Alice Salomon und ihr Einfluss auf die Verberuflichung der Sozialen Arbeit


Hausarbeit, 2019
12 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Historische Ausgangslage in Deutschland zur Ende des 19. Jahrhunderts

3) Salomons Biografie

4) Verberuflichung der Sozialen Arbeit

5) Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Im Folgenden lesen Sie eine Hausarbeit im Rahmen des Moduls 1.2 des Studiengangs Soziale Arbeit, zum Thema: „Alice Salomon und ihr Einfluss auf die Verberuflichung der Sozialen Arbeit“. Die Hausarbeit basiert auf der Beantwortung der Frage: „Soziale Arbeit: Vom Ehrenamt zum Beruf?“

Soziale Berufe erlernen in der heutigen Zeit viele Menschen, hierbei ist es egal ob männlich oder weiblich, denn jeder ist berechtigt dazu. Soziale Berufe sind auf einem klassischen Weg zu erlernen. Das Bezieht sich auf Berufe, wie Kinderpflegerin, Erzieher, Heilerziehungspfleger, welche zu gleichen Teilen Theorie- und Praxisanteile beinhaltet. Auch über den akademischen Weg ist mittels eines Studiums ein Abschluss als anerkannter Soazialpädagoge mögliche. Dies ist durch Studiengänge, wie Soziale Arbeit, Soziologie oder Sozialpädagogik machbar. Durch einen Fortschritt in der Forschung als auch im Wissensstand hat sich die Ausbildung in den letzten Jahren weiterentwickelt und etabliert. Das Fundament für die Arbeit im sozialen Bereich wurde bereits vor mehr als hundert Jahren durch die bedeutende „Vorreiterin“ Alice Salomon gelegt.

Salomon hatte durch die ehrenamtliche Arbeit im sozialen Bereich von einigen Jahren erste Schritte in die Richtung einer sozialen Berufsausbildung gemacht. In dieser Zeit war sie die Verantwortliche und treibende Kraft, dass eine Ausbildungsstelle eröffnet wurde und half die Ausbildung zu professionalisieren. In ihrem Leben hatte sie zahlreiche Ämter und Funktionen, außerdem verfasste sie Publikationen für den sozialen Bereich.

Ihr gesamtes Lebenswerk ist zu umfangreich, um es in dieser Hausarbeit wiedergeben zu können. Dennoch werden im Folgenden Details dazu beschrieben und aufgeführt. Vor allem kommen die Kernpunkte der Verberuflichung der Sozialen Arbeit zum Ausdruck.

