Welche Funktionen und Werte erfüllen Banden, wie kommen Gangs zustande und worin besteht der Reiz der Partizipation für Jugendliche?
Der Faszination und den Motiven, die von solchen Jugendbanden auf meist männliche Jugendliche wirken, möchte ich mich im Rahmen dieser Hausarbeit annähern und diese zu erklären versuchen. Dabei werde ich im ersten Teil auf so genannte Eintrittsgründe Jugendlicher im Hinblick auf gesellschaftliche Veränderungen eingehen, um dann spezifisch zu untersuchen, was Jugendliche in Gangs und Banden finden oder zu finden hoffen. Des Weiteren möchte ich, die Wechselbeziehung zwischen Gang und gesellschaftlicher Umwelt beleuchten und hinterfragen. Im letzten Teil werde ich versuchen, einen Eindruck über das „Innenleben“, über Werte und Richtlinien einer Jugendgang zu geben und abschließend ein Fazit ziehen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Lebenswelt und Rahmenbedingungen der Jugendlichen
2. Klassische Gründe für den Eintritt in eine Jugendgang
3. Hierarchien innerhalb einer Jugendgang
4. Wechselbeziehung zwischen Umwelt und Jugendgang
4.1 Jugendgangs und Kriminalität / Jugendgangs und Kriminalisierung
4.2. Folgen dieser Wechselbeziehung innerhalb der Jugendgang
5. Einheit – Gleichheit … – Brüderlichkeit?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Jugendgangs vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen und analysiert die Funktionen sowie Werte, die diese Gruppen für ihre Mitglieder erfüllen. Im Zentrum steht die Frage, warum Jugendliche den Weg in Banden suchen, wie Gangs entstehen und welcher Reiz von der Partizipation für die Heranwachsenden ausgeht.
- Gesellschaftliche Rahmenbedingungen und deren Einfluss auf Jugendliche
- Eintrittsgründe in Jugendgangs im Kontext von Beziehungsstörungen
- Strukturen, Hierarchien und das Innenleben von Banden
- Die Wechselbeziehung zwischen Gang und Umwelt sowie der Stigmatisierungsprozess
- Bedeutung von Solidarität, Männlichkeit und Ehre innerhalb der Gruppendynamik
Auszug aus dem Buch
3. Hierarchien innerhalb einer Jugendgang
Jugendgangs unterliegen meist hierarchischen Ordnungen, die für das Zusammenleben in einer Gang ebenso wichtig sind, wie Regeln und Normen im allgemein gesellschaftlichen Zusammenleben. Die Führerposition wird häufig von einem oder mehreren Jugendlichen eingenommen. Wilfert spricht an dieser Stelle von dem Faust- Stirn- Prinzip, also eines intelligenten und eines körperlich den anderen überlegenen Anführers. Der oder die Gangleader schart/scharen in der Regel so genannte Adjutanten um sich, also Menschen die beratende Funktionen ausüben. Darunter gibt es Gruppenmitglieder unterster Rangplätze, welche oft wenig Anerkennung durch die anderen Mitglieder erfahren und sich ggf. den Launen derer unterwerfen müssen.
An dieser Stelle kommt die Frage auf, welchen Vorteil die Partizipation innerhalb der Gang für diese Jugendlichen hat. Offensichtlich erhalten sie weder Anerkennung noch unbedingte Solidarität in der Gruppe. Ein Grund, dass eben diese Jugendlichen nicht aus der Gang aussteigen möchten könnte allerdings sein, dass die Ranguntersten eine gewisse Abhängigkeit den „Gruppenstärkeren“ gegenüber entwickeln.
„Durch das Gefühl der eigenen sozialen Unfähigkeit […] kann dann gerade für diese Vasallen (die L.C.) Gang zum Sinnbild der Tüchtigeren, Fähigeren werden, weshalb es erstrebenswert scheint, in dieser Gemeinschaft zumindest geduldet zu sein. Dadurch haben solche Vasallenmitglieder keineswegs geringe Beziehungen zur Gruppe - in diesem Fall würden sie wohl die Möglichkeit finden, zeitgerecht aus der Gemeinschaft auszuspringen, sondern meist sogar besonders starke Bindungen, die […] oft zwischen Ablehnung und Identifikationsstreben schwanken […].“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Phänomen der Jugendgangs und Definition der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Funktionen und des Reizes der Gang-Partizipation.
