Die folgende Bachelorarbeit soll einen Einblick in die Erziehungsgrundsätze des BDM (Bund Deutscher Mädel) geben, weshalb der Fragestellung nachgegangen wird, wie die Erziehung im BDM aussah. Ergänzend soll herausgefunden werden, ob im BDM überhaupt von Erziehung oder Sozialisation gesprochen werden kann oder ob diese Begriffe für die Mädchenformung im Dritten Reich veraltet sind. Um diese Fragen beantworten zu können, wird sich anfangs mit der Weimarer Republik, der Zeit vor dem Nationalsozialismus, beschäftigt. Hier soll vorerst die rechtliche Stellung von Mädchen und Frauen herausgearbeitet werden. Anschließend wird auf die Mädchen- und Frauenvolksbildung eingegangen, damit deutlich wird, dass in der Weimarer Republik „Bildung“ kein Fremdwort für Frauen war. Danach beschäftigt sich diese Bachelorarbeit mit den allgemeinen Lebensumständen und der Erziehung von Mädchen und Frauen in der Weimarer Republik, die anhand von der Freizeitgestaltung deutlich gemacht werden soll. Dieser Einstieg ist insofern wichtig, weil er die Unterschiede zwischen der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus in den eben genannten Punkten deutlich macht. Im Nationalsozialismus hat sich die Haltung gegenüber Frauen im Vergleich zur Weimarer Republik deutlich verschlechtert und die Hauptaufgaben von Frauen und Mädchen haben sich verändert, wie im Verlauf der Arbeit erkennbar wird. Nach der Weimarer Republik wird sich mit der nationalsozialistischen Erziehung auseinandergesetzt sowie mit der Frage, wie die Frauenideologie aussah. Weiterhin wird auf die grundlegenden Gedanken zur Mädchenerziehung im Dritten Reich eingegangen. Der Hauptteil der Arbeit bezieht sich auf den Bund Deutscher Mädel. Anhand dieses Bundes soll die Erziehung von Mädchen deutlich gemacht werden. Hier wird vorerst die Organisation und der Aufbau des BDM beschrieben sowie dessen Vorgeschichte und Gründung bis hin zur Machtübernahme. Fraglich ist hierbei insbesondere, warum der BDM für die Mädchen derart attraktiv war und welche Gründe existierten, diesem beizutreten. Bevor sich mit der faschistischen Ordnung des weiblichen Körpers – den Erziehungsgrundsätzen im BDM – beschäftigt wird, liegt das Augenmerk zuvor auf den allgemeinen Erziehungsansprüchen und dem Mädchenbild im BDM. Zu der faschistischen Ordnung des weiblichen Körpers zählen die körperliche Ertüchtigung, Kleidung und Körperpflege, Sexualität, die gewünschte Arbeitshaltung der Mädchen sowie die Schulungsarbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Weimarer Republik
2.1 Die rechtliche Stellung der Frauen und Mädchen in der Weimarer Republik
2.2 Die Frauen- und Mädchenvolksbildung in der Weimarer Republik
2.3 Das Leben von Frauen und Mädchen in der Weimarer Republik
2.4 Erziehung von Mädchen in der Weimarer Republik – die Freizeitgestaltung
2.4.1 Die Jugendbewegung
2.4.2 Die Sozialistische Arbeiterjugend
2.4.3 Sport
3 Die nationalsozialistische Erziehung
3.1 Frauenideologie
3.2 Grundlegende Gedanken zur Mädchenerziehung im Dritten Reich
4 Bund Deutscher Mädel
4.1 Organisation und Aufbau des BDM
4.2 Vorgeschichte und Gründung des BDM bis hin zur Machtübernahme
4.3 Gründe für den Eintritt in den BDM
4.4 Erziehungsansprüche im BDM und das Mädchenbild
4.5 Die faschistische Ordnung des weiblichen Körpers
4.5.1 Die „körperliche Ertüchtigung“
4.5.2 Kleidung und Körperpflege
4.5.3 Sexualität
4.5.4 Die gewünschte Arbeitshaltung der Mädchen
4.5.5 Die Schulungsarbeit
5 Realität der BDM - „Erziehung“
5.1 Begriffsdefinitionen
5.1.1 Erziehung
5.1.2 Sozialisation
5.1.3 Manipulation
5.2 Was war der BDM wirklich?
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Bachelorarbeit ist es, einen fundierten Einblick in die Erziehungsgrundsätze des Bund Deutscher Mädel (BDM) zu geben und zu analysieren, ob die Formung der Mädchen im Nationalsozialismus primär als Erziehung, Sozialisation oder gezielte Manipulation einzustufen ist.