2) Historische Ausgangslage in Deutschland zur Ende des 19. Jahrhunderts

Das auslaufende 19. Jahrhundert war von einer Umbruchphase geprägt, welche massive Ausmaße mit sich brachte. Diese waren rapide Industrialisierung und Urbanisierung. Diese zwei Faktoren ließen Deutschland zur Industriegesellschaft werden. (vgl. Sachße/Tennstedt 1988, 15) Aufgrund der Industrialisierung gab es ein größeres Angebot, wodurch die Konkurrenz stieg. Aber die Löhne und Preise sanken. Dies war der Rationalisierung zu verdanken. Somit kam es zur Verstädterung, da die Menschen die Hoffnung auf Arbeit in Industriebetrieben hatten. (vgl. Müller 1988, 132) Das Arbeitsangebot bestimmte die Örtlichkeiten, an denen die Arbeiter ihre Arbeit antreten mussten. Dies hatte eine Massenarbeitslosigkeit zur Folge. Eine weitere Folge war die Verarmung und die Verelendung. Deshalb wurden für viele Arbeiter in den Ballungszentren ärmlich wirkende Arbeiterbaracken gebaut. (vgl. Baron 1983, 27) Die Bedeutung von traditionellen Familienzusammenhängen, die zum größten Teil die soziale Absicherung darstelle, verloren immer mehr an Bedeutung. Im Zuge der Binnenmigration kam es zu der Trennung vieler Familien, durch verschiedene Arbeitsorte. „Wissenschaft, Technik und Industrie wurden nicht nur als Motoren von Fortschritt und Wohlstand, sondern auch als Ursache der Zerstörung traditioneller sozialer Zusammenhänge, der gesellschaftlichen Erkaltung und Vereinzelung wahrgenommen.“ (Sachße/Tennstedt 1988, 15) In Folge dieser Umbruchphase waren nicht nur Einzelfälle sondern ganze Bevölkerungsschichten von Armut betroffen. Was zu dieser Zeit eine neue Form der Armut darstellte. Der Notstand war bedingt, durch die Gesellschaft, wodurch sich eine neue gesellschaftliche Unterschicht und eine von der Industrialisierung profitierende, bürgerliche Mittelschicht entwickelte. (vgl. Salomon 1983, 32f) Damit kam es zu einer bedrohlichen und schwerwiegenden Spaltung zwischen arm und reich. (vgl. Sachße/Tennstedt 1988, 15) Aufgrund der neuen sozialen Probleme, entstanden Bewegungen und Vereine. Auch Kommunen suchten nach Lösungen um das Armenwesen neu zu Regeln. Man überlegte über die Einführung einer Arbeitslosenversicherung nach. Diese sollte vor allem von den „ausbeutenden“ Betrieben gezahlt werden. Krankenversicherung, Unfallversicherung , sowie Invaliditäts- und Altersversicherung entstanden gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Nach Baron galt die die intakte Arbeitskraft als Ausbeutung. Dies sorgte für Missstände in Form von Not, welche Unterstützung des Staates oder ehrenamtlicher Basis benötigte. Die Grundzüge bestehen noch heute. Es handelt sich um die Sozialgesetzgebung.

3) Salomons Biografie

Alice Salomon wurde am 19.04.1872 in Berlin geboren. Sie war die Tochter von Albert und Anna Salomon. Diese hatten insgesamt neun Kinder, jedoch gab es zwei Fehlgeburten und zwei Kinder starben nach der Geburt. Sie wuchs mit je einem älterem Bruder und einer ältere Schwester, sowie zwei jüngeren Schwestern auf. Ihre Mutter ging dem traditionellen Berufsbild einer Frau - Hausfrau - nach, hierbei wurde sie derart durch Hausangestellten entlastet, sodass sie keine Hausarbeit zu verrichten hatte. Aufgrund des erfolgreichen Lederhandelsbetrieb der Familie mit einer Außenstelle in London hatte die Familie keine finanziellen Sorgen. (vgl. Kuhlmann 2000, 47f ) Trotz der jüdischen Herkunft Salomons Eltern galt das Elternhaus als bürgerlich-liberal und damit nicht entsprechend der Tradition und dem Glauben. (vgl. Kuhlmann)

Salomon besuchte ab ihrem fünften Lebensjahr die „Höhere-Töchtern-Schule“ in Berlin, welchechristlich-protestantisch war. Salomon hatte eine Vorliebe für die Schule und strebte eine Karriere als Lehrerin an. Doch dieser Wunsch wurde von ihrer Familie vereitelt. Denn es war zu dieser Zeit nicht standesgemäß für Mädchen aus gutem Hause. (vgl. Maier 1998, 341) Ihr Bruder übernahm die Vaterrolle, als Salomons Vater Starb. Die Familie zog um und der Onkel übernahm die Vormundschaft. (vgl. Kuhlmann 2000, 51f ) Zwei Jahre später mussten Salomon und ihre ältere Schwester die sterbende jüngere Schwester pflegen, da die Mutter dazu nicht länger in der Lage war. Nur kurze Zeit später wurde die Mutter zum Pflegefall, wodurch sich Salomon erste Pflegekenntnisse aneignete. Durch die Pflege drehte sich das Mutter-Tochter Verhältnis und führte damit zum Ende Salomons Kindheit. (vgl. Peyser 1958, 18f) Durch den Entfall der Mutter übernahm Salomon einige Hausarbeiten. Salomon begann zu Lesen, besuchte Vorlesungen und Sprachkurse. Durch das Geld, das sie durch Stricken verdiente, war sie unglücklich, da es nicht zu Lebensunterhalt reichte. (vgl. Kuhlmann 52)

