Die Ganztagsschule. Eine Möglichkeit gegen soziale Ungleichheiten?


Hausarbeit, 2016
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Soziale Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem

3 Was ist eine Ganztagsschule?

4 Wirkungen und Grenzen einer Ganztagsschule

5 Situation in Mecklenburg-Vorpommern

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik Ganztagsschule. Sie soll zeigen, inwiefern Ganztagsschulen eine Möglichkeit darstellen, um soziale Ungleichheiten einzugrenzen. Um diese zentrale Fragestellung zu beantworten, ist die Arbeit folgendermaßen gegliedert. Im ersten inhaltlichen Gliederungspunkt werden die sozialen Ungerechtigkeiten im deutschen Bildungssystem dargelegt, als Grundlage für den weiteren Verlauf der Arbeit. Anschließend wird darauf eingegangen, was eine Ganztagsschule ausmacht. Es werden verschiedene Definitionen und die Merkmale dieser Schulform aufgeführt. Im nächsten Gliederungspunkt werden die Wirkungen und Grenzen einer Ganztagsschule dargestellt. Hierfür werden vor allem Studien und Forschungsergebnisse herangezogen. Im letzten inhaltlichen Gliederungspunkt wird die Situation der Ganztagsschulen und ihre Umsetzung in Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt. Abschließend wird ein Fazit gezogen, in welchem die wichtigsten Informationen noch einmal zusammengetragen werden, um die zentrale Fragestellung zu beantworten, ob Ganztagsschulen eine Möglichkeit darstellen, soziale Ungleichheiten einzugrenzen.

Bei Betrachtung des Forschungsstands fällt auf, dass sich die Forschung nach der PISA-Studie von 2000 ausführlich mit der Ganztagsschule als neue Schulform beschäftigt hat.1 Aktuell werden mithilfe der Studien zur Entwicklung in Ganztagsschulen (StEG) und den Studien zu Ganztagsschulen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung regelmäßig neue Erkenntnisse und Fortschritte bezüglich der Ganztagsschulen veröffentlicht. In diesem Zusammenhang ist die Schriftenreihe „Studien zur ganztägigen Bildung“, herausgegeben von Heinz Günter Holtappels, Eckhard Klieme und Thomas Rauschenbach, herauszuheben. Mehrere Sammelbände dieser Schriftenreihe wurden für die vorliegende Arbeit als grundlegende Literatur verwendet. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Forschern, die sich mit der Thematik rund um Ganztagsschulen ausgiebig beschäftigt haben. Als Monographie ist hier beispielhaft Stefan Appel mit seinem Handbuch „Ganztagsschule. Praxis - Konzepte - Handreichungen“ anzuführen.2 Als Sammelband ist exemplarisch das Werk „Ganztagsschule. Halbe Sache - Großer Wurf? Schulpädagogische Betrachtung eines bildungspolitischen Investitionsprogramms“ von Toni Hansel zu nennen.3

Relevanz für den Beruf des Lehrers hat die Thematik dieser Arbeit bereits deshalb, weil jede Lehrperson mit dieser Schulform in Kontakt kommen könnte und sie auch die Möglichkeit in sich birgt, dass Lehrer sich zusätzlich zum normalen Schulprozess auf verschiedene Art und Weisen einzubringen. Außerdem sollte es das Bestreben einer jeden Lehrperson sein, dass möglichst viele Interessen der Lernenden bedient werden können, was bei einer Ganztagsschule umgesetzt werden kann.

Einen Bezug zur Kinder- und Jugendhilfe hat die Thematik insofern, als dass die Jugendhilfe wie auch die Schulform Ganztagsschule sich zum Ziel setzt, soziale Ungleichheiten einzugrenzen. Jugendhilfe kann außerdem ein wichtiger Bestandteil einer Ganztagsschule sein, indem eine enge und funktionierende Kooperation herrscht und es auch Angebote der Kinder- und Jugendhilfe an den Ganztagsschulen gibt.

2 Soziale Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem

Raphaela Schicht bezeichnet soziale Ungleichheit als „[...] ein Konstrukt, welches die Abhängigkeit des individuellen Bildungserfolgs von der individuellen sozialen Herkunft beschreibt.“4 Die Bildungsleistung der Lernenden wird gemeinhin als abhängig vom „sozioökonomischen Status“ der Eltern gesehen.5 Stefan Hradil ist der Meinung, soziale Ungleichheit liegt vor, „[...] wenn die Ressourcenausstattung [...] oder die Lebensbedingungen [...] von Menschen aus gesellschaftlichen Gründen so beschaffen sind, dass bestimmte Bevölkerungsteile regelmäßig bessere Lebens- und Verwirklichungschancen als andere Gruppierungen haben.“6 Im Zusammenhang von sozialen Ungerechtigkeiten und Bildungserfolg werden primäre und sekundäre Disparitäten angeführt. Erstere entstehen dadurch, dass Kinder aus sozial schwachen Familien ein geringeres Leistungspotenzial besitzen und aufgrund dessen keine so guten Schulleistungen wie Lernende aus sozial besser gestellten Familien erreichen können.7 Von sekundären Disparitäten wird gesprochen, „[...] wenn das Leistungspotential eines Kindes nicht erkannt, nicht gefördert, nicht in Anspruch genommen, nicht eingesetzt oder falsch eingesetzt wird.8

Beweise, dass soziale Ungerechtigkeiten in Deutschland vorliegen, lieferte die PISA-Studie 2000. Die Schulleistungen von Schülern und Schülerinnen aus sozial schwächeren Familien lagen deutlich unter denen der Lernenden aus sozial besser gestellten Familien.9

