Medien als Sozialisationsinstanz. Inwieweit beeinflussen Medien unsere Sozialisation?

Am Beispiel Darknet


Ausarbeitung, 2019
7 Seiten

Leseprobe

1. Medien als Sozialisationsinstanzen für Jugendliche. Probleme, Gefahren für die sozialisatorische Entwicklung

Digitale Medien werden schon früh im Alltag als "Abbildungsinstanz der Welt" von den heranwachsenden Kindern und Jugendlichen wahrgenommen. Die Heranwachsenden nehmen die Medieninformationen auf und verarbeiten diese, sowie können sie sich selbst aktiv in der Medienwelt inszenieren und an ihr teilhaben. Dadurch werden ihre Einstellungen und ihr Verhalten beeinflusst. Die Informationsbeschaffung sowie das Bedürfnis die eigene Neugier zu stillen um sich in der Umwelt orientieren zu können und dazuzulernen, sind wichtige Anhaltspunkte die für eine Mediennutzung sprechen. Jedoch ist die große Zahl an unterschiedlichen Meinungen gleichzeitig die größte Gefahr der Mediennutzung. So braucht es hierfür die Fähigkeit Medieninhalte kritisch zu analysieren. Diese Form von Medienkompetenz können Eltern und Lehrer aktiv begleiten und festigen.

Im Jugendalter geschieht die Ablösung von den Eltern und die Hinwendung zur Gruppe der Gleichaltrigen zu einem großen Teil über Medien. So nutzen Jugendliche digitale Medien zum Aufbau und zur Pflege von sozialen Beziehungen. Die Selbstdarstellung und gleichzeitig das Feedback von (virtuellen) Freunden trägt wesentlich zur Herausbildung und Formung der jugendlichen identitäten bei. Medien sind deshalb neben Familie, Schule und Peer-Group eine wichtige "Sozialisationsinstanz".

Digitale Medien bieten Kindern und Jugendlichen ein reichhaltiges Angebot an Computer-Spielen, Informationen und Vernetzungsmöglichkeiten.1 So ist zum Beispiel auch die Kommunikation mit Freunden und Verwandten dank der mobilen Internettelefonie vereinfacht. In der Schule sowie am Arbeitsplatz gehören digitale Medien heute zum Alltag. Diese bieten den Heranwachsenden vielfältige Entwicklungs- und Lernchancen. Durch die aktive Teilnahme an der Mediengesellschaft erlernen die Heranwachsenden zusätzlich zum Lesen, Rechnen und Schreiben eine Kulturtechnik, die heute zur Bewältigung von vielen Alltags- und Berufssituationen notwendig ist. Neben den Chancen gibt es hierbei auch Gefahren wie zum Beispiel die Internetsucht, Cybermobbing, Datenmissbrauch, sexuelle Übergriffe, Extremismus, Pornographie, Fake News und Manipulation.2 Die Internetsucht trifft vor allem bei sozialen Medien und bei Computerspielen zu, bei denen das Belohnungssystem im Gehirn Zugriff auf ein schnelles und unmittelbares Feedback hat: So sind "Facebook" und das Computerspiel "World of Warcraft" sehr gute Beispiele dafür, was eine schnelleinsetzende Abhängigkeit betreffen kann. Es gibt Studien zu Schicksalschlägen, die die dramatischen Konsequenzen einer solchen Abhängigkeit dokumentieren. Beim Cybermobbing werden Menschen Opfer von Hasstiraden und sogenannten "Shitstorms". Beispielhaft für deren Opfer sind neben Privatpersonen, öffentlichen Personen und auch besonders Minderheiten. Gerade bei Heranwachsenden besteht eine Manipulationsgefahr durch solche Hassreden. Strafrechtliche Konsequenzen gegenüber Hetzrednern, die sich pauschal gegen Flüchtlinge aussprechen und diese verunglimpfen, werden jedoch immernoch nur partitiell ausgeübt. Dieser Umstand birgt ein großes Risiko und Nährboden für potentielle Nachahmer. Ein Abgleiten der Heranwachsenden in extremistische Gruppierungen ist somit eine weitere potentielle Gefahr. Neben sexuellen Übergriffen auf Minderjährige durch Verabredungen in "Chats" ist auch eine schnelle Abrufbarkeit von Pornographie eine potentielle Gefahr für Kinder und Jugendliche. Bei einer verfrühten Konfrontation mit nicht-jugendfreien Inhalten kann es zu möglichen "Abstumpfen" in sexuellen Praktiken und der Gefahr einer "Pornosucht" kommen, die dem Heranwachsenden ein irreales Bild von Sexualität vermittelt. So gibt es Pädophilenringe die mit pornographischen Aufnahmen von Kindern- und Jugendlichen im Internet, zum Beispiel über das Darknet, illegale Geschäfte tätigen. Diese holen sich nicht selten ihr Bildmaterial von Facebookseiten oder anderen sozialen Medien und verwenden es für ihre eigenen Zwecke. Eine solche Gefahr ist folglich auch in den sozialen Medien vorhanden.