Es kam zu einer neuen Phase und zu einer Ausweitung der Frauenbewegung am Beginn der 1890er Jahre. Es wurden Bildungs- und Berufsvereine gegründet. Außerdem auch sozialpolitisch orientierte Gruppen, deren Erfolg sich in der stetig steigenden Mitgliederanzahl widerspiegelte. Dies führte 1894 zur Gründung des Bunds deutscher Frauenvereine (BDF), der nach dem Leitbild des International Council of Woman (ICW) gestaltet war. Im BDF war Salomon Schriftführerin und stellvertretende Vorsitzende. Im ICW wurde sie Mitglied, Schriftführerin und Vizepräsidentin. Dies geschah nach dem Tod der Mentorin Schwerin. (vgl. Eggemann 1999, 160f ) Außerdem wurde sie zur Vorsitzenden der „Konferenz sozialer Frauenschulen Deutschlands“ gewählt und gleichzeitig die Leiterin der Frauenabteilung im Kriegsamt.

Zur Gründungsversammlung der „Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit“ wurde Salomon eingeladen. Dies prägte ihren zukünftigen Werdegang. Im Zuge der Volljährigkeit trat sie einer sozialen Organisation als Mitglied bei. Dort lernte sie ihre spätere Mentorin, die Gründerin Jeannette Schwerin, kennen. Sie begann im Mädchenhorten auszuhelfen und Hausbesuche unter Aufsicht vorzunehmen. Dadurch kam sie mit Not und Elend der Arbeiterklasse in Berührung. (vgl.: Peyser 1958, 23) Sie trat in Kontakt mit Professoren, die zur Elite der Nationalökonomie gehörten. Aufgrund dieser Kontakte konnte sie an der Berliner Universität ein Studium in Nationalökonomie beginnen. Dennoch promovierte sie 1906 als erste Frau in Deutschland in Philosophie. (vgl. Eggemann 1999, 161) Noch während ihres Studiums reiste sie 1896 nach England, um Kontakt mit Vertretern der Settlement-Bewegung aufzunehmen. (Diese Bewegung diente dem Zweck reiche und arme Menschen zusammenzuführen. Denn nur so lernten die reichen Leute die Welt der Armen kennen.) Eine Art Club wurde von Salomon gegründet. Dieser war vor allem für junge Fabrikarbeiterinnen. Diese konnten sich dort bilden, erholen und vieles mehr. Weiterhin wurde Hilfsinstitutionen für Menschen mit Einschränkungen gegründet. (vgl.: Maier 1998, 342)

Salomon eröffnete 1908 die erste soziale Frauenschule in Deutschland, welche überkonfessionell war. Hiermit schuf sie den Grundstein für den Berufszweig der sozialen Arbeit. (vgl. Peyser 1958, 59f ) Als Direktorin und Lehrerin war sie einige Jahre an dieser Schule tätig. Im Jahre 1914 starb Salomons Mutter. Sie litt an Altersschwäche. (vgl.: Salomon 1983, 139) Mit ihrem Rücktritt 1925 als Direktorin der sozialen Frauenschule gründete sie im selben Jahr die „Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit“, um die Aufstiegschancen für Frauen im sozialen Feld zu ermöglichen. Dazu sollte ein „hochschulmäßiges“ Studium absolviert werden. (vgl. Eggemann 1999, S. 163) Ab 1926 war sie in einen Ausschuss des internationalen Arbeitsamtes tätig. Im Jahr darauf wurde sie Vorsitzende des internationalen Komitees sozialer Schulen. (vgl. Maier 1998, 343) Die soziale Frauenschule wurde nach ihr „Alice-Salomon-Schule“ benannt. Mit Beginn der NS-Herrschaft arbeitete sie in einem Hilfskomitee für jüdische Emigranten, da sie alle anderen öffentlichen Ämter niederlegen musste. Sie siedelte 1937 in die USA über, da sie aus Deutschland ausgewiesen wurde. Dort bekam sie nach sieben Jahren die amerikanische Staatsbürgerschaft. (vgl. Eggemann 1999, 164) Dort wurde sie ein Jahr später Ehrenpräsidentin des ICW und des internationalen Komitees sozialer Schulen. Alice Salomon starb am 30.08.1948 in New York. (vgl. Maier 1998, 343)