Da Bildung einen Bezug zu vielen individuellen Lebensbereichen aufweist, können im Zuge dessen soziale Ungleichheiten gravierende Folge für das Individuum und die Gesellschaft haben. Jede einzelne betroffene Person wird dadurch in ihren individuellen Chancen eingeschränkt und muss mit Auswirkungen wie Arbeitslosigkeit rechnen. Als gesellschaftliche Folgen sind Unzufriedenheit zu nennen und die Tatsache, dass die moderne Welt immer mehr auf Leistung ausgerichtet ist, sodass Menschen, welche von sozialen Ungleichheiten betroffen sind, durch das gesellschaftliche Raster fallen.10

Im zweiten nationalen Bildungsbericht 2008 reagierte die deutsche Regierung auch auf die herrschenden sozialen Ungerechtigkeiten im deutschen Bildungssystem und gab deswegen als Ziele aus, risikobehaftete Kinder, zu denen auch Lernende aus sozial schwachen Familien zählen, möglichst früh zu fördern und bei Fehlverläufen in der Entwicklung möglichst früh zu intervenieren. Außerdem sollen die grundlegenden Kompetenzen der Schüler und Schülerinnen gestärkt werden und die Zahl der Absolventen mit Schulabschluss gesteigert werden.11

In den Überlegungen, inwiefern soziale Ungleichheiten in der Gesellschaft behoben werden können, herrscht laut Stefan Hradil Einigkeit. Bildung stellt einen zentralen Faktor für die Lebensentwicklung jedes einzelnen Menschen und dementsprechend muss es Ziel sein, eine möglichst große Chancengleichheit herzustellen. Dafür ist es nötig, dass auch Kindern aus sozial schwächeren Familien Gelegenheit gegeben wird, ihr Leistungspotenzial und damit ihre Bildungsmöglichkeiten und -erfolge auszuschöpfen. Eine Ganztagsschule könnte eine Möglichkeit darstellen, um genau dieses Ziel zu erreichen.12

3 Was ist eine Ganztagsschule?

Die Definition einer Ganztagsschule von der Kultusministerkonferenz (KMK) soll als Grundlage für den weiteren Verlauf dieser Arbeit dienen. Die KMK definiert eine Ganztagsschule als eine Schule, an welcher „[...]

- an mindestens drei Tagen in der Woche ein ganztätiges Angebot für die Schülerinnen und Schüler bereitgestellt wird, das täglich mindestens sieben Zeitstunden umfasst;
- an allen Tagen des Ganztagsschulbetriebs den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern ein Mittagessen bereitgestellt wird;
- die Ganztagsangebote unter der Aufsicht und Verantwortung der Schulleitung organisiert und in enger Kooperation mit der Schulleitung durchgeführt werden sowie in einem konzeptionellen Zusammenhang mit dem Unterricht stehen.“13

[...]


1 Fischer, Natalie/Züchner, Ivo: Ganztagsschulentwicklung und Ganztagsschulforschung. Eine Einleitung. In: Fischer, Natalie [u.a.] (Hrsg.): Ganztagsschule: Entwicklung, Qualität, Wirkungen. Längsschnittliche Befunde der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG). Weinheim 2011 (Studien zur ganztätigen Bildung), S. 9-17, hier: S. 9.

2 Appel, Stefan: Handbuch Ganztagsschule. Praxis - Konzepte - Handreichungen. 6. überarbeitete Auflage, Schwalbach/Ts. 2009 (Politik und Bildung 13).

3 Hansel, Toni (Hrsg.): Ganztagsschule. Halbe Sache - Großer Wurf? Schulpädagogische Betrachtung eines bildungspolitischen Investitionsprogramms. Herbolzheim 2005.

4 Schlicht, Raphaela: Determinanten der Bildungsungleichheit. Die Leistungsfähigkeit von Bildungssystemen im Vergleich der deutschen Bundesländer. Wiesbaden 2011, S. 35.

5 Ebd.

6 Hradil, Stefan: Soziale Ungleichheit. Eine Gesellschaft rückt auseinander. In: Hradil, Stefan (Hrsg.): Deutsche Verhältnisse. Eine Sozialkunde. Durchgesehene und aktualisierte Neuauflage, Frankfurt am Main 2013, S. 152-184, hier: S. 153.

7 Schlicht, 2011, S. 35.

8 Ebd., S. 36.

9 Baumert, Jürgen/Watermann, Rainer: Entwicklung eines Strukturmodells zum Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und fachlichen und überfachlichen Kompetenzen: Befunde national und international vergleichender Analysen. In: Baumert, Jürgen/Stanat, Petra/Watermann, Rainer (Hrsg.): Herkunftsbedingte Disparitäten im Bildungswesen. Differenzielle Bildungsprozesse und Probleme der Verteilungsgerechtigkeit. Wiesbaden 2006, S. 61-94, hier: S. 63.

10 Hradil, 2013, S. 160.

11 Schöpa, Matthias Morten: Die Ganztagsschule. Entwicklungsstand, Nutzungspräferenzen und Perspektiven in Mecklenburg-Vorpommern. Frankfurt am Main 2014 (Studien zur Pädagogik der Schule 37), S. 16.

12 Ebd., S. 183f.

13 Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Allgemeinbildende Schulen in Ganztagsform in den Ländern in der Bundesrepublik Deutschland. Statistik 2011 bis 2015. Berlin 2017, S. 5.

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Details

Titel
Die Ganztagsschule. Eine Möglichkeit gegen soziale Ungleichheiten?
Hochschule
Universität Rostock
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V459431
ISBN (eBook)
9783668907072
ISBN (Buch)
9783668907089
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ganztagsschule, Soziale Ungleichheit, Pädagogik
Arbeit zitieren
Marc Damrath (Autor), 2016, Die Ganztagsschule. Eine Möglichkeit gegen soziale Ungleichheiten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/459431

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