Damit Kinder und Jugendliche einen sicheren Umgang mit digitalen Medien lernen, ist es also unumgänglich, dass sie sich mit den hierbei auftauchenden Gefahren kritisch auseinandersetzen. Studien zeigen, dass Jugendliche im Allgemeinen technisch geschickt mit den digitalen Medien umgehen können. Dies ist jedoch nicht die alleinige Garantie für den verantwortungsvollen Umgang mit den verschiedenen Medienformen. Wichtig ist auch, dass Jugendliche fähig sind, Inhalte kritisch zu beurteilen, mögliche Gefahren zu erkennen und zu wissen, wie sie sich davor schützen können. Dabei übernehmen Eltern und Lehrpersonen eine bedeutende Begleitfunktion in der sozialisatorischen Entwicklung.

2.Argumentation einer LehrerIn, einer VertreterIn einer bildungspolitischen Institution in einem Gremium, die Integration des Unterrichtsfachs Medienkompetenz (oder auch Medienerziehung) in den Lehrplan fordern.

Ich würde damit argumentieren, dass der Staat und somit auch die bildungspolitischen Institutionen eine ausführliche Aufklärung und damit Präventionsmaßnahmen im Sinne der Fürsorgepflicht für ihre Bürger zu leisten haben. Diese Fürsorge wurde im Bereich der Medienkompetenz bzw. Medienerziehung an Schulen bisher nicht ausreichend gedeckt und so ist es von großer Wichtigkeit für die Heranwachsenden Generationen, für sie aktuelle Themen (sowie Chancen und Gefahren) in der Schule zu besprechen und sie in einer konstruktiv-kritischen Haltung zu schulen. Bereits genannte Beispiele sind Internetsucht, Cybermobbing, Datenmissbrauch, sexuelle Übergriffe, Extremismus, Pornographie, Fake News und Manipulation.3 Diese betreffen uns alle, auch die Erwachsenen, jedoch haben Erwachsene in der Regel ein ausreichend geschultes kritisches Verständnis wohingegen Heranwachsende eine gewisse "Naivität" haben können, die sie für solche Gefahren besonders verwundbar macht. Diese "Naivität" gilt es durch geeigneten Unterricht zu sensibilisieren und die Heranwachsenden auf Konsequenzen aufmerksam zu machen.

3.BIG DATA. Bedeutung des zunehmenden Verlusts von Privatsphäre und die mehr und mehr forcierte Verhaltensteuerung (Big Nudging) für das einzelne Individuum (Sozialisation, Identitätsentwicklung) und die Gesellschaft

Die ständige Erreichbarkeit und die gleichzeitige Offenlegung von privaten Informationen im Internet und den Medien haben einen dadurch ausgelösten Verlust von Privatsphäre zur Folge und können ein erhebliches Stresspotential hervorrufen. Dieses Stresspotential kann für das einzelne Individuum aber auch für die Gesellschaft zur Belastung werden. So spricht man auch von einer "Smartphonesucht" da durch die ständig erscheinenden "Neuigkeiten" das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert wird und hierbei Dopamin ausschüttet. Aber auch das "Big Nudging", bei dem vorrausgesetzt wird, dass der Mensch nicht optimal entscheiden könne und von daher eine "Entscheidungshilfe" benötigt (Paternalismus), kann erhebliche negative Auswirkungen auf das einzelne Individuum und die Gesellschaft zur Folge haben. Dem Menschen wird hierdurch eine Unmündigkeit unterstellt – die durch Immanuel Kant in seiner Beantwortung der Frage "Was ist Aufklärung?" als das "Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen" dargestellt wird. Der moderne Mensch begibt sich somit in Gefahr wieder in eine Unmündigkeit zurückzufallen, die an eine moderne Sklaverei erinnern kann. Diese moderne Sklaverei ist aber nicht auf eine direkte Unterdrückung zurückzuführen sondern wird durch Massenmanipulation in den Medien ausgelöst.

[...]


1 https://www.klicksafe.de/service/materialien/broschueren-ratgeber/digitale-welten-digitale-medien-digitale-

2 https://www.internet-abc.de/eltern/familie-medien/gefahren-und-schutz-viren-mobbing-werbungdatenschutz/welchen-gefahren-sind-kinder-im-internet-ausgesetzt/

3 https://www.internet-abc.de/eltern/familie-medien/gefahren-und-schutz-viren-mobbing-werbungdatenschutz/welchen-gefahren-sind-kinder-im-internet-ausgesetzt/

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Details

Titel
Medien als Sozialisationsinstanz. Inwieweit beeinflussen Medien unsere Sozialisation?
Untertitel
Am Beispiel Darknet
Hochschule
Universität zu Köln  (Medie)
Veranstaltung
Sozialisation: partizipatives Aufwachsen in mediatisierten Lebenswelten
Autor
Jahr
2019
Seiten
7
Katalognummer
V459303
ISBN (eBook)
9783668973190
ISBN (Buch)
9783668973206
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediensozialisation, Sozialisation: partizipatives Aufwachsen in mediatisierten Lebenswelten, mediatisierte Lebenswelten, Darknet, Deep-Web, Surface-Web, Bildungswissenschaften, Studium integrale
Arbeit zitieren
Georg Spann (Autor), 2019, Medien als Sozialisationsinstanz. Inwieweit beeinflussen Medien unsere Sozialisation?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459303

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