4) Verberuflichung der Sozialen Arbeit

Alice Salomon lernte bereits in ihren ersten Lebensjahren, dass Frauen unterordnen mussten. Das neue Bürgerliche Gesetzbuch aus dem Jahre 1900 und die ersten Anfänge der Frauenbewegung konnten trotz steigendem Bekanntheitsgrad veränderte sich im Bezug auf die Gleichberechtigung nicht viel. „Wie vorher war allein der Ehemann berechtigt, die gemeinsamen Geschäftsangelegenheiten zu regeln, Vermögen und Einkünfte, sowohl die eigenen Kinder wie die seiner Ehefrau zu verwalten, über Eigentum und Mitgift seiner Frau zu verfügen oder damit zu spekulieren, wenn nicht andere vertragliche Regelungen vor der Eheschließung getroffen wurden.“ (Salomon 1983, 96) Für Frauen, aus gutem Hause, wie Alice Salomon mussten den Haushalt leiten, sich um die Kinder kümmern und Näh- und Stickereiarbeiten ausführen. Um ein ähnliches Leben, wie ihre Mütter zuführen, sollten die Töchter einen standesgemäßen Mann heiraten. (vgl. ebd., 21ff) „Die einzige Möglichkeit einer anspruchsvollen Berufstätigkeit für Töchter der Oberschicht bestand damals in Deutschland darin, Lehrerin zu werden.“ (Müller 1994, 125) Wie bereits in der Biografie erwähnt hatte auch Alice Salomon den Traum Lehrerin zu werden. Jedoch dies von ihrem Vormund, dem Onkel, verboten. Auch wenn die Möglichkeiten der Frauenbewegung in ihren Anfangsjahren noch begrenzt waren, ermöglicht sie, dass Frauen zahlreiche soziale Hilfstätigkeiten ausführen konnten. Diese Hilfstätigkeiten basierten meist auf ehrenamtlicher Basis. Die Tätigkeiten wurden als sinnvoll und notwendig von den Frauen angesehen. Sie hatten erstmals die Möglichkeit, aus ihrem typischen Alltagsleben herauszutreten und anderen Menschen zu helfen. Mit einem öffentlichen Appell wandte sich das Gründungskomitee der „Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit“ dann die Töchter aus besserem Hause, mit dem Ziel Frauen für dieses Beschäftigungsfeld zu gewinnen. Organisiert wurden diese Ehrenämter von verschieden Wohlfahrtseinrichtungen in und um Berlin. „Die ehrenamtliche Tätigkeit der bürgerlichen Frauen erstreckte sich dabei auf vier Gebiete: auf öffentliche Armen- und Waisenpflege, private Wohlfahrtsanstalten, Blindenanstalten und schließlich auf die Arbeit in Kindergärten und Horten als Einrichtungen der Kleinkindpädagogik.“ (Amthor 2003, 259) Die Zahl der Hilfstätigen nahm kontinuierlich zu. Durch ihre Tätigkeit in den Gruppen wurde sie zur Vorsitzenden und als Gasthörerin an der Berliner Universität bildete sie sich weiter und knüpfte wichtige Kontakte. Dadurch erlang sie theoretisches Wissen, welches sie als Vorsitzende anwandte und weitergab. Salomon und Schwerin sahen die Aus- und Fortbildung der ehrenamtlichen Mitarbeiter als eine ihrer Hauptaufgaben. Um nicht nur auf der Ebene der Ehrenamtlichkeit zu bleiben, waren diese Weiterbildungen wichtig. Denn nur so war es möglich Soziale Arbeit zu einem Frauenberuf zu machen, (vgl. Müller 1994, S. 128)Während zu Beginn nur Seminar zu soziologischen Themen angeboten wurden, imitierte Schwerin später auch Kurs mit Lehrinhalten Politik, Wirtschaft, Pädagogik und Sozialmedizin. Der erste geschlossene Jahreskurs zur beruflichen Ausbildung entwickelte sich im Jahre 1899. Dieser wurde von Emil Münsterberg, dem damaligen Leiter der Berliner Armenverwaltung, geleitet. Dieser Kurs gliederte sich in vier Quartale und beinhaltete Themen der Erziehungslehre, Armenpflege und Wohlfahrtspflege. 