Die Entwicklung der Consumer Economics und der Konsumökonomik als eigenständige Disziplin


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Die Entstehung der Wirtschaftswissenschaften

3 Konsumökonomik bzw. Consumer Economics
3.1 Abgrenzung und Definition
3.2 Größe und Bedeutung der Consumer Economics

4 Die Verbindung zwischen der Entwicklung der Consumer Economics und der „Konsumentenbewegung“ in den USA

5 Konsumökonomik in Deutschland

6 Die Entwicklung des Konsums und die Industrielle Revolution sowie die Konsumrevolution als konsumhistorisch bedeutende Ereignisse

7 Schlussbemerkung

1 Einleitung

Ökonomen wird oft nachgesagt, dass sie sich nur mit der Profitsteigerung von Unternehmen befassen; das Stichwort Gewinnmaximierung ist wohl eines der häufigsten Schlagwörter, die genannt werden, wenn man Menschen fragt: „Mit was beschäftigen sich Ökonomen?“.

Was dabei nur die Wenigsten wissen ist, dass es innerhalb der modernen ökonomischen Wissenschaft auch Ökonomen gibt (und schon länger gab), die sich nicht nur mit den ökonomischen Problemen von Unternehmen oder Staaten befassen, sondern auch mit denjenigen Problemstellungen, die der kleinsten Wirtschaftseinheit täglich begegnen, nämlich dem privaten Haushalt bzw. dem einzelnen Konsumenten. Dieser muss nämlich so gut wie jeden Tag aufs Neue Entscheidungen treffen, die den Konsum von Gütern oder Dienstleistungen betreffen, die in unserer Gesellschaft angeboten werden.

Die Entwicklung bzw. Entstehung der wissenschaftlichen Disziplin, die man heute mit dem Namen „Consumer Economics“ bzw. im deutschsprachigen Raum mit „Konsumökonomik“ bezeichnet, ist nun Gegenstand dieser Arbeit.

Um dieser nicht ganz einfachen Aufgabe gerecht zu werden, soll zunächst ein Einblick in die Entstehung der ökonomischen Wissenschaften gegeben werden, zu denen die Consumer Economics bzw. die Konsumökonomik gehört. Da eine zeitliche Trennung oder Abspaltung einer konsumökonomischen (Teil-) Disziplin nicht eindeutig erkennbar ist, erscheint es sinnvoll, sich mit der Entstehung der Wirtschaftswissenschaft als Ganzes zu befassen. Daran anschließend folgt eine begriffliche Abgrenzung der Konsumökonomik bevor dann zunächst die Entwicklung der Consumer Economics in den USA betrachtet wird. Hierbei wird auf einige wichtige Ereignisse eingegangen, die zusammengefasst ein mit dem Begriff „Consumer movement“ betiteltes Phänomen ergeben, das sich als wichtige Wegmarkierung der Entwicklung dieser Disziplin erwiesen hat. Die Konsumökonomik in Deutschland wird daran anschließend behandelt, bevor abschließend ein Rückblick auf bedeutende konsumhistorische Ereignisse gegeben wird. Einerseits um die potentielle Dynamik des konsumökonomischen Feldes aufzuzeigen, andererseits um den gesellschaftlichen Konsum an sich, der ja die essentielle Grundlage der wissenschaftlichen Forschung auf diesem Gebiet ist, kurz vergangenheitsorientiert zu beleuchten.

2 Die Entstehung der Wirtschaftswissenschaften

Die alte Ökonomik, wie der Ursprung der ökonomischen Theorien auch oft bezeichnet wird, hat ihre Wurzeln in der Antike. So sind als die ersten ökonomischen Schriften die so genannten griechischen Ökonomien von Xenophon und Aristoteles sowie die römischen „Scriptores rei rusticae“ bekannt, die überwiegend landwirtschaftliche Aspekte behandelten. Die erste vollständig überlieferte griechische Ökonomik ist „Oikonomikos“ von Xenophon und stammt aus dem 4. Jahrhundert v.-Chr.[1]

Aristoteles befasste sich bereits mit der „Erwerbskunst“ und grenzte diese von der „Hausverwaltungskunst“ ab: „…die eine schafft herbei, die andere verwendet“.[2] Den Erwerb teilte er in zwei verschiedene Formen auf: zum Einen in die Ökonomie, die die Hausverwaltungskunst und eine naturgemäße Erwerbskunst beinhaltet und zum Anderen in die Chrematistik, unter der er die markt- und geldorientierte Kaufmannskunst versteht. Er beschrieb damit zur damaligen Zeit verschiedene Formen des Wirtschaftens wie z.-B. Tausch, Handel und Gelderwerb (Chrematistik), sowie das Haushalten im „Oikos“ (Ökonomik).[3]

Aristoteles sah im „Oikos“[4] die kleinste Einheit der Gesellschaft, die ein Oberhaupt hatte, nämlich den patriarchalischen Hausherr, der diese kleinste Wirtschaftseinheit, die die Hausverwaltungskunst anwendete, anführte. In der weiteren historischen Entwicklung wurden deshalb auch wirtschaftswissenschaftliche Arbeiten, die sich mit dem Haushalt und den Konsumenten beschäftigten mit dem Begriff „Hausväterliteratur“ bezeichnet.[5]

Zuvor entstanden vom 12. bis 14. Jahrhundert in Europa die ersten Ökonomiken, deren Ziel es war, den Menschen eine Hilfestellung für das tägliche Handeln zu geben und Wissen zur Orientierung zu vermitteln. Einige dieser Schriften wurden damals beispielsweise an der Universität Paris erarbeitet.[6]

