306). Die Wortartenklassifikation des traditionellen Grammatikunterrichts mit 10 Wortarten wurde mittlerweile durch die allgemein bekannte

Unterscheidungen von H. Glinz mit 5 Wortarten ersetzt:

1. Verben
2. Nomina
3. Adjektive
4. Pronomina
5. Partikel

Die Fachwissenschaft ebenso wie die Schulgrammatik stimmen im System der 5 Wortarten überein. Dennoch gibt es Unterschiede, auf welche Merkmale und Eigenschaften bei den einzelnen Wortarten Wert gelegt wird. Eine didaktische Grammatik kann natürlich nicht so umfangreich wie der Schülerduden gestaltet sein, sollte aber inhaltliche Richtigkeit aufweisen. Im folgenden wird anhand des Adjektivs untersucht, auf welche Kriterien in der linguistischen sowie in der didaktischen Grammatik am meisten Wert gelegt, und wie die Vermittlung in Schulbüchern realisiert wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Adjektiv. Eine Betrachtung des Grammatikunterrichts mit Analyse der Wortartenvermittlung
Untertitel
Vergleich didaktischer Konzepte in Deutschlehrwerken
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie)
Veranstaltung
Sprachstruktur: Grammatik für die Schule
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V459032
ISBN (eBook)
9783668898752
ISBN (Buch)
9783668898769
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adjektiv, Wortartenklassifikation, Didaktik, Grammatik, Grammatikunterricht, Sprachstruktur, Wortarten
Arbeit zitieren
Lucia Maea (Autor:in), 2018, Das Adjektiv. Eine Betrachtung des Grammatikunterrichts mit Analyse der Wortartenvermittlung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459032

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