40- 50 Frauen nahmen durchschnittlich daran teil. Mit der Verlängerung der Ausbildung auf zwei Jahre und der Unterteilung in einer Unter- und Oberstufe, kam ein auch Bereiche Volkswirtschaftslehre und Teilbereiche der Rechtswissenschaft, Sozialhygiene und Sozialpädagogik zum Lehrplan hinzu. (vgl. Amthor 2003, 260) Das Modell der zweijährigen Ausbildung setzte sich in Deutschland nach 1905 durch und wird heute in der Kinderpflegeausbildung noch so praktiziert. Der Kurs galt damals bereits als hochdifferenziert. (vgl. Sachße 1986, S. 141) Das Modell der Jahreskurse fand nicht nur in Berlin Anklang, sondern diente anderen Städten als Vorbild, sowohl im Hinblick auf die Ausbildung, als auch mit Blick auf die Stellenvermittlung. Als Ausgangspunkt einer Schulgründung wurde beispielsweise in Hannover ebenfalls ein Jahreskurs angeboten. (vgl. Hering/Münchmeier 2000,53) Alice Salomon gründete eine eigene Ausbildungsstätte. Dies konnte nur in enger Zusammenarbeit mit den Gruppen der Frauenbewegung, sowie dem Berliner „Verein für Volkserziehung“ entstehen. (vgl. Amthor 2003, 261) Dabei legte sie Schwerpunkte, sowohl auf praktische und wissenschaftliche Anteile, als auch auf die Vermittlung von Wissen und Techniken. Des Weiteren waren auch Themen, wie Haltung zur Ethik und Ideale wichtig. (vgl. Hering/Münchmeier 2000, 53) Die Persönlichkeit ist wichtig, denn nur wer eine soziale Gesinnung hat, genügend Empathie besitzt und soziale Arbeit als Berufung sieht, ist ein guter Sozialarbeiter, denn mit Verstand und Wissen kann man Not wahrnehmen, aber mit Empathie kann man sie beseitigen, so Hering und Münchmeier.Die Ausbildung war nur auf Frauen ausgelegt. Zu der sozialen Arbeit sollten Frauen doppelt berufen sein. „Einmal, weil sie als bürgerliche Frau über Zeit und Mittel verfügte, ihr Leben dem Dienst am notleidenden Volke zu widmen, zum zweiten aber, weil sie als Frau über die spezifischen mütterlichen Potenzen verfügte, die in der sozialen Arbeit gefordert wurden.“(Sachße 1986, 140) Unter „Mütterlichkeit“ verstand man, dass alle Frauen wärmende, hegende und pflegende Fähigkeiten besitzen und diese Fähigkeiten sowohl für den familiären Bereich, als auch für gesellschaftliche Aufgaben, wie das Pflegen von Notleidenden, wesentlich seien. (vgl. Engelke 1992, 207) Eine männliche Dominanz auf diesem Berufszweig sollte damit verhindert werden. (vgl. Müller 1994, 137) Im Jahre 1908 kam es zu einem politischen Umschwung. Das preußische Vereinsgesetzt, welches Frauen untersagte politischen Vereinigungen anzugehören wurde abgesetzt. Des Weiteren entstand die preußische Mädchenschulreform, welche als wichtige Stütze für die Ausbildung in der Sozialen Arbeit stand. Die Mädchenschulreform ermöglichte eine offizielle gymnasiale Ausbildung und eine Zulassung zum Studium. Es wurde zwar vorher bereits durch die Frauenbewegung Gymnasialkurse für Mädchen angeboten, aber erst ab diesem Zeitpunkt waren sie auch offiziell erlaubt. (vgl. Kuhlmann 2000, 104) Um