Im Zeitalter der Aufklärung wurde die Betrachtungsweise der Wirtschaftswissenschaften stärker auf das Interesse des Individuums gelenkt. Zwar waren solche Strömungen auch schon in der Antike vorhanden, jedoch war hier wie schon angedeutet die Keimzelle des gesellschaftlichen und somit politischen und ökonomischen Lebens der Oikos, der ja aus mehreren Mitgliedern und nicht nur aus einem Individuum bestand, auch wenn die Leitung des Oikos dem Hausvater oblag. Die modernere Wirtschaftswissenschaft des späten 18. Jahrhunderts, die Nationalökonomie mit den Theorien von Adam Smith, die in die Zeit der Industriellen Revolution fällt, stellt einen weiteren Entwicklungspunkt der Wirtschaftswissenschaften dar.[7]

Im 19.-Jahrhundert ist als Eckpfeiler der Entwicklung der Wirtschaftswissenschaften, die Entstehung der modernen Preistheorie zu nennen. Man begann Marktmechanismen mit den Begriffen Angebot und Nachfrage zu erklären und gelangte schließlich auch zu den Nutzentheorien, anhand derer sich das ökonomische Verhalten von Individuen, die bestimmte Präferenzen haben, beschreiben ließ.

Im 20.-Jahrhundert wurde mit der Neoklassik auch die volkswirtschaftliche Konsumtheorie begründet. Man entwickelte z.-B. Einkommens- und Nachfragekurven, und das Engelsche Gesetz, die bis heute wesentliche Bestandteile der Lehre in den Wirtschaftswissenschaften sind. Aus diesem großen Bereich kann nun die Konsumökonomik abgegrenzt werden, wie im folgenden Kapitel kurz erläutert wird.

3 Konsumökonomik bzw. Consumer Economics

3.1 Abgrenzung und Definition der Konsumökonomik

Die Disziplin Konsumökonomik bzw. Consumer Economics sollte nicht verwechselt werden mit dem größeren Feld der Familienökonomik bzw. Family economics. Denn tatsächlich ist die Konsumökonomik ein Teil der Familienökonomik, der sich hauptsächlich mit der Funktion von Konsumgütern, dem Funktionieren von Märkten, der Verschuldung von Konsumenten, mit Kreditmärkten an sich, mit Verbraucherschutz, Verbraucherpolitik, mit den Entscheidungen der Konsumenten bezüglich der Bereitschaft Geld auszugeben oder zu sparen, sowie der Bildung von Konsumenten beschäftigt. Es werden somit Beziehungen zwischen Konsumenten, die sich z.-B. im sozialen Umfeld der Institution Familie abspielen, ausgegrenzt. Diese Beziehungen werden in der Familienökonomik untersucht, dort spielen dann auch Themen wie z.-B. die Frage wie Arbeitsteilung in der Familie organisiert wird, die Wechselwirkungen zwischen Arbeitsmarkt und Familie, die Einkommensverteilung zwischen den einzelnen Mitgliedern und anderes eine Rolle. Dennoch ist eine scharfe Abgrenzung beider Disziplinen voneinander kaum möglich, die Grenzen sind eher fließend. Deshalb werden oft beide Disziplinen im schulischen Lehrbetrieb in irgendeiner Form verbunden. So findet man z.-B. an Hochschulen oft Lehrstühle, die mit „Consumer and family economics“ bezeichnet werden und deren Lehrveranstaltungen teilweise auch beide Disziplinen miteinander vermischen, was auch nachvollziehbar ist. Betrachtet man etwa Veranstaltungen, die sich mit „family finance“ oder „financial planning“ beschäftigen, dann stellt man fest, dass hier aus beiden Disziplinen viele Bestandteile eingearbeitet werden müssen.[8]

[...]


[1] Vgl. Richarz (1991), S. 18-19.

[2] Aristoteles (1973), S. 61.

[3] Vgl. Richarz (1991), S. 25.

[4] Der Begriff “Oikos” stammt aus dem antiken Griechenland und bezeichnete die Hausgemein­schaft, die den Mittelpunkt des Lebens darstellte. Siehe hierzu auch Richarz (1991), S. 18.

[5] Siehe dazu auch Wohlers (o. J.) sowie Hüther (1988), S. 152-153.

Die im 18. Jahrhundert am weitesten verbreitete Ökonomik ist die von Becher (1704) mit dem Titel „Kluger Hauß-Vater / Verständige Hauß-Mutter“.

[6] Unter den Autoren finden sich Namen wie Vinzenz von Beauvais, Aegidius Romanus und Konrad von Megenberg. Siehe dazu ausführlicher Siegrist et al. (1997), S. 45.

[7] Siehe zum dogmengeschichtlichen Hintergrund Hüther (1988), S. 155.

[8] Vgl. Bryant (1999) S. 313-314.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Consumer Economics und der Konsumökonomik als eigenständige Disziplin
Hochschule
Universität Hohenheim  (Haushalts- und Konsumökonomik)
Veranstaltung
Konsumökonomisches Hauptseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V45979
ISBN (eBook)
9783638432689
ISBN (Buch)
9783640741908
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Arbeit wird die Entstehung und Entwicklung der wissenschaftlichen Disziplin Konsumökonomik, bzw. im amerikanischen Raum der Consumer Economics, aufgezeigt. Die behandelten Unterpunkte sind im Inhaltsverzeichnis ersichtlich.
Schlagworte
Entwicklung, Consumer, Economics, Konsumökonomik, Disziplin, Konsumökonomisches, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Dipl. oec. Patrik Egeler (Autor), 2005, Die Entwicklung der Consumer Economics und der Konsumökonomik als eigenständige Disziplin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45979

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