- Vergleich der Mädchenerziehung in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus
- Struktureller Aufbau und Organisationsform des BDM
- Analyse der Erziehungsansprüche, des Mädchenbildes und der Körperpolitik
- Untersuchung von Eintrittsgründen und Motivationsfaktoren für den BDM
- Kritische wissenschaftliche Einordnung der BDM-Arbeit anhand theoretischer Begriffe wie Erziehung und Manipulation
Auszug aus dem Buch
4.5.1 Die „körperliche Ertüchtigung“
Sport war bei den Nationalsozialisten ein zentraler Bestandteil der Erziehungsarbeit. Sie wollten die Jungen und Mädchen über ein sportliches Angebot ansprechen und begeistern, um somit „erzieherischen“ Einfluss nehmen zu können. Es wurde demnach nicht nur bei der Jungenerziehung das Augenmerk auf die körperliche Ausbildung gelegt, sondern auch bei den Mädchen. (vgl. Kock 1994, S. 60)
Hitler macht in „Mein Kampf“ deutlich:
„Und so wie im allgemeinen die Voraussetzung geistiger Leistungsfähigkeit in der rassischen Qualität des gegebenen Menschenmaterials liegt, so muss auch im einzelnen die Erziehung zuallererst die körperliche Gesundheit ins Auge fasse und fördern; denn in der Masse genommen wird sich ein gesunder kraftvoller auch nur in einem gesunden und kraftvollen Körper finden.“ (Hitler 1935, S. 451f.)
Das Ziel war dementsprechend das „heranzüchten“ eines gesunden Körpers. Ein weiterer Ausbildungspunkt ist die Formung der geistigen Fähigkeiten. Die Willens- und Entschlusskraft sollte gefördert werden, verbunden mit einer Erziehung zu Verantwortungsbewusstsein. Diese Grundsätze der nationalsozialistischen Erziehung waren konkludent mit Hitlers Vorstellungen und daher auch im politischen Interesse der Führung. Laut den Nationalsozialisten trug der Sport dieser Charakterformung bei, weshalb Hitler forderte, dass zwei Drittel der Erziehungsarbeit im BDM dem Sport zu widmen sind. (vgl. Kock 1994, S. 66)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf Hitlers Erziehungsvorstellungen im Nationalsozialismus und führt in die Fragestellung ein, wie die Erziehung im BDM zu bewerten ist.
2 Die Weimarer Republik: Dieses Kapitel arbeitet die rechtliche Stellung und die Bildungsangebote für Frauen in der Weimarer Zeit als Kontrastfolie zum Nationalsozialismus heraus.
3 Die nationalsozialistische Erziehung: Hier wird die nationalsozialistische Frauenideologie, die das Mutterbild in den Vordergrund stellt, und deren Einfluss auf die Mädchenerziehung erläutert.
4 Bund Deutscher Mädel: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Organisation, die Eintrittsgründe sowie die verschiedenen Erziehungsgrundsätze wie Sport, Kleidung und Schulungsarbeit im BDM.
5 Realität der BDM - „Erziehung“: Dieses Kapitel prüft theoretisch, ob die BDM-Arbeit als Erziehung, Sozialisation oder Manipulation zu bezeichnen ist.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass im BDM am ehesten von Manipulation zu sprechen ist.
Schlüsselwörter
Bund Deutscher Mädel, BDM, Nationalsozialismus, Mädchenerziehung, Erziehung, Manipulation, Sozialisation, Hitlerjugend, Frauenbild, Mutterideal, Körperertüchtigung, Körperpflege, Volksgemeinschaft, politische Indoktrination, NS-Frauenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Erziehungspraktiken und die Ideologie des Bund Deutscher Mädel (BDM) während der Zeit des Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt den historischen Kontext der Weimarer Republik, die nationalsozialistische Frauenideologie, den Aufbau des BDM sowie spezifische Erziehungsinhalte wie Sport, Kleidung und politische Schulung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob die Mädchenformung im BDM als pädagogische Erziehung, Sozialisation oder gezielte Manipulation durch das NS-Regime einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung und Gegenüberstellung von Fachliteratur sowie historische Quellen (Reden, Zeitschriftenartikel, Gesetze), um die Konzepte von Erziehung und Manipulation auf den BDM anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem detaillierten Aufbau des BDM, den Motiven der Mädchen für den Beitritt und den konkreten Erziehungsansprüchen wie der „körperlichen Ertüchtigung“ und der Vermittlung einer NS-konformen Arbeitshaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bund Deutscher Mädel, Nationalsozialismus, Manipulation, Erziehung und das nationalsozialistische Mutterideal.
Warum wird die „körperliche Ertüchtigung“ im BDM so betont?
Sie diente nicht nur der Gesundheit, sondern primär als Instrument zur Disziplinierung und zur Formung des Körpers für die Rolle der zukünftigen Mutter, um so „erbgesunde“ Kinder für das Volk zu garantieren.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Erziehung und Manipulation im Kontext des BDM?
Während Erziehung auf Mündigkeit und Selbstbestimmung zielt, arbeitet der BDM mit intransparenten Mitteln, die die Mädchen zu einer bestimmten Lebensweise drängen, ohne dass diese ihre eigene Identitätsfindung außerhalb des NS-Systems entfalten können – was die Autorin als Manipulation bewertet.
- Citation du texte
- Carina Diehl (Auteur), 2017, Mädchenerziehung im Nationalsozialismus. Bund Deutscher Mädel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459290