praktisches und Theoretisches Wissen zu vereinen, befand Salomon es für gut die berufliche Soziale Arbeit mit einer Art Ausbildungsstätte zu kombinieren. Dafür wurde die Ausbildung am 01.Oktober 1908 in die Räume des Pestalozzi-Fröbel- Hauses verlegt. (vgl. Salomon 1983, 100) Für den Beginn der Ausbildung waren wenigstens 10 Frauen notwendig. Laut Salomon waren es 80 Frauen, die sich eingeschrieben hatten. Alice Salomon übernahm die Öffentlichkeitsarbeit als auch die Direktion. (vgl. Sachße 1986, 142) Sie eröffnete die Schule mit folgenden Worten: „Ich eröffne die Schule für soziale Arbeit 1908 mit einer Ansprache über die Worte Carlyle: „Gesegnet, wer seine Arbeit gefunden hat. Er braucht nach keinem anderen Segen mehr verlangen.“ (Salomon 1983, 100) Mit einer Zunahme der Teilnehmerinnen an den Kursen erweiterte die Schule ihr Angebot. Es entstanden zusätzliche Fortbildungskurse. Die volkswirtschaftliche Theorien, Fragen der Volksbildung oder historisch- politische Fragen des 19. Jahrhunderts diskutierten. Weiterhin wurden Abendkurse für die ehemaligen und immer noch berufstätigen Mitgliedern der Frauenbewegungsgruppen initiiert. (vgl. Kuhlmann 2000, 114f) Zugangsvoraussetzung waren ein Abitur und das Mindestalter von siebzehn Jahren. (vgl. Salomon 1983, 101) Die Idee der sozialen Frauenschule setzte sich zunächst in Deutschland nur zögernd durch. Ein Jahr vor dem Ersten Weltkrieges stieg die Ausbreitung rasch. Noch 1 Jahr vor dem ersten Weltkrieg waren es bereits 14 Schulen im Deutschen Reich. Die Zahl der Teilnehmerinnen stieg stetig an. (vgl. Henring/Münchmeier 2000, 54)Der Grundgedanke war zu Beginn nicht die Entwicklung eines Berufes der Sozialen Arbeit. Sondern eine fachliche Ausbildung für die ehrenamtlichen Tätigkeiten. Dennoch wandelte sich der Grundgedanke hin zu einer fachlich fundierten Ausbildung, mit dem Ziel einen Beruf draus auszuüben. Der Frauenberuf in der Sozialarbeit wurde mit unterschiedlichen Bereiche der kommunalen und privaten Fürsorgetätigkeit verknüpft. Dadurch konnte der Frauenberuf konstituiert werden. „Sie wurde vielmehr als Konzept gesellschaftlichen Handelns entworfen, das die soziale Verpflichtung des bürgerlichen Mittelstandes, weibliche Emanzipation und wissenschaftlich-fachliche Kompetenz im Umgang mit sozialen Problemen in einem komplexen Spannungsverhältnis zu verbinden suchte, das bis zum Ersten Weltkrieg nicht aufgelöst wurde.“ (Sachße 1986, 148) Laut Sachße blieb die Soziale Arbeit mit der bürgerlichen Frau des gehobenen Mittelstandes verbunden, wurde aber nach und nach durch Rationalisierung, Effektivierung und Verfachlichung zu einem professionellen Berufsstand.

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Details

Titel
Alice Salomon und ihr Einfluss auf die Verberuflichung der Sozialen Arbeit
Autor
Jahr
2019
Seiten
12
Katalognummer
V459043
ISBN (eBook)
9783668903685
ISBN (Buch)
9783668903692
Sprache
Deutsch
Schlagworte
alice, salomon, einfluss, verberuflichung, sozialen, arbeit
Arbeit zitieren
Nina Steiner (Autor), 2019, Alice Salomon und ihr Einfluss auf die Verberuflichung der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459043

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