1. Lebenswelt und Rahmenbedingungen der Jugendlichen: Analyse der gesellschaftlichen Einflüsse der letzten 30 Jahre, die Jugendliche durch Leistungsdruck und Desintegration in alternative Gruppenstrukturen führen.
2. Klassische Gründe für den Eintritt in eine Jugendgang: Untersuchung familiärer Beziehungsstörungen und der Suche nach Anerkennung als zentrale Motive für den Anschluss an Banden.
3. Hierarchien innerhalb einer Jugendgang: Darstellung der internen Machtstrukturen, Führungsprinzipien und der Abhängigkeitsverhältnisse zwischen den Mitgliedern.
4. Wechselbeziehung zwischen Umwelt und Jugendgang: Betrachtung der Spannungen zwischen Gang und Gesellschaft sowie der Rolle von Stigmatisierung und Kriminalisierung.
4.1 Jugendgangs und Kriminalität / Jugendgangs und Kriminalisierung: Diskussion über die Entstehung von Kriminalität im Kontext von Zuschreibungsprozessen und gesellschaftlichem Ausschluss.
4.2. Folgen dieser Wechselbeziehung innerhalb der Jugendgang: Analyse der gruppendynamischen Konsequenzen, wie dem Zwang zum Zusammenhalt und den Schwierigkeiten beim Ausstieg.
5. Einheit – Gleichheit … – Brüderlichkeit?: Reflektion über Symbolik, Identität, Männlichkeit und die oft prekäre Natur von Freundschaften in Gangstrukturen.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Jugendgang als Antwort auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen und Plädoyer für eine sensiblere Wahrnehmung durch Politik und Medien.
Schlüsselwörter
Jugendgangs, Banden, Gruppendynamik, Sozialisation, Stigmatisierung, Kriminalisierung, Peergroups, Identitätsbildung, Soziale Unterschicht, Leistungsdruck, Solidarität, Männlichkeit, Adoleszenz, Jugendhilfe, Labeling Approach.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Dynamik von Jugendgangs in Deutschland und untersucht, warum sich Jugendliche diesen Gruppen anschließen und welche sozialen Funktionen diese im Leben der Heranwachsenden erfüllen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, familiäre Aspekte, die interne Hierarchie von Banden, das Verhältnis zur Umwelt sowie die Rolle von Kriminalisierung und Stigmatisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Autorin möchte klären, welche Funktionen und Werte Gangs für Jugendliche erfüllen, wie diese Gruppen zustande kommen und worin der Reiz der Partizipation für die betroffenen Jugendlichen besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit soziologischer und kriminologischer Fachliteratur sowie der Verknüpfung dieser Theorien mit pädagogischen Erfahrungen und Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Lebenswelten, der Eintrittsgründe, der internen Hierarchien und der komplexen Wechselbeziehung zwischen den Gangmitgliedern und der Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Jugendgangs, Kriminalisierung, Gruppendynamik, soziale Identität, Stigmatisierung und die Rolle der Peergroups.
Welche Rolle spielt die Familie beim Eintritt in eine Gang?
Die Arbeit identifiziert familiäre Beziehungsstörungen – wie mangelnde Grenzen oder emotionale Vernachlässigung – als wesentlichen Nährboden für die Suche der Jugendlichen nach Anerkennung in einer Ersatzfamilie (der Gang).
Warum fällt es Jugendlichen schwer, eine Gang wieder zu verlassen?
Der Ausstieg wird durch den Konformitätsdruck innerhalb der Gruppe, die fehlende Perspektive außerhalb und die oft ablehnende Haltung der Gesellschaft gegenüber ehemaligen Gangmitgliedern erschwert.
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- Jolita Stecker (Author), 2013, Delinquente Jugend. Jugendliche in Gangs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459388